Glarus - Tödi 3614m


Publiziert von MunggaLoch , 19. September 2008 um 20:48.

Region: Welt » Schweiz » Glarus
Tour Datum: 2 September 2008
Hochtouren Schwierigkeit: WS
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-GL   CH-GR   Tödigruppe   Bifertengruppe 
Aufstieg: 1800 m
Abstieg: 1800 m
Strecke:Punteglias Hütte - nach Seeli links rauf - Fuorcla da Punteglias - Gliems Gletscher - Porta da Gliems - Bifertenfirn - Tödi / Piz Russein - retour
Unterkunftmöglichkeiten:Punteglias Hütte, sehr freundliche Gastgeber und ausgezeichnetes Essen

Aus: der höchste Punkt von jedem schweizer Kanton... von www.MunggaLoch.ch...

Ja ich weiss, dieser Bericht hat auch etwas länger gedauert. Aber es ist wie sonst im Leben auch bei vielen Dingen. Gute Sachen brauchen Zeit... So auch die Vorbereitung. Der Tödi stand schon ein paar Mal auf dem Programm. Aber Petrus mag den Tödi wohl nicht. Oder er mochte uns bis anhin nicht oben ;-)

Berg
Der Tödi ist natürlich ein Mythos von einem Berg. Wer hat ihn noch nie gesehen? Wohl die Wenigsten, einige wohl ohne zu wissen. Man sieht den Tödi von weit herum und er ist sehr markant für seinen breiten Gipfel, der eigentlich aus drei einzelnen Gipfel besteht: Glarner Tödi, Sandgipfel und dem höchsten, dem Piz Russein. Über die Herkunft des Namen Tödi gibt es verschiedene Varianten. Eine ist, dass es vom Wort "töten" käme. So nach dem Motto "er töt Di". Die schönere und wohl auch treffendere kommt vom Wort "Öde". So wirklich fruchtbar ist die Gegend oben auch nicht ;-) Die Version von "Öde" könnte so entstanden sein, dass jemand gesagt habe, er ginge in die Öde, was in Dialekt etwa wie "in t'Ödi gah" tönte.... Der Tödi stand also schon länger auf unserer Liste. Aber es musste halt schon etwas sehr schön sein, damit es sich lohnt. Und jetzt hat es endlich mal geklappt. Rückwirkend war zwar der Wetterbericht besser als das Wetter selber, aber es hat gereicht... Auf unserer Tour sah man den Berg nie so markant, weil wir zu Nahe waren. Obwohl man ihn von überall sieht, musste ich lange suchen, bis ich in meinem eigenen Archiv ;-) Fotos von ihm gefunden habe.

Route
Am Montag fuhren wir bei wechselhaftem Wetter ins bündner Oberland. Für uns war klar, dass wir den Tödi von Graubünden aus besteigen. Die Route ist zwar länger, aber nicht so "gefährlich" wie vom Glarnerland aus.
Mit dem Auto kann man nach Trun, dann nach Schlans und weiter auf die Alp Schlans fahren. Die Strasse auf die Alp Schlans ist gebührenpflichtig und kostet 7 Franken. Kurz nach Schlans, wenn man den Bach das zweite mal überquert gibt es einen Briefkasten, wo man das Geld einwerfen und die Quittung hinter die Scheibe legen muss. Tipp: Geld passend dabei haben ;-) Und ein Couvert dabei haben. Als wir dort waren, hatte es keine und wir mussten uns eins basteln ;-)
Von der Alp Schlans gehts dann auf einem Höhenweg auf die Alp da Punteglias. Und von dort ziemlich steil rauf zur Punteglias Hütte.
Auf Empfehlung von Fritz (Hüttenwart) war um 3 Uhr Frühstück und danach Abmarsch. Zuerst gehts etwas flach ins Tal rein. Trotz stockdunkler Nacht fanden wir den Weg ausgezeichnet. Bei zwei wichtigen Punkten sind je eine Solarlampe postiert. Die erste Lampe bei einer Brücke etwas hinter der Hütte, die zweite an der Stelle, wo man links rauf gegen die Fuorcla da Punteglias laufen muss.
So geht es steil rauf zu diesem Pass. Auf diesem Teilstück wurde es langsam etwas heller. Hinten muss man leider wieder etwas runter und dann rüber zum Gliemsgletscher. Hier war es dann ganz hell und man sah an den Bergspitzen die Sonne aufgehen. Wir wurden noch nicht stark geblendet, denn über dem Gliemsgletscher hielt sich das Nebel- und Wolkengemisch hartnäckig.
An diesem Morgen sind bei der Hütte sieben Personen auf den Tödi gestartet. Ein Bergführer mit zwei Gästen vorneweg. Die sahen wir dann auch nur noch ab und zu, konnten aber gut sehen, wo die durchgelaufen sind. Wir vier restlichen beschlossen, eine gemeinsame Seilschaft zu machen, was sich als sehr guter Entscheid herausstellte!
So suchten wir zu viert den bessten Weg zwischen den Spalten durch über den Gletscher rauf. Dieser Gletscher war aber nicht das grösste Problem. Kurz vor der Porta da Gliems gibt es noch eine etwa 100m lange Stelle, die man klettern muss. Es hat jedoch eine fest montierte Kette, die einem extrem hilft. Ebenfalls hilft ein Helm, denn nicht nur die selber losgelösten Steinchen treffen auf die Köpfe der hinten laufenden Kammeraden, sondern auch von oben können immer wieder kleine Steinschläge kommen.
Auf der Porta da Gliems überschreiten wir dann auch die Kantonsgrenze von Graubünden nach Glarus. Und was ist das da, das über meine Wange kullert? Eine Träne? Nein, ein so fester Heimwehbündner bin ich nun auch wieder nicht ;-) Dann wird es wohl ein Schweisstropfen sein, denn dieses Stück war doch recht intensiv. Aber ich meine, es kann gar kein Tropfen sein. Denn es ging so ein kalter und starker Wind, der jeden Tropfen gefrieren liess...
Ab diesem Punkt waren wir richtig froh, dass der Bergführer vor uns lief. Denn ohne Spuren hätte ich hier umkehren müssen. Der Bifertenfirn ist sehr spaltenreich und nicht zu unterschätzen. Zuerst geht es von hier ein paar Höhenmeter runter, immer schön um die Gletscherspalten herum. So folgten wir immer schön der Spur der Vorgänger.
Kurz vor dem Gipfel wurde es noch recht steil, aber wir erreichten den Gipfel "glücklich und zufrieden".
Der Runterweg war praktisch über die gleiche Route. Oben halt sowieso wieder den Spuren nach. Da waren wir froh, dass wir am Morgen früh aufgebrochen waren. Denn der Schnee wurde immer weicher. Und fast jeder von unserer kleinen Gruppe hat mal den erschreckenden Moment, mit einem Fuss in eine Gletscherspalte eingesunken zu sein. Das tönt jetzt viel schlimmer als es ist, denn diese Spalten waren so klein, dass man da nicht meterweise einbrechen hätte können.
Der ganze Rückweg ging recht gut und viel schneller als der Weg hinauf. Um 15 Uhr erreichten wir wieder die Puntegliashütte und freuten uns über ein kühles Panache...

Gipfel
Wie schon geschrieben, besteht der Gipfel des Tödis aus drei einzelnen Gipfeln. Wir begnügten uns mit dem höchsten, dem Piz Russein. Der Glarner Tödi wäre auch noch gegangen, aber der Sandgipfel lag nicht gerade am Weg. Ein Gipfelfoto zu viert, also die ganze Seilschaft, gibt es nicht. Es war doch recht windig und ich mochte nicht das ganze Selbstauslöserzeugs mit den kalten Fingern aufbauen...

Aussicht
Die Aussicht war etwa wie auf den Fotos... Nicht ganz so berauschend wie auf anderen Bergen. Also ich glaube, die Aussicht wäre schon toll gewesen. Aber es zogen halt immer so Nebelschwaden umher!

Besonderes
- Mit Thomas und Werner haben wir hier zwei feine Kerle kennengelernt. Danke für die coole Tour!
- Die Punteglias Hütte kann ich wärmstens empfehlen. Die sehr schöne Lage und von allem die tollen Beherbergung mit dem super Essen rundeten eine gelungen Tour ab!
- Es war eine lange und nicht zu unterschätzende Tour. Und wir waren froh, mussten wir nach der Tour nicht mehr von der Hütte zurück zum Auto und nach Hause sondern konnten nochmals eine Nacht in der Hütte bleiben!
- Die GPS Daten dieser Tour könnten bei mir nachgefragt werden.
- Beim Runterlaufen am nächsten Tag ist mir noch etwas ganz komisches passiert. Wir sahen eine mir völlig unbekannte Pflanze (siehe Fotos). Und diese Pflanze muss sehr giftig sein. Beim wiederholten Berühren der Früchte bekamen die Hände einen Ausschlag der sehr schwierig wieder weg zu waschen war. Und auch rund um den Mund gab es komische Verfärbungen... Herrlich... ;-)


Tourengänger: MunggaLoch, Elju

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Geodaten
 3125.xol Tödi

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Kommentare (2)


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whannes hat gesagt: Wetter
Gesendet am 20. September 2008 um 15:25
Da hattet ihr auf jeden Fall wesentlich besseres Wetter/Weitsicht als wir am nächsten Tag. Da gabs nämlich ausser Nebel kaum etwas zu sehen :-(

MunggaLoch hat gesagt: RE:Wetter
Gesendet am 21. September 2008 um 17:51
So cool... Die hikr-Welt ist schon klein! ;-) Ja, wir wollten am nächsten Tag noch auf den La Posta Biala, aber eben, das Wetter überzeugte uns auch nicht...


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