Auf Spurensuche im Urbachtal


Publiziert von TomClancy , 8. August 2009 um 20:52.

Region: Welt » Schweiz » Bern » Oberhasli
Tour Datum: 7 Juni 2009
Wandern Schwierigkeit: T3+ - anspruchsvolles Bergwandern
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-BE 
Zeitbedarf: 6:00
Aufstieg: 1240 m
Abstieg: 1240 m
Strecke:Mürvorsess - Rohrmatten - Schmallauigädmer - Schrätteren - Hohwang
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Mit dem PW ins Urbachtal, Parkplatz bei Pt. 880, Mürvorsess.

Vor mehr als 25 Jahren war ich mit zwei guten Schul-Kameraden das letzte Mal im Urbachtal. Damals sind wir um dem Schulstress zu entfliehen nach der Sommersaison in die unbewartete Gaulihütte aufgestiegen und haben dort schmackhafte Älplermaggronen gekocht und eine erholsame Nacht verbracht.

Seither hat mich dieses Tal immer wieder mal gelockt, aber es hat sich einfach nie so ergeben. Letztes Jahr habe ich dann ein wenig meine familiären Wurzeln erforscht und bin dabei auf einen Urgrossonkel gestossen, der im Urbachtal bei einem Bergunfall gestorben ist. Das hat natürlich meinen Forscherdrang geweckt und ich habe mir für dieses Jahr vorgenommen, auf Spurensuche im Urbachtal zu gehen.

Am 7. Juni 2009 war es soweit. Nach einer angenehmen Fahrt über den Brünig bin ich mit einigem Herzklopfen die enge Strasse ins Urbachtal hochgefahren. Am Ende der befahrbaren Strasse ist ein genügend grosser Parkplatz. Sofort nimmt mich die atemberaubende Schönheit des Tals gefangen: die saftigen Weiden, die zum Greifen nahen, steilen, hohen Felswände bilden eine unbeschreibliche Arena. Der Fahr-Weg führt zuerst über saftige Weiden bis zur Rohrmatten. Ab dort müssen auch Jäger, Hüttenwarte und andere Subaru-Fahrer :-) zu Fuss gehen. Meistens ist der immer gut zu begehende Weg (er ist ja immerhin grossviehtauglich) schattig im Wald angelegt. Zweimal sind Lawinenzüge zu überqueren, die gut mit Schnee gefüllt sind. Auffällig sind die Unterschiede in der Vegetation am Rand der Lawinenzüge. Die Zweige die dem Lawinenzug am nächsten sind, haben erst Knospen, während zwei Meter weiter bereits die Blätter voll entfaltet sind.

Auf Alp Schrätteren weitet sich das Tal und man wird von der Blütenpracht des Alpsommers empfangen. Neben den aktuellen Alphütten hat es auch Ruinen von älteren Gebäuden. Ich mache eine kurze Rast, geniesse die Ruhe und lasse mir den Bauch von der Sonne wärmen. Weiter geht’s auf dem Hüttenweg Richtung Gaulihütte.

Kurz nachdem der Weg Richtung Dossenhütte abzweigt, finde ich an einem markanten Felsblock eine Gedenktafel, die an meinen Grossonkel erinnert. Ich halte kurz inne und versuche mich in die Zeit vor 103 Jahren zu versetzen. Anschliessend setze ich den Weg fort, ich will noch etwas Höhe gewinnen und dann das Mittagessen einnehmen. Kurz vor Pt. 1850 entdecke ich eine zweite Gedenktafel. Hier sind am 5. Mai 1990 sieben Angehörige einer Tourengruppe der JO Bachtel von einer Nassschneelawine mitgerissen worden. Während ich auf die Tafel mit dem Unfall meines Grossonkel gefasst war und ich dort nur in stillem, respektvollem Gedenken verharrt habe, trifft mich das Schicksal dieser jungen Menschen ziemlich heftig und geht mir zu Herzen. In Gedanken versunken steige ich noch einige Meter Richtung Holzwang auf. Dort lege ich die Mittagsrast ein.

Im Abstieg werde ich kurz vor der Alp Schrätteren von Jakob, einem jungen Deutschen eingeholt, der ein viermonatiges Praktikum bei den Kraftwerken Oberhasli macht und nun im leichten Tenü die Berge „unsicher“ macht. Wir kommen ins Gespräch und nehmen den restlichen Abstieg gemeinsam in Angriff. Bei der Obri Schmallaui bemerken wir, dass im Lauf des Tages ein grosser Steinbrocken durch das Couloir abgestürzt ist und kurz nach der Wegquerung im Schnee steckengeblieben ist. So wird uns ein weiteres Mal eindrücklich vor Augen geführt, dass hier im Gebirge jederzeit Gefahren lauern und es keine absolute Sicherheit gibt. Ungeschoren kommen wir wieder beim Parkplatz an und ich nehme Jakob noch bis zu seinem Domizil in Innertkirchen mit. Ein ereignisreicher, nachdenklich stimmender Tag neigt sich seinem Ende zu.

Tourengänger: TomClancy

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