Rumiñahui Máxima


Publiziert von chavin , 4. Oktober 2017 um 10:45.

Region: Welt » Ecuador
Tour Datum: 4 Juli 2017
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Als Individualreisender: Vom Terminal Quito Sur "Quitumbe" den Bus nach Latacunga. Fahrschein nur bis Lasso nehmen (ca.2 USD. Lasso an der Panamericana ist mit "Cotopaxi NP Sur" gleichzusetzen. Hier warten Camionetas, die für 20 USD die über 20 km lange, anfangs hervorragend ausgebaute, später sehr schlechte Straße zur Laguna Limpiopungo fahren. Nach 5 km Strecke kommt die Entrada NP Cotopaxi Sur, wo man sich registrieren lassen, aber nichts bezahlen muss. Vor der Übernachtung an der Laguna wird gewarnt (Vogelschutz und Diebstahl). Alternativ gibt es 1 km vor der Laguna ein neu erbautes, hübsch gemachtes "Campamento" zum Zelten.

Wer unter den deutschsprachigen Bergfreunden den Rumiñahui Máxima besteigen möchte, hat sich möglicherweise schon im Bergführer Ecuador von Günter Schmudlach informiert.

Viel Literatur zu den Bergen Ecuadors gibt es nicht, insofern ist das Buch von Günter Schmudlach außerordentlich hilfreich. Im Falle des Rumiñahui Máxima (Norte) bin ich mit der Beschreibung allerdings nicht recht zufrieden.

Vorweg: Zwischen der Besteigung des „Central“ und des „Máxima“ liegen Welten im An-spruch an den Kletterer! Auf den Central führt eine Autobahn! Wer sich bereits ausreichend akklimatisiert hat, kann ohne sich Gefahren auszusetzen oder den Weg suchen zu müssen auf den Gipfel gelangen. Am Máxima hingegen ist nicht einfach zu erkennen, wo der Aufstieg ist, die Flanken sind steil und rutschig im Kies und einmal oben, erfolgt eine lange Querung zum höchsten Punkt mit einigen Tücken. Diesem Unterschied wird meines Erachtens im Bergführer zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt.

Von der Laguna Limpiopungo kommend, sind beide Aufstiege bis 4410m gleich. Ganz entscheidend ist es, den Abzweig nach rechts zum Máxima zu finden! Biegt man zu früh ab (Bergführer 4360m), kommt man in ein unwegsames Gelände aus Páramo und strubbeligen Sträuchern. Der Abzweig befindet sich am Ende des ersten Drittels der langen Sandbahn zum Central, 4400-4410m etwa. Dass der Abzweig deutlich höher liegt, als im Bergführer angegeben, mag seine Ursache darin haben, weil einige Gruppen im Abstieg vom Central weitergehen wollen in Richtung Santa Ana de Pedregal.

Ist der Abzweig an der richtigen Stelle gefunden, führt ein deutlicher Pfad durch Gras und Sand leicht abwärts unter dem Máxima vorbei. Der Pfad geht nach Santa Ana, nicht zum Gipfel! Man muss sehr aufmerksam schauen, wo das „Schuttcouloir“ links einsetzt (es gibt kaum Kennzeichnung durch Steinmänner). Ich würde das Schuttcouloir zutreffender als lange Sandbahn bezeichnen. Hier im lockeren Sand hinaufzusteigen, kostet Kraft! Besser ist es, eine vom Regenwasser ausgespülte Rinne entlang der Felsen auf der rechten Seite zu benützen. Die Rinne führt in eine enge, felsige Schlucht (leichte Kletterei) und danach rechtshaltend in die Scharte hinter einem Turm. Dieser Gipfel ist aus großer Entfernung sichtbar und kann gut als Orientierungshilfe genutzt werden. Ist das Vormittagslicht gut, macht er einen dunklen Schatten auf der Wand des Máxima (Foto). Hinter dem Turm befinden wir uns 110 Hm über der Querung nach Santa Ana. Etwa ab hier gibt es ausreichend viele und in regelmäßigen Abständen Steinmänner.

Hinter dem Gipfel setzt eine schiefe Ebene aus gelb-orangenen Sand und Geröll ein; recht steil, aber hin und wieder mit fest verankerten Steinen im Boden. Es ist ein bisschen heikel, denn wer ausrutscht, kann nicht damit rechnen, bald wieder zum Halten zu kommen. Es gibt jede Menge Steinmänner; das wirkt zunächst übertrieben, denn es geht immer gerade hoch (bis auf das Zickzack, um die trittsichersten Stellen auszunützen). Aber im dichten Nebel sind die kurzen Abstände der Steinmänner erklärbar. Wer sich von links (vom Rumiñahui Central kommend) annähert, wird die schiefe, orangene Ebene nicht sehen. Mein Foto ist auf dem Weiterweg nach Santa Ana entstanden.

Dieser Spaß mit Herzklopfen endet direkt auf dem Gipfelgrat. Man ist nun, je nachdem, welche Stelle man betritt, 4690-4700m hoch. Die Machachi-Seite ist abgrundtief (4.Foto). Aber auch ein Blick zurück, wo man hergekommen ist, lohnt sich, da man weiß, dass man dort wieder hinunter muss!

Trotz der „Fast-Gipfel-Höhe“ ist man leider nicht oben! Man hat den Gipfelgrat weit links betreten und muss nun zum höchsten Punkt queren. Wage Wegspuren gehen mal auf der Machachi-Seite, mal auf der Cotopaxi-Seite um mehrere Türme herum. Auf einen gut ausgetretenen Abschnitt, der Hoffnung weckt, gleich an Ziel zu sein, folgt eine ausgesetzte Kletterstelle mit gähnender Tiefe. Der Fels ist ziemlich fest und weist sehr gute Griffe auf, aber man muss sein Leben tatsächlich diesen Griffen anvertrauen (ich war allein am Gipfel). Steinmänner sind immer in Sichtweite, und ich denke, dass sie richtig gesetzt wurden.

Leider hüllte Nebel den (vermutlich) höchsten Punkt in ein matschiges Grau. Aber ich glaube fest, dass er ca. 20m über mir und keine 30m weit entfernt vor mir war. Die Steinmänner führen direkt zur Gipfelwand, die allerdings an dieser Stelle eher etwas mit Extremklettern zu tun hat. Stattdessen tut sich rechts eine sehr steile Schlucht mit Geröll auf, die man hinuntermuss und vermutlich auf der anderen Seite wieder hinauf. Einmal ausrutschen oder mit einem Griff ausbrechen bedeutet, mehrere 100m runterzufliegen! Das habe ich allein nicht gemacht!


Tourengänger: chavin

Galerie


Slideshow In einem neuen Fenster öffnen · Im gleichen Fenster öffnen


Kommentare (1)


Kommentar hinzufügen

Cubemaster hat gesagt: Super Bericht!
Gesendet am 4. Oktober 2017 um 13:33
Hallo,
da ich auch schon mal auf dem Rumiñahui (Central) war, kann ich nachvollziehen, dass der Hauptgipfel nicht einfach ist...

Ich habe gesehen, dass du auch einige andere tolle Berichte geschrieben hast. Allerdings findet die kein Mensch, da sie nicht mit den entsprechenden Wegpunkten verlinkt sind. Dazu kannst du im Bearbeiten-Modus rechts unter Wegpunkte auf bearbeiten klicken, dann erscheint dein Bericht auch auf der entsprechenden Seite www.hikr.org/dir/Rumiñahui_Máxima_50457/
Wie du siehst, gibt es dazu bis jetzt keinen Bericht, es wäre also toll, wenn du deinen verlinken könntest.

Weiterhin schöne Touren!


Kommentar hinzufügen»