Erst die Pflicht, dann die Kür, Bischof und Gebra


Publiziert von kardirk , 22. November 2014 um 16:26.

Region: Welt » Österreich » Zentrale Ostalpen » Kitzbüheler Alpen
Tour Datum:21 November 2014
Wandern Schwierigkeit: T3 - anspruchsvolles Bergwandern
Klettern Schwierigkeit: I (UIAA-Skala)
Schneeshuhtouren Schwierigkeit: WT3 - Anspruchsvolle Schneeschuhwanderung
Wegpunkte:
Geo-Tags: A 
Zeitbedarf: 10:30
Aufstieg: 1300 m
Abstieg: 1300 m
Strecke:15 km
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Mautfreie Zufahrt über Kössen, St.Johann, Kitzbühel nach Aurach, etwas umständlich.

Seit ich letztes Jahr zum erstenmale die Kitzbühler Alpen besucht habe, gefällt mir diese Gebirgsgruppe gerade für die Zwischenjahreszeiten, wo die Horden von Wanderen oder Skitourengehern nicht unterwegs sind, ungemein. Und wer meint, das wären doch keine richtigen Berge, sondern nur putzige Wiesenhügel, der wird doch ein ums andere mal angenehm überrascht, zumal ich kaum eine anderes Gebirge kenne, das so eine ausgezeichnete und schöne Weitsicht von nahezu jedem Gipfel bietet.

Ziel war zunächst der recht kecke Zipfel des Bischofs.

Start auf dem kostenfreien Parkplatz im Wildalmgraben. Dann bequem auf Almstrassen und Steigen hinauf zur Wildalm und weiter zur Hochwildalm. T1, 1:20h

Hier auf dem nun eingescheiten Steig, weiter oben dann mit Schneeschuhen hinauf zum Bischofsjoch. T2, 1:20h
Es ist doch immer wieder überraschend was so ein bischen Schnee bei  Gehzeiten und der körperlichen Anstrengung ausmacht.

Weiter am Grat auf Steig, eine kurze Kraxelstelle, bis zum steielen Aufschwung des Bischofs. Der Steig quert jetzt die Flanke und lag unter hier doch tieferem Schnee. Der Steile Grat dagegen war freigeblasen, also bin ich direkt am Grat hoch, den 2 steilen Abbruchstellen jeweils nach rechts in der steilen Flanke ausgewichen. Mit Schneeschuhen war das schon recht knackig. T4, WT3, Stellen I,1:30h vom Joch.

Herrliches Panorama nach allen Seiten, leider war das Wetter entgegen der Vorhersagen mit hohen Wolken recht bedeckt und es pfiff ein unangenehm kühler Wind.
Nach 40 min Pause und einem kurzen Abstecher hinüber zum Hauptgipfel gings wieder runter, diesmal auf dem Steiglein und einer nicht ganz angenehmen Querung diurch die teilweise stärker eingeschneite Flanke. Für den Abstieg hatte ich die Schneeschuhe gegen Steigeisen gewechselt, klappte auch ganz gut bis auf das übliche "Stollen"-Problem.
Am Joch entschied ich mich noch schnell den kleinen Zipfel des Weißkopfkogels mitzunehmen - knapp 10.min vom Joch.

Damit war der Pflicht Genüge getan, nun reizte mich aber noch der recht gut gangbar ausehende Grat hinüber zum Gebra und ich beschloss eine kleine Kür noch anzuschließen. Mit dem "Klein" war das dann allerdings so eine Sache.
Ich blieb zunächst immer am Grat, zunächst Gehgelände im steilen Gras, dann einzelne nette Kletterstellen, nicht mehr wie I. Das Gelände spitzte sich dann immer mehr zu. Zur Scharte zum eigentlichen Gipfelaufschwung folgte nun eine besonders durch die Verhältnisse bedingte kitzlige Passage in Fels und nahezu senkrechten Grasschroffen, die durchaus im 2ten Grat anzusiedeln ist.
Gamsspuren wiesen mir dabei die günstigste Linie. Natürlich melden sich ausgerechnet jetzt die ersten kleineren Erschöpfungserscheinungen im Form von Krämpfen, auch die sonst hilfreichen Steigeisen lockerten sich nun in den unpassensten Momenten.
Glücklich in der Scharte angekommen erstieg ich den nächsten Aufschwung links vom Grat in einer steilen Grasrinne, es folgte noch ein kleiner Felsturm und er hatte natürlich noch eine nette kleine Überrschung in Form eines 5m hohen senkrechten Abbruchs. Ich versuchte erst rechts auf einem kleinen schneebedeckten Band herum zukommen, dann war aber meine psychische Kraft aufgebraucht, kurz zurück und rechts unterhalb des Turmes in steilem Gras hinauf zur Scharte und über den letzten steilen gut kletterbaren Aufschwung hinauf zum Gipfel.
Geschafft im warsten Sinne des Wortes. Eine Stunde hatte ich gedacht bräuchte ich, geworden sinds dann aber fast 2. T5, Stellen I + II, viel steiles Gras, ausgesetzt, 1:50h - ohne Schnee gehts sicherlich leichter.

Jetzt wurde es aber Zeit, ein schöner Sonnenuntergang war bereits im Gange, so viel die Pause nur sehr kurz aus. Über den Steig hinunter zum kl.Gebra und weiter hinab zur Hochwildalmhütte. Bei einbrechender Dunkelheit und aufgrund des teilweise verschneiten Steigleins verlor ich diesen wieter unten und mußte so durch das Gelände weglos absteigen, was bei dieser noch halbscharigen Schneelage und dem doch recht unebenen Untergrund nicht unbedingt ein Vergnügen war.
Schließlich erreichte ich wohlbehalten die Alm und auf der sich dann doch lang hinziehenden Almstrasse gings weitaus bequemer hinab zum Parkplatz.

Fazit:
Die Kitzbühler könne sich recht alpin und schroff geben. Nicht zu fassen was für schöne Ecken in unmittelbarer Nachbarschft zum dem - Entschuldigung - potthäßlich Kitzbühel es doch gibt.
Der Bischof ist auf der "Normal"route ein schönes leichtes Ziel.
Der Übergang zum Gr.Gebra erfordert allerdings schon einiges Klettervermögen.

Tourengänger: kardirk

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