Vom Selun zum Leistchamm


Publiziert von Daenu , 3. Juli 2012 um 22:15.

Region: Welt » Schweiz » St.Gallen
Tour Datum:30 Juni 2012
Wandern Schwierigkeit: T5 - anspruchsvolles Alpinwandern
Klettern Schwierigkeit: II (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-SG   Churfirsten 
Aufstieg: 2100 m
Abstieg: 1700 m
Kartennummer:1134

Der Juni neigt sich dem Ende zu. Höchste Zeit, meine Vorbereitungsaufgaben für unsere geplante Churfirsten-Überschreitung zu erledigen. Mir ist nicht wohl beim Gedanken, den Selun auf meiner im 2011 rekognoszierten Route zu besteigen. Irgendwo muss es noch eine andere Route geben, die – laut Beschrieb – mit farbigen Punkten markiert ist. Diese zu finden ist mein primäres Ziel am heutigen Tag.
 
Selun Ostgipfel (2165m) – T4-
Ich beginne in Starkenbach und steige auf dem Wanderweg über Strichboden – Breitenalp – Torloch bis zur kleinen Ebene unterhalb des Frümsel auf (P.1904). Hier studiere und fotografiere ich ausgiebig die Ostflanke des Selun. Ich beschliesse, meine Suche ganz auf der linken Seite der Flanke zu beginnen – schliesslich war ich noch nie auf dem Selun Ostgipfel. Ich folge dem Schneefeld bis zu einer Felswand, quere dort zwischen Fels und Schnee zu einer Grasrinne, folge dieser ungefähr bis zur Mitte, dann weiche ich auf den rauen Kalk auf der linken Seite aus. Die Gämsen beäugen mich misstrauisch. Auf dem Grat angekommen folge ich diesem nach links bis auf den Ostgipfel des Selun. Ist der Grat hinüber zum Selun wohl begehbar? Ich gehe auf dem Grat zurück bis zu der Stelle, wo ich ihn beim Aufstieg erreicht habe und steige einige Meter gegen den „Rasengupf“ auf. Nach intensivem Fotostudium komme ich zum Schluss, dass ein felsiger Aufschwung wohl den Zugang verwehrt, daher breche ich diesen Versuch ab.
 
Selun (2204m) – T4
Ich steige links (W) der Felsrippe zu einem Schneefeld ab, quere unter diesem durch und steige über ein breites Grasband auf eine höher gelegene Rampe auf. Dieser folge ich ca. 20m zu einem weiteren Schneefeld, dann steige ich rechts davon zu einer weiteren Rampe auf. Hier treffe ich auf die ersehnten orangen und roten Punkte, das ist also die gesuchte Rinne! Beim letzten Versuch war ich ein gutes Stück zu hoch :-). Ich steige in der Rinne zum Grat hoch, dort mache ich einen kurzen Abstecher zu einem Nebengipfel, um mir den besagten felsigen Aufschwung von oben anzusehen. Mir scheint, dass die Stelle zu überwinden wäre (ca. 5m, II ?). Ich gehe zurück zum Ausstieg aus der Rinne, quere einige Meter nach links in die S-Flanke des Selun, dann steige ich durch eine Grasrinne zum Gipfel hoch. Geschafft, diese Route werden wir am 11.8. benutzen.
 
Wart (2068m) – T4-
Vom Strichboden aus habe ich bereits den Gratverlauf vom Selun zum Wart begutachtet. Der Grat scheint nicht durchgehend begehbar, man kann jedoch gegen N ausweichen. Ich folge dem Grat hinunter in Richtung P.2006, bis ich kurz vor diesem oberhalb einer Felsstufe stehe. Hier geht es definitiv nicht weiter, es sei denn, man hätte ein Seil dabei. Eine Abseilstelle ist vorhanden, wobei die alten Bandschlingen nicht sehr vertrauenerweckend aussehen. Ich umgehe die Felsstufe im Norden, gelange auf ein Blockfeld und quere oberhalb des grossen Felsens hinüber zum Wart. Diesen besteige ich auf einer relativ breiten, aber mit Blacken bewachsenen Rampe – eine echte „Blackerei“. Man sieht nicht, wohin man den Fuss setzt, dafür kann man sich recht gut an den Blacken festhalten.
 
Gocht – T2
Vom Gipfel des Wart gehe ich die paar Meter hinüber zum Kreuz, dann wende ich mich etwas gegen rechts, steige über die Rasenhänge ab und quere hinüber zum Tisch. Etwas weiter stosse ich auf ein Strässchen, folge diesem an einer Alp vorbei bis zur scharfen Rechtskurve, dann quere ich durch Weide und Alpenrosen hinüber zum Wanderweg, den ich auf ca. 1780m bei einer Doline erreiche. Auf dem Wanderweg gelange ich zu P.1830 und unterhalb der Osthänge des Glattchamm vorbei zur Gocht.
 
Vorder Leistchamm (2098m) – T4
Beim Passübergang steige ich mehr oder weniger direkt an der Kante den Hang hoch. Zuerst über Rasen und durch Alpenrosen, dann über eine kurze und gutgriffige Felsstufe. Bald darauf stehe ich beim Steinmann auf dem Vorder Leistchamm. Der Blick hinüber zum Mittler Leistchamm lässt leichte Zweifel aufkommen, ob ich den wirklich besteigen kann. Aber da ist ja noch der Glattchamm :-).
 
Glattchamm (2080m) – T5, II
Beim Anblick des Glattchamm von S macht es nicht den Anschein, dass man als Wanderer dort hinauf kommt. Dank der Beschreibungen von delta, marmotta und 360 weiss ich, dass es auf der W-Seite eine Rinne mit Fixseil gibt. Über P.2084 und den Grat gelange ich zum Fusse des Gipfelaufschwungs und diesem Entlang zum Einstieg in die besagte Rinne. Die grösste Schwierigkeit auf diesem Abschnitt ist das Vermeiden der Brennesseln – vor allem wenn man ausnahmsweise mit kurzen Hosen unterwegs ist. Das steilste Stück in der Rinne lässt sich mit Hilfe des Seils problemlos überwinden, ohne dieses würde man die Stelle wohl einige Meter rechts davon umgehen. Am Ende des Seils quere ich über Grasbüschel und Bänder hinauf auf den Rücken und steige über diesen zum Gipfel auf. Der Abstieg erfolgt auf der gleichen Route, wobei besonders bei Nässe etwas Vorsicht gefordert ist.
 
Mittler Leistchamm (2096m) – T5-, I-II
Vom Glattchamm hat man eine gute Sicht auf den weiteren Verlauf der Tour. Das Foto von 360 mit den eingezeichneten Routen hilft mir sehr bei der Routenwahl. Ich versuche, die Rasenhänge direkt hinüber zum Einstieg zu queren, muss aber wegen zwei Felsbändern gegen oben ausweichen. Vermutlich ist es einfacher, die Variante über P.2084 zu benutzen. Über Geröll und Gras gelange ich zu Felsstufe und Band, der Schlüsselstelle des Aufstiegs. Mit Hilfe der guten Tritte und Griffe lässt sich die Stelle gut überwinden, über Wegspuren gelange ich zur Grasflanke und über diese zum Gipfel. Eine Schrecksekunde beim Abstieg: Als ich in der Querung des Bandes einen robust aussehenden Griff belaste, bricht dieser aus – zwei tellergrosse Steine sausen in die Tiefe. Glücklicherweise ist ausser mir niemand unterwegs… Ich würde den Aufstieg ebenfalls als T5- einschätzen – jetzt mit einem Griff weniger erst recht ;-)
 
Leistchamm (2101m) – T4+
Ich steige auf einem Grasband ab und quere unterhalb der Felswand auf die W-Seite des Mittler Leistchamm. Nach einem Schneefeld geht es nach links in eine Scharte hoch, dann auf deren rechter Seite über eine kurze Felsstufe. Anschliessend steige ich über die Grashänge hoch zum Gipfel, die folgende Felsstufe lässt sich rechts (N) umgehen. Ich bin überrascht, dass ich alleine auf dem Gipfel stehe – wahrscheinlich ist es heute etwas zu warm :-).
 
Arvenbüel – T2
Nach einer gemütlichen Rast steige ich auf dem Wanderweg über P.1663 und die Alp Looch nach Arvenbüel ab.
 
Fazit: Eine interessante Wanderung mit einigen schönen Gipfelbesteigungen, nun habe ich meine Gipfelsammlung zwischen Chäserrugg und Leistchamm komplett.

Tourengänger: Daenu


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