Chinzerberg 2138m, Fulen 2491m, Rossstock 2461m


Publiziert von denali2002 , 5. Juni 2009 um 10:09.

Region: Welt » Schweiz » Uri
Tour Datum:29 Mai 2009
Wandern Schwierigkeit: T5 - anspruchsvolles Alpinwandern
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-UR   CH-SZ 
Zeitbedarf: 1 Tage
Aufstieg: 1926 m
Abstieg: 1824 m
Strecke:Biel - Chinzig Chulm - Hinter Chinzerberg - Schäferhütte - Rtg. Liderner Planggeli - Ober Frutt - Rossstocklücke - Fulen - Rossstocklücke - Rossstock - Mälchbödeli - Lidernenhütte
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Mit Bahn nach Flüelen, Postauto nach Brügg (Bürglen), Seilbahn nach Biel
Zufahrt zum Ankunftspunkt:Am schnellsten von Riemenstalden/Chäppeliberg mit der Seilbahn nach Gitschen und in 10 Minuten zur Hütte
Unterkunftmöglichkeiten:Lidernenhütte SAC
Kartennummer:1172 Muotathal

Einsamkeit pur und erhöhte Schwierigkeiten durch Altschneefelder.

Der Hüttenwart der Lidernenhütte hat noch abgewunken. "Nein nein, Steigeisen sind für diese Tour nicht notwendig, Gamaschen und Stöcke sollten ausreichen". Letztendlich konnte ich meine Tour praktisch wie geplant durchführen, Steigeisen wären stellenweise aber trotzdem sehr nützlich gewesen. Geplant hätte ich eigentlich den Aufstieg von Biel über Chinzig Chulm zum Hinter Chinzerberg, dann über das Liderner Planggeli, auf den Chaiserstock, den Fulen und den Rossstock und dann runter in die Liderner Hütte. Den Verhältnissen zum Opfer gefallen sind das Liderner Planggeli sowie der Chaiserstock.

Am Freitag vor Pfingsten fuhr ich sehr früh mit der Bahn nach Flüelen und von dort per Postauto nach Brügg (Bürglen). Die Seilbahn rauf nach Biel fuhr ausser fahrplan speziell für mich. Diese Flexibilität ist eigentlich bewundernswert, denn ausser mir war weit und breit keine Menschenseele zu sehen. Ein Grund für eine Extrafahrt bestand nun also wirklich nicht.

Etwas mehr hätte ich aber vom Wetter erwartet. Bucheli und Co. hatten einen tollen Sonnentag angekündigt, stattdessen zeichnete sich ein düsterer Nebeltag ab.

Chinzig Chulm
Es ist feucht und kühl. Die angekündigte Sonne vermag den Nebel noch nicht wirklich zu verdrängen. Auf einem guten Weg, der aber teilweise recht nass und glitschig ist, wandere ich rauf zum Chinzig Chulm. Diesen Pass hat General Suworov am 27. September 1799 mit über 20'000 Soldaten überquert. Zu seinen Ehren wurde auf dem Pass eine kleine Kapelle errichtet. Ausserdem steht seit wenigen Jahren eine wunderschöne kleine Schutzhütte hier oben. Ab und zu lichtet sich der Nebel und gibt einen schönen Blick Richtung Biel frei.

Hinter Chinzerberg (2138m)
Auf Chinzig Chulm liegt noch sehr viel Schnee. Das Problem ist dass einerseits die Wegweiser noch nicht installiert sind und andererseits Wegmarkierungen häufig noch unter dem Schnee liegen. Ohne Karte und GPS (wegen dem Nebel) hätte ich die geplante Tour eigentlich bereits abbrechen können.
Der Chinzerberg besteht aus drei Gipfeln (Hinter, Mittst und Vorder), wobei der Hinter Chinzerberg mit seinen 2138m der höchste ist. Wenn man dem blauweiss markierten Weg von Chinzig Chulm in Richtung Schäferhütte folgt muss man bei Punkt 2045 rechts abbiegen um den Hinter Chinzerberg über seinen Westrücken einfach zu besteigen. Es geht weglos und nicht sehr steil im Gras aufwärts. Der höchste Punkt ist nicht markiert, dank der modernen Technik (GPS) aber problemlos zu finden.

Eigentlich wäre der Chinzerberg die perfekte Aussichtskanzel mit Blick auf die Rossstock - Fulen - Chaiserstock - Kette. Und diese Aussicht hätte ich mir auch gewünscht um den weiteren geplanten Routenverlauf auf das Liderner Planggeli einsehen zu können. Der Nebel verschwindet denn auch zwischenzeitlich und ermöglicht einen Blick auf die senkrechten Südwände von Rossstock und Fulen.

Liderner Planggeli bzw. Rossstocklücke oder: wie komme ich bloss auf die andere Seite?
Für den Abstieg vom Hinter Chinzerberg laufe ich jetzt praktisch diretissima zur Schäferhütte. Die Schneefelder erleichtern den Abstieg massiv. Bei der Schäferhütte geht es nun weiterhin blauweiss markiert  in Richtung Liderner Planggeli. Dieser Übergang liegt zwischen dem Chaiserstock und dem Fulen und bietet sich als ideal an wenn man sowohl Chaiserstock wie auch Fulen besteigen möchte. Der Pfad, der die steile Geröllhalde hinauf führt, ist recht gut sichtbar. Unterbrochen wird er jeweils durch relativ grosse Schneefelder. Hier in der Flanke sind die Schneefelder zu meinem Erstaunen im Gegensatz zu den Schneefeldern in den Mulden aber pickelhart gefroren. Die Flanke weist eine Steilheit von ca. 40Grad auf. Irgendwann siegt die Vernunft und ich kehre wieder um. Zu gefährlich wäre es hier ohne Steigeisen weiterzugehen da die Steilheit nur noch zunimmt.

Doch wie komme ich nun bloss auf die andere Seite? Die Rossstocklücke soll noch steiler sein als das Liderner Planggeli ;-(. Als Notlösung wäre noch der deutlich flachere Übergang übers Spilauer Grätli möglich. Ich stapfe also wieder zurück zur Schäferhütte und von dort weiter zur Ober Frutt gleich unterhalt der Rossstocklücke. Die Rossstocklücke liegt zwischen Fulen und Rossstock. Glücklicherweise ist hier der Schnee deutlich weicher. Das könnte funktionieren! Mit Pickel und einem Skistock steige ich in der Falllinie zur Rossstocklücke hoch. Und tatsächlich, perfekter Trittschnee. An der steilsten Stelle rund 47Grad steil. Ca. 15 Höhenmeter unterhalb der Lücke kann ich vom Schnee in einen Felskamin steigen und in leichter Kletterei weiter zur Lücke. Der Weg auf die Lücke ist aber noch durch eine grössere Wechte versperrt. Mit dem Pickel lässt sich der Weg aber problemlos freischlagen.

Fulen (2491m)
Ab Rossstocklücke führt ebenfalls eine blauweisse Route auf den Fulen. Der Weg ist relativ neu angelegt. Früher musste praktisch der gesamte Berg umrundet werden, neu zieht sich ein Pfad die steile Nordwestflanke hoch. Doch auch hier gibt es fiese Altschneefelder. Ausrutschen wäre bei dieser Ausgesetztheit nich gerade gesundheitsfördernd. Sehr sehr vorsichtig gehe ich ans Werk. Und bald schon erreiche ich (im Nebel) den Gipfel des Fulen.

Gleich wieder runter und zurück in die Rossstocklücke.

Rossstock (2461m)
Der Aufstieg zum Rossstock von der Lücke her ist dann bedeutend einfacher und ungefährlicher als die Besteigung des Fulen. Ein relativ grosses Schneefeld mit gutem Trittschnee muss überwunden werden bis man durch einen einfach zu erkletternden Kamin den Nordrücken des Rossstock erreicht. Hier vereinigen sich die blauweisse Route von der Rossstocklücke herkommend mit der rotweissen Route die von der Lidernenhütte herkommt.
Der Gipfelaufstieg über diesen Rücken ist sehr einfach und dauert nur noch rund 10 Minuten.

Auch dieser Gipfel liegt im Nebel. Doch auf dem Abstieg lichtet sich der Nebel zusehends und lässt dann doch einige sehr schöne Blicke auf die benachbarten Berge und auf den Spilauersee zu.

Lidernenhütte (1727m)
Der Weg zur Lidernenhütte via Mälchbödeli und Ober Hütten ist dann wirklich schnell zu bewältigen. Bis beinahe vor die Hüttentüre lässt sich der Abstieg gleitenderweise über Schneefelder verkürzen. Das macht Spass!

Bis am Abend haben sich dann sämtliche Nebelfetzen und Wolken verzogen. Was folgt ist ein unbeschreiblicher Sonnenuntergang über dem Vierwaldstättersee.

Ich bin übrigens der einzige Hüttengast und werde vorzüglich verköstigt.

Fortsetzung der Tour am nächsten Tag über den Rophaien nach Sisikon:
www.hikr.org/tour/post13779.html

Fazit:
Während der ganzen Tour habe ich keine Menschenseele getroffen.
Mit allen Umwegen und Mühen war ich rund 8 1/2 Stunden unterwegs. Bei normalen Verhältnissen sollte dies in 5-6 Stunden zu schaffen sein.

Die Schwierigkeiten liegen bei idealen Verhältnissen bei T4. Aufgrund der teilweise sehr gefährlichen Schneelage insbesondere am Fulen würde ich die Tour aber mit T5 bewerten.

Bei Alleingängen bei solchen Bedingungen sollten zwingend nebst Pickel auch die Steigeisen mitgenommen werden. Ausserdem ist eine sorgfältige Planung zu Hause unabdingbar. Dass ich mein GPS mit den wichtigsten Wegpunkten gefüttert habe hat sich ausserordentlich bewährt.





Tourengänger: denali2002

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