Trampelpfade am Üetliberg: zwei Jahre Fallätsche-Büchlein


Publiziert von Uto869 Pro , 17. Juli 2017 um 18:56.

Region: Welt » Schweiz » Zürich
Tour Datum:17 Juli 2017
Wandern Schwierigkeit: T4+ - Alpinwandern
Wegpunkte:
Geo-Tags: Albiskette - Höhronen   CH-ZH 
Zeitbedarf: 3:00
Aufstieg: 360 m
Abstieg: 360 m
Strecke:Zürich: Leimbach - Fallätsche - Punkt 801 - Fallätsche - Glecksteinhütte - Leimbach
Zufahrt zum Ausgangspunkt:ÖV: S4 bis Bhf. Leimbach, Bus 70 bis Hüsli; PP: Friedhof Leimbach
Kartennummer:LK 1: 25'000, Blatt 1091 (Zürich)

Zwar bin ich drei- bis viermal pro Woche am Üetliberg unterwegs, jetzt will ich ausnahmsweise wieder einmal davon berichten: weil es heute Morgen so schön war - und weil das Fallätsche-Büchlein just seit zwei Jahren an Ort und Stelle ist.

Von der Bushaltestelle Im Hüsli (mit der S4 bis Bahnhof Leimbach, dann mit dem Bus 70 bis Hüsli) bin ich auf Quartierstrassen zum Friedhof Leimbach gegangen, habe diesen durchquert und am Waldrand oben durch ein kleines Tor wieder verlassen. Anschliessend ein paar Schritte Richtung rechts - und voila: der etwas versteckte, aber gut sichtbare Einstieg in den "Kretenpfad". Dieser Trampelpfad ist die Alternative zum "Bachp fad", der häufig nass und dreckig ist. Folgt man dem "Kretenpfad", darf man auf einer Höhe von 580m. ü. M. die Abzweigung nach rechts nicht verpassen (zumeist steht hier ein kleiner Steinmann), um - horizontal - zuhinterst ins Rütschlibachtobel zu gelangen. "Kretenpfad" und "Bachpfad" finden dort wieder zusammen. Gemächlich steigt das Gelände an, die eigentliche Fallätsche kommt näher. Im Hochsommer verschwindet der Trampelpfad gelegentlich im hohen Gras, kann aber, wenn man aufmerksam ist, nicht wirklich verfehlt werden. Die Richtung ist ja eh klar: dem Bach entlang obsi. Bald schon zweigt ein Pfad scharf nach rechts ab, hier geht es zur Felsenkammerhütte. Heute behalte ich den zentralen Erosionstrichter im Visier. Zuhinterst im To be l, bevor es auf allen Seiten steil hinauf geht, wartet ein Dickicht aus Katzenschwänzen und Weiden auf einen. Die Spuren leiten einen und schon bald steht man am Ausgangspunkt der Direttissima Nord. Nicht geradeaus über die ersten Felsen geht es, sondern rechts über eine steile, kahle Fläche (siehe z.B. mein Bericht vom 17. September 2014). Zurzeit weist auch hier ein kleiner Steinmann den Weg: Am linken Rand der kahlen Fläche geht es hoch, dann wird ein Trampelpfad sichtbar, der nach links abzweigt. Ich kenne ihn gut, muss aber auch jedes Mal wieder neu genau hinschauen. Jetzt kann nichts mehr schiefgehen, wenn man aufmerksam ist: Der Pfad wendet sich bald etwas nach rechts und wird dann immer steiler. Den Pfad im Gelände zu sehen, bleibt aber die Hauptschwierigkeit, Kraxlerfähigkeite n sind nur bedingt erforderlich. Um meinen kleinen, leichten Pickel, den ich immer in die Fallätsche mitnehme, bin ich aber froh. Bald wird der Wald lichter: Ich freue mich, den See und die Berge zu sehen - heute  ohne alle Wolken, der Glärnisch   G im Zentrum. Bald schon erreiche ich die Traverse, den "Querpfad", der von der Teehütte zur Alpinahütte führt (siehe z.B. mein Bericht vom 1. August 2014). Heute steige ich an diesem Punkt nicht weiter auf, sondern wende mich nach links, folge also dem (einigermassen) horizontalen Trampelpfad - und zwar bis in die Mitte des Erosionstrichters. Unterhalb von Punkt 801 lädt eine Art Steintreppe zum Aufstieg ein: die Direttissima Mitte Nord, die man auch (mühsam!) von ganz unten begehen kann. Auch heute denke ich wieder: Dieses Pfadstück von der Traverse zum Grat, es gehört zum Schönsten, das sich in der stadtnahen Wildnis der Fallätsche finden lässt. Zuerst wendet man sich etwas nach links, dann nach rechts - aber eigentlich geht's immer ziemlich in der Vertikalen Richtung Gratstrasse. Und schon bald stehe ich vor der kleinen Höhle, einem ganz besonderen Punkt: einem Ort zum Ausruhen, Sinnieren, Träumen - die Stadt so nah, die Stadt so fern. In einer alten Militärgamelle befindet sich hier seit zwei Jahren ein kleines Büchlein. Die Eintragungen zeugen von Wandererinnen und Kraxlern, die sich - wie ich - freuen, diesen besonderen Ort zu kennen. Es sind einige, aber doch nicht allzu viele. Der Weg hierhin ist zu steil, um zu einem Anziehungspunkt für Massen zu werden. Nach der Höhle geht es steil weiter. Eine rote Reepschnur hilft über den ersten Absatz. Dann bleibt man immer schön auf der Krete, obwohl es links ziemlich steil abfällt. Auf der Alpinwanderskala ist's ein klares T4, mehr aber nicht, wenn man schön brav auf dem Pfad bleibt. Der obere Rand des Erosionstrichters ist jetzt nahe, man hält sich leicht nach links (früher ging man hier nach rechts, doch nach einem kleinen Abbruch ist es dort ungemütlich geworden), folgt einem liegenden Baumgerippe - und schon steht man oben. Wie immer staune ich ein wenig, wie gut die Durchquerung der Fallätsche, die ja einen ziemlich üblen Ruf hat, geht. Wie hat man uns nicht vor ihr gewarnt, als wir noch Kinder waren ... Aber natürlich: Vorsicht ist schon geboten - und abseits der Trampelpfade kann man sich leicht verlaufen und versteigen. Es gibt Stellen, da wüsste ich nicht, wie ich ohne Seil wieder auf einen Pfad zurückfinden würde. - Heute bleibe ich der Fallätsche treu, steige am Südrand ab, klettere wieder einmal über die Felsen auf den "Querpfad" hinunter (blaues Seil, nicht wirklich schwierig, T4+, aber mit einer echt ausgesetzten Stelle). Auf der Traverse gehe ich dann Richtung Glecksteinhütte, also Richtung Norden - und zwar bis zur Stelle, an der der Glecksteinpfad abzweigt, bzw. in die Tiefe sticht. Zuerst gehe ich ein paar Schritte fädig auf dem Kamm der Rippe hinunter (Pfad gut sichtbar), dann suche ich den (früher mit Tritten befestigten) Zickzackpfad in der linken (links in Gehrichtung) Flanke der Rippe. Im Hochsommer verschwindet er fast vollständig im Gras. Will man ihn wirklich entdecken, geht man besser im Winter, wenn ganz wenig Schnee liegt: Plötzlich zeichnet er sich klar und deutlich im Gelände ab ... Aber die allgemeine Richtung ist hier eh klar - und schwierig ist's nicht. Im unteren Teil ist der Wald nach dem grossen Holzschlag licht und übersichtlich, ganz im Gegensatz zu früher. Allerdings sind nur noch wenige Pfadspuren auszumachen. Aber man findet auch so zum Rütschlib ach hinunter. Man trifft auf ihn just an der Stelle, an der "Kretenpfad" und "Bachpfad" zusammenkommen. Jetzt folge ich dem "Bachpfad" - bis fast hinunter zur Sihl und zum Bahnhof Leimbach. Gerade kommt das Bähnli und bringt mich in die City zurück: zufrieden, glücklich, etwas müde nach knapp drei Stunden in der Wildnis vor den Toren der Stadt.

Tourengänger: Uto869


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Kommentare (4)


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mb_mb hat gesagt: Merci
Gesendet am 18. Juli 2017 um 08:16
Merci für den schönen Bericht, kenne in der Zwischenzeit, dank dir, die Wege recht gut, ein wunderbarer Ort in Züri. Einen schönen Sommer. LG Michael

Uto869 Pro hat gesagt: RE:Merci
Gesendet am 20. Juli 2017 um 14:37
Danke für Dein positive Feedback! Als ich vor drei Jahren damit begann, die mir bekannten Trampelpfade am Üetliberg und in der Fallätsche systematisch zu beschreiben, hätte ich nie gedacht, auf diese Weise mit zahlreichen Kraxlerinnen und Pfädchenliebhabern in Kontakt zu kommen, die - wie ich - die kleinen, wilden Tüürli am Zürcher Hausberg lieben. Die dankbaren Eintragungen im Fallätsche-Büchlein haben mich sehr gefreut. - Auch Dir einen zufriedenen Sommer und weiterhin viel Spass bei den "petites fugues" vor den Toren der Stadt! LGM (Uto 869)

Suech67 hat gesagt: Beim Fallätsche-Büchlein
Gesendet am 5. August 2017 um 19:57
Ich liebe die Pfade am Uetliberg, gestern war ich das erste Mal in der Fallätsche (ging von der Teehütte runter und stieg am Rand der Fallätsche wieder rauf). Heute zog es mich wieder zur Fallätsche, bin schon süchtig :) wollte zur Höhle (wo ich dein Büchlein fand). Ich kam von der Glecksteinhütte her und traversierte. Dann gings Mitte-Nord rauf, der Platz einfach ein Traum! Als ich mich endlich wieder löste, stieg ich steil hoch und war in kurzer Zeit auf dem Gratweg! LG Silvia

Uto869 Pro hat gesagt: RE:Beim Fallätsche-Büchlein
Gesendet am 6. August 2017 um 20:11
Schön, dass auch Du die Üetli-Pfädliwelt liebst! Es sind nur eine Handvoll Leute, die die anspruchsvolleren Trampelpfade regelmässig begehen. Alle, die ich kenne und die dort waren, empfinden die kleine Höhle unterhalb von Punkt 801 als ganz speziellen Ort. Glücklicherweise liegt dieser Ort nicht "am Weg", sondern will erst gefunden und erkraxelt werden. Willkommen in der Community! Martin/Uto869


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