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Kletterversuche Mont Salève 1971


Published by FJung , 8 May 2017, 17h31.

Region: World » Switzerland » Genf
Date of the hike:18 April 1971
Waypoints:
Geo-Tags: F   CH-GE 
Time: 1 days

Auf diesen Genfer Hausberg kann man mit dem Auto hinauffahren, es gibt aber auch andere Aufstiegswege.
An diesem Sonntag voll herrlichem Sonnenschein hatten wir eine Rettungsübung in den Felsen von St. Triphon. Alles verlief programmgemäß, und am Mittag konnten wir uns über das Schwein am Sspieß hermachen, der Tag hätte in aller Ruhe auslaufen sollen. Aber Bernhard frug mich, ob wir nicht noch nach Genf fahren wollten, in den Felsen des Salève kenne er sich gut aus. Bald waren wir bei einer Gaststätte am Fuß der Kalkfelsen. Von hier sahen wir in den verschiedensten rissen und Querungen die Jugend trainieren, es gab unwahrscheinlich exponierte Stellen die nichts für mich waren.
Wir bewaffneten uns mit Seil und Karabiner und eilten über lose Felsen der Wand entgegen. Ich sprach mir selbst Mut zu, wir seilten uns an. Ohne Schwierigkeiten, so schien es, kletterte Bernhard zum ersten Haken, klinkte den Karabiner ein und ging in der Verschneidung hoch wie auf einer Treppe. Nun war er meinen Augen entschwunden, denn er mußte traversieren und stand auf einem Felsband, um mich zu sichern.
Die Knie zitterten in den er sten Metern, aber dann legte sich meine Nervosität, und ohne Sorgen kam kam ich beim ersten Haken an. Bernhard hielt das Seil stramm, und nun sah ich, daß ich das Seil nicht aus dem Karabiner herausbekam, und weiter höher klettern konnte ich auch nicht, weil der Knoten schon am Karabiner war. Ich rief Bernhard zu, er solle Seil nachlassen, aber er verstand nichts, er war zu weit von mir entfernt. Langsam wich die Kraft aus meinen Fingern, denn mit den Füßen stand ich auch nur auf ganz kleinen Vorsprngen. Welch ein Fehler von mir, so weit zum Haken hochzusteigen! Endlich ließ er Seil nach, mit einer Hand löste ich unten den Karabiner. Ich merkte, daß die Kraft in der anderen Hand nachließ und suchte mir einen besseren Halt, aber mit den Füßen fand ich nichts. Ich schrie nach oen, der Felsen entglitt meinen Fingern, ich wurde seitwärts gegen die Felsen geschleudert, pendelte hin und her, das Seil schnitt mir in die Rippen, aber ich war nicht abgestürzt, Bernhard hatte gut gesichert. Er lie das Seil hinab, und so glitt ich an der Wand entlang zum Wandfuß, wo ich mich für einige Minuten hinsetzte und meine Gedanken ordnete. Der linke Ellbogen war dick und verschrammt, aber sonst war ich in Ordnung. Nun sicherte ich Bernhard, der langsam zu mir hinunterkam. Das war also mißglückt.
Bernhard schimpfte mich nicht aus, er meinte nur, daß wir es dann weiter oben noch einmal versuchen würden. Einem Weg folgten wir bergwärts, über uns standen die Felsen, und ich fragte mich, wo mein Kamerad mich nun wohl hinführen würde. Es ging in eine Wandverschneidung.
Wieder seilten wir uns an, Bernhard kletterte hinauf, bis das Seil verbraucht war, und ich folgte. Komisch, der Ellbogen tat nicht mehr weh, auch nicht der Fuß, mit dem ich gegen die Wand schlug, ich suchte Tritte und Griffe und fand sie auch, so daß ich schon bald bei Bernhard ankam, von wo es nun noch einmal etwa 25 m hoch ging. Ich versuchte mir seine Griffe einzuprägen, aber als ich an der Reihe  war, wußte ich schon nach einigen Metern nicht mehr weiter und mußte also wieder improvisieren. Nun war ich an der Schlüsselstelle, es gab wenige Griffe, nicht sehr groß. Außerdem mußte ich wieder den Karabiner aushenken. Der erste Versuch klappte nicht, ich stieg wieder etwas ab, um mich auf einem etwas breiteren Tritt zu erholen. Nun wieder hinauf!
Meine Hände schmerzten, ich dachte schon, wieder zu fliegen, als ich endlich mit einem Fuß guten Halt bekam. Nun konnte Bernhard mich erblicken, und er meinte: "Nun hast du es ja geschafft!" Tatsächlich war der Rest leicht, lachend und freudig stieg ich zu ihm hoch, und wir reichten uns die Hände.
Unter uns lag Genf, wir sahen die Fontaine im See, den Volkerbundpalast, den Flughafen und dahinter den Jura. Nun merkten wir auch unseren Durst, denn die Sonne schien auf uns herab und ließ uns im Felsen schmoren. Wir stiegen einen Weg hinab, und plötzlich verschwand Bernhard in einer Felsspalte, die immer niedriger wurde. Er kroch hinein, und auf dem Boden war Wasser, das langsam von der Decke tropfte. Er trank davon, dann kroch auch ich in das dunkle Loch hinein und genoß  von dem Lebensquell. Oh, wie tat das gut! Wir stiegen weiter ab, Bernhard traf verschiedene Bekannte, die auch hier kletterten, und bald waren wir wieder in Montreux.
Ich war müde und zerschlagen, aber diese ersten Seillängen im schwierigen Fels machten mich doch froh und zufrieden, denn ich hatte vieles gelernt (u.a. rechtzeitig Aushaken!!).

Hike partners: FJung


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