Wildes Mannle (3019m) & Urkundholm (3134m) - Vorposten der Wildspitze


Publiziert von Fabse_94 , 4. September 2013 um 22:55.

Region: Welt » Österreich » Zentrale Ostalpen » Ötztaler Alpen
Tour Datum:30 August 2013
Wandern Schwierigkeit: T4- - Alpinwandern
Klettern Schwierigkeit: I (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: A 
Zeitbedarf: 6:00
Aufstieg: 1070 m
Abstieg: 1540 m
Strecke:Stablein-Alm - Wildes Mannle - Rofenkar - Breslauer Hütte - Urkundholm - Breslauer Hütte - Rofenhöfe - Vent [ca. 10,5 km]
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Von Zwieselstein auf guter Straße (zurzeit aber 2 Baustellen) nach Vent ins hinterste Ötztal
Zufahrt zum Ankunftspunkt:Kostenpflichtige Parkplätze entweder an der Talstation des Sesselliftes oder am Ortsanfang
Unterkunftmöglichkeiten:Breslauer Hütte
Kartennummer:Kompass Nr. 43 Ötztaler Alpen

Für heute stand eine Rundtour vom Wilden Mannle zum Urkundholm auf dem Plan - es sollte also das erste Mal über die magische 3000-Meter-Grenze gehen, eine "Expedition in unbekanntes Terrain" also.
Zu den Gipfeln: das Wilde Mannle und der Urkundholm sind zwar Berge mit einer doch recht stolzen Höhe, aufgrund der höheren Nachbarn wie Vorderer und Hinterer Brochkogel, Ötztaler Urkund und natürlich Wildspitze aber bloß zwei "Hügel". Sie bieten aber gerade wegen der geringeren Höhe einen eindrucksvollen Blick auf die oben genannten höheren Nachbarberge und vor auf das umliegende Gipfelrund der Ötztaler Alpen.
Vor allem auf dem Wilden Mannle - ein klassischer Ötztaler Einstiegs-Dreitausender -, das mit einem interessanten An- und Abstieg aufwarten kann, ist aufgrund der guten Zugänglichkeit (Sessellift) jede Menge los.


Die ersten 460 Höhenmeter schaukelten wir mit dem Sessellift von Vent zur Stablein-Alm (2356m) hinauf (Schande über uns!), denn die Erkältung war noch immer nicht ganz abgeklungen und für 1550 Höhenmeter fühlte ich mich noch nicht fit genug. Von der Bergstation läuft man auf einem breiten, mäßig steilen Weg über die Wiesenflächen etwa 200 Höhenmeter aufwärts bis zu einer Wegverzweigung. Hier nun rechts über die Hänge hinauf bis zu einer Geländeschulter mit Wegweiser auf etwa 2820m Höhe. Wenn man links gehen würde, würde man über das Rofenkar zur Breslauer Hütte gelangen. Wir stiegen geradeaus weiter Richtung Wildes Mannle, die letzten Minuten über steileres Blockwerk, bei dem man hier und da mal die Hände zu Hilfe nehmen kann. Nach 1:20 Stunden war es soweit: wir standen auf dem Gipfel des Wilden Mannle (3019m), die magische Grenze war überschritten, der erste Dreitausender war gepackt. Auf diesem Berg ist aufgrund der guten und schnellen Erreichbarkeit (Sessellift) und der interessaten An- bzw. Abstiege recht viel los.
Wenn man wie wir die Überschreitung macht und über den "Rofenkarsteig" absteigen will, folgt man den Steinmännern über den blockreichen Nordgrat des Wilden Mannle, bis der Steig jäh links abbiegt und über eine steile, drahtseilgesicherte Stufe mit festem Fels zur Moräne des ehemaligen Gletschers hinab leitet. Die Stelle ist nicht anspruchsvoll, eine gewisse Schwindelfreiheit und Gewandtheit sollte man allerdings besitzen.
Auf der Moräne wandert man einige Meter nach unten, bis sich der Steig verzweigt. Geradeaus würde es zurück zur vorhin erwähnten Geländeschulter gehen, wir zweigten nach rechts ab, wobei man mit etwas Höhenverlust zu einem kleine See unter dem mittlerweile arg geschrumpften Eisbruch des Rofenkarferners und zu einer weiteren Moräne kommt. Hier wieder rechts bergan; nachdem der Hang gequert ist, trifft man auf die Breslauer Hütte (2844m; 40 Minuten vom Wilden Mannle).
Da auf der Hütte recht viel los war, gingen wir ohne Zwischenpause gleich weiter zum Urkundholm (3134m), dem "Hausberg" der Hütte, der in einer guten halben Stunde über leichtes, oben frisch verschneites Blockgelände erreicht werden kann. Auf dem Gipfel war zu unserem Glück nichts los, und so konnten wir das Panorama in Ruhe genießen. Der Urkundholm wird weit weniger bestiegen als das Wilde Mannle, aus einem einfachen Grund: Die Bergstation des Liftes ist weiter entfernt. Stattdessen dient er vielen Wildspitz-Besteigern als Nachmittagsbeschäftigung für den ersten Tag.
Zurück an der Hütte, gönnten wir uns erstmal ein kühles Getränk und lauschten den Geschichten der Bergsteiger, die noch vor wenigen Stunden auf Ötztals höchstem Gipfel standen.
Abgestiegen sind wir auf dem Hüttenweg Richtung Stablein-Alm bis zu einer Brücke im unteren Rofenkar, wo wir rechts abgebogen sind. Der Steig führt zuerst über mäßig steile Hänge neben einer Schlucht bergab und verliert dann in zahllosen Kehren an Höhe, bis er auf 2011m Höhe auf die Rofenhöfe trifft.
Auf der südlichen Seite der Höfe überquert man die Hängebrücke und spaziert auf dem Skulpturenweg in einer halben Stunde taleinwärts nach Vent; alternativ könnte man auch auf der Straße zurücklaufen, ist aber weniger schön.

Schwierigkeiten:
Von Stablein auf's Wilde Mannle: T3+, I (Blockgelände)
Vom Wilden Mannle zur Breslauer Hütte: T4-, I (kurze Stelle am Rofenkarsteig, sonst T3)
Von der Hütte auf den Urkundholm: T3 (Blockgelände, etwas schmieriger Steig)
Von der Hütte zu den Rofenhöfen: T2 (normaler Bergsteig)
Von den Rofenhöfen nach Vent: T1 (breiter Fußweg)


Fazit:
Auf einer ****-Rundtour mit teilweise umwerfenden Nah- und Fernblick auf die Ötztaler Fels- und Gletscherriesen habe ich meine ersten zwei Dreitausender eingesackt. Das Wilde Mannle ist der anstiegstechnisch etwas anspruchsvollere, und somit etwas spannendere und überlaufenere Gipfel, am Urkundholm kann man dafür seine Ruhe haben (Betonung auf kann). Das früher oft gerühmte Highlight der Tour, der Blick zum nahen Eisbruch des Rofenkarferners, kann leider nicht mehr als solches bezeichnet werden, da der Gletscher schon so weit abgeschmolzen ist, dass der Eisbruch praktisch nicht mehr existiert.

Tourengänger: Fabse_94


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Kommentare (2)


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Hade hat gesagt:
Gesendet am 11. September 2013 um 15:37
Da hast du ja eine Reihe schöner Bergtouren im Uraub gemacht! Gratulation auch zum ersten 3000er. Ich bin leider nur zweimal durch die Alpen durchgefahren...

Fabse_94 hat gesagt: RE:
Gesendet am 11. September 2013 um 22:53
Danke! Das Wetter war zwar net gerade perfekt, aber wir haben das Beste draus gemacht denk ich ;)


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