Lange Runde um den Pizzo Centrale


Publiziert von Dodovogel Pro , 29. August 2016 um 18:00.

Region: Welt » Schweiz » Uri
Tour Datum:27 August 2016
Wandern Schwierigkeit: T4 - Alpinwandern
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-TI   CH-UR   Gruppo Pizzo Centrale   Gruppo Pizzo Lucendro 
Zeitbedarf: 12:00
Aufstieg: 1900 m
Abstieg: 1900 m
Strecke:25 km
Zufahrt zum Ausgangspunkt:PW bis Parkplatz beim Ospizio.
Zufahrt zum Ankunftspunkt:dito
Unterkunftmöglichkeiten:Ospizio auf dem Gotthardpass, Vermigelhütte
Kartennummer:Urner Wander- und Bikekarte: Gotthard

Touren-"planung"

Am Vortag waren Věra und ich zusammen mit SCM bei bestem Wetter auf dem Giübin und dem Pizzo Prevat und haben ausgiebig die Aussicht auf die Bergwelt hier genossen. SCM verabschiedete sich am Abend von uns. Am nächsten Morgen hatten wir keinen Grund zur Eile, weil wir eine relativ gemütliche Runde um den Lago di Lucendro und über den Passo di Lucendro geplant hatten. Doch langsam wurde uns bewusst, dass uns heute nicht nach Genusswandern zumute ist. Schnell stöberei ich auf meinem Smartphone nach einer Route, die uns herausfordern würde ohne zu grosse Gefahren einzugehen.

Es lockt die Option den Pizzo Centrale zu besteigen. Vom Gotthardpass via Prosette soll der Aufstieg nicht sehr schwierig sein (ca. T3). Doch wie weiter? Die Fortsetzung des Grates in Richtung Pizzo Prevat und Giübin wäre zur Hälfte die gleiche Tour wie am Vortag und wohl auch etwas zu schwer für uns (T5 und etwas Klettern). Der Weg zum Rotstock und Rothorn über die jeweiligen Verbindungsgrate trauen wir uns wegen der Schwierigkeit (ebenfalls T5) auch nicht zu. Könnte ich die Tour besser planen, wären dies möglichwerweise herausfordernde Optionen; aber ohne ausreichende Vorbereitung wollen wir es nicht riskieren.

Wir entscheiden uns schliesslich für die weiss-blau-weisse Rundtour vom Lago della Sella via Gafallenlücke, Vermigelhütte und zurück über den Sellapass. Diese Tour hat mich schon am Vortag gereizt. Der Weg ist weit und anstrengend. Es müssen drei Pässe überwunden werden und nach jedem gibt man wieder viel Höhe ab. Ich schätzte es müsste etwa doppelt so lange dauern wie unsere "normalen" Touren und es würden wohl deutlich mehr Höhenmeter zu überwinden sein. Weil wir auch schon reichlich Zeit vertrödelt haben (es ist schon nach 9:00), müssen wir zügig gehen. Schaffen wir das noch vor der Dunkelheit? Wir haben Stirnlampen dabei, warme Kleidung ebenfalls und genügend Nahrung. Wasser gibt es unterwegs. Irgendwie müsste das schon zu schaffen sein. Hört sich nach einer Herausforderung an. Los gehts!

Um es kurz zu machen. Es war für uns sehr anstrengend aber wir haben es geschafft. Kurz nach 21:00 Uhr stehen wir wieder bei unserem Auto; es ist eben erst richtig dunkel geworden. Die Runde ist eine wirklich schöne Wanderung. Wer es lieber geniessen will, sollte aber unbedingt eine Übernachtung einplanen oder viel früher losgehen.

Weitere Impressionen kann man den Bildbeschreibungen entnehmen.

Wegbeschreibung

Die Zeitangaben sind die ungefähren Gehzeiten ohne Pausen. Insgesamt waren wir mit Rast und Pausen fast 12 Stunden unterwegs.

Die Wege sind durchgehend hervorragend markiert, auch im w-b-w Abschnitt. Die Orientierung sollte kein Problem sein. Alle Wege waren trocken und das Wetter den ganzen Tag sonnig und heiss. Bei schlechteren Verhältnissen könnten die Schwierigkeiten der Wegabschnitte höher sein. Die Gesamtbewertung von T4 vergebe in erster Linie wegen der Länge der Tour. Um sich so lange durch einfaches alpines Gelände zu bewegen, braucht es schon etwas Erfahrung und ein Abbruch wäre im Guspis-Tal oder vor dem Sellapass nicht einfach möglich. Das Gelände ist aber nur bei der Überschreitung des Gloggentürmlipasses und dann wieder bei der Überschreitung der Gafallenlücke wirklich T4.

Unterwegs gibt es Optionen zum Abbruch der Tour. Nach der Gafallenlücke kann man zum Gemsstock aufsteigen und dort mit der Bergbahn nach Andermatt gelangen. Wenn nichts passiert, sollte die Tour bis zur Vermigelhütte eine normale Tagestour sein. Dort würde man hoffentlich noch ein Plätzchen zum Übernachten finden.

Gotthardpass – Lago della Sella (T1, 40 min)

Wir starten auf dem Parkplatz beim Ospizio am Gotthardpass und folgen der asphaltierten Strasse hinauf zum Staudamm. Hier gibt es keinerlei Schwierigkeiten. Bei der Staumauer nehmen wir den Weg am Westufer (links). Bald kommt eine Abzweigung.

Lago della Sella  Gloggentürmli (T3, 1h)

Vom See folgen dem weiss-blau-weissen Weg Richtung Gloggentürmli. Der Aufstieg ist steil aber der Bergweg ist in gutem Zustand. Bei Punkt 2468 (Prosette) wird es kurz flach. Hier zweigt auch ein Weg auf den Pizzo Centrale ab. Wir folgen weiter den w-b-w Markierungen nun durch Geröllfelder, an einem weiteren Kar vorbei zum Übergang direkt rechts neben der Gloggentürmli Felsformation.

Gloggentürmli  Gafallenlücke (T4, 2h)

Gleich nach dem Überschreiten der Passes bei den Gloggentürmli, zweigt der Weg rechts ab; auf der anderen Seite an den Gloggentürmli vorbei. Im Hang unter den Gloggentürmli hat es ein grösseres Schneefeld. Wir rutschen darauf ab anstatt dem Weg runter zu folgen. Das Schneefeld endet unten wieder direkt am Weg. Unterhalb 2500 m wird das Gelände wieder grasiger und weniger anspruchsvoll (T2). Vor Punkt 2413 kreuzt ein anderer Weg. Hier sind wir fast dem falschen Weg gefolgt. Der Wanderweg überquert den Bach und hält auf ein kleines Tal ("im hinteren Loch")  zu. Es geht an ein paar Felsen vorbei noch einmal über zwei Bachläufe. Danach steigt der Weg wieder durch Geröll- und Felshänge auf und wird anspruchsvoller. Bei Punkt 2623 passiert er einen grösseren Karsee rechts. Dann folgt ein steiler Geröllhang hinauf zur Gafallenlücke.

Gafallenlücke  Sunnsbühl (T4, 2h)

Direkt nach der Gafallenlücke liegt der Schwarzwasserfirn (auf anderen Karten auch "Schwarzbachfirn"). Der Wanderweg führt links daran vorbei durch einen Steilhang und durch Felswände. Die kritischen Passagen sind mit Ketten und Eisentritten gesichert. Nach diesem Abschnitt quert man ein kleineres Schneefeld, dann folgt bald eine Verzweigung. Hier kann man in kurzer Zeit zum Gemsstock aufsteigen. Wir steigen aber in Richtung "Vermigel Hütte" durch Geröll relativ steil ab. Ab 2500 m wird es wieder grasiger und flacher. Der Weg führt gemütlich an einer Reihe schöner Bergseen vorbei. Bei Gafallenstaffel steigt man auf gutem Weg aber steil durch Grashänge ab, bis man im Tal auf die Brücke über den Fluss Bortwasser trifft. Auf einem Strässchen gehen wir bis zur Verzweigung Sunnsbühl bei Punkt 2039. Von hier sind es nur wenige Minuten zur Vermigelhütte.

Sunnsbühl  Sellapass (T3, 2h)

Wir gehen nicht zur Hütte, sondern folgen dem w-r-w markierten Wanderweg zum Sellapass. Anfangs ist der Weg wenig steil und führt durch eine Moorlandschaft. Beim Eingang zum Tal "Tal" (?), zweigt der Wanderweg ab und schlängelt sich steil aber einfach fast 300 Höhenmeter hoch auf die Zingelfurtflue hinauf. Dann bleibt der Weg für längere Zeit nur sehr leicht ansteigend. Nach Punkt 2428 wird er zuerst geröllig und dann führt der Weg wenig schwierig auf einem Felsgrat auf den Giübin-Gipfel zu. Nach Punkt 2579 wendet sich der Weg nach rechts in einen Schutthang dem Sellapass entgegen. Der Weg ist hier hervorragend angelegt und man kann über Steinplatten und grössere Geröllbrocken wie auf einer Treppe aufsteigen. Bald erkennt man die (verschlossene) Steinhütte auf der Passhöhe.

Sellapass  Lago della Sella (T3, 1h 20 min)

Vom Sellapass führt ein w-r-w Weg ziemlich direkt durch den Westhang auf den Giübin hinauf. Auf dem Südwestgrat kann man vom Gipfel dann wieder zu einer ebenfalls verschlossenen Steinhütte absteigen, wo man wieder auf Wegmarkierungen trifft. Der Wanderweg zum Stausee hinunter ist grösstenteils sehr gut ausgebaut und leicht (T2), mit einzelnen, kurzen T3-Abschnitten. Bei Punkt 2522 nehmen wir den Weg Richtung Westen.

Lago della Sella  Gotthardpass (T1, 30 min)

Zum Abschluss gehen wir wieder auf der Strasse zum Ospizio hinunter.

Tourengänger: Dodovogel


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Kommentare (2)


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SCM Pro hat gesagt:
Gesendet am 29. August 2016 um 18:17
Wirklich super Tour, wenn auch sehr lang :) Kommt auf meine Todo Liste!

Dodovogel Pro hat gesagt: RE:
Gesendet am 29. August 2016 um 19:19
Unter normalen Umständen wäre das auch für uns eine Zweitagestour. Schöne Möglichkeiten zum biwakieren gäbe es unterwegs einige. Ich glaube auch, dass es hier grundsätzlich erlaubt ist. Aber wir mussten mal sehen was drinn liegt und da lässt man das Biwakzeugs lieber zurück um Gewicht zu sparen ;)

Und sonst gibts noch die Vermigelhütte, die man auf einer Tagestour sicherlich gemütlich erreichen kann.


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