Áthos - Der Heilige Berg - Άγιον Όρος - Ágion Óros - Athos (2.030 m)


Publiziert von pika8x14 Pro , 23. Dezember 2016 um 02:26.

Region: Welt » Griechenland
Tour Datum:23 September 2016
Wandern Schwierigkeit: T2 - Bergwandern
Wegpunkte:
Geo-Tags: GR 
Zeitbedarf: 2 Tage
Aufstieg: 2260 m
Abstieg: 2260 m
Strecke:23.09.2016: Karoúlia - Stavrós - Panagía - Áthos - Panagía; 24.09.2016: Panagía - Stavrós - Karmílio Óros (Profítis Ilías) - Stavrós - Agía Ánna
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Per Bus oder Pkw nach Ouranoúpoli. Dort Abholung des Diamonitírions im Pilgerbüro (unweit des Hafens). Fahrt mit Boot/Fähre zu einer der Anlegestellen in der Mönchsrepublik, siehe z. B.: www.microathos.gr/index.html.
Unterkunftmöglichkeiten:In Ouranoúpoli: zahlreiche Hotels, z. B. "Filoxenia". In der Mönchsrepublik: in Klöstern und Skiten (nach vorheriger telefonischer Anmeldung) oder in der Schützhütte Panagía, in ca. 1.500 m am Aufstiegsweg zum Áthos.
Kartennummer:www.filathonites.org: "Mount Athos, The Holy Mountain", 1:25000

Zu den außergewöhnlichsten Regionen in Europa zählt sicherlich Áthos  . Der berühmte Name gilt dabei sowohl für den Berg im engeren Sinne als auch für die


Autonome Mönchsrepublik Áthos  
(griechisch: Αυτόνομη Μοναστική Πολιτεία Αγίου Όρους,
wörtlich: Autonome Mönchsrepublik Heiliger Berg).

Häufig wird diese auch achtungsvoll als „Der Heilige Berg“ in der jeweiligen Landessprache der zahlreichen Pilger bezeichnet. Entsprechend oft hört man z. B. das griechische „Άγιον Όρος“ (Ágion Óros) oder das russische „Святая Гора“ (Svyataya Gora).

Die Mönchsrepublik nimmt den Großteil des östlichen „Fingers“ der griechischen Halbinsel Chalkidikí ein und besitzt eine Fläche von ca. 336 km² (mehr als das Doppelte verglichen mit Liechtenstein).

Auf dem Heiligen Berg existieren 20 Großklöster, davon sind 17 griechisch- und je eins russisch-, bulgarisch- und serbisch-orthodox. Hinzu kommen - von den Großklöstern verwaltete - Skiten (Mönchssiedlungen) sowie diverse Kellien (Zellen) und Einsiedeleien.  

Gemäß einer Erhebung aus 2001 leben auf Áthos  insgesamt 2.262 Einwohner (Mönche) - nachdem diese Zahl jahrzehntelang rückläufig war, steigt sie in letzter Zeit wieder an. Hinzu kommen Angestellte, Polizisten und zivile Arbeiter (vor allem aus der Baubranche).

Die wichtigste Besonderheit der orthodoxen Mönchsrepublik ist definitiv das generelle Zutrittsverbot für Frauen.

Und auch ansonsten ist die Einreise an strenge Vorgaben gebunden: Áthos  ist nur für Pilger (nicht für Touristen) zugänglich. Derzeit ist die Obergrenze pro Tag auf 120 Personen (davon 10 Nicht-Orthodoxe/Ausländer ) festgelegt. Die Aufenthaltsdauer ist regulär auf 4 Tage/3 Nächte begrenzt. Deshalb  empfiehlt sich eine frühzeitige Anmeldung über das Pilgerbüro in Thessaloniki, um sein „Diamonitírion“ - die Pilgererlaubnis - auch tatsächlich zu erhalten.

Details zum Besuch des Heiligen Berges sind beispielsweise auf den Internetseiten der Deutschen Vertretungen in Griechenland beschrieben: Über http://www.griechenland.diplo.de/Vertretung/griechenland/de/04/Download.html
ist ein entsprechendes Merkblatt erhältlich.

Grundsätzlich muss die Einreise in die Mönchsrepublik auf dem Seeweg erfolgen, Boote verkehren dabei ab Ouranoúpoli (Ουρανούπολη). Dort befindet sich auch das örtliche Pilgerbüro, bei dem man zuvor sein Diamonitírion gegen Zahlung einer Gebühr abholen muss.

Nach der Ankunft auf dem Heiligen Berg beginnt dann das maximal viertägige Pilgern. Übernachtungen sind dabei in den Klöstern/Skiten möglich - auch dort sollte man sich im Vorfeld (telefonisch) anmelden.

Heutzutage sind auch auf Áthos  einige Straßen vorhanden, die verschiedene Klöster verbinden. Ab Dáfni (Δάφνη) kann man beispielsweise mit „Taxis“ weiterreisen. Weite Teile der Halbinsel sind jedoch nach wie vor nur über uralte Wege per Fuß zu erreichen.

Insgesamt gibt es verschiedenste Pilger-Routen und -Ziele. Ein sprichwörtlicher Höhepunkt ist aber sicherlich der eigentliche


Berg Áthos (Άθως).

Der wirklich schöne Gipfel steigt im Südosten der Halbinsel steil aus dem Meer empor und überragt die gesamte Mönchsrepublik mit 2.030 m deutlich (ältere Quellen geben 2.033 m an). Eine Wanderung auf den Berg ist generell von verschiedenen Ausgangspunkten möglich. Am häufigsten startet die Tour aber in Agía Ánna (Αγία Άννα) oder im benachbarten Néa Skíti (Νέα Σκήτη). Alle möglichen Varianten vereinigen sich spätestens am „Fünf-Wege-Kreuz“ Stavrós (Σταυρός, ca. 770 m), dort gibt es offenbar auch die letzte Trinkwasserquelle.

Während des weiteren Aufstiegs wird in ca. 1.500 m die Schutzhütte der Gottesmutter, Panagía (Παναγία), erreicht. Hier stehen begrenzte Übernachtungsplätze (Doppelstock-Betten) zur Verfügung. Außerdem gibt es eine kleine Kapelle und (mit etwas Glück) Wasser aus einer Zisterne.

Die Schlussetappe führt dann durch offenes Gelände hinauf zum Gipfel. Neben dem goldenen Kreuz wird aktuell die Kapelle der Verklärung des Heilands erneuert (Εκκλησία Μεταμόρφωση Σωτήρος).

Obwohl die Besteigung des Áthos keine bergsteigerischen Schwierigkeiten aufweist, sollte sie keineswegs unterschätzt werden: Da man faktisch immer am Meer startet, sind über 2.000 Höhenmeter zurückzulegen - teils auf unangenehmen Schutt-Pfaden. Nebenbei können empfindliche Wetterumschwünge auftreten. Und wer schon einmal in der griechischen Sommerhitze unterwegs war, weiß, dass eine vergleichsweise lange Wanderung nicht nur ein Genuss sein kann…


Unterwegs auf Áthos

Vorab…

Eine Urlaubswoche in Bulgarien liegt hinter uns, mittlerweile sind wir in Griechenland angekommen. In Ouranoúpoli / Ουρανούπολη - also nahe der Grenze zur Mönchsrepublik - machen wir für anderthalb Wochen Station im sehr empfehlenswerten Hotel Filoxenia.

Das Wetter zeigt sich allerdings leider nicht von seiner besten Seite, weshalb wir unser im Vorfeld geplantes „Berg-Programm“ etwas umstellen müssen und zwischendurch kurz ins Pindos-Gebirge „fliehen“. Nach unserer *Smólikas-Tour kehren wir aber auf den östlichen Chalkidikí-Finger zurück, denn langsam wird es spannend:

Bereits im April wurde der Besuch des Áthos für den 23. September angemeldet. Letzte Woche erfolgte nochmals eine telefonische Bestätigung - wie auch die entsprechende Sitzplatz-Reservierung für das Schnellboot „ΜΙΚΡΑ ΑΓΙΑ ΑΝΝΑ“ (Die „große“ Fähre „ΑΓΙΑ ΑΝΝΑ“ muss offenbar nicht vorgebucht werden).

Einen Tag vor der Kurzreise auf den Heiligen Berg sind wir nun also wieder in Ouranoúpoli. Bei Blitz und Donner mit sintflutartigen Regenschauern ist es einmal mehr viel „feuchter“ als erwartet. Deshalb dackeln wir nur kurz durch die Stadt und erfahren im Pilgerbüro, dass das Diamonitírion heute noch nicht erhältlich ist.


23.09.2016: Karoúlia - Stavrós - Panagía - Áthos - Panagía

Der Rucksack ist gepackt und insgesamt ca. 20 Kg schwer. Dabei ist alles, was man auch sonst für eine zweitägige Wanderung mitnehmen würde, also z. B. auch ein Schlafsack. Eine Iso-Matte fehlt allerdings, dafür ist der Getränkevorrat mit 7 Litern vorsichtshalber großzügig bemessen.

Und auch die Kleidung ist diesmal (noch) unauffälliger als sonst: Gewünscht werden ausdrücklich dunkle, dezente Sachen. Oder anders formuliert: Den Heiligen Berg besucht man am besten so, als würde man in eine Kirche gehen…

Pünktlich zu Beginn der Öffnungszeit (heute 07.30 Uhr) stehen wir also vor dem Pilgerbüro in Ouranoúpoli. Dort geht es behördenmäßig emotionslos-routiniert zu: Passkontrolle, Kassieren der Gebühr, Ausgabe des Diamonitírions.

Mit dieser Pilgererlaubnis geht’s dann in wenigen Minuten zum nahegelegenen Hafen, wo wir uns verabschieden: Frauen dürfen die Mönchsrepublik ja nicht besuchen…

Während also die weibliche Hälfte unserer sonst unzertrennlichen „Wandergruppe“ erst einmal in Ouranoúpoli bleibt und später an einer Schiffstour vor der Athos-Küste teilnehmen wird, stehe ich nun also allein am Kai.

Nach und nach kommen andere Pilger und auch einige Mönche hinzu. Etwa 08.00 Uhr beginnt dann das Einborden auf das Schnellboot „ΜΙΚΡΑ ΑΓΙΑ ΑΝΝΑ“: Ein Uniformierter kontrolliert den Pass, parallel schaut ein Mitarbeiter der Fährgesellschaft auf einer Liste nach, ob man auch wirklich reserviert hat. 

Tatsächlich sind alle Plätze auf der „KLEINEN AGIA ANNA“ belegt, als diese kurz nach 8 in See sticht. Wenig später passieren wir schon die Grenze, die an Land gut an der entsprechenden Mauer zu erkennen ist. Und auch ansonsten ist die Bootsfahrt nicht langweilig:

Zwischendurch wird das Fährgeld kassiert. Wir legen mehrmals an. Und wir überholen die große, langsamere „ΑΓΙΑ ΑΝΝΑ“. Vor allem aber geht’s vorbei an zahlreichen Klöstern und Mönchssiedlungen - die teils am Strand, teils hoch oben in den Berghängen auszumachen sind.

Als fast alle anderen zuvor bereits ausgestiegen sind, erreiche auch ich um 09.30 Uhr meinen „Zielhafen“ Karoúlia / Καρούλια, der mitunter wohl auch als Anlegestelle Katounakia (Αρσανάς Κατουνακίων) bezeichnet wird. Noch unmittelbar am Meer treffe ich einige Mönche und andere Pilger, die offenbar zur etwas später verkehrenden, großen Fähre möchten.

Bei einem Mix aus vielen Wolken und etwas Sonne beginne ich dann meinen - bis auf Weiteres - einsamen Aufstieg. Anfangs geht’s dabei über aberhunderte Stufen aus Stein und Beton. Ab und zu werden Häuser und kleine Wohngrundstücke passiert. Und immer wieder gibt’s schöne Blicke hinunter zum Meer und auf viel Interessantes - Grund genug für etliche Fotopausen…

An Wegverzweigungen halte ich mich grundsätzlich in Richtung „κορυφή Άθω“ (Áthos-Gipfel) bzw. „Κεράσια“ (Kerásia), da mein nächstes Etappenziel Stavrós selbst nicht ausgeschildert ist - sich aber „kurz vor“ dieser Siedlung befindet.

Auf einer Höhe von vielleicht 330 m ist dann doch Schluss mit den „endlosen“ Treppen - ich wechsle auf einen Pfad. Dieser schlängelt sich nun immer mehr durch dichtes Buschwerk bzw. Wald, ist dabei mitunter stark ausgespült und tief ins Gelände eingeschnitten.

Punkt 11 Uhr erreiche ich die „Kreuzung“ Stavrós / Σταυρός (ca. 770 m). Irgendwie hatte ich hier großen Trubel erwartet - immerhin treffen fünf Wege aufeinander. Stattdessen herrscht auch hier Stille. In aller Ruhe erkunde ich den uralten „Infrastruktur-Knoten“ - einen Weg kenne ich ja nun bereits, drei weitere werde ich gleich bzw. morgen nutzen.

Und selbstverständlich fülle ich an der Quelle - die sich als Wasserhahn am Wegrand entpuppt - meine Getränkevorräte auf. Viel habe ich bisher zwar noch nicht verbraucht, aber bevor das Rucksack-Gewicht doch noch unter 20 kg sinkt…

Nach einer Viertelstunde geht’s gemäß Ausschilderung weiter in Richtung „Παναγία“ (Panagía). Wieder wechseln sich tief eingeschnittene und aussichtsreiche sowie mehr und weniger angenehm zu gehende Wegstücke ab.

Und nun treffe ich auch immer wieder andere Pilger, wobei zwei „Sensationen“ zu vermelden sind:

1. Man kann offenbar ein Maultier samt Treiber mieten und so immerhin (ab Agía Ánna?) bis zur Panagía reiten (und ggf. sogar noch weiter). Einige ältere Geistliche machen augenscheinlich Gebrauch davon.

2. Da unglaublich viele russische und ukrainische Pilger unterwegs sind, ist - zumindest heute - der Gruß „Бог в помощь…!“ (sinngemäß: „Gott helfe Dir!“) deutlich häufiger zu hören als das erwartete, griechische „Ευλογείτε...!“ („Segnen Sie mich!“).

Nicht ganz überraschend ist wiederum, dass ich - im Vergleich zu allen anderen - das meiste Gepäck dabei habe, selbst einige Maultiere schauen neidisch auf meinen großen Rucksack…

Mit quasi allen Entgegenkommenden und Überholten wird sich kurz unterhalten, wodurch die Wanderung - trotz mittlerweile etlicher Wolken - nicht langweilig wird.

Um 13.45 Uhr erreiche ich dann die Panagía / Παναγία, eine Schutzhütte mit angeschlossener Kapelle auf ziemlich genau 1.500 m Höhe. Ein Blick ins Innere verrät sofort, dass bereits jetzt - noch recht früh am Nachmittag - praktisch alle Schlafplätze belegt sind. Aber ich habe ja zum Glück meinen großen Rucksack dabei…

Den stelle ich allerdings erst einmal in die Ecke und erforsche kurz die Umgebung. Dabei treffe ich tatsächlich noch einen weiteren Deutschen, der gerade vom Gipfel kommt. Nach einem längerem Gespräch begebe auch ich mich auf die letzte Aufstiegs-Etappe:

Mittlerweile habe ich das Wichtigste in eine Tüte gepackt. Mit Beutel in der Hand - und damit zumindest gepäckmäßig kaum noch von den meisten anderen Pilgern zu unterscheiden - stapfe ich kurz vor 15.00 Uhr los.

Der Pfad zieht mit einigen Kehren durch die steile, felsdurchsetzte Flanke. Besonders schwierig ist der Weg nach wie vor nicht. Dennoch macht sich nun langsam bemerkbar, dass man insgesamt eben mehr als 2.000 Höhenmeter zurücklegen muss.

Speziell einigen vor mit gestarteten Älteren, die nun keine Hilfe mehr durch Maultiere bekommen, fällt der Schlussaufstieg sichtlich schwer. Und auch ein - vielleicht zehnjähriger - Junge, der hier als mit Abstand Jüngster an der Seite seines Vaters unterwegs ist, scheint mit seinen Kräften wirklich am Ende. Mit gegenseitigem Aufmuntern - und vor allem nach dem Zuspruch eines absteigenden Mönchs - rappeln sich aber alle immer wieder auf.

Tatsächlich erreichen gegen 16.00 Uhr - quasi zeitgleich mit mir - etliche, höchst unterschiedliche „Bergsteiger“ den Gipfel des Áthos / Άθως (2.030 m). Die letzten Meter haben es allerdings noch einmal in sich:

Im Rahmen der Neuerrichtung der Kapelle wurde hier offenbar ein Stück vom Gipfelfels abgetragen. Dadurch muss man nun - wenn auch nur sehr kurz - wirklich steil zum goldenen Kreuz hochkraxeln (oder sich von anderen Pilgern irgendwie hochhieven lassen ;-).

Endlich oben angelangt - kennt die Freude bei allen kaum Grenzen. Zumindest fällt mir kein Berg ein, wo praktisch jeder am Gipfel derart glücklich und ergriffen ist…

Neben der religiösen Bedeutung gibt es natürlich auch wirklich geniale Aussichten: Über und unter uns treiben die Wolken, und der Blick reicht bis hinunter ans Meer und weit hinein in die Mönchsrepublik.

Insgesamt verbringe ich hier deshalb deutlich mehr als eine Stunde, zumal sich jetzt auch immer wieder die Sonne zeigt. Zwischendurch schaue ich die im Bau befindliche Kapelle von innen an und muss als Gipfel-Fotograf für neu ankommende Pilger herhalten…

Dann steige ich wieder gemächlich ab und erreiche gegen 18.15 Uhr  Panagía. An der Schutzhütte tummeln sich nun unzählige Pilger - aus Russland, der Ukraine, Griechenland, Serbien, Rumänien,... Der Schlafraum und auch das Vorzimmer sind restlos belegt: Selbst auf den Fußböden wird praktisch jeder Quadratzentimeter als Liegefläche genutzt.

Mit etlichen anderen suche ich mir deshalb einen Platz außerhalb des Gebäudes. Grundsätzlich ist jede Art von „Camping“ in der Mönchsrepublik zwar verboten. Aber in der direkten Umgebung der Panagía sind Übernachtungen im Freien in Spitzenzeiten (an Sommer-Wochenenden) notgedrungen offenbar auch nicht selten. Mögliche Gefahren - z. B. durch Schlangen oder Wölfe/Schakale? - sollten hier zudem überschaubar sein.

Im letzten Tageslicht richte ich mir also einen Schlafplatz ein und esse Abendbrot: Wie so oft in ähnlichen Situationen - wird auch heute ein mehrgängiges Keks-Menü kredenzt.

Dann folgt ein längeres, spannendes Gespräch mit anderen Pilgern. Unterm Sternenhimmel philosophieren wir - auf Russisch und Englisch - sprichwörtlich über „Gott und die Welt“. Obwohl ich mich zugegebenermaßen eher mit Letzterem auskenne, gibt’s viel Interessantes auszutauschen.

Irgendwann beginnt dann die Nachtruhe. Während ich mich relativ gemütlich in Biwak- und Schafsack hineinkuschele, fröstelt der eine oder andere „Ultraleicht-Pilger“ bei Temperaturen knapp über 0 Grad nun doch etwas.

Mitten in der Nacht dreht dummerweise der Wind, und auch mein Plätzchen wird immer weniger lauschig. Zwischendurch habe ich sogar Bedenken, im aufgeblasenen Biwaksack davonzufliegen…


24.09.2016: Panagía - Stavrós - Karmílio Óros (Profítis Ilías) - Stavrós  - Agía Ánna

... letztendlich hebe ich aber doch nicht ab und erlebe in den frühen Morgenstunden, dass immer mehr Wolken aufziehen. Wie in den Wetterprognosen vorhergesagt - ist der Sonnenaufgang heute also vom Athos-Gipfel aus nicht zu erleben. Trotzdem sind Etliche nun dorthin unterwegs.

Zu allem Übel beginnt es dann auch noch zu regnen. Sehr viel Nass kommt zwar nicht von oben. Dennoch gebe ich schlagartig meine mumienmäßige Ruheposition auf, sprinte mit dem gesamten Kram unter das Vordach der Hütte und verstaue ihn im Rucksack. Nach einem - wiederum sehr keksreichen - Frühstück und etlichen Verabschiedungen breche ich kurz vor „Halb 8“ von Panagía aus auf.

Auf bekanntem Weg schlendere ich wieder hinunter zum „Fünf-Wege-Kreuz“ Stavrós, wo ich 08.40 Uhr ankomme. Von hier aus möchte ich nun noch einen Abstecher auf den markanten Felskegel Profíti Ilías (Προφήτης Ηλίας) machen.

Eine entsprechende Ausschilderung habe ich bereits gestern nicht finden können, stattdessen aber einen Wegweiser mit den Aufschriften „Καρμήλιο Όρος“ und „Άγ. Βασίλειος“:

Scheinbar wird der Gipfel Profíti Ilía also auch als „Karmílio Óros“ bezeichnet, denn schließlich liegt mein nächstes Bergziel tatsächlich oberhalb der Siedlung „Agios Vasíleios“ (und nebenbei ist „Όρος“ = „Berg“ zufällig eine der wenigen mir bekannten Griechisch-Vokabeln).

Folglich nehme ich den ausgewiesenen Weg. Nach etwa 10 Minuten im leichten Auf und Ab durch dichtes Buschwerk verpasse ich fast den nächsten Abzweig: Diesmal ist zur Abwechslung „Προφ. Ηλίας“ an einem kleinen Holzkreuz angeschrieben.

Über einen offenbar eher selten begangenen, schmalen Pfad pirsche ich mich nach oben. Zuletzt geht’s dabei sogar ein kurzes Stück ziemlich „alpin“ und etwas ausgesetzt über den felsigen Nord-Grat zum Gipfel des Karmílio Óros / Καρμήλιο Όρος (auch: Profíti Ilías / Προφήτης Ηλίας, 887 m bzw. 895 m gemäß älterer Quellen). Die Ausblicke sind wirklich beeindruckend, zumal sich für einen Moment sogar die Sonne zeigt.

Nach einer etwas längeren Pause einschließlich Besichtigung der Gipfelkapelle steige ich dann kurz vor 10 Uhr wieder ab und kehre in einer knappen halben Stunde zur inzwischen bestens vertrauten „Kreuzung“ Stavrós zurück. Drei der fünf Wege, die sich hier treffen, habe ich mittlerweile ja bereits begangen. Nun folgt noch der vierte:

Die Schlussetappe meiner Wanderung führt mich nach Agía Ánna. Entsprechend halte ich mich natürlich an die - sogar mehrfach vorhandene - Ausschilderung „Αγία Άννα“. Anfangs verläuft der Pfad noch ohne größeres Gefälle durch den Wald. Ich passiere einen schönen Aussichtspunkt über weite Teile der Westküste (ca. 730 m).

Wenig später beginnt dann der teils recht steile Abstieg. In einer Höhenlage von ca. 500 - 400 m führt der Weg durch ein großes Blockfeld, in welches auch zahlreiche Stufen betoniert sind. Dann treffe ich auf die ersten Häuser von Agía Ánna.

Zu guter Letzt geht’s durch die schön am Hang gelegene Siedlung Agía Ánna / Αγία Άννα hinunter in Richtung Meer. Immer wieder begegne ich nun Maultierkarawanen, die vor allem Baumaterial transportieren.

12.20 Uhr erreiche ich die Anlegestelle von Agía Ánna (Αρσανάς Αγίας Άννας) und habe noch genügend Zeit, den restlichen Proviant zu vertilgen.

Etwas später als geplant, um 13.30 Uhr, besteige ich dann die Fähre „ΑΓΙΑ ΑΝΝΑ“. Und nachdem diese auch nochmal bei Karoúlia, dem gestrigen Ausgangspunkt meiner Tour, angelegt hat, schippern wir zurück. Während der Fahrt und bei den Zwischenstopps gibt’s dabei abermals viel Interessantes zu sehen.

Nach zwei schönen, außergewöhnlichen Tagen auf dem Heiligen Berg lande ich 16.30 Uhr wieder in Ouranoúpoli an.

Selbstverständlich ist meine Frau unheimlich begeistert, dass ich endlich wieder zurück bin. Zur Feier des Tages kehren wir deshalb in eine der Tavernen am Strand ein.

Anschließend fahren wir zur nahen Grenze und werfen nochmals gemeinsam einen Blick in die Mönchsrepublik, natürlich nur über die Mauer hinweg…


pika8x14 ist diesmal: A.  


Nachfolgend sind einige Ortsbezeichnungen und dergleichen zusammengestellt. Ohne Gwähr sind dabei angegeben: zuerst der griechische Name, dann dessen Transliterationen (exakterweise) mit Akzent und (üblicherweise) ohne Akzent, ohne Gewähr:

Ουρανούπολη - Ouranoúpoli - Ouranoupoli
Καρούλια - Karoúlia - Karoulia
  auch: Αρσανάς Κατουνακίων - Arsanás Katounakíon - Anlegestelle Katounakia
Σταυρός - Stavrós - Stavros
Καταφύγιο της Παναγίας - Katafýgio tis Panagías -
  Schutzhütte der Gottesmutter
  kurz: Παναγία - Panagía - Panagia („Die Allheilige“, Gottesmutter)
  auch: Εκκλησία Αγίασμα Παναγίας - Ekklisía Agíasma Panagías -
  Kirche (Kapelle) der Gottesmutter
Άθως - Áthos - Athos
  auch: Άγιον Όρος - Ágion Óros - Der Heilige Berg
Εκκλησία Μεταμόρφωση Σωτήρος - Ekklisía Metamórfosi Sotíros -
  Kirche (Kapelle) der Verklärung des Heilands
Προφήτης Ηλίας - Profítis Ilías - Profitis Ilias
Καρμήλιο Όρος - Karmílio Óros - Karmilio Oros
Σκήτη Αγίας Άννας - Skíti Agías Ánnas - Skiti Agias Annas
  kurz: Αγία Άννα - Agía Ánna - Agia Anna
Αρσανάς Αγίας Άννας - Arsanás Agías Ánnas - Anlegestelle Agia Anna
Κατουνάκια - Katounákia - Katounakia
Κεράσια - Kerásia - Kerasia
Σκήτη Αγίου Βασιλείου - Skíti Agíou Vasileíou - Skiti Agiou Vasiliou
  kurz: Άγιος Βασίλειος - Ágios Vasíleios - Agios Vasileios
Νέα Σκήτη- Néa Skíti - Nea Skiti


PS1: Alle Foto- und GPS-Zeitangaben auf Athos sind in MESZ, vor Ort ist es also bereits jeweils eine Stunde später. 

PS2: Unverständlicherweise lassen sich für Griechenland keine Subregionen anlegen. Die Autonome Mönchsrepublik müsste u. E. definitv als solche geführt werden. 

Tourengänger: pika8x14


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Kommentare (7)


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Sputnik Pro hat gesagt:
Gesendet am 23. Dezember 2016 um 17:54
Hallo André,

Du lässt ja kein autonomer Fleck aus - die Mönchsrepublik ist echt spannend, habe auch schon darüber gelesen. Toll wie du alles exakt vorbereitet hast. Deinen Bericht ist echt lesenswert! Gratulation zur erfolgreichen Besteigung!

Bei mir geht nun die Planung für Südossetien los - da gibt's auch 'ne Menge Paperkram zu erledigen!

Gruss, Andi

pika8x14 Pro hat gesagt: RE:
Gesendet am 25. Dezember 2016 um 00:49
Hallo Andi,

die Mönchsrepublik ist definitiv etwas ganz Besonderes in Europa. Und auch der Berg (Gipfel) Áthos ist sehr speziell - durch seine religiöse Bedeutung und natürlich durch seine eindrucksvolle Gestalt mit mehr als 2.000 m Prominenz.

Unterm Strich war der Kurzbesuch auf dem Heiligen Berg wirklich ein großartiges Erlebnis.

Wir wünschen Dir schöne Feiertage und alle Gute für 2017,
selbstverständlich auch eine gelungene Reise im zweiten Anlauf nach Südossetien,
Andrea + André.

Sputnik Pro hat gesagt: Happy new year!
Gesendet am 25. Dezember 2016 um 22:08
Dake euch, ich wünsche einen guten Rutsch ins 2017 und natürlich ein neues unfallfreies Bergjahr.

Gruss Andi

Linard03 Pro hat gesagt:
Gesendet am 23. Dezember 2016 um 21:17
Hallo zusammen,

... und wieder mal hat man sich akribisch vorbereitet ... ;-).
Das hört sich wahrlich nach einer interessanten Geschichte an! Jedenfalls danke für den spannenden Bericht und die tollen Fotos!

Gruss,
Richard

pika8x14 Pro hat gesagt: RE:
Gesendet am 25. Dezember 2016 um 00:56
Hallo Richard,

der Aufenthalt auf dem Heiligen Berg war wirklich eine außergewöhnliche Erfahrung und bot sich dieses Jahr an, weil wir ja ohnehin "in der Nähe" waren.

Und selbstverständlich ist eine vernünftige Vorbereitung auf Grund der vielen Besonderheiten (Einreisemodalitäten, begrenzte Aufenthaltsdauer, angemessene Kleidung, Übernachtung/Verpflegung u. s. w.) dabei dringend zu empfehlen ;-).

Wir wünschen Dir schöne Feiertage und alle Gute für 2017,
Andrea + André.

dropsman hat gesagt:
Gesendet am 24. Dezember 2016 um 06:50
Moin,

wieder mal eine tolle Tour die richtig Appetit macht. Ich habe es bisher nur mittels Blick von Sithonia "auf" den Heiligen Berg geschafft. Schön nun mal zu hören wie die Einreise ablaufen könnte.
Eure Bilder sprechen mal wieder für sich. Wünsch Euch besinnliche Festtage und einen guten Rutsch in ein gesundes und spannendes neues Reisejahr.

Gruß Thomas

pika8x14 Pro hat gesagt: RE:
Gesendet am 26. Dezember 2016 um 00:54
Hallo Thomas,

danke für Deinen Kommentar.

Die Áthos-Tour war wirklich etwas Besonderes. Falls Du irgendwann einen Besuch des Heiligen Berges planen solltest, kannst Du Dich gern nochmals bei uns melden…

Auch wir wünschen Dir noch schöne Feiertage und
alles Gute für 2017, vor allem natürlich auch schöne Reiseerlebnisse,
Andrea + André.


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