Galtbergspitze (2391 m) - mitten im Nirgendwo


Publiziert von Nic , 14. September 2017 um 13:54. Fotos von den Tourengängern

Region: Welt » Österreich » Nördliche Ostalpen » Lechtaler Alpen
Tour Datum: 8 September 2017
Wandern Schwierigkeit: T4+ - Alpinwandern
Klettern Schwierigkeit: I (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: A 
Zeitbedarf: 6:00
Aufstieg: 1400 m
Abstieg: 1400 m
Zufahrt zum Ausgangspunkt:auf der B179 zur Fernpasshöhe. Parkplätze direkt auf der Passhöhe
Kartennummer:AV-Karte 4/1 Wetterstein- und Mieminger Gebirge West

Dort wo sich Fuchs und Hase gute Nacht sagen, genauer oberhalb vom Ochsengarten in der Loreagruppe, ragen ein paar Felsgipfel empor, die nur selten im Jahr Besuch erhalten. Die Gegend zwischen der Steinmandlspitze im Norden und dem Kreuzjoch im Süden gehört mit zu den einsamsten Gebieten der Lechtaler Alpen und ist daher ein wahres Eldorado für einsamkeitsliebende Bergsteiger. Neben den kaum je bestiegenen Kaminlochköpfen, sticht dem aufmerksamen Bergfreund vor allem die Galtbergspitze ins Auge, die bereits von weitem eine gute Figur macht.

Vom Parkplatz an der Fernpassstraße steigen wir zunächst weglos über einen bewaldeten Rücken hinab zu einem Forstweg. Diesem folgen wir in westlicher Richtung zu einer Verzweigung, an dem der nun beschilderte Steig durchs Kälbertal hinauf zur unbewirtschafteten Galtberghütte beginnt. Der Weg ist stets gut markiert und an keiner Stelle schwierig zu begehen. Nachdem wir die Hütte erreicht haben, machen wir erst einmal Pause. Wir haben Glück, die überaus freundlichen Pächter sind heute den letzten Tag hier oben. Die Kühe sind bereits schon wieder im Tal und die Alm wird winterfest gemacht. Bei kühlen Getränken und einem Schnaps genießen wir die tolle Aussicht und philosophieren ein wenig über zukünftige Ziele in den nahen Miemingern.

Nach einer gefühlten Ewigkeit geht es dann aber doch weiter, schließlich haben wir noch etwas vor. Zunächst folgen wir dem markierten Steig in Richtung Kreuzjoch. An geeigneter Stelle verlassen wir diesen und steigen über gut gestuftes Gras hinauf zum sogenannten Ochsengarten. Ein vorgelagerter Felskopf (P. 2151) wird am besten links (südseitig) umgangen. Das nächste Ziel ist ein auffallender grasdurchsetzter Sporn, der vom Südgipfel der Galtbergspitze bis hinunter ins Kar reicht und den einfachsten Aufstieg zum Südostgrat vermittelt.

Der steile Anstieg über die Rippe ist nirgends wirklich schwierig und die Hände werden nur an wenigen Stellen benötigt. Trotzdem handelt es sich hierbei bereits um einen relativ anspruchsvollen und komplett weglosen Anstieg, der vor allem bei Nässe höchst unangenehm werden dürfte. Etwas unterhalb des Südgipfels erreichen wir den Grat und treffen zugleich auf den ersten Steinmann der heutigen Tour. Der südliche Vorgipfel bietet sich als idealer Rastplatz an. Die Aussicht ist bereits hier überragend.

Nach einem kurzen Aufschwung (I) folgt der relativ anspruchsvolle Abstieg zu einem grasigen Band in der sehr ausgesetzten Ostflanke. Ein Ausrutscher ist an dieser Stelle unbedingt zu vermeiden, es wäre mit Sicherheit der letzte! Bei uns war es noch ein wenig feucht und die Erdanteile daher schmierig. Bei ungünstigen Verhältnissen nicht ganz ohne! Nun weiter am teils luftigen Grat, immer der brüchigen Schneide folgend, in leichter Kraxelei hinüber zu einem Abbruch vor dem Hauptgipfel. Dieser stellt die vermeintliche Schlüsselstelle des Übergangs dar, ist aber für den geübten Berggeher mit der nötigen Trittsicherheit kein allzu großes Problem. Allerdings ist der Fels wie überall an diesem Berg von einer eher dürftigen Qualität und die Griffe sollten daher mit Bedacht gewählt werden.

Wer möchte, kann aus der Scharte nach dem Abbruch den im AVF erwähnten "IIer" mitnehmen, oder auch einfach links umgehen. Wir sind diese Stelle sowohl im Auf- als auch im Abstieg geklettert und würden sie eher mit I+ bewerten. Der weitere Anstieg hinauf zum höchsten Punkt gestaltet sich dann vergleichsweise unschwierig und der Gipfel mit Steinmann ist schnell erreicht. Seit 2013 befindet sich hier oben ein Gipfelbuch, das freundlicherweise von gkraxler und seinen Kameraden gespendet wurde. Vielen Dank dafür an dieser Stelle! Überraschenderweise ist unser Eintrag der erste in diesem Jahr! Womöglich trägt sich aber auch nicht jeder ins gut versteckte Büchlein ein. Die Ausblicke sind wie bereits erwähnt überragend. Die Galtbergspitze zählt für mich zu den besten (der bisher von mir bestiegenen) Aussichtsgipfeln der Lechtaler Alpen überaupt.

Da wir keine Infos über den Nordgrat in Richtung Steinmandlspitze haben, machen wir uns nach einer langen Pause wieder an den Abstieg über den Anstiegsweg. Ein Wiedersehen ist allerdings sehr wahrscheinlich!


Schwierigkeiten:

Vom Fernpass zur Galtberghütte T2
Galtbergspitze Südgipfel über Ochsengarten und Ostsporn- bzw. Rippe T4 I
Galtbergspitze Hauptgipfel über SO-Grat T4+ I (direkt am Grat eine Stelle I+)


Fazit:

Überaus lohnende Tour auf einen einsamen Aussichtsgipfel der Lechtaler Alpen. Die technischen Schwierigkeiten am Südostgrat sind überschaubar. Die Kombination mit weiteren Gipfeln bietet sich an. Wir kommen wieder!


Tourengänger: Nic, yuki

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Kommentare (2)


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Yeti69 hat gesagt:
Gesendet am 15. September 2017 um 08:35
Seavus Yuki und Nico,

ja, die Galtbergspitze hat was... vermutlich hättet ihr meinen (fehlenden) Bericht über den Verbindungsgrat zum Roten Stein gebrauchen können ;-)
Evtl. dreh' ich die Runde im Herbst nochmal, die lohnt... dann könnt ihr gerne mitkommen :-)

VLG Markus

yuki hat gesagt: RE:
Gesendet am 17. September 2017 um 02:20
Servus Markus,

würd mich freuen!

Herzlich
die Syoko


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