Arbonium & Pingu - Teil 2 in Kandersteg


Publiziert von kleopatra , 24. März 2009 um 23:05.

Region: Welt » Schweiz » Bern » Frutigland
Tour Datum:25 Januar 2009
Eisklettern Schwierigkeit: WI5
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-BE 
Zeitbedarf: 8:00
Aufstieg: 200 m
Abstieg: 200 m
Strecke:Arbonium unten, Pingu oben
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Mit dem Zug nach Kandersteg und dann zu Fuss in ca. 30-40 Minuten zu den Einstiegen.

Tag 2 mit einem Eiskletterprofi in Kandersteg unterwegs ... und schon beim Frühstück müde vom Vortag, das wird heute noch spannend!

Mein Wehklagen wollte mir nichts nutzen, denn M. träumte schon vom nächsten schweren Eisfall und so marschierten wir im Morgengrauen zum gleichen Ausgangspunkt wie gestern, um sicher die ersten in der Route zu sein. Das war auch keineswegs zu früh, denn während wir uns noch 'aufmagazinierten' - was so aussah, dass ich eine und M. 12 Eisschrauben am Gurt hängen hatte - kamen bereits die nächsten. Wir hatten allerdings den heissbegehrten Arbonium bereits 'besetzt', was zwar etwas egoistisch klingen mag, aber jedem der einmal den Eisbrockenregen, der beim Eisklettern unvermeidbar ist, miterlebt hat, vollkommen logisch erscheint.

Der Tag begann saukalt und selbst in meinen wärmsten Handschuhen spüte ich meine Finger bald kaum mehr. M. stürzte sicher voller Freude in die erste Seillänge, gleich eine 90° massive Säule. Als ich dann folgte, hatte ich ungefährt soviel Kraft wie am Vortag vor der letzten Seillänge, und wir waren erst am Anfang ... Ich war sehr froh, dass die erste Seillänge sich nach ca. 15 Meter langsam von 90° Richtung 85° neigte, was zwar nicht viel, aber doch etwas mehr Gewicht auf den Beinen ruhen liess. Die folgenden beiden Seillängen von Armonium waren dann leichter und so erreichten wir wieder das berühmte Band, welches Anfänger von Profirouten trennt (wobei ich den Enstieg in Armonium für Anfänger etwas zu schwer empfinde). Dort querten wir dann nach rechts zum tollen Vorhang von Pingu, den wir von rechts zu klettern begannen.

Bis dahin waren die Finger wieder recht taub gefroren und so durfte ich kräftig leiden, als das warme Blut nach den ersten paar Metern wieder in die Finger schoss. Diese Seilllänge war einfach genial, sie führte von rechts nach links in eine Nische und querte tolle Zapfen, Eispodeste und unter einem (leider nicht gefrorenen) Wasserfall durch. Warum fliesst Wasser auch bei weit unter Null Grad? Im nächsten Stand überreichte ich M. die steinhart wie zu einem Stock geforeren 60cm Bandschlinge, die wir dann nur mehr am Gurt verstauen konnten. Nun folgte die schwerste und längste Seillänge des Tages, die zuerst in Spreiztechnik durch einen tollen kleinen Eiskanal und anschliessend wieder über tausende Mini-Eiszapfen führte, die ich aufgrund der unendlichen Müdigkeit und etlichen Pausen eingehend bewundern durfte ... eines lernte ich in dieser Seillänge ganz von allein ... ökonomisch Klettern! Dann ging es noch ein paar Meter über recht flaches Eis in eine Rinne nach oben, wovon wir dann zum Ende von Arbonium queren und über diesen abseilen konnten.

Wieder am Talboden angelangt mahnte uns ein kurzer Blick auf die Uhr, dass wir uns zur Bahn sputen mussten und so endete dieser lange Tag mit einem Sprint mit fast 20kg auf dem Buckel durch halb Kandersteg. Man hätte diese Nacht meine Wohnung ausräumen können, ich hätte es wahrscheinlich nicht bemerkt :-o

Fazit: sehr beeindruckende und anstrengende Tour an tollen Eisformationen! Früh starten, um nicht in den Eisschlag von vorangehenden Seilschaft zu geraten.

Tourengänger: kleopatra

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