Graupener Bergreviere IV


Publiziert von lainari , 29. Dezember 2018 um 22:04.

Region: Welt » Tschechien » Krušné hory
Tour Datum:27 Mai 2018
Wandern Schwierigkeit: T3 - anspruchsvolles Bergwandern
Wegpunkte:
Geo-Tags: CZ 
Zeitbedarf: 2:30
Aufstieg: 185 m
Abstieg: 185 m
Strecke:4 km
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Auto bis Kaple sv. Wolfganga oder Sessellift Bohosudov - Komáří vížka
Kartennummer:1:50.000, KČT Nr. 6 Krušné hory - Teplicko

Mückenberg (Nordhang) und Klösenberg
 
Wer am Mückenberg (Komáří hůrka) im Böhmischen Erzgebirge unterwegs ist und sich für Bergbau interessiert, hat ein Problem. Der Arzt würde wahrscheinlich Reizüberflutung oder Dichtestress diagnostizieren. Zu den Hochzeiten des Bergbaues waren hier bis zu 70 Stollen und 100 Schächte gleichzeitig in Betrieb. Entsprechend mannigfaltig sind die historischen Spuren in diesem Bereich. Die Bergschadenskarte der Region beginnt mit dem Objekt 1 und die höchste lesbare Zahl ist die 164. Durch das dichte Zusammenliegen der Markierungen kann die tatsächliche Anzahl durchaus höher sein. Zudem enthält die Karte nur Objekte im Zentralbereich.
 
Ausgegangen war der Bergbau am Südfuße des Erzgebirges auf dem Gebiet des 1330 erstmals urkundlich erwähnten Ortes Graupen (Krupka). Hier wurde bereits seit dem 12. Jh. in den Bächen Zinn geseift. Die dabei gefunden Zinnkörner nannte man Graupen. So müsste eigentlich der Ausspruch „die Graupen dicke haben“ nicht für etwas Negatives stehen, sondern für eine gewisse Wohlhabenheit. Bereits im 13. Jh. ging man dazu über, Zinn in Primärlagerstätten durch Schürfmulden und Tagebaue im Festgestein zu gewinnen. Für das 15. Jh. wurde dann der Beginn des Tiefbaues mit Stollen und Schächten nachgewiesen. So blickt die Region wohl auf eine 800-jährige Bergbaugeschichte zurück. Die örtlichen Bergreviere wurden wie folgt eingeteilt:
  •          Mückenberg
  •          Klösenberg
  •          Steinknochen
  •          Knötel/Knödel
  •          Rosenthal (Vrchoslav)
  •          Günther
  •          Preisselberg
Bei der Erkundung des Geländes hilft eine Internetseite mit einem virtuellen Bergbaulehrpfad (VNS Krupským hornictvím). Mit einer realen Auszeichnung im Gelände wurde begonnen. Der Lehrpfad hat eine Länge von etwa 12 km mit je 800 hm Auf- und Abstieg. Für das Gewinnen eines Überblickes kann man somit eine Gesamtbegehung durchführen. Die Menge der heute noch sichtbaren Bergbauspuren lässt eine Zerlegung in mehrere Abschnitte sinnvoll erscheinen. Zu Gunsten einer genaueren Nachschau zerlegte ich das Projekt dann auch in mehrere Teile.
 
Wenige Tage nach dem dritten Besuch startete ich die vierte Erkundung wiederum an einem herrlichen Frühsommermorgen an der Kaple sv. Wolfganga (St. Wolfgangskapelle). Nur eine zeitige Anreise sicherte moderate Temperaturbedingungen. Dieses Mal wandte ich mich ostwärts, überquerte den Komáří hůrka (Mückenberg) und nahm den Weg auf dem Kamm entlang bis zu einem kleinen Skigebiet. Unmittelbar dahinter erhob sich die bewaldete Kuppe des Liščí vrch (Klösenberg). Ich ging zunächst über einen Waldweg entlang der Westflanke des Berges und traf dort auf die Pingen der einstigen Zeche Johannes, die bis 1799 in Betrieb gewesen sein soll. Das Bergbaugebiet Klösenberg wird in heutigen Quellen als weniger bedeutsam beschrieben. Richard Beck schreibt in „Die Zinnerzlagerstätten von Graupen in Böhmen“ (Jahrbuch der k.k. geologischen Reichsanstalt 1914, 64. Bd.) zutreffender „…lebhafter Bergbau…“, was eher dem beachtlichen Ausmaß der Pingen entspricht. Die geologische Karte weist Zinnvorkommen in einer Mischung aus Gang- und Flächenvererzungen aus, dabei sind je nach konsultierter Quelle zwischen 9 und 15 Zinnerzgänge verzeichnet, die hauptsächlich in Ost-West-Richtung verlaufen. Die Mischung der Zinnerzvorkommen und die Gestalt der Pingen weisen auf einen umfangreichen einstigen Stockwerksbau hin. Die Zeche Johannes wurde dabei auf einer Teufe von 70 m von einem gleichnamigen Erbstollen unterfahren. Die einstige Ausmündung des Stollens am Südhang des Berges habe ich noch nicht aufgesucht. Einer der im Bergwerk abgebauten Gänge wurde wegen seines hohen Arsenopyritgehaltes auch Giftgang genannt. Entlang der Bruchkante der großen Pinge/des Tagebaus mit dem Flurnamen Ell Torro wechselte ich auf die Ostseite des Berges. Hier mündeten etagenartig drei alte Stollenmundlöcher aus, von denen ich wegen dichten Jungwuchses zunächst nur das oberste auffand. Über den Gipfel schloss sich nun die Rückkehr zum Skiareal und zum Kammweg an. Auf halbem Weg zum Mückenberg passierte und untersuchte ich noch eine kleinere Bergbauzone, die abermals eine Mischung aus Gang- und Flächenvererzungen aufwies und nur zwei Zinnerzgänge besaß. Dann widmete ich mich am Komáří hůrka dem Nordhang des Revieres Mückenberg mit seiner großen Pinge und diversen Tagebauen und Schachtpingen. Der Nordhang des Mückenberges war geprägt durch eine Flächenvererzung, was zum Abtrag großer Gesteinsmassen und schließlich zum Pingenbruch führte. Im zerfurchten Areal ist eine Zuordnung der heutigen Spuren zu einzelnen Bergwerken kaum noch möglich. Zurück an der Kaple sv. Wolfganga endete die schließlich die vierte Erkundung.
 
Zur finalen Gewinnung eines ersten Gesamtüberblicks habe ich noch drei weitere Touren in Planung. Die Aufteilung wird das Stadtgebiet Graupen, eine Tour zwischen dem Besucherbergwerk Starý Martin und Horní Krupka (Obergraupen) sowie die Erkundung des Revieres Knötel umfassen.
 
Die pausenbereinigte Gehzeit betrug 2 h 30 min.
Die Weglospassagen im Wald sind mit T3 zu bewerten, die restliche Strecke auf vorhandenen Wegen mit T1. Ich weise ausdrücklich auf die besonderen Gefahren des Altbergbaues hin, im Revier Klösenberg sind die Bergbaugefahren nicht markiert! Im Bereich sind durch Vegetation verdeckte offene Schächte, Stollen und Verbruchstellen anzutreffen!

Tourengänger: lainari


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