Moldoveanu (2544m) - Langer Auf- und Abstieg auf den höchsten Berg Rumäniens


Publiziert von DonPico , 30. September 2012 um 22:55.

Region: Welt » Romania
Tour Datum:26 September 2012
Wandern Schwierigkeit: T3 - anspruchsvolles Bergwandern
Klettern Schwierigkeit: I (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: RO 
Zeitbedarf: 2 Tage
Aufstieg: 2000 m
Abstieg: 2000 m
Strecke:Orasul Vicoria - La Sipot - Cabana Podragu - Saua Podragului - Vistea Mare - Moldoveanu - Vistea Mare - Portita Vistei - Victoria
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Brasov - Victoria
Unterkunftmöglichkeiten:Cabana Podragu
Kartennummer:The Fagaras Mountains - Walking guide and map, Bel Alpin

Allgemeines:

Ich habe die Tour während einer zweiwöchigen Osteuropa-Reise in der zweiten Septemberhälfte 2012 unternommen. Ich war allein unterwegs.

Die Fagaras-Kette bildet den höchsten Teil der rumänischen Karpaten und verläuft ziemlich exakt in West-Ost-Richtung. Nach Norden ist der Abfall hin zur transsilvanischen Ebene unmittelbar, und wird von einer großen Zahl von parallel zueinander, in nord-südlicher Richtung verlaufenden Seitentälern gebildet. Der Abfall nach Süden ist sanfter. Eine Besonderheit ist, dass sich die gesamte Kette in einem großangelegten Höhenweg begehen lässt, der fast immer am Kamm entlang führt.

Die o.g. Karte hat zwar nur den Maßstab 1:75000, ist aber v.a. in Verbindung mit dem "Walking guide" trotzdem empfehlenswert. Dort sind nämlich viele Touren in der Fagaras-Kette in folgenden Kategorien beschrieben:
1) Touren auf der Nordseite
2) Touren auf der Südseite
3) Der Hauptkamm von Ost nach West
4) Der Hauptkamm von West nach Ost

Anfahrt:

Die Anfahrt nach Victoria, einer Kleinstadt, die zentral auf der nördlichen Seite der Fagaras-Kette liegt, habe ich mit dem eigenen Auto unternommen. Start war um 06:00 Uhr morgens in Brasov (Kronstadt), ca. 100km von Victoria entfernt. Um diese Uhrzeit sollte man dafür rund 90 min einplanen. Vergeblich habe ich dann noch vergeblich eine halbe Stunde nach einem geöffneten Café in Victoria gesucht um zu frühstücken. Auch die Suche nach einem touristischen Informationszentrum kann man sich getrost sparen. Das Fahrzeug hab' ich dann einfach relativ zentral auf dem Parkplatz vor einem Restaurant abgestellt, und los ging's.

Tourenbeschreibung:

1. Tag:

Von Victoria aus läuft man für ca. einen Kilometer auf einer Betonpiste, an Rohrleitungen entlang, bis zum Tour einer Chemiefabrik. Dann biegt man rechts auf einen Schotterweg ein, Wegzeiger sind ausreichend vorhanden. Bis zum Hauptkamm folgte ich dem mit einem senkrechten blauen Streifen markierten Weg.

Nach zwei weiteren Kilometern kommt man durch eine kleine Siedlung und folgt dann dem Bach Ucea Mare, immer noch auf einem befahrbaren, geschotterten Weg. Etwa fünf Kilometer bzw. eine Stunde nach dem Start biegt man links auf einen Waldweg ein, der sofort sehr steil wird. Durch Laubwald steigt man nun längere Zeit auf einem breiten Rücken auf. Nach ca. einer weiteren Stunde folgt der Übergang zum Nadelwald. Zunächst ergibt sich nur relativ selten ein Blick auf die Tiefebene, die man langsam hinter sich lässt. Nach knapp 3 Stunden erreicht man eine große Lichtung, die durch radikalen Kahlschlag entstanden ist, und auf der nach wie vor Wald abgeholzt wird. Das ist kein sehr schöner Anblick. Am nördlichen Ende der Lichtung steigt man steil nach oben und erreicht dann wieder schönen Nadelwald. Diese Stelle heißt laut Karte La Sipot und befindet sich in ca. 1500m Höhe.

Jetzt führt der Weg eine Zeitlang eben etwas unterhalb des Muchia Tarata-Rückens entlang, bevor es in Kehren erst zum Grat, und dann im baumlosen Gelände auf dem Grat weitergeht. Man hat schöne Blicke in die beiden Seitentäler links und rechts. Bis hierher benötigt man ca. 4h. Für 2 weitere starke Stunden führt der Weg dann nur noch leicht ansteigend, meist etwas rechts unterhab des Grates in einer Höhe zwischen 1900m und 2200m, und immer in südlicher Richtung entlang.

Nach der - gefühlt - zwölfundachtzigsten Biegung sieht man endlich die Podragu-Hütte im großen Podragu-Kessel liegen, in dem auch der schöne Lac Podragu liegt. Am breiten Pass La Calea Carelor habe ich noch eine kleine Pause gemacht, bevor ich die letzte dreiviertel Stunde zur Hütte zurücklegte - jetzt etwas absteigend. Während des gesamten Aufstiegs ist mir kein Mensch begenet.

Die Podragu-Hütte sieht aus wie eine Alpenvereinshütte - aus Stein erbaut und mit rot-weiß gestreiften Fensterläden. Verglichen mit Alpenvereins-Hütten ist der Standard der Hütte sehr einfach, allerdings ist sie eine der wenigen bewirtschafteten Hütten im Fagaras-Gebirge. Die Hütte wird geführt von einer deutschsprachigen Hüttenwirtin (ihre Mutter ist eine siebenbürgener Sächsin). Die nächsten beiden Stunden genoß ich die Ruhe auf der Hütte. Dann kamen einige weitere Gäste über den Hauptkamm, so dass der Schlafraum gut gefüllt war. Wahrscheinlich waren etwa 20 Personen auf der Hütte, von denen etwas die Hälfte Rumänen waren, ansonsten eine Gruppe von Franzosen, zwei Israelis und ein weiterer Deutscher. Zum Essen gab's eine leckere Bohnensuppe und Gulasch mit Kartoffelpuree.

2. Tag:

Nach einem Frühstück mit Spiegeleiern und Brot gingen wir dann bei bestem Wetter zu zehnt gemeinsam hinauf zur Saua Podragu, einem Pass im Hauptkamm, und von dort aus weiter in östlicher Richtung. Begleitet wurden wir von drei herrenlosen Hunden, die den anderen bereits vom Vortag bekannt waren.

Der Weg führt auf ca. 2300m Höhe immer knapp unterhalb des Hauptkamms entlang und bleibt im wesentlichen auf einer Höhe ( 50Hm). Der Kammweg ist mit einem senkrechten roten Streifen markiert. Nach etwa 2h ist die Basis des Westgrates des Vistea Mare (2527m) erreicht. Jetzt wird es etwas steiler, und man benötigt ca. 30 weitere Minuten zum Gipfel.
Hat man den Vistea Mare-Gipfel erreicht, folgt man dem Grat in südlicher Richtung und erreicht wenig später den Gipfel des Moldoveanu (2544m). An wenigen Stellen muss man die Hände zur Hilfe nehmen, ansonsten gibt es keine technischen Schwierigkeiten. Der Varful Moldoveanu ist ein hervorragender Aussichtsgipfel. Bei dem wolkenlosen Wetter konnten wir den gesamten rumänischen Karpatenbogen sehen. Weit unten im Tal war außerdem Sibiu (Hermannstadt) zu erkennen.

Zurück am Vistea Mare machten wir Pause, und setzten dann den Weg fort, indem wir zur Portita Vistei abstiegen, an der Ostseite des Vistea Mare.

Dort trennte sich der Weg derer, die den Kammweg machten, von denen, die nach Victoria abstiegen. Ich gehörte zu letzteren und stieg - nun wieder allein, bzw. in Begleitung von zwei der Hunde - ins Tal des Vistea Mare ab. Der Weg - markiert mit einem roten Dreieck -  ist zunächst sehr steil, wird aber dann flacher. Etwa 1,5 Stunden nach Beginn des Abstiegs erreicht man den Waldrand und steigt 1,5 weitere Stunden durch den Wald ab. Endlich kommt man zu einem Forstpfad und zu einem Schild, auf dem angekündigt wird, dass es noch 9km bis Victoria sind. Das motiviert.

Die nächsten vier Kilometer legt man auf einem Forstpfad im Laubwald zurück, dann kommt man an einer Siedlung in die waldlose Ebene - bei fast 30 Grad wurden meine beiden Begleiter nun auch zusehens müde. Es folgen drei Kilometer auf Schotterpiste; die letzten beiden Kilometer legt man auf einer Betonpiste zurück. Auf dem letzten Kilometer blieb einer der Hunde dann zurück, der andere hielt bis zum Auto durch und bekam zur Belohnung den Rest meines rumänischen Räucherkäses. Als ich mich dann ins Auto setzte und losfuhr hat er mir etwas ratlos hinterhergeschaut.

Fazit:

Sehr schöne Tour auf gut markierten Wegen durch ein relativ einsames Gebiet, in dem es noch keinen Massentourismus gibt. Der Hüttenzustieg und der Abstieg sind sehr lang (7h am ersten, 8h am zweiten Tag). Die touristische Infrastruktur in Victoria ist nur schwach bis gar nicht ausgebildet.

Tourengänger: DonPico

Galerie


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