Lawinenunglück Drümännler


Publiziert von marvel, 4. Januar 2010 um 22:53. Diese Seite wurde 2620 mal angezeigt.

Da ich doch auch recht oft im hinteren Diemtigtal unterwegs bin, hat mich das Lawinenunglück am Drümännler etwas betroffen gemacht. Obwohl die Anzahl der Opfer noch immer nicht klar ist, und in der Presse auch viele Falschinformationen zu lesen sind, wird es wohl als bisher schwerstes Lawinenunglück dieses Jahrtausends in der Schweiz in die Geschichte eingehen.

Während verschiedenerorts auch teilweise reichlich unqualifizierte Kritik geäussert wird, scheinen alle verantwortlichen Stellen zu betonen, dass hier ganz aussergewöhnlich unglückliche Umstände zu diesem Unfall geführt haben. Meine Gedanken gehören vermutlich auch eher zu den unqualifizierten, dennoch wäre ich an Kommentare interessiert, in der Hoffnung, mir und vor allem anderen solche Situationen nach Möglichkeit ersparen zu können:

1) Das Lawinenbulletin für die Region war wohl tückisch. Noch am Vorabend war die Lawinengefahr mit Erheblich für alle Expositionen bis auf 1800m deklariert worden, am Morgen wurde sie dann auf Mässig heruntergestuft. Der Grund ist mir nicht ganz klar (hatte es in der Nacht weniger Schnee gegeben als erwartet?). Am Abend wurde sie für den nächsten Tag schon wieder hochgestuft. Auf jeden Fall wäre diese zeitweilige Herabstufung auch für mich die entscheidende Ermutigung gewesen, einen Hang bis 35 Grad ohne grössere Vorsichtsmassnahmen zu begehen. Interessieren würde mich daher die Begründung der Herabstufung, und ob diese im Nachhinein immer noch als korrekt angesehen wird. Oder müsste ich als Skifahrer in solchen Situationen tendenziell davon ausgehen, dass die Lawinengefahr eher am oberen Ende von "Mässig" liegt, und entsprechend zusätzliche Vorsicht walten lassen?

2) Seit längerem wird die Gefahr von Nachlawinen von der Lawinenforschung als vernachlässigbar angesehen. (Dies war noch nicht immer so.) Ich bin sicher, dass diese Lehrmeinung mit entsprechenden Statistiken untermauert ist. Dieses Unglück ändert zwar nichts an der objektiven Unwahrscheinlichkeit solcher Situationen. Es zeigt aber: wenn es doch einmal passiert, sind die Konsequenzen, die sich aus dem auf dieser Annahme basierenden Verhalten der Nicht-Verschütteten ergeben, potentiell verheerend. Eine manchmal grosse Zahl von Menschen bewegt sich unterhalb von steilem Gelände auf kleinstem Raum mit ausgeschalteten LVS-Geräten. Im Fall einer Nachlawine werden diese verschüttet und sind nur mit grosser Mühe zu lokalisieren. Zwar ist es auch wichtig, aufgrund solcher Ereignisse nicht überzureagieren, aber die Statistik zum Thema "Todesopfer durch Nachlawinen" wird sich wohl nun doch etwas verändert haben, und es wäre interessant zu wissen, ob sich dadurch auch an der Lehrmeinung zum Verhalten nach einem Lawinenniedergang möglicherweise etwas ändern wird.

Für Kommentare wäre ich wiegesagt dankbar.

Gruss,
marvel




Kommentare (15)


Kommentar hinzufügen

Sputnik Pro hat gesagt: Unglücklicher Zufall
Gesendet am 4. Januar 2010 um 23:22
Ich habe das ganze Medienereignis miterfolgt, leider werden hierbei, wie Du erkannt hast, auch immer nicht ganz korrekte Tatsachen verbreitet. Dies scheint einfach einen Zeitgeist zu sein um das "sensationsgeile" Volk zu befriedigen. Leider kenne ich diese Art von Journalismus nur zu gut da ich oft in moslemischen Länder unterwegs war (leider ohne Bergtouren) und mich dort ein wenig auskenne. Bei uns wird aus dieser Kultur nur negatives berichtet was dem Alltag dort überhaupt nicht entspricht - und so machen sich die Leser oder TV-Zuschauer ein falsches Bild daraus und entwickeln daraus Vorurteile...

Zum Unglück selbst denke ich dass es einfach nur Zufall war da die Lawinen von zwei gegenüber liegenden Hängen ins Tal donnerten: Vom Drümännler und vom Bodezehore. Deshalb kann man auch nicht von einer Nachlawine sprechen, sondern nur von zwei unabhängigen Lawinen die unglücklicherweise in kurzem Abstand abgegangen waren.

Zur Lawinensituation: Nun, jedem ist überlassen was für Touren er bei "mässig" durchführen will. Ich persönlich warte lieber einige "Mässig-Tage" ab, bis ich eine Skitour unternehme - denn für mich sind die ersten 2 "Mässig-Tage" immer noch zu Heikel für steilere Hänge. Bei solchen Situationen wähle ich lieber eine Tour mit Schneeschuhen über Grate oder weiche unter die Baumgrenze aus.

mde hat gesagt: Einige Gedanken
Gesendet am 4. Januar 2010 um 23:55
Ich möchte den Freunden und Bekannten der an diesem tragischen Unglück Verstorbenen mein herzliches Beileid bekunden.

Das Ereignis, insbesondere die Tatsache, dass vorwiegend Helfer betroffen waren, hat mich ebenfalls stark beschäftigt. Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass ich mich an ihrer Stelle genau gleich verhalten hätte...

> Noch am Vorabend war die Lawinengefahr mit Erheblich für alle Expositionen bis auf 1800m deklariert worden, am Morgen wurde sie dann auf Mässig heruntergestuft. Der Grund ist mir nicht ganz klar (hatte es in der Nacht weniger Schnee gegeben als erwartet?)

Den Grund hierfür kenne ich zwar auch nicht, an weniger gefallenem Schnee in der Nacht liegt es aber mit Sicherheit nicht. Zwischen der Ausgabe des Bulletins am Vorabend und dem nächsten Morgen gab es keine Niederschläge mehr.

> Am Abend wurde sie für den nächsten Tag schon wieder hochgestuft.

Dies lag aber vermutlich nicht, oder nicht nur am Lawinenunglück, sondern den für heute Montag erwarteten Schneefällen und der Windzunahme. Das Bulletin vom Sonntag Abend war ja für heute Montag gültig.

> Auf jeden Fall wäre diese zeitweilige Herabstufung auch für mich die entscheidende Ermutigung gewesen, einen Hang bis 35 Grad ohne grössere Vorsichtsmassnahmen zu begehen

Einen wirklich 35 Grad steilen Hang würde ich generell nie ohne eine gewisse Zurückhaltung begehen, bzw. befahren. Und ganz sicher nicht wegen eines (regionalen) Bulletins, das man mit Sicherheit als "oberes mässig" beurteilen musste.

Mir ist überhaupt dieses digitale Denken nach dem Motto "erheblich = Achtung Gefahr" und "mässig = da geht (fast) alles" ein Gräuel. Immer wieder höre ich dies so, oder sehe Leute danach handeln, fast als ob es irgendwo einen Kippschalter gäbe, mit dem man die Lawinenaktivität beim Rückgang auf "mässig" abschalten könnte.

Das gefährliche, aber genau auch das spannende in den Bergen ist die ständige Auseinandersetzung mit den alpinen Gefahren. Vorsicht und Wachsamkeit ist ständig angebracht, was insbesondere das Beurteilen der Lawinensituation vor Ort betrifft, ganz unabhängig vom Bulletin.

Zuletzt: ich will niemanden verurteilen, aber wenn ich mir das auf der Karte zu Gemüte führe, scheint mir die Tour auf den Drümännler bei "erheblich ab 1800m" doch eher im zumindest orangen Bereich anzusiedeln.

Zwischen 2000m und 2100m bewegt man sich definitiv in steilem Gelände, mit je nach Routenwahl deutlich über 30 Grad Neigung, und/oder noch steileren Passagen weiter oben. Die Stelle ist sicher als noch heikler zu beurteilen, wenn die Hänge am Westgrat wie am letzten Freitag durch starke Schneeverfrachtungen von Nordwinden eingeblasen werden.

Möglicherweise passierte das Unglück gar nicht an der von mir erwähnten Stelle, die Angaben in der Presse sind widersprüchlich. Es geht mir wie gesagt auch keineswegs um eine Verurteilung, sondern um eine ganz grundsätzliche Erörterung der Tour aufgrund von Topographie und Lawinengefahr.

PS: ich habe die Tour Bodezehore/Drümännler vor etlichen Jahren mal begangen. Meine Erinnerung ans Gelände ist nicht mehr so exakt, dass ich mich nun gerne auf die Karte berufe. Und wie beschrieben, nach Munters 3x3 wäre die Tour zumindest am Vorabend mit dem Bulletin auf "erheblich" durch meinen Raster gefallen.

bulbiferum Pro hat gesagt:
Gesendet am 5. Januar 2010 um 11:42
Ich möchte hier kein Urteil abgeben. Tragisch ist, dass es auch einige der Personen, die helfen wollten, getroffen hat. Mein tiefes Beileid an die Angehörigen.

Noch eine Anmerkung zu "Mässig"

Mir fällt immer wieder auf, wie sorglos sich viele Leute bei "mässig" verhalten. Ich höre immer wieder es sei ja nur "mässig".
Bei dieser Stufe ist die Schneedecke aber nur "mässig" verfestigt. Also noch lange nicht gut. Eine vorsichtige Routenwahl ist notwendig und grosse Gruppen sollten unbedingt einen Entlastungsabstand einhalten.

Der Schneedeckenaufbau ist in diesem Winter schlecht. Wie auch mde schon sagte, auch bei mir wäre diese Tour durch das Raster gefallen. Der Hang unter dem Grat zum Drümännler P2337 ist 35° steil, zum Teil auch ein wenig darüber.

Felix Pro hat gesagt: Unglück am Drümännler
Gesendet am 5. Januar 2010 um 15:05
Wir wollten an besagten Tag ursprünglich auch ins Diemtigtal, liessen es jedoch aus verschiedenen Gründen bleiben. Ursula und ich diskutierten selbstverständlich auch darüber; hätten bei der aktuellen Situation höchsten eine Tour über flache Grate wie Meniggrat - Stand oder Turne - Pfaffen unternommen. Ich habe im nachhinein nochmals das Lawinenbulletin vom SLF gelesen: da wäre ich nicht auf den Drümännler - umso mehr als ihn Ursula kennt, und mich vorher fragte, wie ich denn bei den Steilhängen mit den Schneeschuhen wieder runter käme ...
Ich gehe mit mde einig, dass ein "mässig" kritisch, d.h. auf die spezielle Tour hin zu betrachten ist. Meine Erfahrungen im Schnee und ein vorbildlicher Lawinenkurs des SAC bestätigen mich, die nötige Vorsicht walten zu lassen.

Allen wünsche ich unfallfreie Touren;
lg Felix

Janine hat gesagt:
Gesendet am 5. Januar 2010 um 15:39
mein Beileid an alle Angehörigen.

Das Unglück macht mich sehr betroffen - ich bin oft im Diemtigtal. Mein Vater und ich brachen die Tour am Drümännler mal ab, da uns die Steilhänge und Schneebegebenheiten an diesem einen Tag zu kritisch erschienen (obwohl "mässige" Gefahr gemeldet war).

lg Janine

Steibogg hat gesagt: Etwas zur Gefahreneinschätzung
Gesendet am 5. Januar 2010 um 15:53
Die Details welche zum tragischen Unglück führten, kenne ich nicht näher. Bin im So und Wi in den Alpen unterwegs und plane seit bald 25 Jahren die meisten Touren selber oder mit erfahrenen Kameraden. Zwischen 1990 und 1996 war ich als Uof Angehöriger des Armeelawinendienstes und somit des öfteren, bezüglich Lawinensicherheit,oberster Verantwortlicher eines Gebirgskurses, eines WK's o.ä. Es gilt unbedingt zu beachten das ein SLF-Lawinenbulletin lokal durchaus um eine Stufe höher oder tiefer liegen kann. Im Ereignissfall kann man nicht einfach das SLF verantwortlich machen. Die Rechtssprechung beachtet heute stark, ob ein Tourenführer sich während der Tour wiederholt diverse Fragen gestellt und Abklärungen getroffen hatte. Dies um Routenänderungen oder sogar einen Tourabbruch in Erwägung zu ziehen. Schneeverfrachtungen können bei Stufe "mässig" in Rinnen und Mulden oder leeseitigen Steilhängen bereits bei 30° zu Lawinen führen. Wo auf ebenen Flächen kaum 10cm Neuschnee liegt kann in den genannten Expositionen 30-50cm windverfrachteter Schnee liegen. Dies stellen Unerfahrene meist erst fest, wenn Sie schon 10 - 20 m tiefer in den Hang hineingefahren sind. Uebrigens heisst "mässig" nicht einfach, dass alle Hänge der angegebenen Exposition mässig gefährlich sind, sondern das Risiko auf auslösebereite Hänge zu treffen ist nur mässig. Es ist als Tourenführer auch wichtig, das man den gesamten Schneedeckenaufbau einer Region vorab studiert um tieferliegende Schwachstellen zu kennen. Die 3x3 Regel von Munter (übrigens ein Ex Hptm des A-Lawdienstes) ist ein praktisches Mittel um Entscheidungen vor Ort besser zu treffen. Nachlawinen sind übrigens nie zu vernachlässigen. Ich habe dies persönlich so gelernt und auch entsprechend Dritte instruiert.Ich hätte wahrscheinlich die Tour auf den Drümännler nicht unternommen und mir ein anderes Ziel gesucht. Solche Kessel mit 30 -35° Neigung sind ein Tag nach Herabsetzung der Bulletinstufe nicht einfach als "fast sicher" zu betrachten.

petitNic hat gesagt: 3x3 ausrechnen unter Adrenalin...
Gesendet am 5. Januar 2010 um 16:43
Ich schätze gerade sehr, dass sich hier nicht wie auf NZZ online oder so alle zu "ich hätts gemerkt"-Helden aufspielen!
Neben der ganzen Diskussion über die Stufe "Mässig" Sputniks punkt sehr wichtig und ebenso tragisch - dass da der Zufall wohl zu einem grossen Teil für das Unglück verantwortlich ist. Das war doch einfach Pech im Pech im Pech.
Dazu stelle ich mir vor, was bei mir im Kopf vorginge, wenn ich sehe dass einige Menschen Hilfe brauchen beim Ausgraben eines Verschütteten oder wenn es darum geht, einem Rega-Arzt die Taschen tragen zum Unglücksort zu tragen. Da renne ich doch so schnell wie möchlich hin und helfe wo ich kann - dass am entgegengesetzten Hang eine Lawine runterkommen könnte wäre mir in dieser Situation garantiert nie eingefallen!
Ich kannte zwei derjenigen, die heute Mittag schlussendlich auch noch ausgegraben worden sind. Ich wollte daher noch hinzufügen: Sie waren beides sehr erfahrene Bergsteiger mit langjähriger Erfahrung! Es hätte definitiv jeden von uns treffen können!

kopfsalat Pro hat gesagt: apropos NZZ-online
Gesendet am 6. Januar 2010 um 06:58
dort gabs am 11. Dezember 2009 einen ebenso interessanten wie erschreckenden bericht über die ursachen von lawinen-tragödien und das versagen der 3x3 formel.

dem faktor mensch auf der spur

petitNic hat gesagt: RE:apropos NZZ-online
Gesendet am 6. Januar 2010 um 10:20
Super Artikel!
Ich meinte in meinem letzten Eintrag das Forum von NZZ online - nicht die Artikel...

Steibogg hat gesagt: Skitourenführer und Risikoeinschätzung
Gesendet am 6. Januar 2010 um 12:30
Verschütteten und Verletzten zu helfen und gleichzeitig grosse Sicherheit der Retter zu erreichen ist nie zufriedenstellend zu lösen.Beim Thema Lawinen lernt man nie aus! Im erwähnten NZZ-Artikel weist Munter ganz richtig auf den Faktor Mensch und das Bauchgefühl hin. Dieses halte ich neben jedem Fachwissen auch für äusserst wichtig.Lawinenunglücke sind immer tragisch. Sie nachträglich genau zu betrachten lohnt sich trotzdem. Nebst allen Kursen sind die Jahresbroschüren des SLF über die Lawinenunglücke in den Schweizer Alpen empfehlenswert und online zu bestellen. Egal ob sie aktuell oder bereits über viele Jahre zurückliegen. Man findet alle Info's zu den am Unglückstag herrschenden Verhältnissen:Wind,Neuschnee, Schneedeckenaufbau,Gruppenzusammensetzung, Route,Kartenausschnitt mit Lawinenumriss etc. Wer sich nun dort Unglücke bei Stufe "mässig" herauspickt und analysiert, der schluckt vielleicht plötzlich leer und merkt das er vielleicht ähnlich wie die Verunglückten entschieden hätte. Und dann kommt der Punkt wo man sich intensiver mit der Sache zu beschäftigen beginnt. Mit einem Kollegen hatte ich übrigens vor gut einem Jahrzehnt, nach über drei Tagen Bulletinstufe "gering" ein Schneebrett in einem Steilcouloir am Aroser Rothorn ausgelöst. Dieses war auf hartgefrorenem Untergrund bei nur 10-20cm windverfrachtetem Neuschnee losgebrochen und fast 400m tiefer nach einer Felsstufe zum Stillstand gekommen.Mein auslösender Kollege wurde nur deshalb nicht mitgerissen weil er den Hang knapp 2-3m Meter unter den Gratfelsen in leichter Schrägfahrt angeschnitten hatte. Dies war auch grosses Glück.
Ein anderes Mal hatten wir Ende Dez. bei unregelmässiger Schneedecke und Wind am Piz Uter im Engadin auf einem Absatz während der Abfahrt ein mulmiges Gefühl und entschlossen uns umzudrehen. D.h. Felle anziehen wieder 200m schräg zur Aufstiegsspur hin aufsteigen, um in eher langweiliger Schrägfahrt der Aufstiegsroute entlang abzufahren. Kaum hatten wir die Felle drauf hörten wir einen lauten Knall, sahen aber nichts. Als wir ein paar Minuten unter dem gemiedenen Hang das Tal hinausfuhren, sahen wir eine 200m breites Schnebrett, welche den ganzen Hang bis neben unsere Spur hinuntergeglitten war.Eine klassische Fernauslösung, diesmal von oben. Die Bulletinstufe war gerade seit einem Tag auf "mässig" eingestuft!

http://www.slf.ch/dienstleistungen/buecher/index_DE

Gelöschter Kommentar

Pavel hat gesagt: RE:abs airbag
Gesendet am 9. Januar 2010 um 17:21
Hallo Axi

Praktische Erfahrung damit hab ich nicht, aber mindestens in der Theorie funktioniert das Konzept schon - damit vergrössert man sein Volumen und reduziert dabei gleichzetig die Dichte des Körpers, also mehr Auftrieb. Darüberhinaus wird der Körper zu einer Platte, was den Auftrieb zusätzlich vergrössert. Bedingung ist aber, dass man sich mit den Schneemassen mitbewegt (d.h. mitgerissen wird). Soweit ich mich erinnern kann (man möge mich korrigieren) ist die Datenlage aus Praxisfällen jedoch zu gering, um eine verlässliche Aussage über den Nutzen zu machen. Aber wie schon gesagt, das Konzept überzeugt eigentlich, gewichtigste Gegenargumente sind meines Wissens nur das Gewicht und eine mögliche Veränderung der Risikobereitschaft (und der Preis...).

Auch der Name Airbag sagts schon - es ist ein System, welches im Notfall die Überlebenswahrscheinlichkeit erhöht, genauso wie der Airbag im Auto. Am meisten Sicherheitsgewinn hat man meiner Meinung nach immer noch in der Tourenplanung und in der konsequenten Anwendung der 3x3-Regel (und Reduktionsmethode), indem man eine mögliche Lawinenauslösung von vornherein unbedingt zu vermeiden versucht - und nicht indem man sich mit Airbag und Avalung ausrüstet und sich vom "grünen" in den "dunkelgelben" Bereich zu bewegen beginnt (es liegt nunmal in der Natur des Menschen, dass man zu einem solchen Verhalten neigt). Dann ist man risikomässig wieder gleich weit, nämlich geringere Verschüttungswahrscheinlichkeit bei gleichzeitig höherer Auslösewahrscheinlichkeit...

Im Beispiel hier hätte es wohl kaum was gebracht, weil die unten am Hang standen und gar nicht mitgerissen, sondern einfach verschüttet wurden - so stelle ich mir die Situation jedenfalls vor. Im Bergundsteigen 04/09 (weiss nicht ob du das Heft auch liest) hats einen Bericht über Riskoabschätzung bei der Lawinenrettung drin, hab den aber noch nicht gelesen.

markom hat gesagt: Lawinenball....
Gesendet am 10. Januar 2010 um 12:32
Salü, schaut mal bei www.Lawinenball.com. Dieses System verhindert zwar nicht die Verschüttung selber, aber man wird wenigstens ziemlich schnell gefunden ( vorausgesetzt natürlich, dass jemand mit einer Schaufel in der Nähe ist). Zumindest schließt so ein Ball schon mal eventuelle LVS-Bedienfehler der Suchenden aus...
Viele Grüße und immer schön unfallfrei bleiben. markom

Gelöschter Kommentar

Bertrand Pro hat gesagt: RE:Lawinenball....
Gesendet am 11. Januar 2010 um 16:40
Bei der vor 2W im savoyischen Les Arc niedergegangenen Lawine hatten alle 3 Variantenfahrer einen Airbag dabei, und auch (scheinbar) pünktlich ausgelöst, alles umsonst (Verschüttungstiefe = bis 9m...). Aber dort handelte es sich um eine gigantische Lawine, die ein ganzes Tälchen 800m breit mitriss (mit Trichtereffekt bei der Verengung unten, mitverantwortlich für die enorme Verschüttungstiefe).


Kommentar hinzufügen»