(B-)Osco noch Osso, viel mehr!


Published by Henrik , 23 June 2019, 14h15.

Region: World » Switzerland » Tessin » Bellinzonese
Date of the hike:20 June 2019
Waypoints:
Geo-Tags: CH-TI 
Route:Landregen wie auf den Aleuten
Access to start point:ÖV
Access to end point:ÖV
Accommodation:Eine Nacht in Osco Ristorante Marti
Maps:Abends Brasato und Polenta

... nicht dass ich auf die Knochen nass noch weggespült werden möchte... aber Regen beruhigt und regt auch an, so dass ich über Plattformen im Netz mir sogar vergleichende Orte herausgesucht habe, an denen viel herunterkommen sollte. Welchen Plattformen man vertraut, schwierig – Kachelmann ist sicher nicht grundlegend falsch, search divergiert ein wenig davon, aber deren Grafik finde ich doch verwert- und einsetzbar: so entschliesse ich mich am frühen Morgen des Donnerstags dazu, nach Osco zu fahren. Aber Osco erreicht einer nicht einfach jede Stunde, sechs Abfahrten ab Faido zwischen 8.30 und 18.30 – Erreichbarkeit ist für ÖV-Reisende auch eine  Kunst des Warten können oder auch ein mögliches Gegenteil, gar nicht sich darauf einzulassen: Mo6451 hat die Krux überwunden und gelangt mit anderer Planung schliesslich doch in ihr Zielraum. So beweglich bin ich nicht mehr!

... der IC (als ICN) um kurz nach 9 Uhr war bis Olten kaum belegt. Nicht erst mit Beginn der Zugersee-Sperre ist für mich relevant, in welchem Teil des Zuges ich zusteige, denn je nach Verspätung der Züge im Bereich Arth-Goldau, das nur eine Unterführung verfügt, kann das Umsteigen zur Eile gebieten. Man/frau hasten im Pulk auf die entsprechenden Anschlüsse. Und in Arth-Goldau kommt zusätzlich mit der Zugersee-Sperre dazu, dass Gleis 4 und seine Bereiche als Baustelle ausgewiesen sind.
 
... dieser Donnerstag ist in den katholischen Kantonen ein Feiertag – Fronleichnam, das hatte ich nicht bedacht, und erwartete für die reichliche Umsteigezeit in Arth-Goldau eine offene Poststelle, dem war nicht so. Und der COOP an Gleis 5 erlebte einen Massenansturm. An Gleis 8 hiess es, der IR habe sechs Minuten Verspätung, der Zürcher Zug, der in Rotkreuz eine Spitzkehre zu absolvieren hatte, das führt trotz bester Planung zu Verzögerungen – übrigens, Rotkreuz ist die Schlüsselstelle für 1 ½ Jahre  Zugersee-Umfahrung. Rotkreuz ist in den Mittelpunkt des SBB-Netzes gerückt, die Perronlänge an den entsprechenden Geleisen wurde verlängert und eine neue Überführung mit Lift ist gerade fertig gestellt worden. 
 
... neu ist auch, dass der IR in Altdorf hält – damit die NEAT-Geschosse vorbeiflitzen können. Es ist eng in Rotkreuz, es ist eng in Arth-Goldau und sogar am Nordportal der NEAT. Im RE über die Bergstrecke beginnt die andere Form der Geschwindigkeit. Und der RE fährt abgesehen vom Lokführer unbegleitet! Anfang Juni tagte in Andermatt-Tourismus mit offiziellen Stellen sowie mit dem öffentlichen Verkehr: Göschenen soll aufgewertet werden und Andermatt erhält einen gläsernen Bahnhof. Und wie von der SBB und SOB anberaumt (was für ein Wort), soll ab Fahrplan Dezember 2020 die Bergstrecke wieder zu Ehren kommen, Standards setzen und mit Komfort und Eleganz punkten – der entsprechende Zug ist schon da und wird im Mittelland getestet (habe andernorts davon schon berichtet).
 
... in Faido giesst es Bindfäden. Um zwei Minuten hatte der RE Verspätung. Der Kleinbus nimmt einen Einheimischen auf und mich. Eine Leerfahrt. Kurvenreich erklimmt der Kurs 118 215 die Serpentinen hinauf nach Osco: via Tortengo und Mairengo... unlängst wollte ich ja auf der Strada Bassa dorthin wandern. Holzschlag verhinderte den Zugang.
 
... entgegen des Üblichen unterliess ich das Knabbern unterwegs – so meldete sich in Osco gerade auch mittagszeitlich der Hunger und erwartungsvoll folgte ich dem Hinweis des Buschauffeurs. Die engen Gassen, der Nieselregen und die tief herunterhängenden Wolken schufen beinahe eine verwunschene Welt. Das passte zum Haus, in dem das Ristorante Marti untergebracht ist. Aussen Holzschindeln, etwas Vergängliches haftete dem Gebäude an, das Hotel hat die üppige Zeit der Strada Alta hinter sich... und steht vor dem Aus! Drinnen am Stammtisch doch Gäste, nicht von fern, sondern von hier. Noch bin ich der Sprache nicht so mächtig wie nötig, aber es kommt besser, ich bin ganz stolz.
 
... ein einzelner Tisch: ein mundender Salat und dann Gnocchi  mit Käse aus dem Dorf  (Pedrini’s) und ein Glas Merlot Bianco. Obligat, fast ungefragt kommt die Karaffe mit Hahnenwasser auf den Tisch. Ein gedrungener Raum, tiefe Decke und mangelndes Tageslicht. Aber das ist eine Atmosphäre, die oft in Restaurants anzutreffen ist. Das Hotel verströmt eine weit zurückliegende Zeit: ich bin nicht gut im Raten, ich vermute aber 50-er oder 60-er Jahre, vielleicht doch noch etwas älter, Holz, kein Plastik, nirgends. Eng, Spinnweben allerorten. Sogar auf den Toiletten und über den Lavabos. Fensterglas, das nicht ganz plan gegossen ist. Alte Türschlösser, die etwas der einstigen Moderne gewichen sind. Dem Kaba-Schloss.
 
... runde Spiegel, Kleiderhaken mit Schwung und aus Guss. Alte Kommoden und Stühle wie in alten Bistros. Nur eine Steckdose, aber WLAN vorhanden. Mangelware sind Kleiderbügel. Aber welche Hotels kämpfen nicht damit? Die Nasszellen sind über eine steile Steintreppe mit Bewegungsmeldern zu erreichen: leicht gelbliche Badekacheln, an der die Zeit nagt und viel Enge. Runder Spiegel und kein Papier zum Händetrocknen. So richtig nach der Mensur von mir: darauf hinzuweisen beim Gastgeber, ohne Erfolg!
 
... es schüttet, genau so wie ich es noch von zuhause auf der Grafik in Erinnerung hatte. Und genau (!) deshalb bin ich hier. Was, goht’s no? Stundenlang regnete es heftig, doch am späteren Nachmittag liften die Wolken und am frühen Abend ist die Sonne da und eine gewaschene Bildkulisse, klarster Blick und beeindruckende Kreten, angrenzend an das Val Cramosino von gegenüber. Schon beim Mittagessen prognostizierte der Gastgeber das Abendessen: Brasato und Polenta, eine Gemüsesuppe eingangs und ein Sorbet-Glace zum Abrunden. Zuerst war ich allein, später gesellte sich ein Paar aus der Region ZH, die in Osco Ferien machen. In der Dämmerung stieg ich den Bergweg hinan, der hinter dem Haus beginnt: er führt hinauf nach Predelp, 500 Meter höher, mir war jetzt nur noch wichtig, die Abendstimmung einzufangen.
 
... anderntags konsultierte ich die Verbindungen nach Chironico: für einen gemischten Salat im Ristorante Pizzo Forno. Und je nach Wetter ggf. Abstieg nach Giornico oder Lavorgo. Die Grafiken verhiessen Wolkenbrüche. Die Sonne heizte gerade mal 15 Minuten. Der Gastgeber im Pizzo Forno erinnerte sich meiner, mit der Bouillon im April 2018 (mit Claudia die Bassa Strada).  Aber auch hier keine Gäste aus der Ferne – wie ist es, dauernd da zu sein und niemand kommt oder meldet sich an?  Verfügbar sein: das Normale für die digitale Gesellschaft?
 
 
... ich bat den Rucksack drinnen ihm zu überlassen, denn es begann etwas zu nieseln, ich packte die Kamera und schlenderte rund um die Bushaltestelle herum. Kurz vor 14 Uhr begann es zu regnen. Nicht viel und lange. Es reichte für den Entschluss, abzubrechen und langsam sich auf die Rückfahrt zu begeben.
 
... im Hotel Defanti in Lavorgo herrschte Ausnahmezustand: volles Lokal wie auch draussen an der Tankstelle. Die TdS war angemeldet bzw. die Support-Gruppen mit ihren Begleitfahrzeugen – die Kantonsstrasse war gähnend leer, das Militär aufgeboten zur Sicherung und die Gastgeber empfahlen mir, mich auf die andere Strassenseite zu begeben, falls ich auf den Zug müsste... der Tross wurde in Lautsprechern angekündigt: 15.30 – sie befänden sich in Bodio, dröhnte es aus den Tonkelchen.
 
... mein RE fand sich pünktlich ein an Gleis 1 in Lavorgo, vom Bus 191 keine Spur.
In Bodio wechselte ich zum RE nach Norden. Eine Leerfahrt mit Sonne! In Göschenen nasses Strassenpflaster und am Urnersee wieder Sonne. Selten habe ich an einem Freitagabend einen so leeren IR erlebt: trotz Tour de Suisse, noch eine Woche vor den Schulferien, übrigens im Tessin sind diese schon am Laufen. 
 
... in Basel ist der Hardwald in Teilen immer noch fürs Publikum gesperrt – Trockenheit vom 2018 und Hohn und Gelächter sind manchmal die Folge, wenn man den Regen verteidigt oder ihn zum Mass einer Reise erhebt....
 
 
 
 
Bahnhof/Haltestelle
 
 
Zeit
 
Gleis/ Kante
 
Reise mit
 
Bemerkungen
 
Basel SBB
Arth-Goldau
 
 
ab
an
 
09:04
10:51
 
11
6
 
IC 21
 
InterCity 21 667
Richtung: Lugano
   TT FZ BZ RZ R 
 
 
Arth-Goldau
Erstfeld
 
 
ab
an
 
11:09
11:42
 
8
2
 
IR 46
 
InterRegio 46 2417
Richtung: Erstfeld
 
 
 
Erstfeld
Faido
 
 
ab
an
 
11:44
12:39
 
4
2
 
RE
 
RegioExpress 4323
Richtung: Bellinzona
 
 
 
Faido
Faido, Stazione
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Fussweg
 
 2 Min. , Y 
 
 
Faido, Stazione
Osco, Paese
 
 
ab
an
 
12:41
12:54
 
 
 
 
BUS 118
 
Bus 118 215
Richtung: Osco, Paese
 
 

Hike partners: Henrik


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