Bike and Hike auf den Antennenberg 3600m


Publiziert von alpensucht Pro , 1. Januar 2017 um 22:08. Text und Fotos von den Tourengängern

Region: Welt » Peru
Tour Datum:20 Dezember 2016
Wandern Schwierigkeit: T2 - Bergwandern
Mountainbike Schwierigkeit: ZS - Fahrtechnisch anspruchsvoll
Wegpunkte:
Zeitbedarf: 10:30
Aufstieg: 1100 m
Abstieg: 1100 m
Strecke:Curahuasi-Antena Südfuß-Antena Ostfuß-Nordostflanke-Südflanke-Hirtenkamm-Curahuasi ca. 24km

Durch super Connections dürfen wir uns von einer anderen deutschen Familie vor Ort Mountainbikes ausleihen und so schnell und einfach an den Fuß des Berges heran fahren... Dachten wir zunächst. Ein bisschen hoffen wir sogar es bis auf den Chiquisa (4100m) zu schaffen... Dachten wir zunächst.

Peru jedoch ist anders. Weniger Brücken, keine Wegweiser, kaum Menschen, die sachdienliche Hinweise geben, keine Landkarten usw.



Morgendliche Suche des Einstiegs per Bike   WS, 1h

Gegen 5:15 Uhr rollen wir den glühenden Bergen vor uns entgegen hinab auf die Panamericana. Auf dieser geht's gemütlich gen Westen. Da wir keine näheren Infos über den Beginn des Aufstiegs einholen konnten, radeln wir auf gut Glück los und hoffen am südlichen Fuß des Berges auf 2600m einen Flussübergang zu finden. Dabei kommen wir in schwieriges Bikegelände und müssen teilweise schieben (sumpfig, steinig, unwegsam - nix für Mountainbikeanfänger!). Man weißt uns in eine Richtung am Fluss, in der wir auch nach fast 1km keinen Übergang finden und nur plötzlich auf einem Acker landen.
Wir beschließen zurück zu kehren und weiter unterhalb des Flusses zu suchen. Also zurück hinauf auf die Panamericana. In einer kleinen Seitengasse fahren wir hinab bis zum selben Fluss, der hier schon nach Norden zum Apurimac strömt. Die ersehnte Brücke finden wir direkt und dahinter den beginnenden Weg zum Antennenberg. 6:15 Uhr.

Aufstieg und Routensuche per Bike and Hike   ZS, T3, 6h
Ursprünglich wollten wir südseitig aufsteigen, gelangen durch die noch recht neu gebaute Fahrstraße sehr weit nach Osten und Norden. Teilweise müssen wir schieben, die Sonne brennt uns inzwischen auf den Pelz und die ungewohnte Anstrengung mit Fahrrad wird durch flachere Passagen ertragbar.

Da wir im Rhythmus hinauf dennoch gut voran kommen, achten wir kaum auf den eigentlich so wichtigen Abzweig nach links, der vermutlich auf die Südseite des weitläufigen Berges führt. Wir treffen einige Straßenarbeiter, die ganz oben mit Bagger, Hacke und Schaufel am Sträßchen weiter bauen. Sie bestätigen unsere Richtung. Wir sind, wie uns geraten wurde, misstrauisch, als wir nach einem geeigneten Platz zum Anschließen der Fahrräder suchen. Kurz zuvor müssen wir noch am Ende des breiteren Fahrwegs ein Geröllfeld 20Hm abwärts überwinden (Kurz T4-artig), was mit Fahrrad in der Hand besonders anstrengt. Doch wir wollen ungern die guten Räder vor den Augen der Arbeiter abstellen.So gehen wir noch einige 100m hinauf und staunen, als vor uns wieder einzelne Häuser mit weiten Ackerflächen zwischen den Büschen und Kakteen auftauchen.

8 Uhr. Wir stellen unsere Fahrräder auf etwas über 3000m an einem kaktusartigen Gewächs mit kräftigem Stamm zwischen Weg und Abgrund ab und schließen sie an. Die Sättel kommen in die Rücksäcke. Zu Fuß gehen wir zunächst weiter nach Norden und verpassen wieder einen guten Aufstiegsweg nach links.
Irgendwann wird unser Pfad schmaler und steiler und führt mitten in die dicht bewachsene Nordostflanke hinein. An einem kleinen Betonhäusschen auf 3250m pausieren wir um 8:40 Uhr und bemerken nur kurze Zeit später, dass wir längst einen richtigen Weg nach links finden müssten. Zwischen Äckern, Büschen und Kakteen arbeiten wir uns wieder zurück, bis wir den ersehnten Weg südlich über uns erkennen. Einige Kaktusstiche an der Wade beginnen sich unangenehm schmerzhaft zu entwickeln.

Die gesamte Ostflanke durch einen steilen und brüchigen Felsriegel (T2-T3) führt der etwas ausgesetzte, aber gut trasierte Weg hinauf und um die Ecke zur Südflanke. Da staunen wir nicht schlecht: eine unbefestigte, nette Fahrstraße (Carretera) schlängelt sich in sanften Serpentinen rechts hinauf bis zur Antenne. Wir kürzen die meisten Serpentinen ab, pausieren um 10:30 Uhr an einem Wasserspeicherbecken kurz und gelangen zwischen karger werdendes Gelände hinauf zur Antenne. Diese selber ist abgesperrt und eher uninteressant, auch weil sie bei weitem nicht am höchsten Punkt der Chiquisa-Ostgratschulter steht.

Wir lassen sie rechts liegen. Die Sonne brennt inzwischen unerbittlich auf unsere Schultern herab und A_Thorne braucht einige Motivation um noch zu einer Art höchstem Punkt im Kamm zu gelangen. Er ist normalerweise stundenlange körperliche Belastung wie beim Wandern/Bergsteigen kaum gewohnt. Mit Hilfe eines Powergels erreichen wir nach weiteren 30min einen der höchsten Punkte rechts im Kamm auf knapp 3700m. 12 Uhr. Weiter links weiden viele Schafe, bewacht von einem Hirten, der sich von uns aber nicht gern sehen lassen will. Daher meine Namensgebung Hirtenkamm.

Abstieg und Abfahrt   ZS, 2h 30min
Nach einer guten halben Stunde beginnen wir den Abstieg. Der verläuft zur Abwechslung ohne Fehler bei der Routenfindung. Wir entdecken zur richtigen Zeit alle wichtigen Zugangspfade zu unseren Fahrrädern und beginnen vorsichtig die Abfahrt mit einigen Passagen zu Fuß.

Das Geröllfeld scheint gewachsen zu sein, die Arbeiter haben viel geleistet, der Bagger steht direkt darüber. Einige tüchtige Männer steigen zu uns herab, tragen unsere Bikes hinauf (T4, sehr weiches und loses Geröll, ca. 30m) und bieten uns oben den typischen Maisschnaps (wir nennen ihn "Schlammtrunk") und Cocablätter an. Wir lehnen dankend ab ("solo agua", bedanken uns für die Hilfe und geben den Leuten unsere restlichen Schokoladen und Riegel, die sie wahrscheinlich noch nie gegessen haben.

Die weitere Abfahrt verläuft nun über den Aufstiegsweg mit steileren Serpentinen, die meist zwar am Rande ausgesetzt aber immer schön breit sind. Kleinere Bodenwellen ("Kicker") laden zum Abheben ein, wenn der Abschnitt nicht so steil und gerade verläuft. Nach kaum 30min fahren wir über die Brücke und hecheln mit viel Schweißverlust die restlichen reichlich 100Hm Gegenanstieg zurück zu unserer Unterkunft.

Wir erfahren später, dass der Antennenberg meist von Süden her begangen wird, indem man die vielen Serpentinen des Karrenwegs abkürzt. Wir überlegen in den nächsten Tagen mit Bekannten und deren Motorrädern bis zur Antenne zu fahren, um dann einfacher auf den Chiquisa zu kommen.

Diese Tour hat uns schön den Blick auf die Andine Bergwelt erweitert. Die Akklimatisation schreitet voran und mit (Wetter-)Glück gelangen wir in den folgenden Tagen ohne Beschwerden in deutlich größere Höhen. Auf einen 5000er mache ich mir bei der täglich starken Gewitterneigung kaum noch Hoffnungen. Der Eispickel muss dennoch auf jede Wanderung mit als Spazierstock, weil meine lieben Reisegefährten oft von ihren stärker werdenden Knieproblemen berichten und gern meine Stöcke in Anspruch nehmen. Was den Platz zum Zelten angeht, da werden in diesem Teil der Anden keine Probleme auftauchen, denn oberhalb von 3500m gibt es riesige, weite Wiesen mit noch wenigen Steinen dazwischen und abnehmender Dichte an Büschen und Bäumen.

Für unsere erste Mountainbiketour sind wir ganz zufrieden. Durch die Unkenntnis der richtigen Route haben wir einige besondere Plätze gefunden und viel Kontakt mit der hießigen Vegetation bekommen. Die Kaktustiche erwiesen sich glücklicherweise als unbedenklich. Die Gefahr durch Sonnenbrand haben wir dennoch etwas unterschätzt. Weiße sollten wohl jederzeit langärmlich (und möglichst hell) gekleidet sein, wenn sie keinen Schatten finden...

Wer die MTB-Bewertung zu hart findet, kommentiere bitte entsprechend! Habe bisher keinerlei Erfahrung damit.


Tourengänger: alpensucht, A_Thorne

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