Erikafelsen/Albbruck


Publiziert von ossi , 16. November 2010 um 12:45.

Region: Welt » Deutschland » Südwestliche Mittelgebirge » Schwarzwald
Tour Datum: 5 November 2010
Klettern Schwierigkeit: 7a (Französische Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: D 
Kartennummer:Schwarzwald Rock

Das leicht erreichbare, überaus abwechslungsreiche Klettergebiet gleich ennet der Grenze...

Der Schwarzwald ist ja eigentlich ein Gebirge, nur sieht man es ihm nicht mehr wirklich an. Dennoch sind da und dort einige beachtliche Flühe stehen gebleiben, so etwa am Talsausgang der Alb, kurz bevor sie in den Rhein mündet.
Der Erikafels ist dreissig Meter hoch, besteht aus Gneis -übrigens ist dieser vom Wasser teilweise ziemlich glatt geschliffen- und erhebt sich mächtig massig aus dem ruhigen, stillen, schmalen Tal. Knappe drei Dutzend Touren durchziehen den meist kompakten Felsen.


Allgemeines zur Kletterei:  Auf den ersten Blick sieht der Fels recht einfach kletterbar aus: Grosse quaderförmige Blöcke scheinen aufeinander geschichtet zu sein und man hat den Eindruck, mit etwas Blockkraxelei sei der Erikafels zu knacken.  Beim Herantasten ergibt sich dann aber bald ein ganz anderes Bild: Zwar gibt es durchaus offensichtliche Griffe und vor allem Tritte, doch irgendwie passen sie nie zueinander und man braucht sich ordentlich zu verrenken, bis man die angeblich guten Griffe richtig belasten kann. Oftmals sind es auch nur Auflger, wobei sich die wirklich guten Schüppchen und Risse irgendwo dahinter verbergen; on sight zu klettern ist hier wirklich anspruchsvoll. Die Herausforderung liegt am Erikafels vor allem im koordinativen Bereich: Gute Rastpunkte müssen oft durch geschickt koordinierte Bewegungsabläufe miteinander verbunden werden. Die Routen sind überall steil, vielerorts gibt's selbst in den tieferen Graden überhängende Stellen zu knacken. Meine gekletterten Routen hatten zudem allesamt "Schlüsselstellencharakter": Auf genussvolle erste Meter folgen einige anspruchsvolle Züge (eben die Schlüsselstelle), anschliessend wird's wieder deutlich einfacher.  Abgesehen von einigen Stellen ist der Fels überall solide.

Das Drumherum: Der Einstiegsbereich ist zwar nicht eben, dennoch ungefährlich. Wenige Meter unter dem Felsen befindet sich überdies eine überdachte Picknickstelle mit Tisch und Bänken. Das Ambiente im Wald am Fluss ist ruhig, bei Hitze spenden die Bäume aureichend Schatten. Ich halte die Gegend für ziemlich ideal, um auch mit Kindern einen abwechslungsreichen Tag zu verbringen (ohne dass man gleich einen Herzkasper kriegt). Neben dem Erikafels wurden einige Stände eingebohrt, an denen die Kleinen perfekt topropen können (teilweise ganz einfache Sachen für kleine Kinder oder wenn man mal das Abseilen übern will). Ich schätze mal, an sonnigen Wochenenden wird's am Erikafels ganz schön Betrieb geben.

Zustieg: Vom Bahnhof Albbruck in knapp 15min der Strasse ins Albtal folgen. Etwa 200m nach dem Ortsausgang führt links ein Singletrail direkt unter die Felsen. In der Ortsmitte von Albbruck (beim Kreisel bei Edeka), befindet sich ein grosser Kiesplatz, auf dem der PW bgestellt werden kann. Ab Parkplatz in zehn Minuten zum Felsen.


Gekletterte Routen (natürlich nicht alle am gleichen Tag):

Dumm Gloffa (6a): die untere Hälfte hängt über, die Griffe sind aber gross. Oben gibt's noch ein Plättchen zum Dessert.

Fegefeuer (6b): Gleich zu Beginn ein hartes Dach, anschliessend logisch und fotogen entlang einer senkrechten Kante zum Stand. Am Dach 6b, nachher homogen, aber einfacher.   

Schwefelverschneidung (6a+): Herrliche, leicht überhängende Verschneidung an grossen, ausnahmsweise gut sichtbaren Griffen. Für das Gebiet ungewöhnlich homogen.

On the edge (6c): Logische, sehr schöne Kante. Im unteren Drittel eine 6a-Passage, dann bouldrige Schlüsselstelle, oben einfach. Die Kante ist auf weiten Teilen der Strecke leicht überhängend.

Aris kleine Welt (7a): Im Schlüsselbereich rechte Variante von "On the edge". Kurze bouldrige Züge an Leisten. Kurz vor der Schlüsselstelle kann man gut rasten und sogar ein Biberli essen, deshalb eine sehr moderate 7a-Tour.

Qi Gong (6c+): Geniale Tour. Am Einstieg ziemlich tricky, in der überhängenden Schlüsselpassage kann man sich geschickt verspreizen. Vom Stand aus könnte man direkt in "Aris kleine Welt" wechseln, was sicher sehr attraktiv wäre.

Narrenspiel (6a): Fieser Anfang, nach zwei Metern folgt ein versteckter Griff, den man von unten beim besten Willen nicht sieht. Nachher einfacher und schön mit einigen schwer zu findenden Griffen.

Dürligieger (5c): Für eine 5c-Tour recht steil.

Intervall (6a+): Unten schöne, einfache Kletterei. Oben folgt dann eine kurze überhängende Stelle, wo man verzweifelt den richtigen Griff sucht. Wer sich verspreizt, hat für die Linienwahl etwas mehr Zeit.

Just for Fun (6b+): Unten fast gleich wie "Intervall, dann folgt eine Schlüsselstelle an einer überhängenden "Nicht-Ganz-Platte". Sensationelle Bewegungslösung, die fast keine Kraft kostet.

Flirting with Desaster (6c): Abgesehen von einer schwer einzuschätzenden Stelle im unteren Teil einfache Kletterei bis zum Dach, Die Züge übers Dach fand ich dann sehr hart. Oben kurze, schöne Platte. Die einzige Route, in der ich noch einen Hänger zu verbuchen habe.


Tourengänger: ossi


Galerie


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