Per Tunnel auf den Mont Blanc?


Publiziert von jfk, 6. Februar 2013 um 19:42. Diese Seite wurde 1253 mal angezeigt.

In der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift "Die Alpen" findet sich ein Bericht über das Grand Couloir, einer heiklen,  dem Steinschlag ausgesetzten Passage auf dem Normalweg auf den Mont Blanc. Das Couloir liegt  zwischen der Tete Rousse-  und der Gouterhütte auf etwa 3340m. 

Der Artikel nimmt die Neueröffnung der Gouterhütte im kommenden Juni und die damit erwartete steigende Touristenzahl zum Anlass, über zwei Entschärfungsmöglichkeiten einer der unfallintensivsten Passagen in den Alpen zu Berichten. Als erste Möglichkeit wird von einem ca. 180m langen Tunnel gesprochen der die beschriebene Passage vollständig umgehen würde und als zweite Möglichkeit wird über eine Beschränkung der  Alpinisten nachgedacht (Nur Alpinisten die in der Hütte oder für einen Biwakplatz reserviert haben würden hochgelassen). 

Vor allem den ersten Ansatz finde ich äusserst bedenklich und ist für mich symptomatisch für eine Entwicklung im Alpinismus, wonach Schlüsselstellen entschärft (z.B. durch Fixseile, Steighilfen oder eben einen Tunnel) und Ausgangspunkte erhöht werden (durch Bahnen, Hütten etc.), damit auch bestimmt jeder, egal ob erfahren oder nicht, sich ohne die nötigen Voraussetzungen anzueignen sich den Traum vom Gipfel erfüllen kann. Wäre, nur um beim Beispiel zu bleiben, der Andrang auf den Mont Blanc nicht viel geringer, wenn auf 3800m eine Schutzhütte gar nicht erst existieren würde? Oder würden durch einen entschärfenden Tunnel nicht noch mehr unerfahrene Touristen angelockt? 

Obwohl auch ich nicht immer auf so praktische Hilfsmittel wie z.B. die Jungfraubahn verzichten will, denke ich doch, dass dies ein Hauptproblem, beziehungsweise eine Hauptunfallursache im Alpinismus ist und diesbezüglich ein Umdenken stattfinden sollte.

Bin schon jetzt auf Meinungen von anderen Alpinisten/Berggängern gespannt.  



Kommentare (13)


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orome hat gesagt:
Gesendet am 6. Februar 2013 um 21:20
Es ist eine traurige Entwicklung, aber eigentlich ist die Idee eines Tunnels nur konsequent wenn man sich die Haltung der Medien gegenüber Bergsportarten bzw. die Einstellung einiger Berggänger auf die Spitze treibt. Es scheint in der Tat die Idee zu sein, möglichst der Breiten Masse auch schwere Touren vollkommen sicher zu ermöglichen.

Diese Entwicklung fällt mir (aus persönlicher Vorliebe) vor allem im Konfliktfeld alpines Klettern vs Plaisir auf. Mit dem Totschlagargument fehlender Sicherheit werden leider mit immer grösser werdender Zustimmung immer mehr alpine Routen durchgebohrt. Als ob es nicht genügend andere Möglichkeiten gäbe. Entweder man ist bereit für eine Route oder nicht, aber das Ziel kann nicht sein, sich die Route bis aufs persönliche Niveau zurechtzumanipulieren.

Ich finde in einen solchen Gedankengang passt ein Tunnel ganz gut.

Eines der schönen Dinge am Bergsport ist doch, dass er weitestgehend unreglementiert ist. Durch solche Artikel, oder dem hier ab und an verlinkten unsäglichen Outdoorblog einer Zeitung wird eine Stimmung geschaffen, in der freiwillig (!) eine Bevormundung gewünscht wird ...

Pollux hat gesagt: Fremdenlegion aufbieten?
Gesendet am 6. Februar 2013 um 23:11
Gespannt, liebe Bergfreundinnen und Bergfreunde, warte ich mal ab wie denn der Besucher-Ansturm ab Nid d'Aigle von den "Behörden" des Dep. Haute-Savoie aufgehalten wird...?! Stellen Die da Sandsackburgen mit Scharfschützen der Marke Fremdenlegionär auf...?! Die Idee mal weitergesponnen, legt da n`Scharfschütze auf mich an wenn ich trotzdem da hochgehe? Eieiei, n`Mont Blanc-Besteiger im Jahre des Herrn 2013 hat' s nicht leicht... Also zu meinen Zeiten bist da von der italienischen Seite aus zum Rifugio Gonella hochgelaufen (nach vorherigen Reservation versteht sich...)! Anschliessend bist in einer Ruhe um 01h aufgebrochen um via Piton des Italiens und Col du Dôme zum Bossesgrat zu gelangen. Erst hier (500 Hm unter dem Gipfel...) bist mit den Schwachköpfen von der "anderen" Seite zusammen getroffen. Na was hast da alles gesehen...?! Z.B. Spinner die schon um 03h morgens für n' Lichterspektakel am Bossesgrat gesorgt haben - viel Spass beim Gipfelaufenthalt...
Also, viel Vergnügen auf Goûter, mich erwischt sicherlich keiner da, der Mont Blanc hat sicherlich noch hundert andere Routen die nicht von der Fremdenlegion bewacht werden :-)

Vive la France

Sputnik Pro hat gesagt: Schlimme Etwicklung...
Gesendet am 7. Februar 2013 um 07:51
Auf dem Hütteweg hat's ja jetzt schon zahlreiche Drahtseile die im eigentlich einfachem Alpingelnde nicht nötig wäre. Einen Tunnel für die Couloirquerung wäre nur noch eine (schlechte) Zugabe zum Hüttenweg. Wer dieses Couloir Nachmittags quert oder wie ich gesehen habe sich dort eine "Ewigkeit" aufhält muss sich einfach nicht wundern wenn er von einem Stein getroffen wird.

Noch schlimmer finde ich wenn man nun sogar eine Hütten- oder Biwakplatzreservation braucht um sich am Normalweg des Mont Blanc zu bewegen. Ich frage mich ob so ein Entscheid überhaupt rechtens ist, denn ausser in militärischem Sperrgebiet (wo gar kein Zivilist hin gehen kann) darf man in Frankreich ja überall hin.

orome hat gesagt: RE:Schlimme Etwicklung...
Gesendet am 7. Februar 2013 um 08:44
Es darf zu hoffen bleiben, dass eine solche Regel nicht rechtsgültig ist und auch niemals rechtsgültig sein wird. Aber wenn eine Hüttentür verriegelt wird und ein Verlassen des privaten Gefängnisses erst nach den Bergführern erlaubt wird, klingt das für mich schon fast nach Geiselnahme. In diesem Sinne wäre ein Tunnel und Verbot des Betretens ohne Reservierung nur die konsequente Weiterentwicklung.

kopfsalat Pro hat gesagt: normale entwicklung ... leider ...
Gesendet am 7. Februar 2013 um 09:43
die dynamik der masse verlangt andere regeln, als wenn es nur um vereinzelte individuen geht.

das ist überall das selbe, egal ob im strassenverkehr, im ÖV, beim hausbau, beim abfall etc.

solange es gewisse "in-" oder "traum-"berge gibt, die "man" mindestens einmal in seinem leben bestiegen haben muss, wird sich die situation nur noch verschlimmern. verschärfend kommt hinzu, dass solche berge mittlerweile big-business sind, nicht nur für die bergführer, sondern für für ganze ortschaften. da wird alles unternommen werden, um den (hoffentlich) steigenden kundenzahlen gerecht zu werden. dort noch etwas ändern zu wollen, ist vergebene liebesmüh.

die einzige/einfachste lösung ist, sich von dem ganzen hype nicht anstecken zu lassen. es gibt genügend berge, wo man seine ruhe hat. einfach mal ein wenig auf hikr rumstöbern.

Sputnik Pro hat gesagt: Hype umgehen
Gesendet am 7. Februar 2013 um 09:55
Oder eben nicht zur üblichen Uhrzeit aufzusteigen (Kontrolle umgehen) oder eine andere Route wählen. Wir waren übrigens alleine auf dem Mont Blanc da wir am späteren Nachmittag auf dem Gipfel standen und Biwakmaterial mitnahmen.

Bertrand Pro hat gesagt: RE:Hype umgehen
Gesendet am 8. Februar 2013 um 13:30
Ou sinon y aller dans la journée !

Sputnik Pro hat gesagt:
Gesendet am 11. Februar 2013 um 07:52
Da kann ich nur gratulieren, den Mont Blanc in einem Zug zu besteigen. Grossartige Leistung!

Bertrand Pro hat gesagt: RE:
Gesendet am 11. Februar 2013 um 09:32
Gut, beim hinablaufen haben wir schon ein bisschen beschissen und den Zug ab Nid d'Aigle genommen (obwohl wir uns am Start streng vorgenommen hatten, alles clean zu machen...aber wie jeder weiss der Geist ist willig usw)

stkatenoqu Pro hat gesagt: Tunnel auf den Mont Blanc
Gesendet am 11. Februar 2013 um 10:37
Ein kleiner Tip für alle, die jede Tour "clean" machen wollen und über Massnahmen für die Sicherheit der Bergsteiger nicht erfreut sind: macht Euren nächsten Bergurlaub in den Rockies oder der Sierra Nevada CA: dort gibt es kaum Wegmarkierungen, Landkarten, die mit denen in der Schweiz bei weitem nicht vergleichbar sind, keine Seilsicherungen, keine vie ferrate, hin und wieder eine Seilbahn (für den Skibetrieb), dafür sehr viel unberührte und wunderschöne Landschaft. Manchesmal findet man beim "trailhead" Weginformationen. Ich war schön öfters dort zum wandern und es hat mir immer wahnsinnig gut gefallen - abgesehen von der latenten Bärengefahr, aber da gibt es keinen Schutz (er läuft schneller, klettert besser, schwimmt besser...)


Alpin_Rise hat gesagt: Tunnel wirklich so fehl am Platz?
Gesendet am 11. Februar 2013 um 14:29
Ich bin defintiv kein Freund von Bergen in Ketten.
Der Fall Mont Blanc Gouter Hüttenweg sieht für mich etwas anders aus. Ob man's gut findet oder nicht, hier die Fakten:

- Hauptzustieg für die Hütte, dazu ein Neubau, zieht viele Besucher an
- die leichteste Normalroute am höchsten Berg der Alpen, daher viele ungeübte "Alpinisten" unterwegs
- Im gängigen Hochtourenzeitplan begehen Touristen Hüttenwege meist nachmittags, vielerorts sogar zwei Mal

Ist es da nicht sinnvoll, eine objektiv (sehr?) gefährliche Schlüsselstelle sicher(er) zu machen? Zumal ein Tunnel zumindest optisch nicht gross stören sollte.
Die Route wird dadurch nicht viel einfacher, dafür sicherer. Meiner Ansicht nach darf man die Gipfelaspiranten nicht an einer technisch einfachen, aber objektiv gefährlichen Stelle "aussieben".

Anders sieht es für mich auf Gipfelzustiegen aus. Diese sind nicht der breiten Masse zugänglich zu machen, indem man überall künstliche Bauten erstellt. Ehrlicherweise muss man sagen, dass so z.B. gut die Hälfte nicht mal den Einstieg und vielleicht nur 10% aller Aspiranten den Hörnligrat aufs Matterhorn schaffen würden - meine Wenigkeit eingeschlossen!
Und falls ich den Mont Blanc mal besteige, über den Gouter absteige und einigermassen erschöpft noch am selben Tag ins Tal will - soll ich oben bleiben, nur weil im Couloir Steinschlag herrscht? Falls der Tunnel genau diese Problematik entschärft, sehe ich darin nichts schlimmes.

G, Rise

PS: von Beschränkungen jeglicher Art halte ich nichts. Ich will mir von keiner Behörde oder sonstigen Instanz vorschreiben lassen, was ich in den Bergen tun und lassen soll! Da ist mir der Tunnel lieber ;-)

Bertrand Pro hat gesagt: RE:Tunnel wirklich so fehl am Platz?
Gesendet am 11. Februar 2013 um 14:56
Avis 100% partagé. Le discours de principe anti-équipements fixes auquel je souscris totalement n'empêche pas d'avoir une analyse vraiment distincte sur ce sujet. J'ai souvent traversé le Grand Couloir la peur au ventre avec tout le cirque habituel des gens de l'est écrasés sous des sacs plus gros qu'eux - qu'on augmente ou qu'on diminue la sécurité ne changera à mon avis rien à leur fréquentation. Les "non-montagnards" majoritaires au MB ne renonceront jamais à leur projet si on leur dit que c'est dangereux - ils répondront simplement "tu as raison, je ne veux pas prendre de risque, je vais donc prendre un guide, tu peux m'en conseiller un ?" (vécu des dizaines de fois...). Je commencerai donc par démonter les cordes fixes du Cervin, de la Meije ou de la Dent du Géant !

Pollux hat gesagt: RE:Tunnel wirklich so fehl am Platz?
Gesendet am 12. Februar 2013 um 20:49
Je commencerai donc par démonter les cordes fixes du Cervin, de la Meije ou de la Dent du Géant !

Ja, Bertrand, lass uns das tun! Aber - auch in der Schweiz liessen sich mal gewisse Behörden Besteigungsverbote einfallen --> Eiger N-Wand...

Brachte im übrigen nichts, wird ganz sicherlich auch am Mt. Blanc via Goùter nichts ändern.

Da lassen sich halt einfach gewisse Apine-Vereine und irgendwelche Regionalbehörden was einfallen. Die Tatsache das Frankreich zentralistisch von Paris aus regiert wird scheint wohl ausseracht gelassen...! Willst da in meiner Nachbargemeinde (F) ein Kanalisationsgesuch einreichen - na dann frag Paris. Hier bei mir (CH) entscheidet die Gemeinde --> LA COMUNE.

Es scheint also so, dass sich gewisse französische Alpin-Vereine und/oder Departements-Regierungen über das von den Revolutionären-Kräften einst erstrittene Recht von Freiheit - Gleichheit und Brüderlichkeit nix zu scheren brauchen.

Ich bin kein Bürger Frankreichs, daher, macht was Ihr wollt. Aber irgendwie - meine lieben - hab ich da das ungute Gefühl, Paris --> oder noch viel schlimmer --> Bruxelles, hat was gegen Sandsackburgen am Nid d'Aigle. :-)

Alors, baut doch ne Hütte die 120 Plätze bietet, obwohl doch jeder weiss das sich da weit über 300 Personen herumtummeln.

Sandsackburgen wären insbesondere auch an der Aiguille du Midi angebracht. Die Opfer der Scharfschützenatacke würden somit so ungefähr dem Frendo-Pfeiler entlang direkt nach Chamonix hinutersegeln

Saluts


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