Hochgall Nordwestgrat


Publiziert von orome , 24. August 2012 um 00:19.

Region: Welt » Italien » Trentino-Südtirol
Tour Datum:18 August 2012
Klettern Schwierigkeit: II (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: I 
Aufstieg: 1900 m
Abstieg: 1900 m
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Über Bruneck Ahrntal nach Sand in Taufers, Abzweigung nach Rein 1.540m, großer Parkplatz.
Unterkunftmöglichkeiten:Kassler Hütte

Eigentlich verwunderlich dass dieser schöne und sehr dominante Berg hier noch keinen Eintrag hat, aber das kann ja nachgeholt werden. 
Der Hochgall ist ein Berg in der Rieserfernergruppe an der Grenze Südtirol/Osttirol. Mit 3436m steht er sehr dominant und recht alleine zwischen dem Alpenhauptkamm mit Venediger und Glockner im Norden und der Marmolata im Süden. Über den Nordwestgrat bietet sich eine super Blockkletterei in meist festem Urgestein an. Nach einigen warmen Tagen im Sommer hat man meist keinen Schneekontakt mehr sodass man die gemütlichen Zustiegsschuh bis oben anbehalten kann. Eine gute Wegbeschreibung von Skitouren.ch habe ich am Ende des Berichts reinkopiert. 

Wir hatten uns einen der heissesten Tage im Jahr ausgesucht. Um 7:00 gings los in Rein über den gemütlichen Wanderweg auf die Kassler Hütte. Nach der Hütte verliessen wir recht schnell den Wanderweg (es müssen 2-3 Bäche überquert werden und dann sieht man oberhalb des Wanderweges ein riesiges Steinmännchen) und stiegen über abgeschliffene Gletscherplatten direkt auf bis zu einem Gletschersee auf 2560m. Hier überquert man den Bauch und steigt eine üble Schutthalde Richtung Graues Nöckl auf. Den besten Weg zu finden ist nicht ganz einfach, am besten geht man in einem Rechtsbogen hinauf. Uns liefen aber immer wieder Steinmännchen über den Weg und das Ziel ist ja eigentlich auch klar. Je höher es geht, desto besser wurde der Fels. Vom Grauen Nöckl weg kommt dann auch die schwerste Stelle der gesamten Tour, eine etwas ausgesetzte Traverse mit ein wenig auf und ab klettern bis zu einem Fixseil, dass ca 10m in eine Scharte leitet. Ab hier gehts genussvoll den Blockgrat nach oben, immer direkt auf dem Grat. Ab und an sind wir im Aufstieg nach links ausgewichen, die rechte Seite sollte man vermeiden. Auf dem Grat ist die Felsqualität aber super. Ganz oben wird der Grat weniger scharf, dafür plattiger und es kommen nochmals 2 Fixseilpassagen. VIel zu schnell sind wir auf dem Vorgipfel, von wo noch eine kurze Traverse zum Hauptgipfel wartet. 
Der Tag war perfekt und so sassen wir eine Stunde auf dem Gipfel. Im Abstieg war es etwas mühsam vom Grauen Nöckl den richtigen Weg zu finden. Als wir dann wieder vor dem See standen und den Bach überqueren wollten, hatte sich das Bächlein bei den warmen Temperaturen zu einem richtigen Bach entwickelt. Aber nasse Füsse waren bei der Hitze genau richtig. 
Das Hefe auf der Hütte schmeckt übrigens super, die Terasse hat bis abends Sonne!

Alles in allem eine super Tour auf einen sehr schönen Aussichtsberg (der auch rassige Skitouren bietet). 

Nochmal kurz:
Blockgrat bis II, fühlt man sich in dem Gelände wohl, braucht man kein Seil, ansonsten ist man mit 3-4 Exen und 3-4 Köpflschlingen ausreichend ausgerüstet. Im Sommer findet keine Gletscherberührung statt.  Den Weg haben wir anhand der folgenden Beschreibung sehr gut gefunden. 

Hüttenzustieg:
Über den sehr schönen Weg Nr. 1 in angenehmer Steigung zur Kasslerhütte 2.276m. 730 Hm, 1,5 Stunden. 
 
Nordwestgrat:
Von der Hütte zuerst über den Hardtegenweg Weg Nr. 8 flach und etwas absteigend in ca. 20 Minuten zu einem Bach. Direkt nach dem Bach zeigen Steinmännchen den Steig hinauf bis zu einem Gletschersee 2.560m.
 
Hier den Ablauf des Sees überqueren und dann über wildes Blockgelände auf die sichelförmige Moräne, die im großen Linksbogen hinaufführt zu den Ausläufern des Grauen Nöckl. Immer zeigen Steinmänner den besten Steig zum grauen Nöckl 3.080 m. 
 
Hier geht man meistens auf der rechten Seite des Grates, manchmal auf dem Grat. Manchmal muss man etwas auf loses Geröll achten. Bis hierher ca 2,5 Stunden.
 
Ab dem grauen Nöckl leicht absteigend zu einem Drahtseil, das 10 m zu einer Scharte hinunterführt. Dann weiter zuerst an der rechten, später an der linken Seite des Grates hinüber zum Gipfelgrat. Kurz muss man ein Firnfeld entlang gehen. Hier ist es sehr von den Verhältnissen abhängig, ob man Steigeisen benötigt. Am besten in der Hütte anrufen. 
 
Ab hier wieder direkt am Grat. Ab und zu ausgesetzt, aber fast immer an sehr festem Gestein im Schwierigkeitsgrad I und II Richtung Gipfel. Im oberen, plattigen Teil des Grates nimmt man die Stahlseile dankbar an. 
 
Gesamtzeit zum Gipfel 4 h 15m. Abstieg wie Aufsteig, ca. 3,5 h.

Tourengänger: orome

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Kommentare (5)


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Koasakrax hat gesagt:
Gesendet am 24. August 2012 um 08:09
Hallo,
war einen Tag später auf dem Bösen Weibl

http://www.hikr.org/gallery/photo878858.html?post_id=54529

und hab zum Hochgall rübergschaut und mir gedacht
"A so a schöner Berg".
Kommt demnächst an die Reihe.
Andy

orome hat gesagt: RE:
Gesendet am 24. August 2012 um 11:20
ja da hast du recht! das bös weibl ist aber auch echt schön, ich war da vor jahren mal mit den ski. von dort oben hat man auch einen schönen ausblick!
viel spass beim hochgall
mfg manu

Kai63 hat gesagt: hochgall
Gesendet am 5. September 2015 um 19:10
am 1.9.2015 machten sich bei besten Bedingungen einige Bergwanderer und Bergsteiger auf zum Hochgall. Es war trocken und nach dem heißen Sommer kein Schnee und Eis mehr auf dem Grad. Trotzdem mussten die Hälfte der Leute an der Schlüsselstelle, die Traverse vor der Abseilstelle herunter vom Nöckl, umkehren, weil sie die Traverse frei kletternd nicht wagten. Darunter auch Kletterer! Schade, denn der Grat zum Gipfel wird dann leichter. Solange dort keine fixen Sicherungen liegen, sollte man hier Seil usw. dabei haben, um zu Recht vorsichtigere Partner zu sichern.
Mit Schnee und Eis ist der Hochgall im Frühsommer sicher deutlich anspruchsvoller.

orome hat gesagt: RE:hochgall
Gesendet am 5. September 2015 um 19:50
Ich muss sagen, ganz so dramatisch habe ich das nicht in Erinnerung. Unangenehm da brüchig aber nicht ausgenommen schwer. Oder wie darf ich Deinen Kommentar deuten?

Kai63 hat gesagt: RE:hochgall
Gesendet am 7. September 2015 um 08:32
ich hatte auch keine Probleme, aber einige andere. Ohne Sicherung ist dort für viele leider Schluss. Sogar für Leute, die in der Halle im siebten Grad klettern. In der Höhe ist das eben eine Sache der Psyche.


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