Stille Tage am Poncione di Braga


Publiziert von lorenzo , 25. Oktober 2007 um 23:17.

Region: Welt » Schweiz » Tessin » Locarnese
Tour Datum:21 Oktober 2007
Wandern Schwierigkeit: T4 - Alpinwandern
Hochtouren Schwierigkeit: WS
Klettern Schwierigkeit: II (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: Gruppo Pizzo Castello   CH-TI 
Zufahrt zum Ausgangspunkt:cff logo Bignasco, Autostop
Zufahrt zum Ankunftspunkt:cff logo Piano di Peccia
Unterkunftmöglichkeiten:Rifugio Poncione di Braga (UTOE Locarno)
Kartennummer:LK 1251 Basòdino

Spätherbst: die Tage werden kürzer, die Schatten länger, und die Wildtiere ziehen sich in die Wälder und auf die tiefer gelegenen Weiden zurück - Zeit, um langsam vom vergangenen Bergsommer Abschied zu nehmen, etwa auf der Alpensüdseite, wo es - wie im Tessin - zunächst noch nicht so weit hinunter geschneit hat.

21.10.: Anfahrt mit öV bis Bignasco und per Autostop weiter bis Piano di Peccia. Aufstieg zum Rifugio Poncione di Braga (immer offen, ab Mitte Oktober nicht mehr bewartet).

22.10.: Aufstieg (im Schatten) bei eisig-böigem Nordföhn und Minustemperaturen bis mindestens -10 Grad über die Btta di Sròdan und den NW-Grat (WS, I-II, Stellen III, weiss-blau markiert) auf den P. Castello. Abgesehen von nordseitig harten Neuschneeresten sonst gute Verhältnisse (Gras und Felsen trocken). Abstieg (z.T. an der Sonne) auf der gleichen Route.

23.10.: Trotz abgeflautem Nordwind immer noch sehr kalt. Zustieg (im Schatten) zum NE-Grat des P. della Rossa (ab hier meistens an der Sonne). Ueber dem markanten Steinmann (mit "Gipfelbuch") Querung nach SE zum E-Grat und über diesen auf wunderschönen Marmorbuckeln (WS, I-II, Stellen III, Reibungsgenusskletterei mit nur wenig Griffen und Sicherungsmöglichkeiten) auf den Gipfel. Sonst ähnliche Verhältnisse wie am P. Castello. Abstieg entlang dem NE-Grat (ab Mittag wieder zunehmend im Schatten): von hier aus bemerkte ich mehrere Staudenbrände an der Waldgrenze unterhalb der Hütte, die ich der REGA (1414) meldete, die die Meldung an die zuständigen Behörden weiterleitete. Später stieg eine dicke Rauchsäule aus dem Wald selber auf und verbreitete sich im Talkessel. Kurze Zeit nachher traf ein Löschhelikopter mit einer Feuerwehrequipe ein, denen es gelang, die Brände innert ca. 2 Stunden zu löschen. Auf Rete Uno war vorher auf die Trockenheit und das Verbot, im Freien Feuer zu entfachen, hingewiesen worden.

24.10.: Die Wetterprognosen lauteten von "soleggiato" bis "nebbioso" "con poco precipitazioni": jedenfalls verliess ich frühmorgens die Hütte bei sternenklarem Himmel - der Orion verschwand langsam über dem P. Castello -, Gras und Felsen waren zudem schön trocken, nur im Osten lauerten einige Nebelbänke. Innert höchstens einer halben Stunde waren jedoch Tal und Gipfel in undurchdringlichen Nebel gehüllt, das Gras von Reif belegt und die Felsen von einer hauchdünnen Eisglasur überzogen, die jeden Schritt in einen Eiertanz verwandelten, so dass ich diese einmalige Gelegenheit nutzte, auf einer Ausweichtour entlang dem ESE-Grat auf den Pulpito (T4) wieder einmal den Umgang mit Karte, Kompass und Höhenmesser unter "erschwerten Bedingungen" zu üben.

25.10.: In der Nacht waren ca. 5cm Schnee gefallen (bis auf ca. 1500m hinunter), Wolken und Nebel hingen ausserdem immer noch tief hinunter, so dass an weitere Touren nicht mehr zu denken war, und ich mich für die Rückreise entschied.

Material: ev. reduzierte Kletterausrüstung und ein Leichtpickel, bei diesen guten Verhältnissen kam ich aber ohne beides aus.


Tourengänger: lorenzo

Galerie


Slideshow In einem neuen Fenster öffnen · Im gleichen Fenster öffnen


Kommentar hinzufügen»