Monte Sirente (2348m), Punta Macerola (2258m)


Publiziert von gero Pro , 12. September 2009 um 22:25.

Region: Welt » Italien » Abruzzen
Tour Datum:31 August 2009
Wandern Schwierigkeit: T2 - Bergwandern
Wegpunkte:
Geo-Tags: I 
Zeitbedarf: 7:15
Aufstieg: 1115 m
Abstieg: 1115 m
Strecke:Rovere - WNW-Kamm: Colle di Mandra Murata (Rif. La Vecchia) - Punta Macerola - Monte Sirente
Kartennummer:Edizioni Il Lupo No.8 (Velino-Sirente 1:25000)

Der Nationalpark Velino-Sirente liegt etwa 40km südwestlich vom Nationalpark Gran Sasso; die Berge sind dort mit dem Monte Velino maximal 2486m hoch und damit gut 400m niedriger als im Gran Sasso. Und vor allem VIEL einsamer! Generell scheint in den Abruzzen zu gelten: kaum verläßt man das Massiv des Gran Sasso, so ist man meist mutterseelenallein.

Ich will hier die Besteigung des Monte Sirente beschreiben. Sie ist unschwierig, aber man braucht des öfteren den "Blick fürs Gelände", denn nur anfangs gibt es einen deutlichen Steig, später verliert er sich häufig. Auch die Markierungen sind nur anfangs gut sichtbar - später verblassen sie, werden manchmal durch Steinmänner abgelöst, die aber in recht unregelmäßigen Abständen aufgeschichtet sind. Ich will es gleich sagen: nichts für neblige Witterung, des öfteren mußten wir im Gelände unseren Weiterweg selber suchen. Im Prinzip kann man dabei nichts falsch machen, denn man orientiert sich immer am WNW-Kamm - ach ja, und Ausdauer braucht man auch, denn es sind 8 km hinwärts und auch 8 km wieder zurück. Und nach jeder Kuppe kommt noch eine, die etwas höher ist .. bis man irgendwann endlich den Sirente erreicht hat.

Aber: wir waren erfolgreich!

Petra und ich starteten kurz nach 6 Uhr in Rovere - heute war es ausnahmsweise schon in der Früh wolkenverhangen - recht ungewöhnlich, das haben wir in unserem diesjährigen Abruzzen-Urlaub kein zweites Mal erlebt. In Rovere folgt man der Beschilderung zum Monte Sirente und zum Rifugio Mandra Murata, wie so oft einem Durcheinander von Markierungen (vgl. erstes Foto). Es geht dann zunächst im Wald aufwärts, die Landschaft hat einen Touch von Mittelgebirge - und siehe da, die Wolken lichteten sich nach einer Stunde, wir standen plötzlich im Freien!

Kurze Zeit später wird der Wald immer dünner, um schließlich ganz dem abruzzesischen Landschaftsbild zu weichen: gerölldurchsetzte Graslandschaft, von der Sonne verbrannt, dann wieder vom Regen gekräftigt und saftig. Bei etwa 1800m heißt es mal gut aufpassen: wir folgten den großen Lettern zum Rifugio Mandra Murata und verpaßten den kaum sichtbaren Abzweig Richtung Monte Sirente. Kurz nach einer Blockhütte auf einem Sattel kamen wir beim Rifugio an - und mußten erkennen, daß selbiges eher als Biwakschachtel zu bezeichnen ist. Zwar allerliebst als winziges Selbstversorgerhüttchen perfekt eingerichtet, liegt es doch abseits des eigentlichen Aufstieges zum Monte Sirente.

Anmerkung zur Bezeichnung: das Hüttchen heißt "Rifugio La Vecchia" und liegt am Paß "Mandra Murata". Wegweiser, Landkarte und Markierungen vermischen diese Bezeichnungen (zur Verunsicherung des Wanderers?), aber im Prinzip bezeichnen sie alle den gleichen Punkt im Gelände.

Wir konnten unseren Irrtum, unseren Irrweg aber korrigieren, indem wir mageren Steigspuren folgten, die bergauf in grober Richtung Monte Sirente ziehen. Wie so oft in den Abruzzen, ist hier Geländeblick gefragt: über Wiesen in grober Richtung auf unser Ziel, so marschierten wir bergauf. Es erübrigt sich, hier eine auch nur einigermaßen detailierte Beschreibung anzufertigen. Weiter, immer weiter, später wird der Wiesencharakter zusehends schrofiger, es geht aber immer leicht bergauf, grobe Richtung nach Südosten (vgl. Minimap), mehr oder weniger die fast endlosen Hänge zum Sirente hinüber. Und noch ein Hügel, noch eine Kuppe, endlos erscheinende Einsamkeit .... schließlich querten wir den letzten derartigen Vorgipfel, die Punta Macerola (2258m), und erreichten den Monte Sirente (2348m) kurz vor 11 Uhr in allmählich aufziehendem, harmlosem Gewölk.

Lang hielten wir uns allerdings nicht auf: der Rückweg, vom Gipfel über weite Bereiche einsehbar, erschien demotivierend weit, und man weiß nie, wie sich das Gewölk weiterentwickeln würde: Auflösung oder Zusammenballung zum Gewitter? Und dazu die einerseits angenehme Stille der totalen Einsamkeit, die andererseits zwangsweise das Gefühl erzeugt, das vielleicht Adam und Eva als die einzigen Menschen auf diesem Planeten vor Urzeiten gehabt haben mögen .... etwa 3 Std. brauchten wir zurück nach Rovere, und wie immer hielt natürlich auch diesmal das Wetter aus. Aber das weiß man halt vorher nicht!

Tourengänger: gero

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