Leia bezwingt Darth Vader - Schwarz Stöckli


Publiziert von Zoraya , 26. August 2017 um 22:27.

Region: Welt » Schweiz » Uri
Tour Datum:26 August 2017
Wandern Schwierigkeit: T6 - schwieriges Alpinwandern
Klettern Schwierigkeit: II (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-UR 
Zeitbedarf: 9:00
Aufstieg: 1200 m
Abstieg: 1550 m

Endlich! Auf diesen Moment habe ich lange gewartet. Selten hat mich ein Gipfel so in den Bann gezogen. Die Faszination ist hoch, die Sehnsucht war stark, das Glücksgefühl unbezahlbar. Was lange währt wird endlich gut.

Nachdem ich die wenigen Berichte immer und immer wieder studiert habe, entschieden wir das Unterfangen doch von der Sittlisalp zu starten. Von dieser Seite steigt man über die Ostflanke auf, die weder empfohlen wird noch ist der Fels in gutem Zustand. Lose und brüchig, hiess es. Allerdings kann man von diesem Ausgangspunkt das unbekannte Wiss Stöckli mitnehmen. Dieses geht leider etwas unter. Von Weitem erkennt man den Berg kaum, da er unter den massiven Kalkfelsen des Ruchen und Windgällen verschwindet. Die Missachtung wird ihm nicht gerecht. Das Wiss Stöckli ist ein wunderschöner Aussichtspunkt und steht seinem "bösen Zwilling", dem Schwarz Stöckli in nichts nach.


Bei der Sittlisalp Bergstation folgten wir dem Wanderweg zum Hoch Fulen. Beim Wegweiser quert man unterhalb der Felswände des Wiss Stöckli weglos gegen Süden, der Rucher Nordwand entgegen. Am südlichsten Punkt, gleich neben dem kleinen Wasserfall gehts hoch Richtung Zinggen (einen Sattel, zwischen Seewlisee und Brunnital). Die Stelle ist mit Fixseilen ausgestattet, was mich überraschte. Wenige Steinmänner weisen den Verlauf. Man steigt auf zu einem weiteren Sattel vor dem Zinggen. Wenn dieser erreicht ist gegen Norden halten aufs Wiss Stöckli. Sehr steil hinauf im Gras und Felsen. Bei Nässe kann dieser Auf- bzw. Abstieg verheerend sein. Auch hier trifft man ab und zu Steinmänner und wenige Wegspuren an. Nach 400 hm vom Sattel aus steht man auf dem Gipfel, der mehr ein langer, schmaler Grat ist. Sehr imposant mit unglaublichen Tiefblicken. Das Schwarz Stöckli ragt im Westen in die Höhe. Abstieg im selben Weg. Dieser war weniger mühsam als erwartet. Auf dem Zinggen steht ein markanter Felszahn. Diesen gilt es anzupeilen. Hierbei sollte man sich an die kleine grasige Moräne halten. Auf den ersten Blick wirkt der Aufstieg unglaublich steil und rutschig, ging aber erstaunlich gut. Vom Zinggen aus gelangt man dann zum Ostgrad.
Den ersten Turm am besten weit südlich umgehen und nicht auf dem Grat aufsteigen. Danach auf den Grat und man erkennt das erste Fixseil. Auch das hätte ich nicht erwartet. Das zweite Fixseil sieht man von Weitem. Hier empfehle ich dem Grat unbedingt zu folgen. Wir stiegen nämlich wieder südlich ab und trafen auf das brüchige und lose Gestein. Nach den Fixseilen hat es Wegspuren, diesen kann man folgen und man gelangt zur Südseite in einen geröllhaltigen Kamin. Diesen sind wir hoch. Das Gipfelkreuz erblickt man an diesem Punkt aber es täuscht. Wir gelangten wieder auf den Grat und hielten uns an den Verlauf. Nach einigen ausgesetzten Stellen, mit Klettereien im II- Berreich, erreichten wir das Gipfelkreuz. Mein Schwarz Stöckli (ich habe das Gipfelkreuz umarmt :D).

Im Nachhinein war der Aufstieg via Osten weniger schlimm als erwartet. Sicher muss man ein gutes Auge für die Route mitbringen und der Fels ist zum Teil wirklich brüchig. Trotzdem erreichten wir den Gipfel relativ zügig und ohne Zwischenfälle. Fast eine Stunde verbrachten wir auf dem Schwarz Stöckli, wobei ich das seeehr alte und schimmlige Gipfelbuch studierte. Der erste Eintrag stammt von 1990. Die Personen kannte ich sogar. Ein Vater mit seinen zwei Söhnen, die inzwischen beide als Bergführer tätig sind. Desweiteren stammen die meisten Einträge von Einheimischen (Silener). Als Abstieg wählten wir dann die NW-Flanke. Diese wird eigentlich als Aufstieg empfohlen. Wenn man vom Gipfel hinunterblickt, kann man sich im ersten Moment nicht vorstellen dort abzusteigen. Man sieht keine 3 Meter weit. Unglaublich Steil. Aber auch das ging erstaunlich gut. Im Zick Zack hielten wir uns an die Grasbänder. Trotzdem gilt auch hier; ein gutes Auge für die Routenführung ist ein Muss. Das Ziel ist zum Geröllfeld zu gelangen. Ich glaube am Ende hielten wir uns etwas zu weit südlich, was uns zum schwierigsten Teil der Route führte. Ob das der richtige Weg war kann ich nicht sagen. Vielleicht sollte man sich besser komplett an die NW-Seite halten. Jedenfalls erreichten wir schlussendlich das Geröllfeld zum Sprossengrätli. Auch wenn es mühsam ist aber ich empfehle das Feld abzusteigen und nicht zum Grat hinüberzuqueren. Denn dort kommt man nicht weiter. Der Grat wird nördlich umgangen, wobei man bei genauem Hinsehen auch einen Wanderweg erkennt. Auf diesem gelangt man dann unschwer zum Seewligrat. Von dort aus ist der Weg selbsterklärend. Wir stiegen ab zum wunderschönen Seewlisee, entspannten uns beim See, bestaunten die Kühe, die im See badeten und nahmen die letzten Höhenmeter in Angriff nach Chilcherbergen. Dieser Abstieg kenne ich ja so gut wie meine Handtasche. Nach einer langen Tour geht dieser Weg ordentlich in die Knie. Wenigstens konnte ich mich auf die Talfahrt mit der Chilcherbergen-Bahn freuen. Diese geniesse ich immer wieder.

Nach dem Galenstock war das Schwarz Stöckli mein grösster Triumph dieses Jahr. Der unbezwingbar wirkende Gipfel lacht mich nicht mehr aus sondern ich kann ihm zuzwinkern und denken "ich habe dich besiegt".

Tourengänger: Zoraya


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