Jahresabschluss im eiserstarrten NAHErholungsgebiet


Publiziert von Nik Brückner , 31. Dezember 2018 um 16:16.

Region: Welt » Deutschland » Westliche Mittelgebirge » Sonstige Höhenzüge und Talgebiete
Tour Datum:28 Dezember 2018
Wandern Schwierigkeit: T2 - Bergwandern
Wegpunkte:
Zeitbedarf: 3:15
Aufstieg: 450 m
Abstieg: 450 m
Strecke:14km
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Zum Wanderparkplatz am Portal Kuhberg kommt man auch mit dem Bus.

Im Juli dieses Jahres ging's durch die höchste Felswand zwischen den Alpen und Skandinavien, und im Anschluss entdeckten wir, wie ich damals schrieb, unsere neue Lieblingswanderregion. Am Ende des Jahres kehrte ich dorthin zurück, um einige Ecken zu erkunden, die ich bis dahin noch nicht kannte. Diesmal leider ohne die Waldelfe, die musste zwischen den Jahren arbeiten.

Und so dübelte ich allein nach Bad Kreuznach und durch einen wahren Irrgarten von Straßen den Kuhberg hinauf zum Wanderparkplatz am Portal Kuhberg (247m). Von hier aus lässt sich der nördliche Teil jener felsigen Gegend zwischen Kreuznach und Altenbaumburg prima erwandern, der mich interessierte.


Hier führt ein Sträßchen geradeaus zum Hofgut Rheingrafenstein, ein breiter Waldweg halbrechts geradewegs in den Wald, ich aber wollte so direkt wie möglich zur Bergkante vor, und hielt mich darum rechts. Nach wenigen Minuten erreichte ich die Kante, an einem Aussichtspunkt hoch über der Nahe namens "Münsterblick".

Herrlich war's hier vor! Die eisige Luft hatte die Landschaft mit Reif überzogen, und alles - Gräser, Büsche, Bäume - war im Eis erstarrt. Eine weiße Welt hoch über dem Nahetal.

Von hier aus wanderte ich immer an der Bergkante entlang. Der Weg folgt (mehr oder weniger) den Höhenlinien, und schwingt dabei dreimal übers Tal hinaus, und dreimal in den Berg hinein. Dort, in den Tobeln, führen kleine Steiglein hinunter zu einem schönen Hangweg, den ich mir für's Ende der Tour ausgesucht hatte, und den ich deshalb jetzt ignorierte, ebenso wie die vielen Wege oben im waldigen Flachgelände. Und so folgte ich dem Ein- und Ausschwingen meines Wegs, bis er unterhalb des Hofguts die Rheingrafenwiese quert. Nach der Querung wieder im Wald angelangt, rechtste ich ab, um auf geradem Weg stracks wieder vor an die Bergkante zu gelangen. Hier wendet sich der Weg nach links, es geht hinauf zum Aussichtspunkt Gans (296m).

Wanderparkplatz am Portal Kuhberg - Gans: 45 Min.


Eigentlich ist das eine ganze Kette von tollen Aussichtspunkten, aber die Gans hat halt einen Namen. Je weiter südlich man aussichtet, umso besser kann man den 202 Meter hohen Rotenfels einsichten, die höchste Felswand zwischen den Alpen und Skandinavien.

Von der Gans aus wandert man dann in wenigen Minuten hinüber und hinunter zur Ruine Rheingrafenstein - ich wollte aber noch einen hohen Fels besteigen, der mir schon bei unserem ersten Besuch durch sein Gipfelkreuz aufgefallen war. Zu diesem Zweck folgt man auf der Kuppe oberhalb (östlich) der Ruine Rheingrafenstein einer in manchen Karten eingezeichneten, aber nur sehr spärlich ausgeprägten Pfadspur  - und muss trotzdem noch in weglosem Gelände herumsuchen, bis man die Stelle gefunden hat. Eine schöne Stelle, bissl kraxelig, und man kann schöne Fotos schießen.

Zurück auf dem markierten Weg sind es dann nur noch wenige Schritte bis zur Ruine Rheingrafenstein (212 m)

Gans - Rheingrafenstein: 30 Min.


Die Ruine der Burg Rheingrafenstein befindet sich auf der Spitze einer 136 Meter hohen Porphyr-Felsformation, die früher "Huhinstein" hieß, dann aber nach der Burg benannt wurde. Sie wurde im 11. und 12. Jahrhundert errichtet, und während des pfälzischen Erbfolgekrieges 1688 zerstört.

Vermutlich wird der Rheingrafenstein von den Emichonen (Nahegaugrafen) erbaut. Er wird später zur Stammburg der Ritter vom Stein (der späteren Wild- und Rheingrafen), und verbleibt bis zur Französischen Revolution in deren Besitz. 1196 nennt sich Wolfram von Stein erstmals „Rheingraf“, die Bezeichnung überträgt sich dann auf die Burg. Nach der Schlacht bei Sprendlingen im Jahre 1279 verliert Siegfried II. vom Stein seine rechtsrheinischen Besitzungen an den Erzbischof von Mainz, und verlegt seine Residenz hierher. Im Jahre 1610 bildete sich eine eigene rheingräfliche Linie - die "Rheingrafensteinische".

Während des Dreißigjährigen Krieges wird die Burg von Spaniern und Schweden erobert und im Pfälzischen Erbfolgekrieg 1688 von Truppen des französischen Generals Mélac zerstört. Reste werden 1721 zum Bau einer Saline verwendet. 1835 kauften die Nachkommen der Wild- und Rheingrafen den Rheingrafenstein und das Huttental von der Gemeinde Münster wieder zurück.

Teile des Berings, ein Gewölbekeller, ein paar Treppen zum ehemaligen Wohnturm sowie die Grundmauern des ehemaligen Treppenturms sind noch erhalten. Eine weitere Treppe führt durch einen Felsen auf eine Aussichtsplattform auf dem hier leicht überhängenden Fels.


Nach der Besichtigung stieg ich auf dem breiten, geländerbewehrten Weg hinunter ins tiefe, dunkle Huttental, und nahm dabei noch einen kurzen Schlenker entlang einer Felswand mit, den ich noch nicht kannte.

Diese enge Schlucht unterhalb des Rheingrafensteins trägt ihren Namen wegen der zahlreichen Bergwerksstollen, die das Gebiet zwischen Rheingrafenstein und Alsenzmündung durchzogen: Huttental - von Hütten/Verhüttung. In der Nähe ist auch ein Besucherbergwerk.

Im Talgrund angekommen, wanderte ich hinunter bis zur Brücke, überquerte sie, und wanderte drüben an einer Felswand hinauf.  Von dort hat man einen guten Blick auf die Ruine Affenstein.

Südwestlich unterhalb des Rheingrafensteins befinden sich auf einem kleinen Absatz in der senkrechten Felswand die dürftigen Reste der Burg Affenstein. Die talseitige Mauer ist von hier aus gut zu sehen. Auch auf der Bergseite stehen Mauerreste, eine Rekonstruktion der Anlage oder Rückschlüsse auf ihren Zweck sind angesichts der wenigen erhaltenen Teile allerdings schwierig. Sogar die Identität der Anlage mit dem 1426 erwähnten "Affenstein unter dem Ringravensteine" wird bezweifelt. Wahrscheinlich war sie lediglich ein Vorwerk zur Burg Rheingrafenstein. Der Zeitpunkt, zu dem die Anlage aufgegeben wurde, ist unbekannt. Eventuell erfolgte ihre Zerstörung während des pfälzischen Erbfolgekrieges 1688.

Der Affenstein ist übrigens nur von unten zu erreichen, nachzulesen hier. Das Gewühle dort hinauf war mir dieses Mal aber zu stressig.


Ich wanderte weiter an der Felswand entlang und gelagte bald an einen Aussichtspunkt auf einem Felsen über der Nahe. Auch zu einem weiteren Aussichtspunkt westlich davon ging ich noch vor, am Waldrand über dem Nahe-Alsenz-Eck, in der Nähe eines Campingplatzes.

Rheingrafenstein - südlichster Punkt der Tour: 30 Min.


Von hier aus könnte man direkt den Berg hinaufsteigen, ich wanderte aber ein paar Meter zurück und hielt mich dann rechts, auf einen Weg, der besagten Berg umrundet, und im oberen Huttental endet. Dieses wanderte ich nun hinunter bis ans Ufer der Nahe.

Hier hielt ich mich rechts, und schlug einen Uferweg ein, der direkt unter den Felswänden des Rheingrafensteins hindurchführt. Trotz Sperrung wegen Steinschlaggefahr wird dieser offenbar noch begangen, prall mit Felsbrocken gefüllte Metallnetze zeugen allerdings auch davon, dass die Sperrung ihren guten Grund hat. Mir war der Fels jedoch wohlgesonnen, und ich wurde nicht mit Steinen beworfen.

Irgenwann stieß ich auf die erste Spitzkehre eines Zickzackwegs, der von der Nahe bis hinauf zur Gans führt. Dieser Weg quert nun in ständigem, weitausholendem Hin und Her den in durchaus alpinem Ausmaß gerölligen Westhang des Bergs, der den Aussichtspunkt "Gans" trägt, mein nächstes Ziel. Dabei passiert man den Zwei-Bäder-Blick (238m), von dem aus man Aussicht auf Bad Kreuznach und Bad Münster hat. Dann ging's weiter durch die riesige Geröllhalde hinauf zu Gans (296m).

Südlichster Punkt der Tour - Gans: 1h


Hier wandte ich mich nach Norden, und ging, ein Stück meinem Weg vom Vormittag folgend, an der Bergkante entlang weiter his zu einem Punkt, an dem der Weg zuletzt eine Rechtsbiegung macht. Hier wendet sich die Route leicht bergab, und es beginnt ein wunderbarer Hangweg, auf dem man bis nach Bad Kreuznach hinunter gelangen kann. Ich ignorierte mehrere Möglichkeiten, nach rechts auf den Bergrücken hinaufzusteigen, erst als die Felsen nachließen, und über mir längst jenes Wohngebiet begonnen hatte, an dessen südlichem Ende mein Auto stand, nahm ich einen rechts abzweigenden, breiten Serpentinenweg, und wanderte westlich und südlich um die äußersten Häuser herum zurück zum Wanderparkplatz am Portal Kuhberg (247m).

Gans - Wanderparkplatz: 30 Min.


Fazit:


Wieder eine ganz fantastische Tour in diesem kleinen, aber ganz besonderen landschaftlichen Od. Felsen, Geröfflfelder, Kiefernwälder, Ruinen - und das alles mit Rauhreif überzogen. Schöner hätte das Wanderjahr nicht zuende gehen können!

Euch allen heut Abend einen fröhlichen Start ins neue Jahr und eine fantastische Wandersaison 2019!


Tourengänger: Nik Brückner


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