Entlang der Grenze von Bonfol nach Boncourt


Publiziert von ABoehlen Pro , 9. September 2009 um 20:25.

Region: Welt » Schweiz » Jura
Tour Datum: 6 September 2009
Wandern Schwierigkeit: T1 - Wandern
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-JU   F 
Zeitbedarf: 6:00
Aufstieg: 300 m
Abstieg: 360 m
Strecke:Bonfol - Beurnevésin - Le Mont - Montignez - Mont Renaud - Boncourt, ca. 17 km
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Mit der CJ von Porrentruy nach cff logo Bonfol
Zufahrt zum Ankunftspunkt:Mit dem RE von Biel direkt nach cff logo Boncourt
Unterkunftmöglichkeiten:Hôtel du Grutli in Bonfol, Hôtel de la Locomotive in Boncourt
Kartennummer:LK1065 Bonfol

Während die meisten Wanderer an diesem Prachtstag wohl Richtung Alpen strömen, schlagen wir bewusst die entgegengesetzte Richtung ein. Und das lohnt sich, denn die Anreise in die Ajoie ist immer wieder ein Erlebnis. Im grosszügigen Kolibri-Zug der SBB mit viel Platz geht es quer durch den Jura. So abwechslungsreich wie die Landschaft ist auch das Wetter. Während in engen Tälern wie jenem von Moutier oder St-Ursanne stockdicker Nebel festsitzt, lacht anderswo, z.B. in Delémont die Sonne von einem tiefblauen Himmel. Die Sonne begrüsst uns auch in der Ajoie, als wir nach dem letzten Tunnel bei Courgenay in diese weitläufige Gegend eintauchen. In Porrentruy heisst es umsteigen; der rote Triebwagen der CJ wartet bereits am Perron vis-à-vis. Mit Rumpeln und Ächzen pflügt sich die altehrwürdige Maschine alsbald ihren Weg durch Maisfelder, über Hügel und durch Wälder zu entlegenen Dörfern mit fremdartig anmutenden Namen: Alle, Vendlincourt... Nach einer Viertelstunde findet auch diese Fahrt ihr Ende; weiter als nach Bonfol führen die Schienen nicht mehr. Die Verbindung über Pfetterhouse zum SNCF-Netz in Dannemarie wurde 1970 eingestellt und die Schienen weggerissen. Spuren sind drüben in Frankreich noch allenthalben zu finden, jedoch wählen wir heute eine andere Richtung.

Nach dem Kaffeehalt im Hôtel du Grutli führt uns der Weg links des Baches La Vendline talabwärts zum letzten Ort auf Schweizer Boden, Beurnevésin. Fruchtbares Ackerland, von wertvollen Unkrautfluren und Hecken durchsetzt, und Weiden mit grasenden Pferden prägen das Landschaftsbild ringsum. Bei Rollie steigen wir in den Wald der Hügelkette mit dem simplen Namen "Le Mont" ein und erreichen bald die Landesgrenze, der wir nun ein gutes Stück folgen. Sie zieht sich kreuz und quer durch die Gegend, ohne Rücksichtnahme auf die Topografie, und so weist unser Weg einige äusserst steile Partien auf, die in der Gegenrichtung auf dem rutschigen Waldboden wohl eine ziemliche Mutprobe darstellen.

Unterhalb des Bois Moront verlassen wir für einen Moment die Grenze und erreichen den Talgrund der La Coevatte, welcher jenem der Vendline ähnelt: Grosszügige Flächen mit Kulturland, viel Wald, kaum verbautes Gelände. Eine Wohltat!

Auf einem stärker verbuschten Weg, der aber nicht zu verfehlen ist, folgen wir bald wieder der Grenze westwärts, ehe sie auf der Höhe von La Hade dann ins Kulturland hinausführt. Wir stellen fest, dass sie hier teilweise keine Schneisen mehr bildet wie zuvor im Wald. Wiesen und Maisfelder werden wohl grenzüberschreitend genutzt. Auch ein Tabakfeld entdecken wir und bewundern die hübschen Blüten des Virginischen Tabaks (Nicotiana tabacum). Die Tabakindustrie hat eine lange Tradition hier in der Ajoie. Die grosse Zigarettenfabrik in Boncourt wurde bereits 1814 gegründet.

Für uns ist es aber Zeit, die Grenze zu verlassen und entlang der Strasse erreichen wir Montignez (Gemeinde Basse-Allaine). Ein verschlafenes Juradörfchen mit Tabakscheunen und Pferdeställen, einer grossen Kirche und hübschen Wohnhäusern. Und ringsum Weite und Stille. Entlang einer Obstbaumreihe schlagen wir am Ortsausgang einen der Wege ein, die in die Felder hinausführen und gelangen schliesslich bei einem Blockhaus ins Waldgebiet La Voirande und etwas später ein letztes Mal zur Landesgrenze. Dieser folgen wir nun bis zum Mont Renaud (506 m).

Während wir bis jetzt keinem einzigen Wanderer begegnet sind, ändert sich hier das Bild: Der Mont Renaud ist der Hausberg von Boncourt und wohl auch ein beliebtes Naherholungsgebiet der benachbarten französischen Stadt Delle. Der Aussichtsturm bietet einen ausgezeichneten Blick, der gerade an einem Tag mit so guter Fernsicht wie heute zu längerem Verweilen einlädt. Schön gezeichnete Panoramatafeln des Meiringer Künstlers Winfried Kettler (http://www.kettler-panorama.ch) erläutern die Umgebung und die Berge am Horizont.

Das letzte Stück unserer Wanderung führt auf dem "Sentier des Faînes" durch den Märchenwald hinunter nach Boncourt. Informationstafeln beschreiben die verschiedenen Bäume und die vielen geschnitzten Holzskulpturen bekannter Märchen- und Comicfiguren sorgen für viel Abwechslung.

Viel Abwechslung bietet dann auch wieder die Rückfahrt, vom Nordfuss des Jura nach Biel am Südfuss dieses Gebirges. Es wird nicht die letzte Fahrt auf dieser Strecke sein, die Ajoie ist noch manche Entdeckungsreise wert!

Tourengänger: ABoehlen, Stini

Galerie


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