Everest Trek, Teil 4 – Der Rückweg


Published by schimi , 16 September 2012, 22h33.

Region: World » Nepal » Khumbu
Date of the hike:23 October 2011
Hiking grading: T2 - Mountain hike
Waypoints:
Geo-Tags: NEP 
Time: 3 days

23. Oktober 2011
Der Rückweg beginnt!
Allen ist es anzumerken und viele sprechen es auch aus.
Wir sind im Zwiespalt zwischen "Es ist beeindruckend schön hier" und "Endlich geht es wieder nach unten!"

Ich bin mir sicher, alle sind hingerissen von den Eindrücken dieser Trekkingtour. Aber die Umstände in der Höhe, mit Kälte, einfachen Behausungen, Kopfweh und anderen höhenbedingten Unpässlichkeiten hat uns doch ordentlich zugesetzt. Die abendlichen Besäufnisse mit Unmengen an Tee (um das Kopfweh nicht aufkommen zu lassen), und die daraus resultierende nächtliche Pinkelei will für die meisten von uns nicht zum Hobby werden.
So ist keiner traurig, dass wir nun zügig den Rückweg beschreiten und doch ist eine seltsam melancholische Stimmung in der Gruppe zu spüren.


Der Nuptse (7861m). Er beherrscht die Szenerie hier oben.


Das Wetter ist wieder schön, und der Schnee ist auch zur Hälfte bereits wieder verdunstet. Aber in den Schattenstellen sind die Wege durch die vielen Fußtritte schon ordentlich glatt. Die meisten sind heute stiller als sonst. Auch ich bin in Gedanken und lasse mir die Eindrücke der letzten Tage noch einmal durch den Kopf gehen.


Wir genießen den Schnee, die morgendliche Kälte und das glasklare Wetter.



Zügig erreichen wir die Schmuddellodge in Dougla. Wir nehmen einen kurzen Tee zu uns, bleiben aber draußen auf der Terrasse in der Sonne sitzen. Nach der unangenehmen Übernachtung vor ein paar Tagen, hat keiner mehr Lust diese Lodge zu betreten.


Besser draußen bleiben oder gleich umgehen.




Nach Dougla macht das Tal dann eine Biegung von Südwest nach Südost und gibt dem Blick Raum auf ein sehr weites flaches Hochtal. Eigentlich wäre es heute angenehm warm, denn die Sonne scheint vom wolkenlosen Himmel. Jedoch entpuppt sich unser Hochtal als Windkanal, und natürlich kommt der Wind von vorne und ist ausgesprochen bissig. Nach und nach ziehen wir alle die Gummizüge zu, die Mützen und Kappen herunter, und die Handschuhe an.


Der Windkanal öffnet sich vor uns.



Die Gletscherzone liegt bereits weit hinter uns, der Pflanzenbewuchs lässt jedoch deutlich zu wünschen übrig. Kaum einmal ein Strauch, der über einen halben Meter hinauskommt. Meine Vermutung ist, dass hier selten Windstille herrscht. In der Ferne kommt Dingboche in unser Blickfeld. Ein richtiges kleines Dorf, jedoch mit ausgesprochen niedrigen Behausungen. Es liegt auch strategisch günstig etwas seitlich weggeduckt vom Hauptwindstrom und nicht direkt am Bach, wie man eigentlich vermuten würde. Ein weiteres Indiz für meine Windkanal-Vermutung.

Die Dimension des hier fast ebenen Tals wird uns voll bewusst, während wir auf Dingboche zugehen. Wir sind heute schnell und trotzdem zieht sich unser Marsch endlos hin und man scheint dem Dorf kaum näher zu kommen. Jede Zeitschätzung des Unbedarften scheitert hier grandios.


So verlockend es auch aussieht. Hier oben ist es einfach zu kalt!




Am Bach, dem wir mal rechts mal links folgen, sehen wir wunderschöne Motive mit Eis überzogenen Pflanzen, welche uns immer wieder begeistern.


Eisig!




Unsere Fotografen sind entzückt und ziehen die Gruppe heute zu einem Bandwurm erster Klasse auseinander. Aber gut – in diesem Tal kann sich keiner verlaufen, und wenn er eine Stunde zurück ist, kann man ihn trotzdem noch sehen.


Irgendwann sind wir endlich im Dorf angelangt. Etwa in der Mitte treffen wir auf ein schickes Hotel und auf der Terrasse schmiegen wir uns sogleich an die windgeschützte Hausmauer, an der es wunderbar warm ist.


Luxus in der "Pampa"



Offenbar macht der Wind allen zu schaffen und nicht nur uns Schwaben, die wir allesamt in einer windarmen Gegend leben. Nach dem Mittagessen (im Saale) verliert unser Windkanal seinen Schrecken, denn die Tallandschaft wird alsbald vielfältiger, hat mehrere Windungen und nimmt dem Wind wohl so die Kraft. Sogleich stellen wir auch eine Änderung im Bewuchs fest, der vielfältiger und auch deutlich üppiger und größer wird. 


Wir haben das windgeplagte Trogtal hinter uns gelassen. Es geht bergab bei fast totaler Windstille; und es wird wärmer




Seit unserem Mittagessen ändert sich auch das Aussehen unseres Tales erheblich. Aus unserem Trogtal  wird das typische alpine Gebirgstal mit Bach an der tiefsten Stelle und darauf zulaufenden Hängen. Es geht nun auch wieder etwas steiler bergab und mit jedem Meter kommt uns der Wind etwas lauer entgegen. Am Nachmittag erscheinen nun auch wieder erste Bäume, was wir alle sehr wohlwollend zur Kenntnis nehmen.


Sie treibt ihre Tiere nach oben um das wichtigste in die Hochgebirgstäler zu bringen.






Unsere Lodge in Pangboche (3980 m) ist der Höhe entsprechend wieder deutlich luxuriöser; wir genießen das alle sehr. Wir bestellen in der Küche warmes Waschwasser und machen uns mal wieder gründlich sauber. Vor dem Abendessen machen wir noch einen kleinen Spaziergang und besuchen das Kloster im Ort.


Lodge mit Bergblick. Aber was für ein Berg!




24. Oktober 2011
Über Tengpoche nach Namche Bazar
Der Morgen ist wieder kalt und klar. Wir machen am Vormittag eine kurze Pause bei einer großen Baustelle (wahrscheinlich wird es wieder eine neue Lodge) und haben die Gelegenheit, die fleißigen Handwerker bei der Arbeit zu beobachten. Alle Steine für die soliden Steinhäuser werden von Hand mit Hammer und Meisel in die perfekte Form gehauen. Trotz aller Mühe, scheinen die vielen Steinmetze doch ordentlich schnell zu sein. Es macht keineswegs den Eindruck, als würde hier nichts voran gehen. Wir sind froh, dass wir nicht an deren Stelle sind und allesamt unser Brot leichter verdienen.


Kleine Pause – nicht immer nur Steine klopfen!




Am Vormittag erreichen wir das Kloster in Tengpoche. Es liegt auf einer Anhöhe in landschaftlich einmaliger Lage.


Gespannt betreten wir das Kloster durch das Eingangsportal.




Wir haben die Gelegenheit, das Kloster zu besichtigen. Während unseres Besuchs können wir den Zeremonien der Mönche beiwohnen. Doch irgendwann müssen wir wegen unserer eiskalten Füße kapitulieren. Denn für uns ist das Betreten des innersten Raumes nur ohne Schuhe gestattet, während die Mönche mit Pantoffeln unterwegs sind, auf roten Kissen sitzen und immer wieder Tee von einem Novizen bekommen.


Ohne warmen Tee ist hier kein Auskommen möglich. Es ist kalt in den Klöstern




Die Zeremonie ist für uns fremd. Das Murmeln der Mönche wird von Trommeln, Bimmeln und alphornähnlichen Blasinstrumenten in unterschiedlichen Intensitäten und Dauer begleitet. Es für uns unmöglich eine Art Liturgie daraus zu erkennen.

Jetzt steht uns ein längerer Abstieg bevor. Tengpoche liegt auf einem hohen Rücken. Hinter den letzten Mauern geht es steil bergab bis zum Fluss. Es mögen einige hundert Höhenmeter dort hinunter sein.


Unser Junior-Sherpa wartet auf seine letzten Schäfchen, bevor es hinunter geht.




Unten angekommen ist es mal wieder Zeit für eine kleine Einkehr. Für das Mittagessen ist es eigentlich nicht zu früh, trotzdem sollen wir nur eine "Erfrischung" zu uns nehmen. Die Wegstrecke am Nachmittag soll nicht mehr so lange sein und außerdem geht es wieder bergauf. (Was auch sonst in diesem Land – auch beim Bergabgehen geht es immer wieder ordentlich bergan.)


Der Juniorchef bewacht das Haus vor den Fremden und isst in aller Ruhe seine Suppe




Nach der Pause kommen wir mal wieder über eine Hängebrücke (ein sicheres Zeichen für den tiefsten Punkt!). Und da diese nur knapp über dem Fluss ist, muss es eigentlich wieder noch oben gehen. Und das tut es auch – und zwar ordentlich! Wir sind nun froh, dass wir nicht viel im Bauch haben, denn so kommen wir einfach besser den Berg hinauf.


und wieder mal nach oben.




Es geht wieder ein paar hundert Meter nach oben, bis wir auf einen flachen Panoramaweg gelangen – der Highway to Namche Bazar.


Highway to Namche





Der Weg zieht sich auf immer gleicher Höhe Tal auswärts und wir haben viele schöne Tiefblicke und Ausblicke.


Vor Namche wir der Weg immer besser. Es ist wirklich die "Hauptstraße"





Am Nachmittag werden die Häuser am Wegesrand immer mehr. Ein untrügliches Zeichen der näher kommenden Stadt. Vor vielen Häusern gibt es nun auch wieder Souvenirs zu kaufen. Endlich kommen wir zu unserer Mittagseinkehr. Das Essen schmeckt wieder gut, jedoch lassen sich einige von der Pizza auf der Speisekarte animieren und bestellen diese. Leider waren einige Zutaten nur leicht erwärmt und nicht richtig durchgebacken.

Schon nach einer Stunde auf dem Weiterweg macht sich der Magen meiner Frau unwohl bemerkbar. Na hoffentlich war die Pizza in Ordnung denken wir. Als wir in Namche Basar ankommen ist meine Frau krank und sie schleppt sich bis zum Hotel und ich tue was ich kann, um ihr den Abend irgendwie erträglich zu machen.



25. Oktober 2011
Krank von Namche nach Lukla
Meine Frau kämpft sich heute den langen Weg bis nach Lukla durch. Obwohl sie sonst einen sehr robusten Magen hat, hat sie es erwischt. Ich kann leider nur sehr wenig zur Erleichterung beitragen. Wir versuchen mit Coca Cola den Körper am laufen zu halten. Am Abend im Hotel ist es endlich soweit, dass sie alles Überflüssige los wird.

In der Lodge wird derweil Abschied gefeiert. Unsere Träger, Guides und die Gäste sitzen zusammen und bekommen ein leckeres Essen mit etwas Hühnchen. Mir ist gar nicht nach Feiern, und so kümmere ich mich wieder um meine Frau.



26. Oktober 2011
Rückflug nach Kathmandu
Meine Frau ist noch schwach aber wieder gesund. Wir haben einen frühen Flug, und so stehen wir noch vor sechs Uhr auf. Unsere Träger bringen unser Gepäck sehr gemütlich zum Flugplatz, für uns ein untrügliches Zeichen, dass wir später fliegen werden als angekündigt. Wir stehen erst einmal am berühmten oberen Ende der Landebahn, von wo man die startenden und landenden Flieger aus unmittelbarer Nähe beobachten kann. Wir verbringen hier sicher eine Stunde oder noch mehr und unsere Träger sind mit dem Gepäck immer noch nicht hier eingetroffen.


Airport Lukla – Der "Tower"



Also bleiben wir in der Sonne stehen und fotografieren und filmen einen Flieger nach dem anderen. Irgendwann kommen unsere Träger und wir gehen dann auch mit ihnen in die Wartehalle. Wir erfahren, dass es noch eine Weile dauern wird und so gehen wir nach draußen, um in der "German Bakery" einen Imbiss einzunehmen. Dort auf der Terrasse ist es schön und warm und sonnig. Die Backwaren in der Bakery sind übrigens exzellent und für deutsche Verhältnisse preisgünstig.

Nach einer Stunde werden wir wieder in die Halle beordert. Es zeichnet sich aber kein Fortschritt ab. Nun schauen wir dem Flugverkehr von der Abflughalle zu. (Mal was anderes, so von der Seite betrachtet.) Die beiden Shops in der Abflughalle (einmal Bücher und Kalender einmal Reiseproviant) bekommen in den kommenden Stunden immer mehr Arbeit. Denn der Flugverkehr wird am späten Vormittag eingestellt. Die letzte Aktivität auf der Landebahn war ein Flugzeug im Landeanflug, das aber in letzter Sekunde abgedreht hat. Dann war Stille draußen; Lukla gesperrt wegen zu starker Thermik.


Airport Lukla – Die Wartehalle mit Blick auf das Flugfeld




Den Kioskbetreiber freut's. Er verkauft Chips und Schokolade an das wartende Publikum. In der Halle wird es empfindlich kalt. Leute laufen wie in Trance immer wieder hin und her. Es kommt die Nachricht durch, dass um 16 Uhr Schluss ist mit fliegen für den heutigen Tag. Na Toll! denken wir. Noch eine Nacht in diesem Nest will keiner von uns haben. Es ist schon nach 14 Uhr als wir hören, dass eventuell um 15 Uhr wieder geflogen wird. Alle schauen gebannt nach draußen, wo die Gebetsfahnen immer noch stark in Richtung Berg flattern. Von nachlassender Thermik keine Spur.


Impressionen aus der Wartehalle




Die Hoffnung, dass wir hier heute wegkommen, schwindet langsam. Die Fähnchen flattern weiter heftig. Einer in unserer Gruppe ist Segelflieger; von ihm erfahren wir heute eine ganze Menge über das Fliegen und die Bedingungen, die es unmöglich oder gefährlich machen. Unsere Hoffnung wird auch deshalb immer kleiner, weil wir erst als dritte Maschine dran sind, wenn dann mal geflogen wird.

Ein Geräusch!  – Wir hören einen Flieger kommen!  – Kurze Zeit später braust eine Maschine auf die Parkposition. Da mittlerweile alle Fenster weit aufgerissen sind, macht der Flieger ein ordentliches Getöse in der Halle. Viele Leute springen an die Fenster und alle sind froh, dass es jetzt offensichtlich weitergeht. 15 Glückliche werden blitzschnell abgefertigt und sind in zwei Minuten in der Maschine drin und wenige Sekunden später weg.


Wenn die Zeit gekommen ist, geht in Nepal alles blitzschnell. Deutsche Touristen sind dann schon mal leicht überfordert mit der spontanen Tempoänderung.




Da kommt schon eine zweite Maschine! Uns als die Leute hektisch ihr Handgepäck zusammenpacken braust auch schon der dritte (unser) Flieger auf die Bahn. Da war sicher nur eine Minute zwischen den Fliegern – wenn überhaupt. Die Leute stürmen die Fenster, schreien und applaudieren. Alles rast raus, und in drei Minuten sind die Passagiere in den Sitzen verstaut. So schnell wie sie gekommen waren, sind sie auch wieder weg. Und wir sind dabei!


Wir sind drin. Und froh!




Bein Einsteigen ein letzter Blick ans Ende der Landebahn, wo noch immer unsere Guides und unsere Träger stehen. Wir winken – sie winken – es war so schön, – wir kommen wieder!



27. bis 30. Oktober 2011
Heimreise
Durch unseren späten Flug kommen wir auch spät ins Hotel Greenwich. Ein schönes Hotel in Zentrumsnähe mit allem was man braucht nach einem Trekking. Das Essen ist in Ordnung, wenn auch nicht herausragend lecker, das Personal, wie immer in Nepal, überaus freundlich aber nicht immer effektiv. Trotzdem genießen wir die Annehmlichkeiten ausgiebig.

Die nächsten zwei Tage stehen mal wieder zur freien Verfügung. Wir entscheiden uns für Shopping im Stadtteil Tamel. Hier gibt es alles was der Trekker und der Tourist brauchen. Ansonsten entspanntes Sightseeing. Da wir schon einmal da waren, müssen wir keine Hektik mehr machen, sondern genießen die quirlige Metropole.

Unsere Heimreise gestaltet sich dann doch noch so, dass es ein paar Zeilen zu berichten gibt. Unsere Reisegruppe wird von der Economy- in die Business-Class upgegradet. Das ist fein! Nicht dass man den Champagner oder das Wahlfrühstück brauchen würde. Man nimmt es gerne, würde aber auch mit dem Standard glücklich werden. Was aber wirklich toll ist, ist in einem Flugzeug liegend zu schlafen. Da kann man morgens aussteigen, hat keine dicken Beine. Und einen Jetlag gibt es auch nicht in dem Maße wie sonst in der "Holzklasse".

Als wir zu Hause sind dauert es ungefähr eine Woche.



Der Wunsch bald wieder nach Nepal zu reisen ist geboren.

Bis bald schönes Nepal.
Bis bald ihr herzlichen Menschen!

Hike partners: schimi


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Comments (2)


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Sent 19 September 2012, 13h01
Danke für diesen schönen Abschluss Bericht deiner fantastischen Reise, ich finde die Bilder sehr stimmungsvoll.
Ja in diesen Teil der Erde möchte ich auch gerne mal aber leider muss dies wohl noch etwas warten..
Wann gehst du das nächste Mal schon einen konkreten Plan?

Lg

Oli und Moomin

schimi says: RE:
Sent 19 September 2012, 17h51
Danke.
Freu mich, wenn es anderen auch gefällt.
Eure Zeit kommt bestimmt auch noch. Ihr seid ja noch ein paar Jaare jünger. Da habt ihr noch Zeit zum Reisen.

Herzliche Grüße,
Schimi


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