Гара Дзяржынская / Hara Dzyarzhynskaya - Höchster Punkt der Republik Belarus


Publiziert von pika8x14 , 25. April 2014 um 01:13.

Region: Welt » Weissrussland / Беларусь
Tour Datum:18 April 2014
Wandern Schwierigkeit: T1 - Wandern
Wegpunkte:
Geo-Tags: BY 
Zeitbedarf: 3:00
Strecke:Spaziergang am Гара Дзяржынская / Hara Dzyarzhynskaya, Wanderung von dort nach Глушынцы / Glushyntsy (und zurück), Spaziergang in Скірмантава / Skirmantava
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Mit dem Bus oder Pkw nach Скірмантава / Skirmantava.
Kartennummer:Белорусская ССР - Топографическая карта, N-35-79 (1:50 000), verschiedene Ausgaben (1978, 1985)

Ursprünglich für den Mai geplant - findet unser Ausflug nach Belarus nun bereits über Ostern statt.


Belarus - Das Land. Der Traktor.

Wie heißt es treffend im Präsentationsvideo des Minsker Traktorenwerks: „Wenn man in verschiedenen Ländern und Regionen der Welt das Wort ‚Belarus‘ hört, wird damit nicht nur das Land Weißrussland gemeint, sondern in erster Linie unser Traktor …“

Tatsächlich waren die meist roten Traktoren der Marke „Belarus“ - neben den einheimischen „ZT’s“ - in unserer Kindheit allgegenwärtig. Und da die meisten Jungs „damals“ sowieso Traktoristen (oder Kosmonauten ;-) werden wollten, wussten viele schon im Kindergartenalter vom namensgebenden Land „Belarus“ - seinerzeit Teil der UdSSR, heute unabhängige Republik.

Und so besteht der „Pflichtteil“ unserer Reise dieses Mal neben dem Besuch des Landeshöhepunktes auch aus einem Abstecher zum Minsker Traktorwerk. Darüber hinaus möchten wir die moderne und sehr grüne Hauptstadt Minsk sowie einige weitere Sehenswürdigkeiten erkunden. Und selbstverständlich werden wir durch viel Natur und ursprüngliche Dörfer schlendern.


Г ара Дзяржынская / Hara Dzyarzhynskaya - „Dzierzynski-Berg“. Feliks Dzierzynski.

Berge nach mehr oder weniger berühmten Persönlichkeiten zu benennen ist weltweit ja durchaus üblich. Und so hat man auch in Belarus 1958 den „Heiligen Berg“ Сьвятая гара (Svyataya hara) in Дзяржынская гара bzw. Гара Дзяржынская (Hara Dzyarzhynskaya), also in „Dzierzynski-Berg“ umgetauft.

Feliks Dzierzynski  war zu Lebzeiten (1877 - 1926) vor allem Berufsrevolutionär und Gründer der Tscheka. Auf seine Initiative geht ebenfalls die Bildung der Sportgemeinschaft „Dynamo“ zurück - noch heute sind entsprechende Fangesänge in Fußball- oder Eishockeystadien zu hören, selbst in Deutschland. Dort dürfte sich der eine oder andere aber auch an das Wachregiment „Feliks Dzierzynski“ des DDR-Ministeriums für Staatssicherheit erinnern …

Der Hara Dzyarzhynskaya ist mit knapp 346 m die höchste Erhebung der Republik Belarus und des Weißrussischen Höhenrückens, Беларуская града. Der Berg befindet sich beim Dorf Скірмантава / Skirmantava, unweit der Stadt Дзяржынск / Dzyarzhynsk, welche natürlich ebenfalls nach F. Dzierzynski benannt ist.

Die offiziell höchste Stelle ist eingezäunt und von der Bushaltestelle an der nahegelegenen Straße bzw. vom kleinen Besucherparkplatz schnell zu erreichen. Zum Schluss führen 12 Stufen auf eine kleine, künstlich errichtete Erdpyramide, auf welcher sich ein beschrifteter Gipfelstein befindet. Von „oben“ blickt man vor allem auf Wald und zum benachbarten Maschinen-Traktoren-Park.


Unsere Tour

Am Donnerstag fliegen wir mit BELAVIA von Berlin nach Minsk. Die Einreiseformalitäten am Flughafen sind schnell erledigt. Und nach einem Stopp am Geldautomaten sind wir kurz darauf bereits Millionäre. Da ist die etwas lästige Visa-Beantragung im Vorfeld (Einladung, …) doch gleich vergessen ;-).

Mit unserer Million (Belarus-Rubel) im Gepäck fahren wir per Mietwagen ins Hotel nach Minsk, und am nächsten Morgen wird’s dann langsam spannend:

Erst einmal geht’s im Pkw in einer knappen halben Stunde nach Скірмантава / Skirmantava. Da der Landeshöhepunkt an der Straße bestens ausgeschildert ist, finden wir den entsprechenden Parkplatz auch zügig.

Schon eine Minute später stehen wir auf der „Gipfelpyramide“ des Гара  Дзяржынская / Hara Dzyarzhynskaya, der offiziell höchsten Erhebung der Republik Belarus - so schnell darf die heutige Wanderung natürlich nicht beendet sein ...

Da uns der Blick auf die topografischen Karten vorab bereits verraten hat, dass ganz in der Nähe ähnlich hohe Vermessungspunkte liegen sollen und zum Beispiel hier oder da auch mögliche andere Stellen für den belarussischen Landeshöhepunkt angedeutet werden, begeben wir uns auf die Suche. Außerdem ist ja sowieso gerade Ostern.

Zuerst folgen wir der von der Landstraße nordwärts in den Wald führenden Fahrpiste. Nach etwa 300 m erreichen wir eine Lichtung mit den „Resten“ einer alten Halle und anderem Unrat. Ein Stück weiter entdecken wir dann im Gestrüpp auch den Pfahl mit der Aufschrift „геодезический знак“ (geodätisches Zeichen, Höhe gemäß Karte 342,7 m) - was für ein Erfolg …

Derart motiviert machen wir nun natürlich auch noch ein Abstecher ins benachbarte Dörfchen Глушынцы / Glushyntsy, wo es laut Karte auch ziemlich „hoch hergehen“ soll. Zurück auf der Landstraße folgen wir dieser kurz (sozusagen in Richtung Minsk ;-). An der nächsten Kreuzung biegen wir nach links auf ein schmaleres Sträßchen ab. Wir laufen vorbei an der Einfahrt zum Maschinen-Traktoren-Park.

Kurz darauf überschreiten wir die Geländekuppe, auf der unter anderem ein großer Mast steht. Um es diplomatisch zu formulieren: Das natürliche Gelände „scheint“ hier gemäß GPS und Höhenmesser „ähnlich“ hoch zu sein, wie die offizielle Gipfelpyramide.

Dann schlendern wir leicht bergab, auf dem Feld nebenan arbeitet gerade ein Traktor - selbstverständlich von „Belarus“. In Глушынцы / Glushyntsy treffen wir auf eine Handvoll Häuser und können etliche Störche beobachten. Nach dem Passieren des Friedhofs und eines kleinen Weihers steigt das Terrain dann wieder an. Wir stapfen also nochmals leicht bergauf. Da sich hier auch militärische Anlagen befinden, gibt es aus diesem Bereich übrigens keine Fotos - dafür aber umso mehr vom Belarus auf dem Acker.

Nach Скірмантава / Skirmantava kehren wir anschließend auf bekanntem Weg zurück. Hier besuchen wir nochmals den offiziell höchsten Punkt von Belarus. Und natürlich begeben wir uns auch ins Dorf - schließlich möchten wir im „магазин“ noch etwas Proviant für die weitere Reise besorgen (Berichte folgen ;-) …


pika8x14 sind heute: A. + A.


PS: Eine Sache für sich ist die Übertragung der kyrillischen Bezeichnungen in lateinische Buchstaben. Hierfür gibt es zwar Regeln, aber eben auch verschiedene. Wir verwenden - falls vorhanden - die Bezeichnungen im deutschen Sprachgebrauch bzw. die international gebräuchlichen Schreibweisen (ähnlich ISO 9) mit h-Diagraphen und „ya/yu“ statt mit diakritischen Zeichen und „ja/ju“.

Beispiel: Aus „
Сочи“ würde „Sotschi“ (analog zum deutschsprachigen Wikipedia) oder eben „Sochi“ (wie auf den Olympia-Logos) und nicht (das wissenschaftliche, aber praktisch kaum verwendete) „Soči“.

Tourengänger: pika8x14


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Kommentare (8)


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Linard03 hat gesagt:
Gesendet am 25. April 2014 um 06:01
Gratulation Euch beiden zu einem weiteren Landeshöhepunkt!
Herzlichen Dank für die Beschreibung und die detaillierte Bebilderung - dies wird mir zur gegebener Zeit sicher hilfreich sein ...!

LG, Richard

pika8x14 hat gesagt: RE:
Gesendet am 26. April 2014 um 00:07
Hallo Richard,

besten Dank für die Glückwünsche.

Ist man erst einmal in Belarus, gelingt alles Weitere dann ganz bestimmt auch ;-).
In den nächsten Tagen gibt’s übrigens noch einige "Reisetipps" (Berichte).

Viele Grüße, Andrea + André.

ABoehlen hat gesagt:
Gesendet am 25. April 2014 um 13:12
Auch von meiner Seite herzlichen Dank für diesen spannenden Bericht und die schönen Bilder aus einem Land, aus dem man sonst - wenn überhaupt - meist nur negatives hört.

> Eine Sache für sich ist die Übertragung der kyrillischen Bezeichnungen in lateinische Buchstaben.

Woran erkennt man eigentlich, ob "Г" als "g" oder als "h" umschrieben werden sollen?

Liebe Grüsse
Adrian

Sputnik Pro hat gesagt: Г или Ґ
Gesendet am 25. April 2014 um 20:53
Hallo Adrian,

Auf Weissrussisch und Ukainisch wird das "Г" mit "H" umschrieben und auch wie Buchstaben zwischen einem "G" und "H" ausgesprochen. Im Ukrainischen und eher selten im Weissrussischen findet man das eigentliche "G" welches "Ґ" geschrieben wird.

Im Russischen gibts dagegen kein "H", so dass zum Beispiel die Russen "Gamburg" an Stelle "Hamburg" sagen.

LG, Andi

pika8x14 hat gesagt: RE:
Gesendet am 26. April 2014 um 00:32
Hallo Adrian,

danke für Deinen Kommentar. Belarus hat tatsächlich viel Interessantes zu bieten - und ist auf jeden Fall eine Reise wert. Einige Berichte folgen in den nächsten Tagen noch.

Zum Thema >>"Г" als "G" oder "H"<< hat ja Sputnik ja bereits etwas geschrieben. Im entsprechenden Wikipedia-Artikel sind für zahlreiche Sprachen auch Tabellen enthalten, wie die kyrillischen Buchstaben in der Regel zu übertragen sind (etwas weiter unten in den Darstellungen).

Dort sind auch einige Beispiele vermerkt, zu welchen unterschiedlichen Ergebnissen die verschiedenen (deutschen, englischen, …) Transkriptions- bzw. Transliterations-Regeln führen können.

Viele Grüße, Andrea + André.

ABoehlen hat gesagt: RE:
Gesendet am 27. April 2014 um 16:52
Herzlichen Dank Andi, Andrea und André für diese Erläuterungen und den Wikipedia-Link, den ich noch nicht kannte. Ich habe mir Kyrillisch vor gut 20 Jahren selbst beigebracht (in Zusammenhang mit der Nachführung der Osteuropakarten von Kümmerly+Frey) und staune gerade, welche diversen Sonderzeichen in den verschiedenen Sprachen es noch gibt (wie z.B. das "Ґ"); bislang waren mir nur die serbischen geläufig.

Beste Grüsse
Adrian

Sputnik Pro hat gesagt: Toll...
Gesendet am 25. April 2014 um 20:47
... hat's euch gefallen in Weissrussland. Da bin ich gespannt was ihr rund um Minsk euch noch alles angesehen habt, vielleicht den zweithöchsten weissrussischen Gipfel Hara Lysaja? :-)

Gratulation zum Gipfelerfolg wo das Hinkommen deutlich komplizierter ist als die eigentliche Besteigung.

LG, Andi

pika8x14 hat gesagt: RE:Toll...
Gesendet am 26. April 2014 um 00:49
Hallo Andi,

selbstverständlich hat es uns in Belarus sehr gut gefallen - das haben wir aber schon im Vorfeld irgendwie geahnt ;-).

Nur das Beantragen der Visas war sicherlich etwas lästig. Der eigentliche Flug (von Deutschland ja direkt in nicht einmal 2 Stunden möglich) und die Einreise waren in unserem Fall völlig unkompliziert.

Viele Grüße, Andrea + André.

PS: Natürlich waren wir auf dem zweithöchsten Gipfel von Belarus. Und sogar auf dem dritthöchsten … ;-)


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