Trampelpfade am Üetliberg (42, 43, 44): Stufenpfad, Runsenpfad und Föhrenpfad in der Fallätsche


Publiziert von Uto869 Pro , 8. Oktober 2017 um 14:40.

Region: Welt » Schweiz » Zürich
Tour Datum:30 September 2017
Wandern Schwierigkeit: T5 - anspruchsvolles Alpinwandern
Zeitbedarf: 0:45
Aufstieg: 100 m
Strecke:Zürich: Fallätsche-Traverse - Gratstrasse
Zufahrt zum Ausgangspunkt:ÖV: S4 (Bahnhof Leimbach), Bus 70 (Hüsli), Tram 13 (Albisgüetli), S10 (Uetliberg); Auto: PP Friedhof Leimbach, Albisgüetli, Waldegg, Ringlikon.
Kartennummer:LK 1: 25'000, Blatt 1091 (Zürich)

Gleich vorneweg: Hier soll von der «Fallätsche für Fortgeschrittene» die Rede sein. Ich meine das nicht elitär, sondern will einfach verhindern, dass jemand die nachfolgend beschriebenen Routen als Einladungen zu Sonntagsspaziergängen missversteht. Wir bewegen uns hier im T5-Bereich. Referenztouren für T5 sind in der Innerschweiz zum Beispiel der Bristen oder die Schächentaler Windgällen. Auch wenn die T5-Stellen in der Fallätsche nur äusserst kurz sind (kein Vergleich mit den erwähnten Referenzen!): T5 ist T5 - die Routen sind und bleiben doch anspruchsvoll.

Ausgehend von meiner Frage nach dem gelben Bergseil, das seit einiger Zeit am oberen Fallätsche-Rand, direkt an der Gratstrasse, an einen Baum angebunden ist, und das über die grosse Runse in die Tiefe führt (mein Bericht vom 29. September 2017), habe ich mich in den vergangenen Tagen wieder einmal mit den Pfaden und Routen beschäftigt, die vom Querpfad (Traverse) zur Gratstrasse hinaufführen - und zwar im Abschnitt zwischen der Direttissima Mitte Nord und der Direttissima Nord. Vor drei Jahren (Bericht vom 17. September 2014) habe ich in meinem Bericht zur Direttissima Nord eine Variante erwähnt, die etwas südlich der Direttissima Nord direkt unter die Felsen beim Fallätsche-Aussichtspunkt (Bänklein beim Teehütteabzweiger) aufsteigt, sich unter den Felsen dann nach links (Gehrichtung) wendet, also nach Süden, und vor der grossen Runse zur Gratstrasse aufsteigt. In der Zwischenzeit habe ich weitere Varianten im genannten Gebiet erkundet und bin dabei tatsächlich auf die Gratstrasse oder den Teehüttenweg gelangt. Aber ich habe diese Routen für zu wenig attraktiv für Hikr-Berichte eingestuft. Brombeerfelder erschweren einem hier das Leben … Zudem ist der Ausstieg schwierig: Entweder muss man direkt bei den Aussichtsbänken aussteigen (wie mühsam das ist, kann sich jede und jeder gut von oben ansehen), oder man muss sich, an die Felsen «geklebt», durch Gestrüpp zum Direttissima-Nord-Ausstieg hinüberquälen.

Warum das gelbe Seil befestigt worden ist und wozu es dient, hat sich mir noch nicht wirklich erschlossen. Um die oberste Steilstufe unmittelbar an der Gratstrasse zu überwinden, gibt es einen sichtbaren, wenn auch abschüssigen Pfad, oder es würde zumindest eine kurze Reepschnur genügen. Am Ende des Seils befindet sich «nichts», also kein Holzschlag, keine geologische Grabung ... Es darf weiter gerätselt werden. Oder kennt jemand die Lösung?

Nachfolgend beschreibe ich drei Routen, die anspruchsvoll, aber machbar sind. Den Hinweis auf den Einstieg in den Stufenpfad verdanke ich dem Hikr-Kollegen mb_mb. Bei allen drei Routen ist das Mitführen eines Eispickels aus meiner Sicht ein Muss. Da man sich in «Niemandsland» begibt, in dem eine Suche schwierig wäre (ich sage das als ehemaliger Mitarbeiter der Bergrettung), gehört es meines Erachtens auch dazu, es jemandem zu sagen, wohin man geht.

Stufenpfad

Der Einstieg in den Stufenpfad findet sich auf dem Querpfad (Traverse) auf 690m ü. M. etwas nördlich des Abzweigers zur Höhle mit dem Fallätsche-Büchlein (Direttissima Mitte Nord). In der Sandsteinwand, die die Traverse bergseits begleitet, finden sich alte Tritte. Wenn man aufmerksam ist, erkennt man sie gut. Ein schwarzer, mit dem Pickel nachgekratzter Pfeil gibt einen zusätzlichen Hinweis. Oben links im Stufenwändchen hängt an einer ganz kleinen Föhre eine schwarz-weisse Schlinge; diese dient eher der Orientierung denn der Sicherung. Das Erklimmen des Wändchens ist nicht allzu schwierig. Heikel aber ist das Meistern der oberen Kante. Wenn man einen Pickel dabeihat und sich mit diesem oben gut verankert, geht's meines Erachtens ohne übergrosses Risiko (aber ein T5-Moment ist’s schon!). Oberhalb des Wändchens finden sich Pfadspuren, die obsi führen. Gerade ein Trampelpfad ist's nicht, aber es wird einem schnell klar, dass man nicht der erste ist, der hier durchgeht. Kämpft man sich mehr oder weniger in der Vertikalen hinauf, gelangt man am Rande der grossen Runse zum unteren Ende des gelben Seils (760m ü. M.). Dieses ist unten wie oben solide befestigt. Allerdings kann man die Runse gut auch ohne Seil queren, wenn man den Pickel dabeihat. Das Seil weist einem aber perfekt die Richtung. Über den abschliessenden Steilaufschwung direkt unterhalb der Gratstrasse bin ich zweimal aufgestiegen: Einmal bin ich dem Seil gefolgt und habe mich daran festgehalten, was auch ohne Steigklemmen gut geht, so steil ist es auch wiederum nicht - und einmal bin ich unterhalb der letzten Steilstufe nach rechts unter die Felsen hinübergequert und dann auf den Spuren aufgestiegen, die ich auch dann benütze, wenn ich eine der Aufstiegsvarianten etwas weiter nördlich begehe. Zu beachten ist dabei allerdings eine etwas ausgesetzte Ecke. - Der Stufenpfad kann dank der Seilhilfe auch abwärts begangen werden. Will man unten, vor der Traverse, nicht über das Stufenwändchen absteigen (heikle Kante!), kann man oberhalb des Wändchens nordwärts zum Föhrenpfad (siehe mein nachfolgender Bericht) queren und dort absteigen. Diesen Hinweis verdanke ich dem Hikr-Kollegen Wiler.

Runsenpfad

Gleichentags habe ich eine weitere Route im gleichen Gebiet begangen. Etwa 40 Schritte nördlich des Einstiegs zum Stufenpfad bin ich - auch von der Traverse aus - in einer grasig-felsigen Rinne über das Wändchen hinaufgekraxelt und habe so - nach dem Wändchen links anhaltend - die grosse Runse erreicht, die ganz oben vom Seil gequert wird. Die Fotos (unten) zeigen, wo sich das Wändchen überwinden lässt. Auch hier ist die obere Kante wiederum die heikelste Stelle. Die Runse lässt sich bis fast zum Seil recht gut begehen: Alles ist zwar steil, aber ausser beim Einstieg gibt’s nirgends eine Absturzgefahr. Gegen oben hin wird die Runse dann immer noch etwas steiler. Deshalb bin ich hier nach links auf den begrenzenden Kamm ausgestiegen und bin so, etwas unterhalb des unteren Seilendes, auf den Stufenpfad gestossen und auf diesem ausgestiegen. - Der Runsenpfad weist zwar Begehungsspuren auf, ist aber trotzdem eher eine Route denn ein Pfad. Das Begehen der Runse weist im Gegensatz zum Begehen von Rippekämmen zudem zusätzliche Gefahren wie Steinschlag und Wasser (etwa bei einem Schlagwetter) auf; das will bedacht sein.

Föhrenpfad

Und auch eine dritte Route habe ich versucht - noch etwas weiter nördlich, also zur Direttissima Nord hin. Der Einstieg ist hier einfach, weil das Sandsteinwändchen, das den Querpfad von Süd nach Nord begleitet, stetig an Mächtigkeit verliert. Man steigt dort ein, wo aus dem Wändchen ein Wiesenbord wird. Kurz nach dem Einstieg wendet man sich nach links (in Gehrichtung), überquert eine kleine Runse und gewinnt an deren südlichen Rand einen kleinen Rippenkamm (siehe Fotos unten). Diesem folgt man in der Vertikalen aufwärts, was gut geht. Gelegentlich muss man nach links ausweichen, um voranzukommen. Und gelegentlich muss man sich unter Föhrenästen hindurch den Weiterweg regelrecht erkämpfen. Auf gut halber Höhe zur Gratstrasse stösst man auf die eigentliche Challenge dieser Route (die wirklich eine Route, kein Trampelpfad ist!): Ein Sandsteinwändchen versperrt den Weiterweg (auf das gleiche Hindernis trifft man auch bei den Aufstiegsvarianten noch weiter nördlich, zur Direttissima Nord hin). Wo und wie ich das Wändchen überwunden habe, lässt sich am besten nachvollziehen, wenn man die Fotos (unten) anschaut. Ob es auch noch andere Möglichkeiten gibt, habe ich nicht erkundet. Seilhilfe von oben würde einem an dieser Stelle das Leben deutlich erleichtern - aber ich denke, es sollte auch in der Fallätsche noch Routen geben, die nicht entschärft sind. Wer hier nicht hochkommt, was keine Schande ist, kann problemlos umkehren, weil unten, bis zum Querpfad, auf dieser Route kein schwieriges Hindernis auf einen wartet. Nach dem Challenge-Wändchen geht’s dann rasch, aber nichtsdestotrotz mühsam weiter: steilster Wald, aber ohne Absturzgefahr - bis zur abschliessenden Nagelfluhwand, über der sich die Gratstrasse befindet. Auch hier gibt es zwei Möglichkeiten auszusteigen: Man quert links hinüber zur grossen Runse und steigt dort, wie beim Stufenpfad, am Seil auf - oder man steigt ganz hoch unter die Nagelfluhfelsen, «klebt» sich an diese, quert nach links zu den Zick-Zack-Spuren, die zur Gratstrasse führen (eine ausgesetzte Ecke, Vorsicht also). - Absteigen über den Föhrenpfad würde ich nur mit mitgeführter Reepschnur, damit ich für den Abstieg über das Wändchen auf halber Höhe einen sicheren Halt hätte. 


Tourengänger: Uto869

Galerie


Slideshow In einem neuen Fenster öffnen · Im gleichen Fenster öffnen


Kommentare (1)


Kommentar hinzufügen

mb_mb hat gesagt: Danke
Gesendet am 9. Oktober 2017 um 10:02
Danke für die wunderbaren Berichte.


Kommentar hinzufügen»