Sicherung auf T5/T6 Routen


Publiziert von Mathias, 13. April 2007 um 08:41. Diese Seite wurde 2765 mal angezeigt.

Hallo allerseits,

nach vielen anderen Betätigungen bin ich erst relativ spät (nach 35) ernsthaft zum Bergwanderer geworden. Mein Hauptbetätigungsfeld liegt im Berner Oberland, wesentliches auswahlkriterium für Touren ist eine gute ÖV-Erreichbarkeit von Bern aus. Alpine oder Klettererfahrung habe ich keine, entsprechend zurückhaltend bin ich beim Begehen von schwierigeren Routen.

Ich bin interessiert an einsamen Wanderrouten, wobei T4 kein Problem ist, T5 nur noch teilweise drinliegt, und T6 im Allgemeinen meine Fähigkeiten übersteigt. Trotzdem liebe ich es, mögliche (teilweise weglose) Routen aus der Karte herauszulesen und zu begehen. Ab und zu muss ich dann halt auch mal umkehren.

Hier nun meine Frage, die sich an routinierte T5- und T6-Begeher richtet: begeht ihr solche Routen jeweils mit reiner Wanderausrüstung, oder habt Ihr Seil und anderes Material zur Sicherung dabei? Manche Passagen, die hier schon zur Sprache kamen (Niesengrat, Schwalmere SW-Grat) habe ich auch schon von näherem gesehen, und eine ungesicherte Begehung schien mir da schon arg gewagt. Ausserdem: in welchen Fällen haltet ihr eine Seilsicherung für notwendig und sinnvoll?

Bin gespannt auf eure Antworten

Gruss Mathias

 

 




Kommentare (7)


Kommentar hinzufügen

Zaza hat gesagt: Sicherung
Gesendet am 13. April 2007 um 09:12
Im Normalfall habe ich kein Sicherungsmaterial dabei, ich wäre damit auch nicht gerade versiert. Wenn mir die Sache zu heikel aussieht, kehre ich halt um. Entsprechend habe ich beim Niesengrat (Wysse Zend) die Segel gestrichen, beim Schwalmere SW-Grat hat's hingegen sowohl im Abstieg als auch im Aufstieg geklappt.

Es gehört aber in der Regel zur Charakteristik einer alpinen Wandertour, dass Sicherung schlecht oder gar nicht möglich ist. Aus meiner Erfahrung stelle ich aber fest, dass die Begehung derartiger Routen (wie fast alles) Übungssache ist. Bei mir läuft es von Jahr zu Jahr immer etwas besser.

ossi hat gesagt: Sicherung etc.
Gesendet am 13. April 2007 um 14:33
Hoi Mat
Nun, ich überleg mir jeweils folgende Punkte:
Wo genau führt die Route durch?
Wie lange sind die eigentlich schwierigen Stellen?
Wo gibt es Ausquer- oder Umkehrpunkte?
Wie heikel ist das Gelände?
Kann ich aufsteigen und allenfalls auf einem einfacheren Weg wieder absteigen?
Wie sicher ist das Wetter (oder: kann ich rechtzeitig zurück sein)?
Ist die T5- bzw. T6-Route eher ein Klassiker oder eher eine sehr selten begangene Route?
Pickel: Ein Pickel ist in steilen Grashalden oder in rutschigem Gelände ohne Tritte sehr viel Wert.
Seil: Kommt auf die Route an. Wenn sie z.b. über einen Felsgrat führt, könnte ein Seil allenfalls mittels Zackenschlinge zum Abseilen benutzt werden (manchmal kommt man eben eine Stelle hoch, aber nicht mehr runter). Zu zweit könnte am kurzen Seil gegangen werden (das reicht, um sich gegenseitig im Gleichgewicht zu halten, aber nicht um Stürze zu halten).
Steigeisen: Kann bei hartem unt trittlosem Boden hilfreich sein).
Tendenziell würde ich mal eine eher häufig begangene T5-T6-Route versuchen, deren Schlüsselstellen nicht allzu lange andauern. Überdies ist eine Tour über festen Fels sicher weniger gefährlich (obwohl es manchmal eindrücklich aussieht) als über eine steile Gras- bzw. Bschüttihalde.
Und ja: Übung macht den Meister. Ich muss mich nach längeren Unterbrüchen immer wieder ans Gelände gewöhnen.....und bei T6 bin ich also auch sehr vorsichtig.
Gruss und frohes Wandern

Delta Pro hat gesagt: Wandern
Gesendet am 13. April 2007 um 20:08
Ciao Mat!
Hast ja schon zwei gute und fachkundige Erläuterungen erhalten. Geb jetzt aber doch mal noch meinen Senf dazu.

Sprechen wir von T1-T6, dann geht es grundsätzlich um Wandern, nicht primär um Klettern und Hochtouren. Dafür ist diese Bewertungsskala da. Was sie unter anderem aussagt, ist, dass man diese Touren schlecht absichern kann. Denn sonst wäre manch ein T6 ein Hochtouren WS oder gar ZS. Und an ein alpines ZS wagt man sich normalerweise nicht ohne Seilsicherung - aber eben, weil Seilsicherung dort möglich ist.
T-Touren kann man mit Seilsicherung begehen - ich habe das in einigen Fällen auch schon gemacht. Allerdings mutiert dann das Seil nur zu oft zur psychologischen Stütze und trägt weniger zur Sicherung bei. Die Möglichkeiten sinnvolle Sicherungen zu legen sind oft so spärlich, dass man sich besser darauf konzentriert, die Füsse und Hände gut abzusetzen.
Wenn zwei unterschiedlich starke Berggänger zusammen unterwegs sind, kann ein Seil trotzdem gute Dienste erweisen. Dann wenn nämlich der besser Alpinist quasi ohne Sicherung vorsteigt und dann den anderen nachsichert.

Wie angetönt, T5 oder T6 Touren können sich in schwierigkeit und Ausgesetztheit mit manchem alpinen WS oder ZS messen. Deshalb ist, da Sicherung schlecht möglich ist, die Trittsicherheit noch viel mehr gefragt. Das kommt nicht von selbst, man muss sich langsam daran herantasten. Wie Ossi schon vorgeschlagen hat würde ich mit häufig begangenen T5 Touren beginnen (dort hat es oft Wegspuren) und dann langsam in wilderes Gelände vordringen. Und: Sich nie zu schade sein umzukehren. Das bleibt niemandem erspart!

Gruss und schöne Touren!
Delta

Zaza hat gesagt: PS...
Gesendet am 13. April 2007 um 20:58
Mir hat es sehr viel gebracht, dass ich einen Sommer lang im Tessin viele Touren mit einem Kollegen gemacht habe, der solches Gelände extrem gut im Griff hat. Da habe ich einiges lernen können. Wir waren ohne Sicherung unterwegs - wenn ich mich irgendwo nicht durch traute, machte ich halt aufwendige Umgehungen oder habe irgendwo gewartet.

Kennst du das Buch "Alpinwandern zwischen Saane und Reuss" aus dem SAC-Verlag? Da sind die Touren - viele im Berner Oberland - nach der T-Skala bewertet und es finden auch ein paar relativ einfache und beliebte T5er und T6er.

Grüsse, Zaza

Anna hat gesagt: RE:PS...
Gesendet am 13. April 2007 um 21:06
>Kennst du das Buch "Alpinwandern zwischen Saane und Reuss" aus dem SAC-Verlag?

In hikr-Shop mit Rabatt:
[www.hikr.org/books/Alpinwandern_zwischen_Saane_und_Reuss_385...]

Pavel hat gesagt: Sicherung
Gesendet am 15. April 2007 um 15:53
Hallo Mathias

Eigentlich wurde schon alles wichtige gesagt, ich möchte aber trotzdem noch meine Meinung deponieren. Ich kenne persönlich zwar keine der in der Führerliteratur beschrieben T5 und T6-Touren, aber vom Klettern her war ich sicher schon in solchem Gelände unterwegs.
Seilsicherung macht für mich nur dann Sinn, wenn ein Absturz verhindert werden kann. Bei der Standplatzsicherung bedingt dies eine Möglichkeit einen solchen einzurichten und solide Zwischensicherungen legen zu können. Wenn ich mir die Felspartien am Niesen und am Fromberghore ansehe (eben die Wysse Zend) so dürfte es sehr schwierig sein, Friends und Keile so zu platzieren, dass bei Belastung nicht gleich noch kiloweise Gestein mitkommt. Also bleiben noch improvisierte Standplätze an Felsköpfen, sowie das kurze oder direkte Seil. In diesen Fällen darf der Vorsteiger aber unter keinen Umständen stürzen, da sonst ein Totalabsturz der Seilschaft droht. Für den Vorsteiger bedeutet dies, dass er absolut sicher unterwegs sein muss und gleichzeitig einen Rutscher des Nachkommenden halten können muss... Die psychologische Wirkung eines Seils darf aber auch nicht unterschätzt werden - es erhöht subjektiv die Sicherheit (während es objektiv sogar gefährlicher sein kann...), und damit konzentriert man sich mehr auf die unmittelbare Umgebung der Füsse und nicht auf die Absturzangst.

In steilen Grashalden (bzw überhaupt auf schwierigeren Touren, je nach Verhältnissen aber auch im T3-Gelände) kann ich die Mitnahme des Pickels nur empfehlen - die zusätzlichen 650 g haben sich bei mir schon mehrfach gelohnt, vor allem im Spätherbst. Steigeisen können den Aufstieg im steilen Gras erheblich vereinfachen, im Abstieg muss man aber wirklich aufpassen dass man nirgends hängenbleibt oder besser frontal (dh mit dem Gesicht zum Gelände) gehen.

Allerdings sollte man auch nicht zuviel Material mitschleppen, da das Zusatzgewicht mehr Leistung erfordert, und ein schwerer Rucksack eine für den Abstieg eher ungünstige Schwepunktverlagerung bedeutet...

Daher muss deine Frage für jede einzelne Tour separat beantwortet werden - einmal liegt die Hauptschwierigkeit in steilen Gras- und Geröllhalden, ein andermal sind es Felspassagen...


Ich wünsche dir schöne Erlebnisse in den Bergen!
Pavel

Mathias hat gesagt:
Gesendet am 16. April 2007 um 12:21
Danke für eure ausführlichen und interessanten Antworten. Vieles was Ihr schreibt, entspricht in etwa meinen Erfahrungen.
Ich mache mir keine Illustionen: trotz nützlicher Hinweise werde ich auf solchen Routen weiterhin "Umkehrkandidat" bleiben, sei es weil ich zu ängstlich bin, oder aber weil ich meine Fähigkeiten nicht ausreichen. Das allerwichtigste ist ja, dass man sich nicht durch Selbstüberschätzung in Gefahr bringt.

Zu den beschriebenen Routen in den SAC-Führern, von Ueli Mosimann und anderen Autoren: die Einschätzung, ob etwas nun T5 oder T6 oder sonst etwas ist, ist meines Erachtens doch sehr individuell. So war mir zB die Kletterstelle zum Ärmighorn-Gipfel (bei Mosimann T5-) zu riskant: klettertechnisch traue ich mir das an sich schon zu, wenn denn da nicht der Abgrund wäre... Andere Routen wie Bütlasse oder Wild Andrist (bei Mosimann beide T5) empfand ich dagegen als unproblematisch: zwar müssen auch hier zuweilen die Hände zu Hilfe genommen werden, aber diese Stellen sind nicht so arg exponiert.


Kommentar hinzufügen»