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Über alte Saumpfade durch verlassene Dörfer


Published by orome , 15 May 2017, 19h42.

Region: World » Italy » Friuli Venezia Giulia
Date of the hike:14 May 2017
Mountain-bike grading: AD - Technically demanding
Waypoints:
Geo-Tags: I 
Height gain: 1950 m 6396 ft.
Height loss: 1950 m 6396 ft.

Die Alpen als Kulturandschaft in der Mitte Europas, vielmehr mit den Industriezentren außerhalb als mit der eigenen Identität verwurzelt, dieses Bild wird von Werner Bätzing in seinem Buch sehr eindrucksvoll beschrieben. Ein lohnendes Interview auf youtube: https://www.youtube.com/watch?v=KBmiIFuRBS0&t=1s
Wer auf der Suche nach Eindrücken aus der Vergangenheit ist, der kann auf der Alpensüdseite immer wieder fündig werden. Und auch im Friaul finden sich Orte, an denen die Zeit still gestanden ist. Grade im Val Aupa sind über alte Saumpfade verlassene Dörfer zu erkunden, die, wahrscheinlich auch nicht ganz freiwillig, der Modernisierung trotzen. Die Gassen so eng, dass man kaum mit dem breiten Radllenker durch passt, zum Teil fehlt sogar komplett die Autoanbindung. Trotzdem sieht man immer wieder neu hergerichtete Häuser, und auch die alte Kulturlandschaft ist noch nicht so lange aufgelassen. Die Natur konnte noch nicht alles vollständig zurück erobern und man kann die alten Almen, Wiesen und Äcker noch gut erahnen kann. Und es gibt sogar wieder Orte, in denen eine gewisse Wiederbelebung vor sich geht ...

Mit dem gefederten Radl inkl. geländegängigem Piloten hat man die beste Voraussetzung über die alten Saumpfade und Militärwege in die Vergangenheit einzutauchen und wie im Vorbeigehen bekommt man die besten Trails noch auf dem Silbertablett serviert. 

Die Auffahrt aus dem Aupatal über Pradis ins Val Alba ist uns schon aus dem letzten Jahr bekannt, wir verlassen die Forststrasse jedoch früher in Richtung Westen zum Rif. Vualt (Grillstelle auf der Wiese, Tische und Bänke mit Ofen in der "Stube", Schlafkammer mit Betten und Matratzen). Danach gehts leicht ansteigend mit nur wenigen Schiebepassagen zur Forcella Vualt, die komplett im Buchenwald liegt. Spätestens jetzt nach Beginn der Abfahrt ist das Grinsen nicht mehr weg zu bringen. Flowige Passagen auf Waldboden wechseln sich mit technischen und etwas steinigeren Abschnitten ab, perfekt!
Viel zu schnell rauschen wir durch die engen Gassen und Dordolla und fallen quasi der Dorfkneipe auf die Terasse. Dort werden wir gleich von zwei alten Herren zurechtgewiesen, so könne man nicht durchs Dorf rasn, da führt man doch nur die Leute zusammen! Alles aber nicht so wild, und spätestens als klar wird, dass die Italiener nach Villach zum Essen fahren und die Villacher nach Italien ist die Völkerverständigung wieder hergestellt. 

Nach der Stärkung kommt der zweite Tagesabschnitt unter die Räder, gemütliches Ausrollen und dann gehts über sau steile Rampen nach Grauzaria und weiter nach Morgo di Mezzo. Da hier eine Strasse hinführt, wird eifrig renoviert an den 2-3 Häusern, ganz ausgestorben wirkt es nicht. Zunächst bergab bzw. eben queren wir auf einem engen Saumpfad in Richtung Forca, recht bald muss das Radl aber geschultert werden. Ab der Forca heissts dann Kriegssteig, grade zu steil zum fahren aber viel zu flach zum laufen ziehen sich die Serpentinen in Richtung Monticello. 
Die Regenwolken ziehen um uns herum, der Donner auch nicht weit weg, nur am Monticello bleibts trocken. Die Aussicht ins Tal und Richtung Creta Grauzaria ist sehr eindrücklich. Aber bald stürzen wir uns ins Vergnügen, den Kriegssteig kann man sich so richtig runterlassen, bald kommt aber die Abzweigung, die uns auf dem 421er durch die Ostflanke nach Moggio führt. Schlagartig ändert sich der Charakter, schmal, ausgesetzt und steil gehts im Wald in sehr engen Kehren bergab und plötzlich ist man auf einem Waldtrail der Superlative. 200hm leicht fallend, leicht kurvig und alles weich, besser geht es kaum. Nach 200 weiteren hm steilem Schotter zweigt nach Osten (links) ein kleiner Pfad ab (schwarz gestrichelt auf der Tabacco, ca. bei 640m) der nochmal etwas technischer bis nach Moggio führt. Eine enge Gasse und plötzlich steht man mitten auf dem Hauptplatz, man traut seinen Augen kaum. 

Und immer wieder sind wir überrascht, was diese Gegend so alles hergibt. Für die Kärntner und Friulaner  ist Moggio sogar eine Art hotspot für MTBler, getroffen haben wir trotzdem niemand. Vielleicht auch grade weil die bekannten Namen fehlen und doch alles zwischen Vergessenheit und sanfter Wiederbelebung schwankt verirren sich nicht viele hier her. 

Forcella Vualt: stellenweise S2, sonst leichter
Monticello: über 421 (Ostflanke) stellenweise S3, über 421 von der Forca nach Süden S1, auch sehr lohnend und mit etwas Schmalz auch als Auffahrt geeignet

Hike partners: orome


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