Projekt Explo2009 - Mit dem Belgischen HöFo-Expedkader im Durmitor


Publiziert von Elminster , 12. Mai 2012 um 21:07.

Region: Welt » Montenegro (Crna Gora) » Durmitor
Tour Datum:18 August 2009
Wandern Schwierigkeit: T3+ - anspruchsvolles Bergwandern
Klettern Schwierigkeit: V (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: MNE 
Zeitbedarf: 13 Tage
Aufstieg: 500 m
Abstieg: 500 m

Projekt Explo2009

Mit dem Belgischen Höhlenforschungs-Expeditionskader im Durmitor Massiv (Montenegro)

Durch die Lange Isolierung Jugoslawiens unter dem Tito-Regime und dem folgenden Balkankonflikt konnte bisher eines der großen europäischen Karstmassive im Vergleich zu anderen Kalkgebieten nur wenig erforscht werden. Zwei Jahre zuvor hatte der belgische Dachverband (UBS) in Zusammenarbeit mit Serbischen und Luxemburgischen Speläologen und der Montenegrinischen Nationalparkleitung mit der Planung begonnen. Nach einer Aufklärungsexpedition 2008 um die Gegebenheiten vor Ort zu ermitteln wurde dann ein Jahr später die  fünfwöchige Expedition gestartet mit dem Ziel neue Höhlen zu finden, diese zu erforschen und zu Kartographieren.

Für meinen Teil startete das Vorhaben am 18. Juli in Luxemburg zusammen mit Rosch und Laurent. Mit der Luxair flogen wir nach Dubrovnik wo wir übernachteten um am nächsten Tag mit dem Mietwagen über die „neu“ aufgebauten Grenzen erst nach Bosnien und schließlich nach Montenegro zu gelangen. Bis in den Durmitor Nationalpark war es ein gutes Stück zu fahren und wir hingen uns soweit es ging an Einheimische dran die genau wussten wo die fast unsichtbaren Bodenwellen und Schlaglöcher waren. Am Abend trafen wir endlich in Zabliac der letzten Ortschaft vor dem Basislager ein. Wir übernachteten in einem 2 Sterne Hotel aus der Tito-Ära - denn hier war damals das Wintersportgebiet der Führungselite. Von außen Plattenbau und von innen eine Zeitreise in die kommunistischen 60ger Jahre… ich kannte so etwas nur aus Filmen! Durch den Balkon konnten wir durgucken aber es gab Betten auf denen wir gut schliefen. Am nächsten Morgen gab es ein üppiges Frühstück mit allem Drum und Dran mit Ausnahme des Cafés der aus Ersatz bestand… wie in den Kriegsgeschichten meiner Großmutter. Die Szenen der lokalen Landwirtschaft erinnern oftmals an Bilder der Alpen der 30ger Jahre. Dennoch blieb der Kulturshock aus. Die Menschen vor Ort waren alle sehr liebenswürdig auch wenn viele Konzepte der postumen Ära noch stark spürbar waren (bei denen wir oftmals schmunzeln mussten). Prägend war auch die Hilfsbereitschaft die wir überall erfuhren die wir dann auch gerne weitergaben… dafür genügte dann auch meist nur ein lächeln und irgendwie hat man sich dann schon verständigt. Überraschend für uns war auch das Gesundheitssystem das wir nach einem kleineren Unfall unter Tage zwei Tage später in Anspruch nehmen mussten. Eine Wunde musste genäht werden und da es unserem Sani etwas zu heikel war, fuhren wir mit einem etwas mulmigen Gefühl ins nächste Krankenhaus. Anästhesie gab es nicht, aber dafür einen kompetenten Arzt, der die wunde nach allen Regeln der Kunst nähte und versorgte, zudem noch kostenlos denn medizinische Versorgung ist ein Bürgerrecht und Staatssache!

Am 20. Fuhren wir die sstraße hinauf bis zum Parkplatz am Sedlo-Pass von dem aus wir in die Berge starteten. Gut zwei Kilometer Luftlinie und einige alpine Höhenmeter weiter erreichten wir schließlich das Basiscamp in dem uns ein Teil des Teams schon erwartete. Am Nachmittag sollten dann noch Medy, Jean Marc und Co mit dem Auto und mehr Material ankommen… das es hochzuschleppen galt. Mit 3 Tagen und 8 Ländern war die Reise mit dem Auto etwas aufwendiger als der Flug, dennoch aus transportgründen unverzichtbar. In der Zwischenzeit bauten wir unsere Zelte auf und liefen am Nachmittag noch einmal zum Parkplatz um die restlichen 35 kg Material/pp irgendwie den Berg raufzukriegen.  
Am Abend trudelten langsam die verschiedenen Teams wieder ein und berichteten über die aktuelle Lage. Die bisher tiefste Höhle (Pecina sa ledom pod Bandijerne) lag bei 140 m tiefe (die Tiefe bezeichnet immer die vertikale Tiefe sprich die reinen Höhenmeter nach unten ab der starthöhe) und nebenbei waren ein paar kleinere Löcher mit 30 m Tiefe gefunden worden, zudem eins bei dem 40 m Seil nicht ausgereicht hatten. Die Ziele für nächsten Tag wurden definiert, unter anderem mit mehr Seil zu Letzterem noch zurückkehren, dieses zu Topographieren und die umliegenden Schächte noch zu erkunden. Eine große Öffnung war zudem mitten in einer Steilwand gesichtet worden und es wurde festgelegt, dass zwei Tage später der Versuch gestartet werden sollte eine Route durch diese Wand zu finden.

Der 21. begann wie jeder Tag mit einem ausgiebigen Frühstück gefolgt von 1 St. Marsch bis zu unserem Ziel am Fuße des Bobotov Kuks (dem höchsten Berg der Massivs). Während ein Team die Bandijerna Höhle weiter erkundete, und nach einiger Verbreiterungsarbeit bis zu einer Kaskade vorstieß, schafften wir es bis auf 64 m Tiefe. Leider trafen wir am Ende des Schachtes nur auf Steine und Erde, am Boden fanden wir Skelettreste eines Nagers der von der Größe her etwa einem Siebenschläfer entsprechen dürfte. Nachdem wir den Schacht schnell Kartographiert hatten und wieder an der Oberfläche waren, durften wir einer großen Gamsherde zuschauen wie einfach doch das klettern geht. Wir erkundeten das Gebiet noch etwas weiter ohne jedoch irgendetwas wirklich Interessantes zu finden. Am Abend kehrten wir wieder zu unserem Basislager zurück und im großen Gemeinschaftszelt wurde gekocht, gegessen und die Pläne für den nächsten Tag geschmiedet.

Der 22. begann für mich um 7:30 Uhr mit Geschirr spülen in eiskaltem Wasser (sämtliche Quellen werden von Schneefeldern gespeist) dicht gefolgt von einem gemeinsamen Frühstück, einer kurzen Katzenwäsche im Schnee die für den genügenden Wachheitsgrad sorgte und der Materialvorbereitung. Camelots, Klemmkeile und genug Bandschlingen als mobiles Sicherungsmaterial und zudem noch eine kurze Einführung in das Bohrhaken setzen. Danach ging es gemütlich, Pierres Tempo folgend, Richtung Berg - sprich ein Gewaltmarsch wie immer. Von weitem hatte ich mir eine Linie ausgeschaut die möglicherweise gehen würde. Nach einem Schuttfeld folgte ein Aufstieg von 30-40 m im zweiten bis dritten Grad. Dort bauten wir einen rudimentären Stand mit einem Bohrhaken und einem Klemmkeil und starteten die nächsten 20 m im vierten Grad bis zu einem kleinen Vorsprung. Dort fanden wir einen 20 × 50 cm breites Loch mit einem starken Zug – leider passten wir nicht durch! Nach einem Bohrhaken für die Psyche ging's nochmal 5 m weiter bis zu einer Querung von 6 m im fünften Grad die nur mäßig mit Friends und Klemmkeilen abgesichert werden konnte. Auf dem letzten Meter gingen dann auch noch die Griffe aus und ich griff blind hinter die Kante und glaubte wieder an Gott als ich einen fetten Henkel in meiner Hand hielt. Als die Schlüsselstelle gemeistert war wurde mit Schlaghaken und Keilen nachgesichert und weiter ging es die letzten 40-50 m im einser bis zweier Gelände. Oben angelangt standen wir auf einmal in einem großen Raum mit etwa 2000 m³ an Volumen in dem verschiedene Schächte in der Decke endeten. Der Raum war kühl, feucht, moosig und durch und durch mit Hasenkot übersät. Leider waren keine Öffnungen im Fels zu finden die uns hätten weiter bringen können. Erfolglos kehrten wir bis zur Schlüsselstelle zurück setzten doch zwei Bohrhaken und Seilten über einen alten Beute-Karabiner ab. Auf dem Rückweg kühlten wir noch ein wenig unsere Beine im naheliegenden kleinen See (Zeleni vir) bevor wir endlich zum Lager aufbrachen. Die anderen Teams waren teilweise erfolgreich gewesen. Nach der Kaskade unserer Haushöhle war leider Schluss aber zumindest war die Kartographie beendet worden. Auf der Rückseite des Berges hatte ein Team neben gekennzeichneten Höhlen (von einer Expedition aus den achtziger Jahren) einen großen Spalt mit einem starken Luftzug entdeckt der sehr vielversprechend ausschaute.

Ziel des 23. war es die Region hinter dem Kamm unter dem wir das Zelt aufgeschlagen hatten weiter zu erforschen. Erst ging es durch steile Schnee- und Schotterfelder bis zum ersten Bergkamm. Von dort weiter im zweiten und dritten Grad ungesichert über die Kante bis zum nächsten Pass. Die Kletterei war zwar einfach und die Strecke zu lang um sie effizient absichern zu können da es sich maßgeblich um eine Querung handelte, dennoch war ich mit diesem Weg nicht ganz glücklich. Auf dem Milosev Tok angekommen, standen wir auch prompt vor einem Bekannten P50 (50m Schacht) der bei vielen Vögeln als Nistplatz sehr beliebt war. Weiter ging es zu einem kleinen See (miloseva Lokva) und dann auf den nächsten Kamm. Nach dem Genuss der fantastischen Sicht ging ein Teil des Teams weiter auf einen nahe liegenden Gipfel (Höhe 2308) und wurde dort auch fündig. Schätzungsweise ein weiterer P 50 der aber aus Seilmangel nicht bis zum Grund erforscht werden konnte. Doch bestand wenig Hoffnung auf eine Weiterführung da der Boden sichtbar war. Nach dem Mittagessen sahen wir von weitem einen weiteren Eingang in der Flanke des Kamms den wir dann am Nachmittag erkundeten. Wir hofften dass die 5 × 6 m breite Öffnung nicht als Bären-Zuhause diente. Aber auch hier hatten wir Pech (naja wir hatten erst einmal glück, dass kein Bär drin wohnte), nach 15 m gab es leider keine Fortführung aber dafür wieder Hasenkot. Danach stiegen wir über steile Wiesen in das Mali Lomni Do ab - von einem anderen Team auf der anderen Seite über Funk geleitet denn das starke Gefälle war von oben nicht einsehbar. Wir kamen auf dem Rückweg auch am  Loch vom Vortag vorbei das die Bezeichnung MLD0109 bekommen hatte und da die Teams noch unter der Erde am Gange waren ließ dies uns Gutes hoffen. Simon nutzte die Gelegenheit im T-Shirt die Teams auf -100 m zu besuchen. 2 Stunden später war er wieder zurück. Die gute Nachricht war wie wir es schon gehofft hatten das das Ende noch nicht in Sicht war. Zurück im Camp hatten Roche und Laurent ihrerseits ein paar interessante Löcher entdeckt die möglicherweise Potenzial haben würden. Da die beiden schon etwas früher zurückgekommen waren liefen sie noch eine Runde zum Parkplatz und kamen jeweils mit gut 30 l Bier zurück… dummerweise war eine der 2l Flaschen auf dem Weg geplatzt und musste in der prallen Augustsonne notgetrunken werden…

Am Morgen des 24. waren wir zu sechs unterwegs die neuen Eingänge im Sektor Ledeni Do zu erkunden. Man muss sich die Expeditionstaktik so vorstellen, dass als erstes einen Sektor auf der Karte (unter Berücksichtigung der geophysischen Gegebenheiten) definiert wird, den ein Team erst mal grob durchkämmt um zu überprüfen ob überhaupt etwas interessantes an Schächten dabei sein könnte. Die möglichen Kandidaten werden dann herausgefiltert und mit GPS markiert. Danach untersucht ein zweites Team mit leichtem Material die ausgewählten Öffnungen und geht in eine Tiefe von maximal 50 m. Ist abzusehen dass die Höhle weiteres Entwicklungspotential hat, ist das nächste Team dafür zuständig mit schwerem Material die Höhle weiter zu erforschen. Nebenbei werden Skizzen angefertigt und die Löcher markiert. Eine präzise Kartographie wird nur bei tieferen Höhlen erstellt da diese mit relativ viel Aufwand verbunden ist. Wir befanden uns also in Phase zwei der Erkundung und schauten uns die erste Höhle an, die sich leider als Schneeloch entpuppte uns bei -50 m aufhörte. Das zweite Loch musste erst erweitert werden um danach in zwei parallelen Zwanzigmeterschächten das Ende zu finden. Der dritte Versuch war weitaus interessanter denn das Loch hatte einen starken Luftzug (was auf ein komplexeres Schachtsystem hoffen lässt) dummerweise versperrte ein riesiger Steinblock den Eingang. Wir befestigt unsere Seile um den Block und schafften es mit sechs Mann diesen ins Tal rollen zu lassen. Die Höhle war ein ziemliches Chaos mit kleinen Gängen die sich in 40 m Tiefe weiter fortführten. Leider wirkte der Boden höchst instabil und obwohl wir eine Weiterführung sehen konnten war es einfach zu gefährlich um dort die Befahrung fortzusetzen. Wir beendeten die Oberflächen-Kartographie des gesamten Sektors und kehrten mit der untergehenden Sonne Heim. Die anderen Teams waren an diesem Tag erfolgreich gewesen, das neue Team „Valovitido“ hatte am Bobotov quasi auf Höhe des Passes in einer Bergflanke eine Öffnung gefunden die wegen Seilmangel nicht weiter erforscht werden konnte Bezeichnung VA0109. MLD0109 konnte bis -160 m erforscht werden und ein Ende war noch nicht in Sicht.

Der 25. startete mit dem Aufstieg bis zum Pass des Bobotovs. 300 Höhenmeter in 30 min mit kompletter Ausrüstung machten den Engländern die uns stöhnend zu sahen als wir sie überholten mehr zu schaffen als unserem durch Pierre geleiteten „Fremdenlegionärs-“ Team. O.k. die müssen uns für ziemlich verrückt gehalten haben. Oben angekommen ging es dann 100 m runter um den Berg rum und die Kletterei, voll behangen mit Zusatzmaterial, machte keinen Spaß. Der Abstieg über ein steiles Geröllfeld, ein Schneefeld und das alpine klettern im zweiten bis dritten Grad brachte uns auf einen kleinen Kamm hinter dem es 300 m gerade nach unten ging. Wir installierten gut 40 m Fixseil für eine Traverse auf die bei der ersten Befahrung aus Seil-Spargründen verzichtet wurde. Weiter ging's dann in die Dunkelheit, ein paar Seile hinunter bis zur ersten Verengung die Breiter geschlagen werden musste. Dort fing ich mir dann auch noch einen Splitter im Auge ein... Von dort aus weiter bis zur nächsten Verengung, eine 10 m lange Diaklasis bei der selbst ich meinen Gurt ausziehen musste um nirgends stecken zu bleiben. Ein paar kleine Seillängen weiter durch einen Saal kamen wir an einem schiefen Abgrund an, an dem wir nach und nach manuell Bohrhaken setzten und uns langsam nach unten Kämpften. Unten angekommen standen wir am Rand eines P 45 ohne Seil. So machten wir uns auf den Weg zurück mit der Sicherheit zumindest bis auf -120 zu kommen, gepaart mit starkem Luftzug und immer breiter werdenden Gängen. Der Rückweg bis an die Oberfläche dauerte eine gute Stunde und der Abstieg bis zum Basiscamp nochmal anderthalb. Viel später kam dann auch das andere Team zum Lager zurück dass es bis auf -250 geschafft hatte. Zur Feier des Tagesmachte Jean-Marc sein berühmtes Calvados Frappé (für vier Personen braucht man Vanilleeis, sechs Löffel Puderzucker, vier Löffel Creme fraîche und 4-8 Löffel Calvados... das Ganze mixen, et voila!).

Nach den Anstrengungen der Vortage war am 26. ein Ruhetag angesetzt und wir nutzten diesen um einen Ausflug in die nahe gelegene Taraschlucht zu machen. Vor Ort kamen wir in den Genuss lokaler Speisen und schlugen auf dem Rückweg einen Schlenker um an den schwarzen Seen im Tal auf der Rückseite des Bobotovs vorbeizuschauen. Dieser dürfte einer der Endpunkte des Karstsystems sein. Obwohl die Erforschung des Hydrologischen Systems schon Jahre andauert steht immer noch ein konkretes Modell aus, da die Resultate verschiedener Färbungs-Experimente nicht wiederholbar sind. Als wir abends zurückkamen, wir hatten zudem noch ein wenig eingekauft, insbesondere der Slibowitz wurde mit Kuss-Hand empfangen, hörten wir gespannt den Neuigkeiten des Tages zu. Der Tag war nur zur Hälfte erfolgreich gewesen: Das Loch im MLD war weiter erforscht worden und ging mit einem P 45 weiter. Nebenbei wurden noch zusätzliche Bohrhaken gesetzt um die Sicherungskette zu verbessern. Das Loch am Bobotov (VA01019) endete leider nach dem letzten Schacht im Geröll das durch den Zusammenbruch einer instabilen Zwischenschicht im Kalk verursacht worden war.

Am nächsten Tag, dem 27. ging es zusammen mit Simon los um das Material aus dem Valovitido zu Bergen. Insgesamt sollten wir 2 Stunden brauchen und hatten mit Laurent und Roche ausgemacht ab 5:00 Uhr den Funk wieder einzuschalten um einen Treffpunkt auszumachen da sie uns tragen helfen wollten. Wir kamen relativ schnell voran und versuchten nach dem letzten Schacht noch einen Weg weiter zu finden. Doch leider waren dort zu viele lose Steine die wir zwar zum Teil wegräumen konnten, so dass wir 10 m tiefer kamen, doch dann mussten wir wegen Einsturzgefahr endgültig abbrechen. Auf dem Rückweg musste alles abgebaut werden aber zum Glück hatten die Vorgängerteams mit leichter Ausrüstung gearbeitet und entsprechend gab es fast ausschließlich nur 8 mm Seile die weitaus leichter sind. Um Punkt fünf sahen wir wieder Licht, Laurent und Roche waren auch zu erreichen und warteten auf dem Pass auf uns. Die 100 m Aufstieg mit schwerem Material über Schnee und Geröll waren ziemlich schwierig und ermüdend. Oben angekommen wurde schnell eine Kleinigkeit gegessen und wir wurden ein Großteil des Materials los.  Dann folgte ein langsamer Abstieg bis zur Zeleni Quelle wo wir gemütlich pausierten um dann zum Lager zurückzukehren. Später erst kam die MLD-Gruppe zurück. Nachdem sie einem Gang gefolgt waren der abrupt im Nichts endete, bemerkte einer der Speläologen ein kleines Fenster in der Seitenwand und leuchtete hindurch. Die Lampe war nicht stark genug um das Schwarze nichts dahinter zu aufzuhellen. Der große Saal mit den Ausmaßen 20 × 80 × 80 war sehr beeindruckend und nach seiner Durchquerung wurde auch der nächste Schacht in die Tiefen der Höhle gefunden. Dort machten dann auch die letzten Akkus der Schlagbohrer schlapp ab nun war langsame Handarbeit angesagt. An diesem Abend kochtewie den meisten anderen Tagen auch Jean-Marc. Nudeln oder Reis mit Gemüse und Fleisch mit Soßen in allen Variationen, das Ganze mit einem leichten Kongolesischen Akzent der durch die Kolonialgeschichte der Familie immer präsent war. Als Vorspeise gab es immer Salat und das Dessert bestand meistens aus Schokolade und Slibowitz.

Am 28. hatte ich Lagerdienst. Dies bestand im Grunde aus Camp aufräumen, Wasser holen, Filtern, spülen usw. Laurent kam zwischendurch zurück und ich verbrachte den Nachmittag hauptsächlich mit Makrofotografie. Am späten Nachmittag kam Pierre und sein Team zurück, diese hatten auch den obligatorischen Trip in die Taraschlucht getätigt und waren schnell noch einkaufen gewesen. Wir bereiteten Essen vor und warteten auf den Rest. Gegen acht kam Roche zurück und um Mitternacht Medy und Jean-Marc die nach 50 zusätzlichen Metern auf grund gestoßen waren und nicht weiterkamen. Dennoch schien es ein Parallelgang zu geben der weiterführen könnte.

Am Morgen des 29. Liefen Pierre und sein Sturmtrupp los um weiter zu kommen. Ich brach gemütlich mit Laurent etwas später auf um mit der Fotodokumentation zu Beginnen. Alleine der Eingang war interessant da dieser auch noch sehr spät in der Saison durch Schnee verdeckt wird. Dies ist höchst wahrscheinlich auch der Grund warum dieses Eine, in diesem Sektor in dem schon sehr viele Schächte Kartographiert worden waren, durchgeschlüpft war. Nach dem Einstieg ging es recht zügig bis -100 über kaskadierende Schächte die vom Gestein her immer heller wurden und deren verschiedene Gesteinsschichten über die extremen Druckverhältnisse im Erdinneren zeugten. Ein paar Stellen wiesen wirklich bizarre Drehungen auf die fast konzentrisch waren. Danach folgte ein kurzer Mäander und weitere 150 m Schächte bis zum großen Saal. Dort verließ mich Laurent und machte sich auf den Rückweg da ihm seine Sonnenallergie ziemlich viele Schmerzen unter dem Schlaz verursachten. Ich blieb ungefähr 5 Stunden im Saal und versuchte die Größe des Volumens im Bild einzufangen. Danach brauchte ich 3 Stunden für den mühsamen Aufstieg mit dem ganzen Fotomaterial. Zudem hatte ich bemerkt, dass ich auch noch unbrauchbare Batterien mit runtergeschleppt hatte. Im Mäander verpasste ich natürlich den richtigen Weg fand aber nach einem kurzen Panikmoment wieder zurück um es im zweiten Versuch auf den richtigen Weg zu schaffen. Nach den Eingangsschächten wurde ich noch vom letzten Licht begrüßt. Nun aber schnell zum Camp solange man noch irgendetwas sah. Der Rückweg war zwar markiert aber auch unwegsam, zum Glück hatten wir als Markierung Absperrband genommen das im Wind flatterte uns entsprechend gut hörbar war was das ganze bei totaler Dunkelheit ziemlich vereinfachte. Nach 1 Stunde und dazu noch pünktlich zum Essen war ich wieder im großen Zelt. Das andere Team kam 3 Stunden später zurück und hatte nochmal 100 m draufschlagen können. Die 400 m Marke war schon mal geknackt.

Am Morgen des 30. Mai war die Motivation des Teams etwas gesunken, ja selbst Simon war KO, so dass niemand unter die Erde wollte. Es startete das Zombie-Camp! Ein Teil ging einkaufen, die Luxemburger prospektierten und Pierre lief auf den Bobotov. Ich lief bis zum Hausloch um noch ein paar Fotos im Eingangsbereich zu schießen. Leider war der Sommer schon gut fortgeschritten und es war nur noch wenig Eis vorhanden. Das ganze wurde dann noch mit etwas Makrofotografie abgerundet was den vorletzten Tag ausklingen ließ.
Der letzte Tag war durch die Abfahrt von verschiedenen Teams geprägt und wir trugen auch schon große Teile unseres Materials hinunter um am nächsten Morgen früh starten zu können. Am Abend dann würde das serbische Team ankommen uns zu ersetzen…

Nachtrag:
Der Erfolg dieser Expedition lag an erster Stelle an dem gut ausgeglichenen Team, das sowohl junge Hitzköpfe wie auch erfahrene und ruhige alte Hasen verband. Das funktionierte erstaunlicherweise sehr gut. Natürlich hat die lange Vorarbeit (2 Jahre) und die internationale Kooperation auch ihren Teil dazu beigetragen. Letztendlich war aber auch eine gute Portion Glück im Spiel. 2010 und 2011 wurde im Kleineren Rahmen die Erforschung des MLD0109 weitergeführt bis zu einer Tiefe von -582m wo es erst mal nicht weitergeht. Die Erforschung verschiedener Seitengänge brachte bisher nur Sackgassen.
Nichtdestotrotz ist dies nun die dritttiefste Höhle Montenegros deren Erforschung einen kleinen aber sicheren Beitrag zum besseren Verständnis des Durmitor-Karsts beigetragen hat.

Tourengänger: Elminster


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