Erster ausführlicher Internetbericht zur Besteigung der Südlichen Finsterkarspitze (Skitour)


Published by Heidelberger Gipfelsammler Ötzi II , 8 April 2024, 18h17.

Region: World » Austria » Zentrale Ostalpen » Silvretta
Date of the hike: 7 April 2024
Mountaineering grading: PD-
Climbing grading: I (UIAA Grading System)
Ski grading: AD-
Waypoints:
Geo-Tags: A 

Anmerkung:
Als ich letztes Jahr eine Skitour durch das lange Lareintal zur Schnapfenkuchlspitze unternommen hatte, die Willy Kreuzer auf Skitour bestiegen hatte, sah ich unterwegs noch die Südliche Finsterkarspitze, die am selben Kamm weiter nördlich gelegen ist. Im Internet hatte ich nach meiner Tour erst gesehen, dass er diese von der anderen Seite her, also vom Jamtal aus bei einer Skitour erklommen hatte. Er schrieb, mit einem Bergführer bis 2700m mit Skier aufgestiegen zu sein. Ansonsten fand ich im Internet absolut nichts über die Südliche Finsterkarspitze (nicht zu Verwechseln mit der Finsterkarspitze in der Venedigergruppe)! Im AV-Führer gibt es keine Beschreibung, aber der Autor behauptet, dass sie von keiner Seite leicht zu besteigen sei! Dies zeigte sich mir dann als eindeutig nicht zutreffend!
Im Nachhinein erscheint mir es so, als ob die Autoren von Skitourenführern der Silvretta diese einfach übersehen hatten! Auf der Schweizer Schneesportkarte entdeckte ich noch die bis über 35° steile SW-Flanke unterhalb des Gipfels, die über die man bei sicheren Verhältnissen abfahren kann. Allein wollte ich das aber nicht machen!


Bericht:
Nachdem ich mein Fahrzeug an einem offenbar verlassenen Haus am Beginn des Jamtals in etwa 1630m Höhe abgestellt hatte, musste ich meine Skier nur weniger als einen Kilometer weit tragen. Am Ende des Schnees kam gerade eine große Gruppe von Skitourengehern von der Jamtalhütte an, die von "Lawinengefahr ohne Ende" sprach. Immerhin war der Schnee gefroren, weshalb ich mich erst einmal einigermaßen sicher fühlte. Nun hatte ich noch ca.4km taleinwärts zu gehen, wobei ich links des Bachs alten Skispuren folgend blieb, während der allerdings von Lawinen aus dem Felsbereich oben gefährdete Anstiegsweg die Bachseite nach rechts wechselt. Da der Schnee gefroren und zunächst auch tragend war, begann ich den Anstieg einige hundert Meter hinter der Scheibenalpe im nach links ansteigenden Hang schon vor dem Bereich, der auf der Schweizer Schneesportkarte mit weniger als 30° Steilheit ausgewiesen ist. Zuhause hatte ich geprüft, ob ich in Hängen aufsteigen könnte, die 30° nicht überschreiten. Ganz möglich war das jedoch nicht. Im weiteren Verlauf des Aufstiegs brach ich teilweise im Harsch etwas ein, während in anderen Bereichen der Firn trug. In den steilen Hängen über mir waren Abfahrtsspuren zu sehen.
Bald gelangte ich in ca. 2200m Höhe in einen flachen Bereich, über dem bis 35° steile Hänge bis in etwa 2500m Höhe hinaufreichen. Nicht viel weiter als bis hierher war ich einer Aufstiegsspur gefolgt, bevor sie nach rechts Richtung Schnapfenspitze abbog. Nun stieg ich gen Osten Richtung Südlicher Finsterkarspitze auf, die allerdings noch nicht zu sehen war. Oberhalb des Beginns des ersten querenden Aufstiegs steilt der Hang ganz oben bis etwa 40° auf. Der Firn war sicher, aber angesichts der Tatsache, dass am Vortag in vielen Gebieten Nasschneelawinen abgegangen waren, hatte ich doch ein etwas mulmiges Gefühl. Allein zu gehen ist eh nicht gerade optimal!

Darüber folgt ein flacherer Bereich, der bis ca. 2600m Höhe unter einen bis 40° steilen und etwa 100m hohen Hang aufzusteigen ist. Über diesen erreichte ich in etwa 2700m Höhe den Kamm, über den ich weiter mit Skier aufsteigen konnte. Zuletzt musste ich unterhalb der Gratfelsen nach rechts in der felsdurchsetzte Flanke aufsteigen, wobei etwas oberhalb von 2830m Schluss mit dem Skiaufstieg war. Danach ging es zwischen und über ein paar Felsen hinauf zum Grat. Ein bald folgender steiler Felsaufschwung kann links umgangen werden. Im Schnee unter den Felsen war eine Gamsspur zu sehen, der ich folgte. Die Route im obersten Teil des steilen Hangs zurück zum Grat hinauf war aber klar. Links ist auf die Überwechtung zu achten, weshalb ich vorsichtshalber etwas weiter rechts der Gamsspur ging. Es folgt ein Felsgrat, der einfach zu begehen ist (I). Eine richtige II-er-Stelle bemerkte nicht. Allenfalls mit Berücksichtigung verschneiter Felsen kann man vielleicht auch eine Stelle mit II bewerten.

Ein kurzes Stück vor dem Gipfel erst sah ich das kleine Gipfelkreuz mit Buch vom 24.07.1983. Ich zählte die Einträge und kam auf nur 43-44 davon in knapp 41 Jahren! Ein Deutscher hat diese Gipfelstelle eingerichtet. Das Buch wirkte noch fast neu! Mein Eintrag war der Erste in diesem Jahr. Dieser Berg wird überwiegend im Sommer bestiegen. 

Bald trat ich wieder den Abstieg zum Skidepot an. Der Himmel war nachmittags auch durch Saharastaub trüb geworden, die Sonneneinstrahlung wurde abgeschwächt. Ansonsten wäre der Schnee noch weicher geworden. Vom Skidepot fuhr ich sicherheitshalber an meiner Spur entlang ab. Im obersten Steilhang brach ich in der Nähe von herausschauendem Gras und Felsen zweimal in Nassschnee ein. Darunter war aber wieder gut abzufahren. Insgesamt hatte ich eine fantastische Abfahrt im Firn bei allerdings etwas diffusem Licht. Steile Hänge weit unten waren wegen des Nassschnees natürlich zu meiden. Im Tal angekommen überschritt ich dann den Bach über eine Art Damm und fuhr an der Scheibenalpe vorbei ab.

Fazit.
Geheimtipp! Sehr lohnende Skitour auf einen relativ einfach zu erreichenden, aber fast völlig unbekannten 3000er der Silvretta!



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Comments (2)


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himla says:
Sent 8 April 2024, 23h02
RESPEKT!!! Ich habe die Tour mal vor ca. 25 Jahren im Sommer gemacht und habe sie als unendlich mühsam in Erinnerung. Vermutlich ist es bei guten Schneeverhältnissen nicht so anstrengend, aber gelohnt hatte sich die Plackerei allemal. Schön, dass du wieder schreibst!!!! Die spannendsten Berichte waren die aus den Alpi Pennine um die Becca di Lusenay, früher mal mein Traumziel. Leider blieb es das...

Sent 10 April 2024, 08h15
Danke Himla!
Ich mache nur noch Berichte von Touren, die bei hikr noch keiner gemacht hat!


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