Skitourenwoche mit SAC Randen im Jungfraugebiet (19. bis 23. April 2008)


Publiziert von MunggaLoch , 28. April 2008 um 18:19.

Region: Welt » Schweiz » Wallis » Oberwallis
Tour Datum:23 April 2008
Ski Schwierigkeit: WS
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-BE   CH-VS 

Ja, die Intelligentsbestien unter euch habt es bereits gemerkt, dass vom 19. bis 23. keine „Woche“ sein kann. Geplant wäre es bis 25. gewesen, Petrus machte uns aber einen schneeweissen Strich durch die Rechnung. Doch alles Weitere der Reihe nach:

Am 14.4. hatte ich meinen letzten Arbeitstag bei der alten Firma und im Mai geht es los bei der neuen Firma. Also was soll ich tun mit 2 1/2 Wochen Ferien? Putzen - ja, aber nicht so lange! Zu Hause aufräumen - ja, dauert aber hoffentlich auch nicht so lange! Es gab da eine Ausschreibung für eine Skitourenwoche vom SAC Randen (Schaffhausen). Dazu meldete ich mich an!

Vorbereitung
Das Equipment habe ich mittlerweilen organisiert. Zum Teil mit super Unterstützung von Susi und Fredy. Das alles musste in den Rucksack. Kein Problem, aber es musste noch anderes Zeugs rein. Und das Zahnbürsteli war dabei noch das kleinste Problem. Nicht gespart habe ich dabei mit Sonnencreme. Und wer mein Knie kennt versteht, dass auch Voltaren mit musste. Als ich den Sonnenschutzfaktor 40 und das Voltaren kaufte, meinte ich, ich gehe Konkurs! Aber ist ja für die Gesundheit.
Ähnlich teuer war das Zugbillet aufs Jungfraujoch. Immerhin wurde ich dort mit einem Lächeln verabschiedet. Wenn ihr das mal erleben wollt, geht ihr an einen SBB-Schalter und bestellt ein Ticket „Jungfraujoch - Halbtax - einfach“. „Einfach?“ kam die Frage, „naja, ich verkaufe Ihnen alles... *Pause* aber wie kommen Sie dann zurück?“

19.4. Samstag - Reise zur Konkordiahütte
Zuerst hiess es mal laaaange Zug fahren. 8.09 Uhr ging’s in Schaffhausen los, 13.25 Uhr erreichten wir das Jungfraujoch. Dazwischen waren fünf Mal umsteigen, gut gefüllte Züge, vorüberziehende Landschaften, eine imposante Eigernordwand im Nebel und ein gestohlenes Portemonnaie. Ja, das hätte nicht sein müssen und gab schon zu Beginn einiges an Aufregung.
Das Jungfraujoch wurde etwas ignoriert, wir steuerten gleich dem Ausgang zu. Aber irgendwann tätige ich diese Investition nochmals. Naja, es hat viele Japaner und allerlei mögliches und unmögliches oben. Fehlt wohl nur noch ein H&M. Aber das Panorama ist wirklich beeindruckend!
Die Fahrt vom Joch zur Konkordia Hütte (2850 m.ü.M.) ist schnell erzählt. Sie war ungefähr 7 km lang und es ging 750 Höhenmeter runter. Schwierigkeitsgrad mässig ein L+. Bis zum ersten Sturz dauerte es nur etwa 150m. Wem die Ehre des ersten (aber sehr weichen) Sturzes gehörte darf ich hier nicht schreiben. Trösch hat es mir verboten ;-)
Die Fahrt bis zur Konkordiahütte kann man in drei Teile aufteilen. Zuerst war eine schöne Fahrt mit ein paar pulverigen Kurven, danach folgte ein Marsch über den Konkordiaplatz und am Schluss ging’s die Treppe rauf zur Hütte. Nein, ich weiss nicht, wie viele Stufen es sind, aber es sind viele, man munkelt so im 400er Bereich! Nun, in der Zwischenzeit weiss ich es sogar. Es sind 433 Stufen und man legt dabei 120 Höhenmeter zurück.
So sassen wir um etwa 15 Uhr bei eitlem Sonnenschein auf der Terrasse, kommentierten die ankommenden Gruppen, tranken ein Panasche und freuten uns auf den kommenden Tag.
Die Konkordiahütte kann ich ausserdem sehr empfehlen. Wir wurden ausgezeichnet bewirtet, das Essen war hervorragend und das in guten Mengen! Wenn nur die lange Treppe nicht wäre... Also, stoppt die Erderwärmung und den Gletscherschwund, damit wir in 50 Jahren nicht 800 Stufen kraxeln müssen!

20.4. Sonntag - Gletscherjoch
Morgenstund hat Schweiss im Gesicht: 6 Uhr Frühstück, 6.30 Uhr Abmarsch. Naja, zuerst die Treppe runter ;-) Doch wohin geht’s? Geplant war mal das Dreieckshorn.
Dies wurde aber wegen zu viel Schnee im untersten Teil und zu wenig Schnee im obersten Teil verworfen. Dann war der Kranzberg hoch im Kurs. Der sei jedoch „zu einfach“ für uns. Nein, dies ist nicht meine Aussage! Gelaufen sind wir dann ins Gletscherjoch (3769m, ZS). Zuerst lange über den Konkordiaplatz (2km), dann Richtung Lötschenlücke (3km) und später rechts rauf zum Joch (3km). Gut 4h brauchten wir für rauf, und dies in zum Teil dichtem Nebel. Für mich war es eine Tor-Tour: Die Stollen an meinen Fellen waren so gross, dass ich sie nur mit Weitwinkelobjektiv hätte fotografieren können!
Oben mit der Aussicht hatten wir Glück, es lichtete sich etwas und wir sahen ins Bernbiet, Thunersee, etwas Mittelland und die Jungfrau, mal von einer anderen Seite.
Die Abfahrt war cool. Schöne Hänge und etwas Pulver. Allerdings wäre es noch schöner gewesen, wenn wir etwas gesehen hätten, denn der Nebel kam wieder zurück. Den Konkordiaplatz überquerten wir ohne Felle: Bindung öffnen und dann war es wie Langlaufen. Ja, der Name war Programm: lang laufen! Hattet ihr schon mal Muskelkrämpfe in den Oberarmen vom Stöckeln?
Nach der Treppe war diesmal nichts mit sünnelen auf der Terrasse. Um 13.30 Uhr zeigte das Thermometer -5°C und die Sicht war besch...eiden! So gab es eine warme Suppe und danach ein Mittagsschläfchen. Der Znacht war wieder eine Wucht: Suppe, Salat, Härdöpfelstock mit Plätzli und Bohnen und ein Dessert!

21.4. Montag - Hüttenwechsel zur Finsteraarhornhütte
„Es schneielet, es beielet, es gaht en chüelä Wind...“ und nicht nur „d’Meitli“ zogen Handschuhe an! Rund um die Hütte ging ein beissend kalter Wind, als wir um halb 7 die Treppe runter stiegen. Auf dem Programm stand Grünhornlücke und Wyssnollen. Wyssnollen wurde gestrichen, wegen dem steilen Grat mit dem Neuschnee. Alternative war Grünegghorn, wurde aber auch nichts, vor allem wegen der schlechten Sicht. So blieb die Minimalvariante Grünhornlücke (3280m) und hinten runter zur Finsteraarhornhütte (3048m, WS-). Ich könnte jetzt einfach schreiben, dass wir nach gut 3h bei der Hütte ankamen.
Oder ich könnte es etwas ausschmücken ;-) Der Wind bliess uns nämlich schon zu Beginn ins Gesicht. Deshalb konnte man praktisch nicht aufsehen. Der starre Blick klebte an den Ski des Vordermannes. Immer schön Schritt für Schritt. Rechts - links - rechts! Nein, es war keinesfalls monoton. Rechts und links zogen die Felswände nur so an uns vorbei, sozusagen im Schritttempo! Wir zogen eine schöne Skispur mit 14 Stockspuren um Gletscherspalten, durch frischen Pulverschnee oder über abgeblasene Erhebungen! In angenehmem Tempo ging’s vorwärts, das Höhenmeter stieg langsam aber stetig bis auf diese 3280 Meter.
Oben gab’s keine lange Pause, das Wetter lud nicht zum Verweilen ein. Felle abnehmen und losfahren. Doch die Sicht verhinderte auch hier eine stiebende Abfahrt im Pulverschnee. Es war eher ein „Route suchen“. Etwas traversieren, ein paar Bögen und wieder schauen ob man etwas sieht. Aber Alois hat es treffend gesagt: „Äs könt schlächter sii“.
Als wir dann auf dem Gletscher unten waren, tauchte im Nebel-Wolken-Gemisch auch die Finsteraarhornhütte auf. Weil diese Hütte auch oben über dem Gletscher thront und es aber keine 430-Stufen-Treppe gibt, montierten wir nochmals die Felle und stiegen die paar Meter auf. Da wir so früh unterwegs waren, reichte es noch locker für den Zimmerbezug vor der Zmittag-Rösti. Es folgte ein gemütlicher Nachmittag an der Wärme mit Lesen, mit zum Fenster-raus-schauen wie viel es schneit oder mit Karten als Zeitvertreib (Jasskarten, Postkarten, Speisekarten, ...).

22.4. Dienstag - Hüttentag in der Finsteraarhornhütte
Schon in den frühen Morgenstunden war der Wind, der um die Hütte pfiff nicht zu überhören. Die Kollegen vom Meteo-Dach sollten also leider Recht behalten. Die Sicht war gleich Null und der Wind bliess mit zum Teil orkanartigen Böen. So wurde das Frühstück schon im Vorfeld auf 7 Uhr verschoben. Hey, das ist fast ausschlafen! Und beim Aufstehen war auch klar, dass man nicht in voller Montur (mit Klettergurt und Outdoor-Kleidung) zum Zmorgen antreten musste.
Die geplante Tour zum Hinteren Fiescherhorn wurde verschoben. Mal schauen, wie es gegen Mittag aussieht, und vielleicht dann noch ein paar Höhenmeter machen.
So wurde am Vormittag nebst Lesen noch ein Theorieblock in Spaltenrettung und Materialkunde abgehalten. Unsere „Gletscherspalte“ befand sich im Schuhraum und selbst dort war es noch kalt genug.
Das Wetter besserte sich jedoch nicht. Der Nachmittag war jedoch dann wettermässig extrem abwechslungsreich: Mal sah man nichts, mal bis fast an die gegenüberliegende Talseite. Mal schneite es fest, mal sehr fest. Mal bliess der Wind talabwärts, mal... ok, es stürmte immer talabwärts. Und immer sehr stark! Eine gute Beschäftigung wäre wohl etwas Krafttraining mit dem Powerball gewesen, aber wer schleppt den schon auf eine Tourenwoche mit.

23.4. Mittwoch - Fahrt ins Wallis und nach Hause
Am Vorabend diskutierten wir schon über verschiedene Varianten für die kommenden Tage. Das Finsteraarhorn wurde ja sowieso gestrichen wegen den schlechten Verhältnissen. Das Hintere Fiescherhorn wäre noch eine Alternative gewesen. Dafür müsste es aber gute Sicht haben, denn der Weg ist nicht so, wie zum Beispiel der Aare entlang. So blieben zwei Möglichkeiten übrig. Heute auf das Wannenhorn, weiter auf die Oberaarjochhütte und am Donnerstag runter ins Tal oder heute direkt ins Tal. Die Diskussion ergab, dass wir direkt ins Tal gehen, weil wir heute ja sowieso nichts sehen und der Wetterbericht für Donnerstag auch nicht besser war.
So machten wir uns nach dem Rucksack packen um etwa 7 Uhr über den Fieschergletscher auf den Weg. Wir schlossen uns noch mit einer Dreiergruppe zusammen, von welcher Urs den anderen Bergführer kannte. So wechselten sie sich mit Spuren ab, was nach so viel Neuschnee doch eine rechte Erleichterung war. Später drehten wir links rauf über den Galmigletscher.
Oben stellte sich die Frage, ob wir über die Galmilücke oder die Bächilücke weiter sollten. Zuerst versuchten die beiden Bergführer einen Weg über die Bächilücke zu spuren, entschieden dann aber, dass dies bei diesen Verhältnissen zu steil war. So stiegen wir in dichtem Nebel über die Galmilücke auf den Minstigergletscher.
Beim Blaggibärg war die Tour vorerst zu Ende. Es schien überall steil zu sein. Die Bergführer überprüften alle Seiten. Sie wählten dann ein Couloir, welches nicht so steil war und wo der Schnee schon durchgerutscht war. Das sollte sicherheitshalber einzeln befahren werden.
Trotzdem löste sich weiter oben ein Schneebrett, welches unseren Bergführer erfasste. Hier werde ich mich nicht in Details verlieren. Noch bevor das Schneebrett ganz stillstand konnte sich Urs selber daraus befreien und wurde nicht verletzt. Trotzdem wurden unsere erschreckten Gesichter (und der Rest auch) mit der alarmierten Air Zermatt nach Münster ausgeflogen.
Auch die anschliessende Zugfahrt verlief danach nicht ohne Zwischenfälle: In Erstfeld ging die Lokomotive kaputt, was uns eine Verspätung in Zürich einbrachte und den Anschlusszug verpassen liess.

Fazit von dieser Woche:
Ich habe zum Glück nicht viel Voltaren für meine Knies gebraucht :-)
Ich habe leider nicht viel Sonnencreme gebraucht :-(
Ich habe neue, interessante, nette Leute kennen gelernt :-)
Ich habe auch sonst viel gelernt :-)
Ich habe gesehen, dass die Einheitsfarbe in den Bergen „weiss“ heissen kann: schnee- und nebelweiss...

Tourengänger: MunggaLoch

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