Gadenlauisee BE


Publiziert von RuthP , 23. Juni 2014 um 19:49.

Region: Welt » Schweiz » Bern » Oberhasli
Tour Datum:21 Juni 2014
Wandern Schwierigkeit: T3+ - anspruchsvolles Bergwandern
Zeitbedarf: 6:30
Aufstieg: 1024 m
Abstieg: 1024 m
Strecke:Furen - Schaftelen - Tagweid - Hubel - Gadenlauisee - Hubel - Tagweid - Farlauiwald - Gadmen - Furen
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Mit dem Auto oder Postauto

Der Höhepunkt unserer ersten Ferienwoche war eine Wanderung an den Gadenlauisee. Dieser See ist den meisten unbekannt, wahrscheinlich, weil er nicht so leicht zu erreichen ist.

 

Da wir ja jetzt bereits Sommer haben, ist es von Vorteil, so früh wie möglich mit einer Wanderung zu starten. In den ersten Stunden des Tages darf man noch auf ein bisschen vernünftiges "Fotografenlicht" hoffen und die Temperaturen sind meist noch optimal. Nachteil ist natürlich, das man früh aufstehen muss, und das in den Ferien, ha, ha...

 

Als wir um sieben Uhr in Furen los marschierten, war es in der Tat noch so kalt, dass wir eine Jacke anziehen mussten. Erst ging es auf einem Fahrweg etwas Tal auswärts, bis man an den Wegweiser läuft, der einem auf den Bergweg führt. Von hier an geht es nur noch aufwärts, 1000 Höhenmeter sind bis zum See zu bewältigen.

 

Es ging durch herrlich blühende Alpweiden, wo wir auf neugieriges "Kuh-Jungvolk" trafen...die jungen Tiere muhten uns fragend an, es kam uns so vor, als ob sie gerne wieder ins Tal runter wollten...sicher ist es ihr erster Alpsommer und sie sind noch etwas unsicher da oben. Oder...wollten sie etwa mit uns DA hoch??

 

Nach den Alpweiden folgte ein typischer Bergweg, in engen Kehren ging es über Stock und Stein. Auch ein paar Bäche galt es zu überqueren. Das Terrain war feucht und glitschig. In den Tagen zuvor hatte es immer wieder Gewitter gegeben und an diesem kühlen Morgen war wohl auch der Tau ein Thema.

 

Bald einmal standen wir an der Abzweigung, bei der wir den linken Weg zu nehmen hatten. Was ab hier folgte, war Wildnis pur! Der Weg wird SEHR wenig begangen und das Grünzeug hat sich da oben mächtig ins Zeug gelegt und alles zu gewuchert. Ab und zu hatten wir Mühe, den Weg zu erkennen. 

 

Da die Pflanzen riesige Ausmasse hatten, sprich zum Teil Knie- bis Hüfthöhe erreichten, war es nicht zu vermeiden, dass wir innert kurzer Zeit NASSE Schuhe und Hosen hatten. So was hatten wir noch nie erlebt! Ich freute mich sehr, dass meine neuen Wanderschuhe auch diesen "Härtetest" super überstanden, meine Socken blieben trocken, die meines Mannes leider nicht.

 

Gemächlich arbeiteten wir uns Meter für Meter in die Höhe. Es war ein Kräfte fordernder Aufstieg. Aber es lief uns super. Von Vorteil war, dass wir im Schatten aufsteigen konnten. Immer wieder liessen wir unsere Blick auf die gegenüberliegende Seite schweifen, wo ein herrlicher Sommertag erwacht war. 

Gerne erinnerten wir uns dabei an eine frühere Wanderung

http://gelegenheitsknipserin.ch/102.html

 

Nach einer Stunde durch diesen feuchten Urwald kamen wir durch einen hübschen Bergwald mit vielen knorrigen Bäumen und endlosen Heidelbeerstauden. Hier war das Gehen vergnüglicher.

Bald einmal erreichten wir eine erste, ganz kleine Hochebene, wo uns die Sonne erreichte und wir uns den Jacken entledigen konnten.

 

Bald einmal war der waldige Teil dann fertig und man gelangte zu einer Art Hochmoor. Bereits gab es vereinzelt blühende Alpenrosen zu sehen. In zwei, drei Wochen werden die Hänge da oben rot sein!

Nach zweieinhalb Stunden erreichten wir eine Alp mit Alphütte und einladender Panoramabank. Hier liessen wir uns zu einer Znünipause nieder. 

 

Schnell trockneten Hosen und Socken an der Sonne! Ein Kuckuck leistete uns Gesellschaft, ich hatte ihn mit meinen Rufen angelockt.

Wir müssen immer wieder lachen, wie gut das funktioniert.

 

Von irgendwo ertönte feines Glockengeläute und als wir uns etwas genauer umschauten, sahen wir zwei Männer die eine Schafherde in unsere Richtung trieben. Es war uns absolut schleierhaft, woher die Truppe kam, auf jeden Fall nicht über den offziellen Bergweg. Aber die Einheimischen wissen ja viel besser Bescheid als wir, wie und wo man lang gehen kann.

 

Wir waren etwas verunsichert wegen der Wegführung. Die ganze Zeit hatten wir Ausschau gehalten nach der Abzweigung, die wir dann beim Absteigen nehmen wollten, damit wir nicht auf dem selben Weg zurück mussten. Wir hatten nichts gesehen. Auch bei der Hütte war nicht raus zu bekommen, ob wir auf dem "Holzweg" waren ;-)

 

Wir schulterten unser Gepäck und weiter gings. Der Aufstieg über den Bergrücken war noch einmal sehr anstrengend! Zum Teil so steil, dass man auch die Hände brauchte um sich hoch zu hieven! Aber alles kein Problem, ich war wirklich in einer Superform und war richtig stolz auf mich! Die Bedenken wegen dem Weg da wieder runter, verschob ich auf später ;-) Auch hier viele Alpenrosen in den "Startlöchern". Ich war sehr froh um sie, ab und zu missbrauchte ich sie, um mich irgendwo hoch ziehen zu können.

 

Nach dreieinhalb Stunden reiner Wanderzeit standen wir dann staunend am Tagesziel! Der Gadenlauisee! Ein Kleinod in wilder Umgebung! Herrlich! Wunderschön! Das war die Anstrengung wirklich wert gewesen! 

 

Ich entledigte mich stöhnend meines schweren Fotorucksackes und widmete mich gleich mal der Umgebung des Sees, um heraus zu finden, von wo aus er am fotogensten ist. Anscheinend war ich immer noch nicht müde, denn ich stieg munter noch ein paar Meter in die Höhe ;-)

 

Nach dem ich die linke Seite genügend erkundet hatte, lies ich mich beim "Sonnenlager" meines Mannes nieder und wir genossen unser Essen. Nie schmeckt es besser als an so einem fantastischen Ort. 

Wir waren gespannt, ob sich an diesem perfekten Sommertag sonst noch jemand hier hinauf "verirren" würde.

 

Nach dem Essen machte ich mich auf die rechte Seite des Sees zu erforschen. Immer wieder blieb ich stehen, oder setzte mich hin und staunte, staunte...genoss und staunte. Im kristallklaren Wasser waren Fische zu erkennen. Ich fragte mich, wie die den langen Winter überstehen? Der See ist sicher bis zu 8 Monaten zu gefroren!

 

Was mich etwas enttäuschte, war die spärliche Flora. Ich hatte erwartet, mitten im Bergfrühling zu landen, aber dem war nicht so. 

Nur ein paar Soldanellen und ganz wenig Steinbrech versuchten mich aufzuheitern ;-) Tja, man kann nicht immer alles haben...sagte mein Mann...Recht hat er! Es gab ja sonst schon genug zum geniessen!

 

Ich ging zurück zum "Lager" und tat das, was ich schon bei der letzten Wanderung so gerne getan hätte...Schuhe ausziehen und barfuss durch das (etwas struppige) Gras wandeln. Herrlich! 

An den Abstieg denkend, beschloss ich, dass es vielleicht gut wäre, auch noch etwas zu "ruhen". 

 

Nach drei Stunden genussvollster Pause mussten wir uns leider von unserem "Privatsee" verabscheiden. Wir machten uns auf den Rückweg. Ich versuchte, mich nicht allzu blöd anzustellen und mit Tipps und Hilfe meines Mannes passierte ich die paar Schlüsselstellen ohne Probleme! Bis zur Alphütte waren wir unseres Weges sicher. Dort angekommen suchten wir die Abzweigung, die uns nach Gadmen führen sollte.

 

Nach einigem Hin und Her entschlossen wir uns, halt wieder den selben Weg runter zu nehmen. Ein paar Schritte weiter und plötzlich sahen wir endlich die gesuchte Markierung! Es war uns unverständlich, warum hier kein Wegweiser steht!?! 

 

Nun mussten also all die Höhenmeter wieder runtergespult werden! 

Der Weg war nie gefährlich oder besonders schwierig, aber doch sehr anstrengend und etwas abenteuerlich, denn es ging über Stock und Stein, Wurzeln, gefällte Tannen, Tannzapfen und Matschlöcher. Keinen Moment durfte man unaufmerksam sein!

 

Der grösste Teil dieses Weges führt durch den Wald, was bei den sommerlichen Temperaturen sehr angenehm war. Ab und zu hatte man das Gefühl, sich in einem Zauberwald zu befinden. Nie haben wir solche Mengen an Farnen gesehen, ganz zauberhaft eben :-) Ich wäre keinen Moment erstaunt gewesen, wenn ein paar Zwerge um die Ecke gekommen wären ;-)

 

Langsam machten sich die Anstrengungen bemerkbar, selten bin ich so oft gestolpert und ausgerutscht wie auf diesem letzten Wegstück. Aber ich hatte Glück, ausser, dass ich in einem Matschloch "versank", passierte nichts! Auch diesen Fehltritt verziehen mir meine lieben Wanderschuhe :o)

 

Der Abstieg dauerte natürlich weniger lang, als der steile Aufstieg. Nach zweieinhalb Stunden standen wir unten beim Gadmerwasser. Ihm entlang liefen wir dann entspannend in einer halben Stunde zurück nach Furen.

 

Was für eine fantastische Wanderung lag hinter uns! Die Anstrengungen hatten sich wirklich gelohnt. Ausser den zwei Schafhirten in der Ferne ist uns den ganzen Tag keine Menschenseele begegnet! Ein absoluter Geheimtipp dieser Gadenlauisee!

 

Anmerken möchte ich noch, dass der Wegweiser von Furen zum Gadenlauisee oder von Gadmen zum Gadenlauisee eine  Zeit von 2:45 angibt. Das scheint mir sehr knapp bemessen zu sein. Wir brauchten 3:30. Überhaupt ist die Wegfindung manchmal etwas schwierig. Da gäbe es Verbesserungspotenzial!

Weitere sehenswerte Fotos unter:
http://ruth-pulido.blogspot.ch/2014/06/gadenlauisee-be.html


Tourengänger: RuthP

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Kommentare (6)


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bidi35 hat gesagt: tolle Bilder...
Gesendet am 23. Juni 2014 um 20:15
...einer tollen Wanderung...gratuliere...

Diesen See kannte ich bisher wirklich noch nicht!

LG Bidi

RuthP hat gesagt: RE: tolle Bilder...
Gesendet am 23. Juni 2014 um 20:28
Danke Bidi...das geht vielen so...ich hab ihn auch erst letztes Jahr hier auf hikr "entdeckt" :-)

Grüessli Ruth

bulbiferum Pro hat gesagt:
Gesendet am 23. Juni 2014 um 22:09
Hallo Ruth
Schöne Fotos hast du wieder gemacht, wie üblich ;-)
Viele Grüsse, Markus

RuthP hat gesagt: RE:
Gesendet am 24. Juni 2014 um 06:17
Danke Markus! Es war halt auch speziell schön da oben!
Liebi Grüess Ruth

Felix Pro hat gesagt:
Gesendet am 13. Juli 2014 um 09:04
dieser See ist echt wunderschön - gelegen!
Und dein Foto in der BZ (vom 11. Juli 2014) ebenso;
gratuliere, und lieber Gruss

Felix

RuthP hat gesagt: RE:
Gesendet am 14. Juli 2014 um 18:04
Danke Felix...freut mich, dass er dir gefällt :-)
Liebi Grüess Ruth


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