JUNGFRAU 4158m


Publiziert von Wolfenstein Pro , 5. Juni 2012 um 23:03.

Region: Welt » Schweiz » Bern » Jungfraugebiet
Tour Datum:10 September 2011
Hochtouren Schwierigkeit: ZS
Klettern Schwierigkeit: II (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-BE   CH-VS 
Zeitbedarf: 6:30
Aufstieg: 1090 m
Abstieg: 1260 m
Strecke:Mönchsjochhütte - Oberes Mönchsjoch - Sphinxstollen - Pt. 3506 - Rottalsattel - Jungfrau - Rottalsattel - Jungfraujoch
Zufahrt zum Ausgangspunkt:von cff logo Grindelwald Grund mit der Bahn via cff logo Kleine Scheidegg aufs cff logo Jungfraujoch
Zufahrt zum Ankunftspunkt:dito
Unterkunftmöglichkeiten:Mönchsjochhütte, 120 Plätze im Lager
Telefon: 033 971 34 72, Halbpension 64,- CHF

     
 

  Nach erfolgreich absolvierter *Genuss-Tour zum Mittleren des Berner Dreigestirns wollten wir heute auch noch den zweiten 4000er eben jener Berggruppe versuchen. Auf die recht angenehme Nacht in der unserer Meinung nach gar nicht so schlecht, wie hier schon des öfteren dargelegt, bewarteten Mönchsjochhütte, folgte ein relativ gemütliches Frühstück (Wolfenstein) resp. eine halbe Stunde mehr Schlaf (Imseng), bevor zusammen mit zwei anderen Nachzüglern im Vorraum der  Mönchsjochhütte (3650m) aufgerödelt wurde.
 



  Um halb sechs machten wir uns also vom  Obers Mönchsjoch (3627m) zunächst auf den Weg zum Ausgang des  Sphinxstollens (3464m). Dann durchschritten wir - nach Montage von Steigeisen und Seil sowie den dortigen kleinen Snöber-Funpark hinter uns lassend - die obere Gletschersenke des Jungfraufirns grob in Richtung Fuß des  Rottalhorn-Ostgratsporns. Knapp 400 Höhenmeter gingen so verloren, bis die Steigung wieder positiv wurde und einige durchaus bemerkenswerte Spalten umgangen werden wollten.
  Wenig später befinden wir uns an der ersten etwas heiklen Stelle: es muss eine, via schmaler Schneebrücke erreichte, steile und zudem vereiste Flanke gequert werden, um zum Regenmesser unterhalb Pt. 3506 zu gelangen, während am Fuß des Sporns ein nicht zu verachtender Bergschrund hämisch lacht. Nichtsdestotrotz können wir das kurze Stück mit konzentriertem Steigeisen- und Pickeleinsatz problemlos meistern und legen die Eisen, beim Regenmesser angekommen, vorerst wieder ab.
  Weiters ging es erst dem Gratverlauf entlang, um wenig später nach links in die Flanke zu schwenken. Es schloss sich kurz darauf die technisch schwierigste Stelle an, bei welcher ein ca. 5-7m hoher Absatz (II+) erklettert werden wollte. Hier oben gibt es auch einen Haken als Abseilstelle für den Rückweg. Anschließend querten wir linker Hand Pfadspuren folgend horizontal auf einem schmalen Felsband, bis es möglich wurde, den Rücken bei Pt. 3506 in leichter Kletterei (I) zu gewinnen. Nun gab es eine kurze Trinkpause, um uns erneut mit den Eisenwaren zu bewaffnen. Der weitere Verlauf war dann selbsterklärend; man folgt auf gutem Trittfirn dem langgezogenen, langsam steiler werdenden Rücken, quert unter den hoch über einem aufragenden, mächtigen Gipfelwechten des  Rottalhorns hindurch, bis man schließlich kurz vor dem  Rottalsattel am stets gerne genutzten Materialdepot ankommt.

  Der nun folgende Aufschwung präsentiert sich je nach Verhältnissen etwas unterschiedlich in Länge und Steilheit. Wir treffen heute einen ca. 25m hohen, ungefähr 60°-70° stotzigen Hang an, welcher sich dank griffigem Schnee doch recht gut erklimmen lässt und erreichen so etwas außer Atem den  Rottalsattel (3884m). Einige Meter dem Gratverlauf gefolgt, quert man wenig später das oft als Schlüsselstelle bezeichnete, abschüssige und deshalb vor allem bei Neuschnee oder Vereisung unfallträchtige Stück links hinüber zu den Felsen, die den Gipfelfirnhang Richtung Rottal begrenzen. Mitte der Traverse befindet sich eine Sicherungsstange; deren weitere ziehen sich die unteren beiden Drittel des genannten Felsgrates entlang.
  Aufgrund der hervorragenden Bedingungen war die Spur bei unserem Besuch allerdings sehr gut gangbar und durchwegs im Firn gelegt. Trotzdem bedarf es an den steilen Aufschwüngen gleich nach der Querung erhöhter Aufmerksamkeit. Gegen Ende legt sich der Firnrücken leicht zurück und man erreicht unschwierig die Felsflanke, über welche man schließlich den obersten Teil des SW-Grates antrifft. Auf diesem gelangten wir wenig später zum nicht eben geräumigen Gipfel der  Jungfrau (4158m). Ein tolles Gefühl!
 



  Die Aussicht vom Gipfel war phantastisch und trotz des schönen Tages hatten wir tatsächlich etliche Minuten für uns allein dort oben. Mit diesen tollen Eindrücken machten wir uns an den Abstieg. Der Schnee war zwar schon etwas weicher geworden, bot aber selbst an den Steilstücken und in der Traverse noch genügend Halt, so dass wir alsbald wieder beim Depot unterhalb des  Rottalsattels (3885m) angekommen waren. Unter solch günstigen Verhältnissen bietet sich für den weiteren Rückweg der direkte Abstieg auf den Jungfraufirn förmlich an. Kurz unterhalb des  Rottalsattels wendet man sich gen NE und steigt sehr steil zwischen Gletscherabbrüchen zum Jungfraufirn ab. Der stetigen Gefahr von Eisbruch und Lawinen wegen, wird im Führer übrigens eindringlich davon abgeraten, diese Variante als Aufstiegsroute zu nutzen.
   Hiernach querten wir die obere Gletschersenke (Vorsicht: Spalten!) und hielten auf das eigentliche Jungfraujoch (3471m) zu, welches durch einen letzten Gegenanstieg in Pistenraupenspuren gewonnen wurde; und von hier dann zu guter Letzt via "Plateau" - neugierig beäugt von einer Vielzahl freundlicher Touristen aus Asien - zum Eingang der  Stn. Jungfraujoch (3454m), wo wir zügig das Material verstauten. Bevor wir dank des just an diesem Tage stattfindendnen Jungfrau-Marathons in der gnadenlos überfüllten Wengeneralpbahn talwärts fuhren, kam man selbstverständlich nicht umhin, bei der  Kleinen Scheidegg auf der Terrasse des Restaurant Eigernordwand mit fabelhaftem Blick zu eben jener legendären  Felsformation die beiden gelungenen Hochalpintage gebührend zu begießen!

 
     
 
reine Aufstiegszeit: 3:30 Std.
Entfernung ungefähr (ebenenprojiziert): ca.10 km
Wetterverhältnisse: sonnig
Wegmarkierung: keine, jedoch meist gute Spur vorhanden
Gipfelbuch: keines
Hilfsmittel: Hochtourenausrüstung
Sonstiges:

Glücklicherweise trafen wir annähernd perfekte Bedingungen an. Bei Vereisung oder beginnender Ausaperung der Schlüsselstellen kann die Tour sehr heikel werden.

 
 

Tourengänger: Wolfenstein, Imseng

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Geodaten
 7488.kml Mönchsjochhütte - Normalweg - Jungfrau
 7489.kml Jungfrau - Direktabstieg - Jungfraujoch

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