Helgenhorn 2837m (inkl. Valle Rossa)


Publiziert von Bombo , 7. Februar 2010 um 20:30.

Region: Welt » Schweiz » Tessin » Bellinzonese
Tour Datum: 7 Februar 2010
Ski Schwierigkeit: ZS-
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-TI   I   Gruppo Grieshorn 
Zeitbedarf: 3:00
Aufstieg: 1220 m
Abstieg: 1220 m
Strecke:All'Acqua - Val d'Olgia - San Giacomo - Passo San Giacomo - Helgenhorn - Abfahrt via Valle Rossa - All'Acqua
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Airolo - All'Acqua
Unterkunftmöglichkeiten:Ronco, All'Acqua
Kartennummer:LK 1:50'000, Bl 265 S "Nufenenpass"

Helgenhorn und Valle Rossa - eine perfekte Kombination


Im Norden grau, im Süden blau - so war es auch heute wieder und nachdem ich mich gestern trotz guter Prognosen für das Engadin in Bivio derart verspekuliert habe (grau in grau, kein Skiliftbetrieb in der 2. Sektion, keine Tour möglich), musste wieder ein Tourenhighlite her. Mit der Wahl des Helgenhorn 2837m und der knackigen Abfahrt durch das Valle Rossa im Bedrettotal ist mir das auf alle Fälle gelungen und vergessen sind die Wetter- (und Benzinkilometer-)kapriolen von gestern.

Vorweg: Die Helgenhorn-Tour wird in der Führerliteratur von Willy Auf der Maur typischerweise wieder viel zu streng bewertet: S- . Wer das Helgenhorn via All'Acqua - Passo San Giacomo erreicht und auch diesen Weg wieder zurückfährt kommt nicht über ein WS+ oder maximal ein ZS-. Wer wie ich den Aufstieg wie soeben beschrieben aber die Abfahrt via Valle Rossa unter die Skis nimmt, der sollte ein starkes ZS+ oder ein schwaches S- beherrschen. Die Schwierigkeiten liegen eigentlich mehr im unübersichtlichen Gelände im mittleren Teil des Valle Rossa - nicht selten endet eine falsche Abfahrtsentscheidung knapp über einem Felsriegel, über welchen man lieber nicht stürzen möchte... Ein Gespür für solche Gegenden sowie Kartenkenntnisse sind auf alle Fälle von Vorteil für diese, aus meiner Sicht, geniale und bei entsprechenden Lawinenverhältnissen klar zu bevorzugende Abfahrt. Zu den Details später im Bericht.

Start beim grossen, freigeschaufelten Parkplatz wenige Meter nach All'Acqua 1614m, über die Brücke auf die südliche Talseite und auf gut angelegter Spur (merci!) durch das Val d'Olgia hinauf zur Alp Olgia 2063m  (1h bis hierher) und weiter via den Weiler San Giacomo 2254m zum Passo San Giacomo 2318m. Es wird nun italienisches Hoheitsgebiet betreten und aus dem "Sali" wird per subito ein "Ciao". Ab hier ist die Spur der Vortages-Vorspurer "vom Winde verweht" - nur hie und da erblicke ich wieder Hinweise, dass meine Spur in die selbe Richtung weist wie die der Vorspurer.

In nordwestliche Richtung folgt man nun in den Südhängen Richtung Helgenhorn - gerade dieser Anblick vom Standort aus den Südhängen hinterlässt schon eine sehr grosse Vorfreude - ein richtiger Spitz dieses Helgenhorn!

Bevor man in die steile Ostflanke des Helgenhorn kommt, gilt es noch eine Traversierung zu machen, welche man je nach Lawinenverhältnissen auch wenige Höhenmeter weiter unten umgehen kann. Man erreicht dann besagte steile Ostflanke - die einzige Schwachstelle der Tour bei brisanten Verhältnissen. Heute ging's aber ohne Probleme, weder Anrisse noch Setzungsgeräusche machten sich bemerkbar (ich würde heute das Gebiet auf "mässig+" schätzen).

Langsam schwindet auch die Beinkraft, kein Problem aber, denn der Gipfel ist nun zum Greifen nah und bevor man diesen erreicht, heisst es noch kurz zu Fuss über ein paar rutschige Felsschroffen hinauf zu balancieren und voilà: das Helgenhorn 2837m ist erreicht.

Noch immer wechselt sich das Blau mit ein paar störenden Nordföhn-Wolken ab, erstaunlicherweise ist es aber auf dem Gipfel sehr schwachwindig. Das Panorama lässt keine Wünsche offen und nach ein paar Minuten Gipfelpause verschwinden auch die letzten störenden Wolken und machen der Sonne den Weg frei. Wer auf dem Helgenhorn steht, wird wohl um den spannenden Anblick des Rotentalhorn nicht herumkommen und manch einer - so auch ich - hat schon wieder ein neues Projekt in seiner "Todo-Liste"...

Wie beabsichtigt ziehe ich als Abfahrtsvariante das Valle Rossa vor. Dieses erreicht man, wenn man vor der letzten Erhebung, P. 2498.6, links hoch hält. Am besten, man versucht in der Abfahrt vom Helgenhorn nach der Ostflanke so gut es geht die Höhenlinie zu halten und dann erreicht man die Einfahrt fast ohne Stockeinsatz. Achtung: nur links oder rechts hineinfahren, in der Mitte hat es eine Wächte! Links empfiehlt sich nicht, da diese Hänge bereits besonnt und somit gedeckelt sind, somit Einfahrt rechts. Man erreicht nach wenigen pulvrigen Höhenmeter ein weniger steiles Band, welches nach rechts (Nordosten) führt. Hier hätte man eigentlich immer wieder die Möglichkeit, sehr steil gerade hinunter Richtung Passstrasse zu stechen, bei "erheblich" würde ich dies jedoch unterlassen und der in der Skitourenkarte eingezeichneten Route folgen.

Das Problem ist nun, dass immer wieder Felsen auftauchen und man logischerweise kontinuierlich an Höhe verliert. Vergleicht man das Bild dann mit der 50'000er-Skitouren-Karte, so wird man meist nicht schlauer und riskiert ein Wiederaufstieg im hüfttiefen Pulverschnee... Deshalb - und so ist es auch in der Karte eingezeichnet - unbedingt schauen, dass man beide Bergbäche (erkennbar an den tiefen Bachläufen) überquert. Die Schwierigkeit liegt darin, für den zweiten Bach eine geeignete Stelle zu finden, denn fast ausnahmlos geht's ein paar Meter direkt in den Bach runter und dann wieder ein paar steile Meter hoch ins Gelände. Ich wählte eine Stelle, wo ein grosser überschneiter Stein den Bach quert - der Schnee darauf hielt sehr gut und problemlos erreichte ich somit das Gelände rechts des zweiten Bachlaufes.

Ab jetzt heisst es eigentlich nur noch "Grädi abe und tschäddere laa" - Liebhaber von steilen, schmalen - nicht selten mit Triebschnee gefüllten - Hangcouloirs kommen hier auf ihre Kosten. Immer wieder achtete ich auf etwaige Schneeanrisse oder sonstige Gefahrenzeichen - keine Spur jedoch - also ohne Gefahr durch schönsten Pulver runter. Man erreicht dann wieder die ersten Sträucher und weiter unten sieht man schon sehr gut die Passstrasse, welches es irgendwie zu erreichen gilt. Hier liegt die Schwierigkeit darin, dass zwischen der Passstrasse und dem Abfahrtsgelände noch ein Bach mit meist tiefen Bachlauf liegt. Am besten hält man auf Höhe der Sträucher leicht links, kommt dann nochmals an ein steiles Sträucherband (eifach grad us abe...) und steht nun vor dem Bachlauf. Es gibt eine Stelle, wo man problemlos mit den Skis drüber rutschen kann, gleich anschliessend kann man dann ohne wieder anzufellen in sanfter Steigung die Passstrasse erreichen.

Auf dieser dann - wie heute wenn die Strasse von Skitourer und Schneeschuhläufern gespurt ist - ohne Stockeinsatz bis zum Parkplatz in All'Acqua.


Fazit:

Das Helgenhorn, welches im Bedrettotal als Klassiker gilt, hält, was es verspricht. Wer über die Aufstiegsroute abfährt, wird abfahrtstechnisch sicher kein Höhenflug erleben (ausser im Val d'Olgia, hier herrschen aktuell spannende Pulververhältnisse), dafür aber mit einem sehr schönen und "gemächlichen" Gifpelaufstieg belohnt. Zahlreiche Gipfel rund um das Helgenhorn laden ein, um weitere Tourenziele "gluschtig" zu machen. Die Abfahrt durch das Valle Rossa setzt entweder Orts- oder mindestens gute Kartenkenntnisse voraus. Die direkte Abfahrt, vor dem Überqueren der beiden Bäche, würde ich bei "erheblich" nicht wagen (wurde heute aber gemacht).


Tour im Alleingang.


Aufstiegszeit All'Acqua - Helgenhorn: 3h (inkl. Pausen)
Abfahrtszeit: ca. 1 1/4h (wegen des intensiven Kartenstudiums, lässt sich gut in 3/4h machen)
Start: 07.50 Uhr
Helgenhorn: 10.50 Uhr
Helgenhorn Abfahrt: 11.30 Uhr
Retour: 12.45 Uhr


SLF: "Erheblich"




Route Nr. 453a  (Bewertung: S-)  - Alpine Skitouren Zentralschweiz - Tessin - Willy Auf der Maur



Tourengänger: Bombo

Galerie


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