Col de Tenneverge (via Pas Noir)


Publiziert von Zaza , 5. August 2007 um 23:21.

Region: Welt » Schweiz » Wallis » Unterwallis
Tour Datum:29 Juli 2007
Wandern Schwierigkeit: T6 - schwieriges Alpinwandern
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-VS   F 
Zeitbedarf: 10:00
Aufstieg: 1700 m
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Plan des Lacs: kein öV, mit PW von Genève/Thonon nach Sixt
Zufahrt zum Ankunftspunkt:Zug Finhaut - Martigny
Unterkunftmöglichkeiten:Cabane de berger im Vallon de Tenneverge (P. 1826): sehr spartanisch
Kartennummer:1324

Fortsetzung von dieser Tour: Am Sonntag, 29. Juli, sind wir trotz der Warnungen der Hüttenwartin erst um 04.45 herum aufgestanden. Die Nacht im kleinen Schlafsaal war ganz passabel, aber das Wetter bot eine böse Überraschung: Die Wolken hingen noch genau so tief wie am Vorabend. Und auch das äusserst karge Frühstück vermochte uns nicht so recht aufzumuntern. Wir studierten bereits an diversen Ausweichvarianten herum und entschieden uns letztlich dafür, den Versuch zu wagen und nach Plan des Lacs hinunter zu steigen. Das war insofern etwas riskiert, als die alternativen Rückwege zum Pas Noir extrem lang (ca. 14 Stunden) und/oder mühsam (Autostop via Thonon oder Chamonix) geworden wären.
 
Wir starteten also um 05:30 herum und stellten bald fest, dass die Idee der Hüttenwartin, um 2 Uhr zu starten, völlig absurd gewesen wäre: Der Hüttenweg ist stellenweise undeutlich und exponiert (T3); auch mit der Stirnlampe hätten wir ihn garantiert x-fach verloren. Er ist aber effizient und so standen wir nach einer guten Stunde im gottverlassenen Plan des Lacs. Wegen der Sperrung der Zufahrt (Erdrutsche nach heftigen Gewittern) war es hier extrem still, die diversen Buvettes und der Campingplatz waren geschlossen. Besonders positiv war, dass sich das Wetter inzwischen gebessert hatte; schon hatten wir Hoffnung auf richtig schönes Wetter.
 
Sobald wir den Torrent de la Méridienne erreicht hatten, stiegen wir in diesem Bachbett hinauf. Es hatte relativ viel Wasser und das Geröll war sehr unstabil. Nach einem etwas mühsamen Aufstieg standen wir am Fuss des Wasserfalles und begannen wieder etwas zu zweifeln, weil die Quellwolken bereits wieder aufgezogen waren. Was soll’s...versuchen wir es mal: Die Überquerung des Baches brachte nasse Hosen, dann ging es links haltend über ein paar felsige Stufen empor und dann auf einem Grasband links hinaus auf ein Eck (wie wir später erfuhren, würde der eigentliche Pas Noir, also die brüchige Rinne mit einer Stelle II/II+, vor dem Band in die Höhe führen).
 
Auf dem Eck sahen wir sofort eine Trittspur, die über den steilen Grashang hinauf führt. Das war ein gutes Zeichen, so konnten wir trotz des triefnassen Grases recht gut aufsteigen. Die Sache war sehr anstrengend: fast schon zu steil, um noch effizient zu sein. Kurz unterhalb des „Croix Moccand“ wird es sogar sausteil, etwa 50-60 Grad. Danach erreichten wir in Kürze einige Felsblöcke, auf denen unleserliche alte Markierungen gepinselt sind. Es war in diesem einsamen Gelände eine (psychologische) Erleichterung, dass wir weiter unten zwei andere Personen aufsteigen sahen.
 
Während des Aufstiegs flog plötzlich mit lautem Rauschen ein Lebewesen in die Tiefe. Wir hielten es für einen grossen Raubvogel, und schenkten ihm keine grosse Beachtung. Später fragten uns die beiden Franzosen „Vous avez vu le parachutiste??“ – offenbar war das ein Basejumper im freien Fall gewesen! Da wir am Vortag gehört hatten, dass ein Schweizer Extremskifahrer (Dominique Neuenschwander) die Westwand des Pic de Tenneverge mit Ski befahren hatte, konnten wir allerdings nicht behaupten, dass die Schweizer weniger crazy wären als die Franzosen...
 
Nach dem Croix Moccand überquerten wir unter eindrucksvollen Felswänden den Pas de la Rigole, ein luftiges Band, das aber dank der guten Wegspur keine Probleme bot. Im folgenden Felszirkus (Les Gures) verlor sich die Spur allmählich und wir machten den einen oder anderen Verhauer, weil wir zu hoch blieben. Der Boden ist hier stellenweise unangenehm zu begehen (harter Schotter). Kurz vor dem Ende der Querung führte uns ein Gemswechsel noch in eine äusserst luftige Wand, aber wir fanden dann bald den Steinmann, der uns auf die korrekte Passage weiter unten führte. Dieser Verhauer hatte immerhin den Vorteil, dass wir ein verwittertes Kärtchen von einem Ballonwettflug fanden – der Ballon war ein paar hundert Kilometer westlich auf die Reise geschickt worden!
 
Nun traten wir ins Vallon de Tenneverge ein, eine einsame, weite Welt oberhalb der senkrechten Felsfluchten des Fer-a-cheval, in der man sich ziemlich verlassen fühlt. Für den Rückweg würde ein kleiner, allein stehender Baum einen wichtigen Anhaltspunkt bilden (vgl. Foto). Eine horizontale Querung führte uns zur kleinen Schäferhütte, die an einen Felsen angelehnt ist (P. 1826). Hier liesse sich passabel Platz finden für 2 Personen. Dies ist allerdings nicht das Ritz, sondern sehr spartanisch. Man muss Schlafsack und Kocher mitnehmen (2 Isomatten vorhanden).
 
Der weitere Aufstieg zum Pass ist einfach, man kann sich ziemlich beliebig über die mässig steilen Grashänge hinauf arbeiten. Hauptereignis war in diesem Abschnitt, dass nach einer Pause Ossis Kamera durch ein Missgeschick etwa 50 hm in die Tiefe purzelte. Japanische Qualität...abgesehen von ein paar Schrammen und Kratzern gab es glücklicherweise keinen Schaden.
 
Um die Mittagszeit herum, also etwa 4.5 Stunden nach dem Beginn des Aufstiegs, erreichten wir den Col de Tenneverge (2484 m) und damit wieder die Landesgrenze. Da die höheren Gipfel meist in den Wolken hingen, verzichteten wir auf den Weiterweg zum Pic de Tenneverge und begnügten uns mit der kleinen Erhebung des Bas de Ballavaux (2596 m), der einen schönen Tiefblick zum Lac d’Emosson bietet.
 
Der Abstieg nach Emosson war dann ziemlich problemlos. Der Weg ist mit Steinmännern markiert, an einigen Stellen lagen kürzere Rutschpartien drin. Der Weg bis zum Staudamm ist dann eher langweilig, besonders sobald man sich auf der asphaltierten Strasse befindet. Man rechne mit mindestens zwei Stunden vom Pass zum Staudamm. Der Kulturschock war gross, denn Emosson ist ein extrem beliebtes Ausflugsziel, so dass sich heute massenhaft Spaziergänger tummelten. Wir hielten uns nicht lange hier auf und schlugen bald den Wanderweg nach Finhaut ein, auf dem es dann wieder sehr ruhig war.
 
Der Aufstieg von Plan des Lacs zum Col de Tenneverge kann gesamthaft durchaus mit T6 bewertet werden, wie es der SAC-Führer vorschlägt. Die technischen Schwierigkeiten sind bescheiden, aber man bewegt sich über eine lange Strecke in anspruchsvollem, abgelegenem Gelände und die beste Route ist beim ersten Mal nicht immer einfach zu finden. Bei Schnee, Regen oder Nebel dürfte die Sache sehr heikel werden. Bergschuhe mit steifer Sohle und ein Pickel sind notwendig (auch wenn es Franzosen gibt, die die Route mit Turnschuhen begehen...).
 
Wie so oft gilt auch hier: Nach der Tour ist vor der Tour – rasch haben wir neue Projekte gefunden. So scheint die Gratroute vom Col de Tenneverge bis zum Mont Ruan sehr reizvoll und nicht allzu schwierig (WS), oder auch die Überschreitung der Dents Blanches (ZS) lässt einem das Wasser im Mund zusammenlaufen!

Tourengänger: Zaza, ossi

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Pic de Tenneverge · Zaza

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