Chli Leckihorn 3023m, Rottällihorn 2913m


Publiziert von Bombo , 14. Januar 2011 um 23:54. Text und Fotos von den Tourengängern

Region: Welt » Schweiz » Uri
Tour Datum:14 Januar 2011
Hochtouren Schwierigkeit: WS
Ski Schwierigkeit: WS+
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-UR   CH-VS   Gruppo Pizzo Rotondo 
Zeitbedarf: 8:00
Aufstieg: 1600 m
Abstieg: 1600 m
Strecke:Realp - Rotondohütte - Chli Leckihorn - Rottällihorn - Mutten - Realp
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Realp, grosser Parkplatz für CHF 3.00 pro Tag
Unterkunftmöglichkeiten:z.B. Rotondohütte SAC
Kartennummer:LK 1:50'000, Bl 255 S "Sustenpass" & Bl 265 "Nufenenpass"

Chli Leckihorn 3023m - nicht weniger interessant wie sein grösserer Bruder


Fast einen halben Meter Neuschnee meldete SF Meteo - da frohlockt natürlich das Skialpinisten-Herz. Gerade vorweg: Das Wetter heute zeigte sich tatsächlich wie prognostiziert von seiner besten Seite (inkl. teilweise zügigem Wind), aber wohin der gemeldete Neuschnee gefallen ist, das scheint aktuell in der Schweiz ein grosses Rätsel zu sein... Die Antwort ist einfach: "verblasen" und genau so trafen wir denn heute auch die Gegend rund um die Rotondohütte an... Bruchharsch vom Feinsten, hin und wieder in Mulden oder windgeschützten Orten Pulverschnee der besten Sorte - nur eben, dies meistens nur im Aufstieg. Für die Abfahrt durften wir während lediglich ca. 300 Höhenmeter das stiebende Weiss geniessen - dies zwischen dem Rottällihorn und der Muttenreuss. Alles andere war mehr eine Lektion für Bruchharschfahren...

Von Realp 1540m folgten wir dem Hüttenweg zur Rotondohütte SAC 2569m, gemütliche Einkehr und weiter Richtung Leckipass. Auf ca. 2800m verliessen wir die Aufstiegsrichtung und bogen nach ziemlich exakt nach Süden ab. Über meist harschigen Schnee stiegen wir so zum Sattel bei P. 2968 auf, welcher die Mitte der beiden Leckihörner zeichnet.

Der weitere steile Anstieg bis zum Skidepot unterhalb des Gipfels erfolgt aufgrund der Steilheit und der potentiellen Lawinenauslösegefahr nahe an den Felsen, was rein spurtechnisch noch die letzten Schweisstropfen abverlangte. Vom Skidepot dann ohne Steigeisen, jedoch mit Pickel in teilweise ausgesetzter Kletterei zum Gipfel. Die Schwierigkeit hier variert je nach Verhältnissen - ist bereits gespurt und sind diese Spuren in festem Trittschnee vorhanden, dürfte der Aufstieg problemlos sein. Heute war der Schnee noch nicht gut verfestigt, entsprechend war ich meinem Vorspurer für die angelegten Tritte sehr dankbar.

Die Aussicht vom Chli Leckihorn 3023m ist ebenso schön wie die vom grösseren Bruder, dafür aber dürfte bei guten Schneeverhältnissen die Abfahrt hinunter zum Witenwasserengletscher ein Heidenspass sein - heute leider infolge Bruchharsch nicht, weshalb wir darauf verzichteten und mit ein paar Meter Höhenverlust nach Norden Richtung Rottällipass traverisierten und aufstiegen. Von dort dann in wenigen Schritten zum Südgipfel des Rottällihorn 2913m.

Spätestens hier erhofften wir uns perfekte Abfahrtsbedingungen - weit gefehlt, aber wir waren es uns ja nun gewöhnt: ab in den Bruchharsch und hinunter durch die Nordost-Flanke. Hin und wieder gab es wenigstens ein paar Meter eingeblasener Pulver, doch konnte man diesen an einer Hand abzählen. Richtig abfeuern konnten wir dann die Rakete erst bei Ob dem Stelliboden, wo wir uns dann für die Traumpulver-Variante hinunter Richtung Muttenreuss entschieden. 300 Höhenmeter vom schönsten Pulver und dann wieder das gewohnte Bild.

Wir bewegten uns nun auf der Südseite oberhalb der Muttenreuss - ein kapitaler Fehler, wie sich herausstellte. Da der Bach noch nicht zugeschneit war und die Südhänge links des Baches noch einiges an potentiellem Lawinenschnee aufwiesen, mussten wir uns einer Spur folgend auf der rechten Seite talauswärts kämpfen. Kämpfen ist das richtige Wort, denn es gab aufgefellte Gegenanstiege, auf- und abgefellte Abfahrten, Fussmärsche, hüfttiefes Einsinken und stets die potentielle - mindestens psychologische Gefahr - irgendwann mal in ein unvorhergesehenes Loch einzusinken und dem Urner Teufel zum Frass vorgeworfen zu werden.

Diese kleine Tortur nahm dann bei kurz vor Ebnen ihr Ende, wo wir wieder auf der eingeschneiten Strasse hinunter nach Realp fahren konnten.


Fazit: Eine absolut lohnenswerte, jedoch in der Horizontale weite Tour bei schönen pulvrigen Verhältnisse, ebenso auch im Frühling bei Firn. Aktuell kann unsere Variante um nach Realp zu fahren nicht empfohlen werden - hierfür bräuchte es definitiv mehr Schnee in den Muttenreuss. Nachahmer wählen besser die Variante über Stelliboden 2209m und fahren so hinunter zur Strasse. Gopfverdeckel dieser Deckel - trotzdem ein super Tag gewesen, danke Alpin_Rise.


Start Realp 1540m: 08.30 Uhr
Rotondohütte SAC 2569m: 11.40 Uhr (12.10 Uhr wieder weg)
Chli Leckihorn 3023m: 13.45 Uhr
Rottällihorn 2913m: 14.45 Uhr
Ziel Realp 1540m: 16.25 Uhr

Alle Zeiten inkl. Pausen.


SLF: "Mässig"


Tour mit Alpin_Rise

Tourengänger: Alpin_Rise, Bombo

Galerie


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