Šišák, Ortel a Skála smrti


Publiziert von lainari , 15. Oktober 2015 um 18:24.

Region: Welt » Tschechien » Zákupská pahorkatina
Tour Datum:11 Oktober 2015
Wandern Schwierigkeit: T3 - anspruchsvolles Bergwandern
Wegpunkte:
Geo-Tags: CZ 
Zeitbedarf: 6:00
Aufstieg: 490 m
Abstieg: 490 m
Strecke:21 km
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Auto bis Svitava
Kartennummer:1:50.000, KČT Nr. 14 Lužické hory

Schieferberg, Urteilsberg und Totenstein
 
Die Route ist seit Langem abgesteckt. Der Rucksack ist gepackt, die Schuhe sind geschnürt. Für den Einen ist es nur eine Wanderung, für mich ist es ein neues Abenteuer.
 
Ich mache mich an einem prächtigen kühlen Herbstmorgen auf ins Zákupská pahorkatina (Reichstädter Hügelland) nach Tschechien. Auf der Anfahrt liegt drohend eine Wolkenfront über dem Winterberg. Beim Weiterfahren liegt sie über dem Rosenberg, dem Kaltenberg, dem Kleis und schließlich über dem Jeschken. Glücklich darüber biege ich in Kunratice von der Fernstraße ab und nähere mich dem heutigen Zielgebiet. Das Auto findet einen Platz an der zentralen Kreuzung im Dorf Svitava (Zwitte). Ich gehe von hier aus ein kurzes Stück entlang der Straße Richtung Svojkov. Am Ortsende zweige ich nach rechts auf einen unmarkierten Wiesenweg ab und komme im Verlauf leicht ansteigend in den Wald. Dort treffe ich später auf die Záhořínská kaple (Sohr-Kapelle), deren Name sich vom nahegelegenen Ort ableitet. An der Kapelle befindet sich auch ein Wanderwegweiser. Ich folge wenige Meter einer gelben Markierung, bevor ein lokaler Wegweiser den Zugang zum ersten Bergziel ankündigt. Über einen Forstweg steige ich auf der Südwestseite auf den Šišák/Břidličný vrch (Schieferberg) hinauf, der entgegen dem Namen aus Phonolith besteht. Der Gipfel ist bewaldet, weist jedoch ein Sichtfenster nach Norden auf. Über den Anstiegsweg kehre ich zum Abzweig zurück und wandere entlang des östlichen Bergfußes. Dabei leitet mich wieder die gelbe Markierung. Trotz des Sonntages finden hier gerade Forstarbeiten statt, so dass ich kurz zum Waldrand ausweiche. Nach einer späteren Straßenquerung passiere ich Mildens Kapelle und gelange im Verlauf zum Abzweig Pod Ortelem. Ein gelbes Dreieck als Zugangsmarkierung weist den Weg zu einem Aussichtspunkt. Der Anstieg erfolgt über eine relativ geradlinige Rampe entlang der südlichen Bergflanke. Die Aussicht vom markierten Zielpunkt ist wenig berauschend. Nach weiteren etwa 30 hm komme ich zum Gipfel des Ortel (Urteilsberg). Der bewaldete Phonolithberg soll eine historische Richtstätte und der Sage nach Heimat von brotbackenden Zwergen sein. Ich vernehme weder den Duft von frischen Backwaren, noch höre ich schaurige Rufe, aber ich finde ein Hufeisen auf dem Gipfel. Ob dies ein Glückszeichen ist, oder Luzifer demnächst hier einen Termin zur Neubesohlung wahrnimmt, möchte ich nicht entscheiden. Trotzdem nutze ich den Ort(el) zu einer kleinen Pause.
 
Für den Weiterweg habe ich einen weglosen Abstieg vom Berg in östlicher Falllinie vorgesehen. Dies nicht etwa mit der Absicht, die Schwierigkeit auf einen interessanten Wert zu erhöhen, sondern die nächsten Wegziele in angemessener Laufstrecke miteinander zu verknüpfen. Ich wähle den Buchenhochwald links einer Schonung in östlicher Blickrichtung für den Abstieg. Über Phonolithplatten und -trümmer, die teilweise laubbedeckt sind, steige ich vorsichtig im Zickzack hinunter. Nach einer Wegüberquerung komme ich durch ein flacheres Tälchen zur Waldkante. Die Weide ist mit Kühen belegt, so dass ich zunächst im Wald bleibe. Später gehe ich auf die Wiese hinaus und halte mich an der Waldkante nordwärts. In einem Waldstreifen ist danach ein Bach zu überqueren, dessen Ufer breitflächig von Kühen zertrampelt und daher schlammig ist. In einem Stück mit stärkerer Einkerbung finde ich über einen Trittstein ans andere Ufer. Dann laufe ich nordwärts unter einer Stromleitung entlang, bis rechts ein Steinkreuz sichtbar wird. Über den dortigen Weg komme ich zum einstigen Bahnhof von Lindava (Lindenau) und besichtige die vorhandenen Gebäude. Der Ort besaß einen durch die Böhmische Nordbahn (BNB) 1905 gebauten Lokalbahnanschluss (Bahn-km 7) und lag an der Strecke Röhrsdorf (Svor)-Deutsch Gabel (Jablonné v Podještědí). Die ČSD stellte 1973 den Personenverkehr und 1986 den Güterverkehr ein. Ich folge der im Offenland noch gut sichtbaren Trasse nach Norden bis an eine Straße, wobei ich auch Weidezäune übersteigen muss. Seit dem östlichen Fuß des Ortel habe ich jedoch schon genug Übung darin. Die Trasse verläuft nun unterhalb der Straße im Wald und ist durch Verbuschung unbegehbar. Ich laufe deshalb an der Straße entlang, bis ich kurz vor einigen Häusern einen einstigen Bahnübergang ausmache. Von hier aus ist die Trasse wieder im Weideland begehbar. So treffe ich schließlich in Cvikov (Zwickau in Böhmen) ein. Über eine Anliegerstraße gehe ich bis zur Fernstraße, wo ich an einer Kreuzung mit Fußgängerüberweg einen Zugang zum einstigen Bahnhof (Bahn-km 4,5) finde. Der Ort wurde aus Richtung Röhrsdorf bereits 1886 von der Lokalbahn erreicht. Dieser Abschnitt wurde auch als erstes 1977 abgetragen. Ich wende mich Richtung Stadtzentrum und gehe dann entlang der Fernstraße nach Drnovec (Klein Grün). Der mir vom Vorjahr bekannte, grün markierte Wanderweg wurde auch schon wieder verlegt. Auf einer südexponierten Bank, zwar etwas lärmig, dafür aber warm, lege ich eine Mittagsrast ein. Anschließend laufe ich auf der alten Straße durch den Ort und quere im Verlauf die Fernstraße. Unmittelbar dahinter befindet sich der einstige Bahnhof (Bahn-km 9,4) von Kunratice u Cvikova (Kunnersdorf). Davor liegt ein Lagerplatz für Baumaterial und das Gelände am Bahnhof ist total vermüllt. Abwärts entlang einer Straße weitergegangen, komme ich in die eigentliche Ortslage im Tal der Svitavka (Zwittebach). Dort wandere ich in Fließrichtung weiter.
 
Etwas außerhalb des Ortes zweigt ein grün markierter Stichweg in eine Bachschleife ab. Am zunehmend felsigen Talrand finde ich einige Schleifsandhöhlen und komme zum großartigen Skála smrti (Jungfernsprung/Totenstein). Das Felsenbildnis entsprechend der Sage vom Totenstein - Jungfrau flieht vor bösem Ritter, fällt hinunter und überlebt dank Flatterrock, Ritter fällt auch und ist tot - stammt aus dem Jahr 1910. Es wurde vom den beiden Pensionären Lehrer i. R. Beckert und k.u.k. Gendarmerie-Wachtmeister i. R. Bundesmann geschaffen. Zurück an der Straße durchquere ich das langgezogene Lindava (Lindenau). Die gesamte Talschaft wies früher eine prosperierende Kleinindustrie auf der Basis von Wasserkraftnutzung auf. Die Wohnbebauung besteht auch heute noch zu einem großen Teil aus traditionellen Block- oder Umgebindehäusern in allen Erhaltungszuständen. Abschließend komme ich zurück nach Svitava, das sich fast unmerklich an Lindava anschließt.
 
Die pausenbereinigte Gehzeit betrug 6 h. Die Schwierigkeit ist auf weiten Strecken als T1 zu bewerten, der weglose unmarkierte Abstieg vom Ortel als T3. Der Abschnitt vom Ortel nach Cvikov ist teilweise weglos und unmarkiert.

Tourengänger: lainari


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