Südlicher Birkkopf, unbekanntes Karwendel


Publiziert von kardirk , 24. September 2010 um 21:37.

Region: Welt » Österreich » Nördliche Ostalpen » Karwendel
Tour Datum:23 September 2010
Wandern Schwierigkeit: T5- - anspruchsvolles Alpinwandern
Klettern Schwierigkeit: II (UIAA-Skala)
Mountainbike Schwierigkeit: L - Leicht fahrbar
Wegpunkte:
Geo-Tags: A 
Zeitbedarf: 12:00
Aufstieg: 1600 m
Abstieg: 1600 m
Unterkunftmöglichkeiten:Keine
Kartennummer:Alpenvereinskarte 5/2 Karwendel Mitte

Die Birkköpfe kennt eigentlich niemand, selbst in den neuen Ausgaben des AV-Führers wird diese Tour verschwiegen. Lediglich in älteren Ausgaben wird diese Tour als Abstiegsmöglichkeit von den Ödkarspitzen beschrieben. Und da wären wir auch schon bei der Lage. Die Birkköpfe sind nämlich der lange nach Süden streichende Grat, der von der Mittl. Ödkarspitze ausgeht.
Ich hatte mir diese Tour in umgekehrter Richtung vorgenommen, also vom Tal über den Südrücken aufwärts.
Schon bald sollte mir klar werden, warum diese Tour nirgends beschrieben und wohl auch so selten gemacht wird. Doch der Reihe nach.

Zunächst gings bekannt gemütlich von Scharnitz aus mit dem Radl ins Hinterautal . Kurz vor der Einmündung des Birkkarbaches, direkt hinter dem Touristenfake Isarquelle - früher war die mal beim Hallangerhaus, wo Sie auch viel eher hingehört, aber soweit kommen wohl die Touristenmanager von Scharnitz nicht - zweigt eine kleine Fahrstrasse nach links zu ein paar Jadghäusern ab, direkt unter den weiten Hängen des Tratenköpfl.
Damit wars dass dann auch mit der Gemütlichkeit an diesem Tage. Schon der Beginn des in den Karten und bei Google Earth so gut sichtbaren Steiges ist eine kleine Herausforderung, denn nach wenigen Schritten schon ist von den anfänglichen Steigspuren nichts mehr zu sehen. Man steigt nun im Wald in einem Graben bzw. daneben auf den begleitenden Rücken steil aufwärts, ca. 100hm, bis sich plötzlich verschiedene Spuren zu einem Steig sammeln und nach links heraus auf ein Geröllfeld führen. Kaum gefunden waren die Spuren auch schon wieder im Geröll verschwunden. Da sah ich an den Schroffen eine verostetes Eisenseil . Man steigt also dort rechts steigend über einige plattige Schroffen und gelangt auf ein langes Geröllfeld, das man nun wieder nach  links aufwärts zu einer plattigen Rinne hin verfolgt. Dort gehts dann wieder nach rechts, wieder mit einem Eisenseil und einigen Stiften markiert.
Erst jetzt zeigte sich eine Latschengasse, in der man einen Steig erkennen konnte. Ich folgte diesem Steig erst nach links, dann bei einem Abzweig weiter nach rechts. Der Steig ist ein Traum in Latschen und anderem Bewuchs. Man muß schon genau aufpassen durch welchen Busch die Spur weiterführt und ein ums andere mal stand ich etwas ratlos im Gebüsch herum - doch fand sich immer wieder die rettende Spur. Auf ca. 1900m lichteten sich die Latschen etwas und der darüberliegende Rücken führt direkt zum Grat empor - wohl auch eine Möglichkeit. Ich folgte allerdings dem Steig nach links, denn jetzt quert der Steig den gesamten Rücken und führt steigend zum Tratenköpfl (2126m). Vorher allerdings gibts noch etwas weiteren Frühsport mit Kumpel Latsche. Bei einem Geröllfeld dann hieß es  wieder, wo ist der Steig ? - immer am unteren Rand bleiben, dann am Latschenrand steigend bis man wieder auf den Pfad trifft.
So kam ich nach gut 3,5 Stunden reichlich erschöft endlich am Tratenköpfl an, wo der eigentliche Grat ja erst beginnt.
Ab hier ist die Tour dann ein Traum, die Aussicht einmalig, auch wenns nur die nahe Gipfel der Hauptkette sind, nach Süden allerdings wird der Blick immer freier. Der Grat ist leicht, zunächst Grasschroffen, dann Schutt. Ab dem ersten Kopf beginnt die leichte Kletterei, zunächst mit einem kurzen luftigen Gratstück, dann mit kleineren Steilstufen und plattigen Stellen, alles so I-II je nachdem welchen Weg man wählt.
Zuletzt kommt dann noch ein kurzes Sahnestückchen, ca 70Hm über eine plattigen Grat, ein Traum einfach nur hochlaufen. Insgesamt relativ fester Fels mit den karwendelüblichen Vorsichtsmassnahmen.
Leider war ich dann doch etwas zu ausgepowert und benötigte gut 1,5h bis zum Gipfel. Somit war der weitere Weg aufgrund der vorgerückten Stunde und meiner Körperlichen Verfassung nicht mehr anzuraten, denn bis zum Gipfel der Ödkarspitzen wären es noch ca 2 km Grat, der zwar von hier recht einfach aussah, aber laut AV-Führer erst noch die richtigen Kletterpassagen haben sollte. Also lieber eine schöne Gipfelrast.
Der Abstieg war dann dasselbe in "grün" (:- , erst schönes Gratwandern, dann Wegesuchen und Latschenkrampf, einschließlich einer Vision von einem Kettensägenmassaker. Nach gut 4,5h Stunden war ich dann wieder bei meinem Radl. Es folgte noch eine vom Vollmond romantisch beleuchtete Abfahrt durchs Hinterautal nach Scharnitz.

Fazit:
Eine rechte Karwendeltour, so richtig was für Latschenmasochisten.
Wenn der Grat doch einfacher zu erreichen wäre, aber dann käme ja jeder hin (:-.


Tourengänger: kardirk


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Kommentare (7)


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gero Pro hat gesagt: Man soll ja nichts beschreien!
Gesendet am 24. September 2010 um 22:44
Servus Kardirk,
eben hab ich noch in Frage gestellt, ob jemals seit HvB jemand hier zugange war:

http://www.hikr.org/gallery/photo372524.html?post_id=28388#1

und schon findet sich jemand! Allerdings hast Du ja nicht alle Birkköpfe begangen ... ist schon eine wilde Landschaft, speziell die abgelegenen Karwendler, was?

Beste Abendgrüße vom Georg

kardirk hat gesagt: RE:Man soll ja nichts beschreien!
Gesendet am 25. September 2010 um 18:10
servus gero,

wenn ich richtig informiert bin, war HvB gar nicht auf diesem Kamm, solls ja auch geben.
Das schöne an diesen Touren ist, kaum ist man wieder daheim sind alle Strapazen vergessen und man würde am liebsten wieder losziehen.
Vielleicht gibt der Herbst ja noch was her.

Servus Dirk

ADI hat gesagt:
Gesendet am 26. September 2010 um 12:18
Hallo!

Gratuliere zu der schönen, einsamen Tour.
Hier war selbst ich noch nie.
Das muß ich mir mal genauer anschauen.

VLG, ADI

kardirk hat gesagt: RE:
Gesendet am 26. September 2010 um 20:17
Servus,

gibts das tatsächlich - die Route, besonders der gesamte Grat wird Dir sicherlich gefallen.

VG Dirk

marsch hat gesagt: Wiederholung
Gesendet am 18. Juli 2011 um 14:33
Servus,

ich bin die Tour am letzten Wochenende gegangen, allerdings etwas anders im Aufstieg. Der Tourenbericht hier klingt ein wenig furchterregender, als die Angelegenheit tatsächlich ist (vor allem, was die Latschen betrifft).

Man spart sich einiges an Zeit und Frustration, wenn man anstatt den Bachgraben zu queren, rechts davon zuerst über schottrige Platten, später über Schrofen zum Vorgipfel aufsteigt (also dasTratenköpfl links liegen lässt).

Die reine Gehzeit beträgt auf diesem Weg von der Jagd-/Imkerhütte zum ersten Birkkopf inkl. Pause knappe 4 Stunden. Leider sind wir aber ebenfalls nicht weiter als auf den ersten Kopf gekommen. Der Abstieg dauerte ca. 2,5 Stunden.

Um mir fürs nächste Mal einen Eindruck zu verschaffen, bin ich den Grat noch ein Stück weitergegangen. Es handelt sich großteils um Gehgelände, bei dem man durch die unberechenbare Festigkeit manchmal nicht ganz unglücklich über Halt für die Hände ist. Gelegentlich ist leichte Kletterei (I-II, eher I) gefragt.

Den GPS-Ariadnefaden für die Latschenzone kann ich bei Bedarf gerne zur Verfügung stellen. Der Weg entspricht aber recht genau dem in der AV-Karte eingezeichneten Verlauf.

Gruß,
Markus

kardirk hat gesagt: RE:Wiederholung
Gesendet am 24. Juli 2011 um 11:37
Hallo Markus,

wenn man die Tour nachgeht, its meistens leichter, besonders wenn man weiß, wies da aussieht.
Ich denke beim 2ten Mal würde ich nicht zum Tratenköpfl queren, sondern den Hang direkt zum Vorgipfel hinaufsteigen.
Wie weit warst Du denn, bist Du bis zur Scharte vor dem mittl. Kopf weitergestiegen - hier soll laut AV-Führer ein Kamin (III?) zu durchklettern sein?

Viele Grüße
Dirk

marsch hat gesagt: RE:Wiederholung
Gesendet am 25. Juli 2011 um 17:14
Servus Dirk,

wir haben uns am in der DAV-Karte eingezeichneten Weg orientiert, nachdem mir vor 2 Jahren ein Hüttenwirt von dieser Tour erzählt hat. Das war eigentlich ausreichend, im oberen Teilstück muß man dann sowieso selber zurechtkommen.

Ich bin nicht komplett auf den Sattel zwischen den beiden hinabgestiegen, sondern nur ein Stück weit über den Gipfel hinaus gegangen. Hinter dem Gipfel geht es deutlich nach unten, allerdings typisches Gratgelände. Ich hatte nicht den Eindruck, daß beim vorhandenen Gefälle nochmal ein steilerer Abbruch nötig wäre, um auf das Zwischenstück zu kommen. Man sieht den Wandfuß aber von Gipfel her nicht ein, daher ist es gut möglich, daß der Führer recht hat.

Oder meinst Du direkt am Aufbau des mittleren Gipfels?

Gruß,
Markus


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