Piz Palü Überschreitung, Bernina


Publiziert von TJack , 25. August 2011 um 00:20.

Region: Welt » Schweiz » Graubünden » Berninagebiet
Tour Datum:21 August 2011
Hochtouren Schwierigkeit: ZS-
Klettern Schwierigkeit: III (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-GR   Piz Bernina   Bernina-Gruppe   Palü-Gruppe   I 
Zeitbedarf: 3 Tage
Aufstieg: 2800 m
Abstieg: 1900 m
Zufahrt zum Ausgangspunkt:öV zu Diavolezza Talstation
Unterkunftmöglichkeiten:Berghotel Diavolezza Refugio Marco e Rosa

Ja: warum noch einen Eintrag zu Piz Palü und Bernina???

Eigentlich hat es schon genug Berichte - aber trotzdem gibt es sicher noch ein paar Anmerkungen die helfen können, wenn man wie ich als relativer "Hochtouren-Frischling" seine ersten selbstständigen Gehversuche in "klassischen Hochtouren" wagt.

Unsere Route war:
erster Tag: Aufstieg zur Diavolezza Hütte
zweiter Tag: Aufstieg über den Normalweg auf den Piz Palü, Überschreitung mit Abstieg über den Spinasgrat, dann über die Bellavista-Terrasse zum Refugio Marco e Rosa,
dritter Tag: Über den Normalweg auf den Bernina, zurück zur Hütte, wieder auf die Bellavista-Terrasse und Abstieg über den Fortezzagrat. Dann über den Gletscher zurück zur Diavolezza Hütte.

Der Aufstieg auf den Piz Palü ist relativ einfach. Die Spur ist so tief und Breit, dass man eigentlich selbst bei Nacht nicht rausfallen kann - also braucht man an einem normalen Tag keine Sorgen um die Orientierung haben - man ist ja auch kaum allein.
Interessant wird es oben auf dem Gipfelgrat. (auch der momentan breit getreten) - aber schwierig ist der Grat eigentlich nicht.
Auf dem Gipfel selbst soll es auch Spalten geben : also schön angeseilt bleiben. Aufstiegszeit: ca 4h (incl Pausen)

Abstieg Spinasgrat: Eigentlich ist der Abstieg (II) bis auf zwei drei kleinere Stellen sehr leichtgängig.
Gehen am langen Seil mit konsequentem Seil über Zacken legen macht so ziemlich alles absicherbar.
Allerdings wird man dadurch natürlich lansamer. Und dann zieht sich der Grat. (haben ca 2??h gebraucht)

Die Querung unterhalb der Bellavista-Gipfel zieht sich auch und wird erst im Abstieg zur Hütte interessant.
Man verliert erstaunlich wenig an Höhe! Muss aber durch den Gletscherbruch absteigen. Dort ist der Firn teilweise ganz schön steil. in kurzen passagen von ein paar Metern muss man richtig den Pickel einsetzen! - Also möglichst früh am morgen durch wenn der Firn noch fest ist ;-) Bei uns war es bereits Mittag (vom Grat zur Hütte ca 2h)

Aufstieg Bernina: von der Hütte weg geht es steilen Firn (ohne Spalten) hinauf, oben eine bereits leicht eisige Rinne hoch auf den Grat. Beeilen lohnt sich, da man dann von oben einen super Blick auf den Sonnenaufgang hat!!!
Dort am Grat befindet sich ein erster Standplatz. Die Tour geht links ums Eck ca 7 Meter hoch (lässt sich auch noch gut frei gehen wenn man sich sicher fühlt.
Dann etwas den Firngrat hoch zum Felsteil. 
Momentan gibt es eine Spur um den Felsteil rechts herum durch den Firn. schlecht absicherbar aber scheinbar gut gängig wenn man sicher gehen kann.
oder alternativ in 3er Kletterei (eine Stelle) gerade hinauf.
Die ersten beiden Seillängen lassen sich zusammen klettern. An den schweren Stellen findet sich auch immer ein Haken. (die Schlüsselstelle ist vorbei wenn man auf Hakenhöhe steht)
Also kein wirkliches Problem.
Insgesamt sind es 4 Seillängen /die oberen beiden sind nur 1er/2er Kletterei)
Mit einem 50 Meter Seil reicht es in zweimal Abseilen gut runter! Überhaupt ist ein 50 Meter seil für die Tour optimal! (siehe Fortezzagrat abseilen)

Oben am Grat zwischen La Spedla und Bernina Hauptgipfel geht man momentan nicht auf dem Grat sondern unterhalb im festen Firn/Eis.
Wir sind am langen Seil gegange und haben ein paar Eisschrauben versenkt. Alternativ wäre ausbinden und frei gehen angesagt.
Was man sonst so sieht mit kurzem Seil ist (ausser natürlich bei Bergführern ;-) ) wohl kaum vertretbar (Schicksalsgemeinschaft lässt grüssen...)

Beim Rückweg ergibt sich das Abseilen eigentlich von allein.

Und flugs ging es zurück zur Hütte (auf und ab bei uns 5h (mit Pausen))

Dann wieder hoch zur Bellavista und den Fortezzagrat runter
Die Abseilstellen sind gut markiert. Selbst am Nachmittag ist aber leider noch mit viel Gegenverkehr zu rechnen (Wartezeit!!). Dort findet man dann Kletteranfänger die um 15 Uhr noch mitten im Grat unterwegs sind, Italiener die kein Gewicht haben (auf dem Gletscher deshalb kein Seil brauchen) und vieles mehr worüber selbst ich als quasi Anfänger den Kopf schütteln muss...
Der Felsgrat wird in der Mitte durch einen Firngrat unterbrochen.
Hier unbedingt ans Seil!!!
Sind treudoof (keine Spalten eingezeichnet) mal so los gequatscht, bis mitten auf dem Grat die ersten Löcher in der Trittspur aufgetaucht sind. (Spalte längs auf dem Grat durch die abbrechende Wächte!!!)
Wieder was gelernt...

Nicht zu unterschätzen ist dann die querung des Gletschers - zieht sich noch - am besten in einem rechtsbogen über den Gletscher.
Und dann geht es noch zur Diavolezza hoch. Aufstieg durch die braunen spuren im Hang, dann ca 10 Meter nach rechts auf den gut ausgetretenen Weg.
Letzte Bahn fährt um 17:30 ins Tal. Preis 24CHF und keine GA/Halbtax ermässigung :-(

Tourengänger: TJack

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Kommentare (6)


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MaeNi hat gesagt:
Gesendet am 25. August 2011 um 08:54
> Ja: warum noch einen Eintrag zu Piz Palü und Bernina???

Nun, wieso nicht? Dein Bericht ist toll verfasst und die Bilder laden zum Träumen von nächsten Hochtouren ein! Wirklich schön!

LG

TJack hat gesagt: RE:
Gesendet am 25. August 2011 um 09:00
Vielen Dank :-)
Ich schreib nur eigentlich keine Berichte wenn es schon zu viele gibt... Aber andererseits ist es ja immer gut einen aktuellen Bericht mit den aktuellen Bedingungen gibt...
lg

Sputnik Pro hat gesagt:
Gesendet am 25. August 2011 um 10:18
Hi Thomas,

Coooooooooole Fotos! Herzliche Gratulation zu den Gipfelerfolgen. Nach dem Lauterbrunnen Breithorn war die Tour sicherlich fast ein Spaziergang :-)

LG, Andi

TJack hat gesagt: RE:
Gesendet am 25. August 2011 um 10:52
Hoi Andi!
Vielen Dank! Stimmt schon - im Vergleich zum Lb. Breithorn war es wirklich fast ein Spaziergang. Wobei ich fand, dass die beiden Schlüsselstellen (Breithorn zu Bernina) ziemlich vergleichbar sind. Beide gut gesichert... Aber das drum rum war schon viel leichter. Ich hab trotzdem mal ZS- geschrieben. Keine Ahnung ob das passt... Aber andererseits wenn man sich anschaut was für "Alpinisten" die Tour machen schadet es teilweise wohl nicht etwas abzuschrecken. Wir haben welche getroffen, die von Marco e Rosa 7 Stunden rauf und runter gebraucht haben. Ich hatte das Gefühl, dass wir mit 5 Stunden (incl halbe Stunde Rast am Gipfel) schon sau langsam waren...
Aber jetzt gibst erstmal keine mode-Berge mehr. Einsamer ist doch schöner :-)
lg tom

lumi hat gesagt:
Gesendet am 25. August 2011 um 16:28
Amazing photos. I dislike so munch that I can not get your story.

All the best!

Lumi

TJack hat gesagt: RE:
Gesendet am 25. August 2011 um 16:39
Sorry that I did not write in English - its just a lot more effort...
But there is also an advantage for you not being able to read the story: I was complaining that on the way down there was an Italian group walking in the afternoon on the glacier without rope ;-)

But if you want to know some more about the tour (conditions or something else) I can write you a pm
I think despite of the crowds on this two mountains it is really worth visiting it.
Also I think Piz Palü is one of the most beautiful mountains I`ve seen...
So enjoy the mountains!
Cheers
Tom


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