Toma-See gesucht und gefunden


Publiziert von rojosuiza , 18. Oktober 2017 um 19:04.

Region: Welt » Schweiz » Graubünden » Surselva
Tour Datum:27 September 2017
Wandern Schwierigkeit: T2 - Bergwandern
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-UR   CH-GR 

 

Wenn man eifrig sucht, findet man schliesslich auch. rojosuiza hat es den Toma-See schon einmal gesucht, aber das Finden ist ihm nicht ganz gelungen.

 

Dieses Mal hat er  sich vorgenommen, eifrig das Kartenbild zu studieren; es nicht nur zu studieren, sondern die Ratschläge der Karte auch anzunehmen. Das ist extra wichtig, weil der Lebenspartner gebrechlich geworden ist, und nur noch kurze Strecken schafft.

 

Alles geht gut. rojosuiza läuft brav abwärts, wo er eher hinauf wollte, er zieht brav unten am Berg entlang, wo er früher unbedingt darüber hinweg wollte. Man steigt lähmend langsam empor, immer wieder inne haltend, um Luft zu schnappen. Es geht ein kalter Wind auf diesem Stück, Wolken und Sonne wechseln schnell ab. Es begegnen uns mehrere Tatzelwürmer, eine Jugendriege, weit auseinandergezogen, und schliesslich zieht ein Tatzelwurm älterer Herrschaften vorbei, gut zu erkennen an der geschlossenen Formation.

 

Der Lebensgefährte will nicht mehr. Es ist zu kalt, es steigt zu sehr. Er will zurückgehen. rojosuiza darf allein weiter und er schraubt das Tempo hinauf. Schnell den See sehen, und dann schnell zurück. Kommt es so? – Es kommt fast so…

 

Immer brav dem Weg folgend kommt die letzte Steigung in Sicht, ein paar Gestalten lungern auf einem Felsen herum. Wird es übervoll sein am Toma-See? – Nein, beim Erscheinen des Berghelden flieht alles und rojosuiza ist allein am See. Immer weiter läuft er in die Kuhle hinein, bis er hinten am See auf dem Grase geht. Wundersam reissen jetzt die Wolken auf und volle Sonne beleuchtet die Szenerie, Wärme streichelt rojosuizas Körper. Da will einer sich doch hinsetzten, hinlegen selbst und ruhen in diesem Paradies. Doch… wie geschieht mir? – Hinsetzen,  Hinlegen gar, es ist keine gute Idee. Der gräserne Teppich unter mir, der mich zum Liegen einlädt, er gibt ganz sachte nach, und schon wird der Hintern feucht, ja nass! Nichts Hinlegen, aufstehen, und schon sind die Knie auch nass. Der Rasenteppich ist zum Hinblicken und nicht zum Anfassen!

 

Da die Rast abrupt abgekürzt ist, ist Zeit, um der Rheinquelle auf den Leib zu rücken. Ein See ist ja keine Quelle, aber der Ausfluss des Sees? – Das ist dann wohl die Quelle hier, ein Bächlein aus dem See, über den als eine Art Brücke ein dicker Stein liegt. rojosuiza ist schon drüben: er hat gerade den Rhein auf der ersten Rheinbrücke überquert. Ab hier führt ein Weg davon, dem rojosuiza einige wenige Meter folgt. Vielleicht geht der Weg nach unten ins Tal, vielleicht auch nicht. Die Karte würde es zeigen. Aber was schert mich die Karte, ein Direkt-Abstieg ist hier gut möglich, alles ist gut einzusehen. Also nimmt der Bergheld seinen eigenen Weg, statt brav zurückzuwandeln auf dem vorgezeichneten Pfad. Ein bisschen Üben in Freier Wegfindung ist immer gut. Er kommt richtig unten an, geht zurück auf den Wanderweg und überquert den Rhein erneut – auf der zweiten Rheinbrücke. (Man sieht, am Berg kommt man aus dem Zählen nicht heraus!) Dann eilt er brav den Weg zurück zum Oberalppass, und er ist so flink im Abstieg, dass er seinen Weggefährten ganz rechtzeitig wieder einholt.

 

Was hat der verkürzte Abstieg nun gebracht? – Hat sich nicht nachher auf der Karte herausgestellt, dass nur wenige Meter von der von mir gewählten Direttissima tatsächlich ein Weg verläuft? – Freude am selber Suchen und selber Finden einer Passage, das hat es mir gebracht. Zusammen mit den poetischen Bildern vom einsamen Toma-See hat mir der wilde Abstieg eine ganz und gar erfüllende Wanderung gebracht.


Tourengänger: rojosuiza


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Kommentare (2)


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silberhorn Pro hat gesagt:
Gesendet am 19. Oktober 2017 um 13:38
Toll, nach relative langer Zeit gleich vier Deiner ungewöhnlichen Berichte und zum Teil auch Bilder genossen zu haben:-)))

LG, maria

rojosuiza hat gesagt: Danke
Gesendet am 19. Oktober 2017 um 16:54
Dank Dir, Maria.

Man hat mich ein paar Wochen losgelassen, dann geht's ab in die Berge.

Die Berichte kommen danach automatisch, wenn man mich nur erst laufen lässt...


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