Pazolastock 2740m (Abfahrt Tschamut)


Published by Bombo , 22 December 2012, 21h41.

Region: World » Switzerland » Uri
Date of the hike:22 December 2012
Ski grading: PD+
Waypoints:
Geo-Tags: CH-GR   CH-UR 
Height gain: 760 m 2493 ft.
Height loss: 1500 m 4920 ft.
Route:Andermatt - Oberalppass (mit Bahn) - Pazolastock - Tschamut - Nätschen (mit Bahn) - Andermatt
Access to start point:mit ÖV oder PW bis Bhf Andermatt (Tagesparking CHF 5.00), anschliessend mit MGB bis Oberalppass (einfach, Halbtax, CHF 4.00)
Access to end point:von Tschamut mit MGB via Oberalppass nach Nätschen (dort gemütliche, sonnige Einkehrmöglichkeit), anschliessend auf der Skipiste oder im Gelände zurück nach Andermatt.
Maps:LK 1:50'000, Bl 256 S "Disentis / Münster"

Pazola-Paradise die Dritte


Ich gebe zu, 3 Mal den selben Gipfel innerhalb 3 Wochen zu besteigen, das grenzt tatsächlich nicht gerade an grosse Gipfelfantasie und mag ziemlich langweilig klingen. Und ja, auch ich gehörte vor rund 3 Jahren noch zu denen, welche gesagt haben, dass ich jeden Berggipfel nur einmal besteigen werde - schliesslich ist die Auswahl in der Schweiz und den Nachbarstaaten genug gross, um sein Gipfel-Palmarès zu erweitern. Heute denke ich anders. Bei einem bereits bestiegenen Gipfelziel kennt man bereits das Gelände, weiss wo die Schlüsselstellen sind, ist sich dem ungefähren Aufwand bewusst und dann kommt noch hinzu, vor allem bei den Ski- und Snowboardtouren, dass man aufgrund der gesammelten Erkenntnisse neue Varianten ausprobieren kann. Für mich als leidenschaftlicher Winteralpinisit eine unglaubliche Bereicherung!

Die erneute Gipfelwahl für den Pazolastock 2740m hatte heute aber noch andere Gründe. Ich wusste, dass ich am Abend zuvor einen ziemlichen "anstrengenden" Männer-Weihnachtsabend feiern würde und aus Erfahrung der letzten Jahre wäre es das Sinnvollste, überhaupt keine Tour vorzunehmen, da Ausschlafen bzw. Auskurieren am Folgetag vermutlich das beste wäre. Nun kommt aber noch der Wettergott ins Spiel, welcher für heute Vormittag Traumbedingungen und für die kommenden Tagen warme bzw. sehr warme, Temperaturen angekündigt hat. Pulver ade - aber sicher nicht, ohne dass ich das heilige Weiss nochmals für mich in Anspruch genommen habe. So wählte ich aus obengenannten Gründen sowie dem verkürzten Aufstieg von "nur" 700hm erneut den Pazolastock 2740m aus, spielte jedoch in Gedanken mit der Erweiterung zum Rossbodenstock 2836m. Zusammen mit einem Kollegen von mir, welcher selber noch weitere Kollegen auf den Plan rufte, sollte also der heutige Tag realisiert werden.

Die Nacht war kurz. 4h, wovon ich fast 1 Stunde wach im Bett lag, aus Angst, ich könnte aufgrund meiner Weihnachtsfeier-Nachwirkungen den Wecker nicht hören. Das Frühstück bestand heute aus einem Aspirin und das war's dann auch schon. Die Fahrt mit dem Auto hoch nach Andermatt entsprechend eine Katastrophe, vorbildlich ist so etwas in keiner Art und Weise. Endlich gab's dann beim Bahnhof in Andermatt frische Luft, wobei "frisch" sich tatsächlich nur auf die reine Luftqualität bezieht, betreffend den Temperaturen konnte man fast schon von frühlingshaften Verhältnissen sprechen. Im Zug von Andermatt zum Oberalppass lernte ich auch noch die anderen Mitgänger und Mitgängerinnen kennen und mir war beim Betrachten der athletischen Körper sowie dem ultraleicht-Material schnell bewusst, dass mein Trainingsstand mindestens 3 Weltuntergänge zurück liegt und ich so heute wohl doppelt zu kämpfen hätte. Au weia. 

Bei schönstem und windlosem Wetter ging's um 09.00 Uhr beim Oberalppass 2043m zügig los. Anfänglich konnte ich noch mithalten, doch spätestens nach dem ersten Drittel des Aufstieges war mir klar, dass eine strenge Männer-Weihnachtsfeier und eine anschliessende Zügig-Skitour sich überhaupt nicht verträgt. Ich liess mich zurückfallen (was heisst hier "liess", ich fiel automatisch zurück...), büsste mit grosser Übelkeit für den Vorabend und durfte dann mit Müh und Not bereits schon nach 1 1/4h die wartenden Hände der Kollegen auf dem Gipfel des Pazolastock 2740m schütteln. So waren meine Gipfelgratulationen auch gleichzeitig die Verabschiedung aus der Gruppe, denn einerseits konnte ich mit dem Patrouille-Tempo schlichtweg nicht mithalten und andererseits wusste ich, dass für mich hier jetzt Aufstiegsmeter-Feierabend ist, wollte ich doch immerhin noch die stiebende Pulverabfahrt geniessen. Ich genoss somit eine wohlverdiente Mittagspause bei der Pazolahütte, während die Gruppe sich Richtung Rossbodenstock davon machte. 

Endlich konnte ich wieder Energie tanken und meinen Puls in normale Zustände bringen. Auf dem Gipfel lernte ich noch 2 Italiener aus Mailand kennen, welche es zwar bis auf den Gipfel schafften, aber überhaupt keine Kenntnisse hatten, wie sie nun die Abfahrt gestalten wollen. Auch ihre geografischen und topografischen Kenntnisse der Gegend um den Pazolastock liess sehr zu wünschen übrig. So wollten Sie entlang der Aufstiegsspur wieder zurück zum Oberalppass fahren, was angesichts der zahlreichen weiteren Abfahrtsmöglichkeiten so ziemlich die langweiligste und uninteressanteste Wahl wäre. Ich erklärte Ihnen mein Vorhaben - die Abfahrt nach Tschamut - und lud sie ein, meinen Spuren zu folgen. Sehr dankbar und glücklich nahmen sie die Einladung an und gewährten mir dafür ständig First Lines - das nenne ich noch einen Deal :-)

Das Gelände war mir mittlerweilen von der Tour vom 12. Dezember 2012 bekannt, weshalb ich mir eingangs noch eine neue Variante ausgesucht habe. Auch im unteren Teil gäbe es noch zahlreiche verschiedene Varianten, da mir aber letztes Mal meine gewählte super gefiel, genoss ich auch heute wieder die selbe Abfahrt. Die Verhältnisse, ich konnte es fast nicht glauben, da ich schon beim letzten Mal von Perfektion sprach, waren einfach nur phänomenal. In der Zwischenzeit gab's gerade nochmals bis zu 50cm dazu (sah man unter anderem auch gut bei der Pazolahütte) und der Schnee war nochmals eine Spur leichter als vor 10 Tagen. Derart geniale Verhältnisse hätte ich nicht erwartet. Dank der Höhenlage blieben auch die Temperaturen immer im "winterlichen" Bereich, was sich nun natürlich positiv auf die Schneequalität ausbezahlt hat. Während in tiefer gelegenen Gebieten teilweise bereits mit Bruchharsch oder gedeckelten Verhältnissen gekämpft wird, konnte man heute in diesem Gebiet vom Start bis zum Ziel mit Traumverhältnissen Vorliebe nehmen.


Wie ich schon bei der letzten Tour erwähnt habe, macht es keinen Sinn, in das flache Tal zu fahren und anschliessend dem Rein Anteriur bis nach Tschamut zu folgen. Besser man peilt bei Tgatlems 1995m die Alphütten von Milez 1860m an und fährt dann auf der Alpstrasse nach Surpalits 1831m und von dort auf der Passstrasse hinunter nach Tschamut 1645m. Das Glück lag heute auf unserer Seite, denn von den Hütten bei Milez bis hinunter nach Tschamut war von einem Schnee-Quad alles perfekt gespurt, kommt noch hinzu, dass sogar in den Tunnels genug Schnee lag, sodass man problemlos mit den Skis hindurchfahren konnte. Während ich letztes Mal mich unten im flachen Tal noch schweisstreibend abgemüht hatte, konnte ich heute ohne Stockeinsatz, meist sogar in rauschender Fahrt, diese Abfahrtsmeter geniessen. Meine beiden italienischen Begleiter verabschiedete ich bei Surpalits 1831m, da sie sich für den Skiaufstieg zum Oberalppass entschieden haben. Ich zog die gemütlichere Variante mit der Matterhorn-Gotthard-Bahn vor.

Die MGB brachte mich sodann vom Bahnhof Tschamut 1702m hoch zum Oberalppass 2043m und weiter zur Station Nätschen 1842m, wo ich dann ausstieg und die Hänge hinunter nach Andermatt 1436m erneut in genussvollem Pulverschnee genoss.


Fazit: 

Alle guten Dinge sind drei - die heutige dritte Pazolatour war einfach nur phänomenal (mit Ausnahme meiner physischen Verfassung...). Der Sicherheit zuliebe verzichtete ich bei der Abfahrt nach Tschamut noch auf ein weiteres, neu gesichtetes steiles Projekt, bei der heute gewählten Variante war aber lawinentechnisch alles vollumfänglich im grünen Bereich. Auch wenn die Westabfahrt direkt hinunter nach Andermatt logistisch mehr Sinn macht, so möchte ich in nächster Zukunft bei Pazolastock-Abfahrten sicher nicht auf die Ostvariante hinunter nach Tschamut verzichten. Ich kann's jedem nur weiter empfehlen!

Danke Andi Dir und Deinen Kollegen - gerne wieder, dann aber ohne Weihnachtsfeier voraus... E tanti saluti in Italia a Luca e Susanna!


Tourenzeiten:

Aufstiegszeit Oberalppass - Pazolastock: 1h 15min (keine Pause, erst am Gipfel...)
Abfahrt Pazolastock - Tschamut: 50min (inkl. Pausen)
Start: 09.00 Uhr
Pazolastock: 10.15 Uhr bis 10.45 Uhr
Bahnhof Tschamut: 11.35 Uhr (Abfahrt MGB 11.43 Uhr)
Station Nätschen: 12.05 Uhr
Andermatt: 12.15


SLF: "Erheblich"


Tour im Aufstieg mit Begleitung, in der Abfahrt im Alleingang.




Route Nr. 163a & 163c - SAC Alpine Skitouren Zentralschweiz - Tessin - W. Auf der Maur
Route Nr. 900a & 900c - SAC Zentralschweizer Voralpen und Alpen - Martin Maier
Route Nr. 516 & 516A - SAC Die schönsten Skitouren der CH



Hike partners: Bombo


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Comments (6)


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Linard03 Pro says:
Sent 23 December 2012, 09h50
herrlichstes Wetter und Pulver, was Deine schönen Fotos untermalen - da kann man doch locker über den Kater hinweg sehen ... ;-)

Frohe Festtage & LG, Richard

Schneeluchs says: Toll :)
Sent 23 December 2012, 10h09
Unterhaltsamer Bericht, schöne Fotos!
LG, gute Festtage

tellysm says:
Sent 23 December 2012, 19h52
Hello! we are Susy and Luca.
thank you for photos! they're very beautifull !
happy christmas !

Bombo says:
Sent 24 December 2012, 09h54
Danke Euch für Euer Feedback! Frohe Festtage und einen guten Rutsch in ein hoffentlich glückliches, erfolgreiches und vor allem gesundes neues Jahr!

Liebe Grüsse e tanti salutti
Bombo

Felix Pro says:
Sent 27 December 2012, 14h08
toll, toll!
Weiter so (mit möglichst wenigen Katern [der unsympathischen Art]) auch im 2013: alles Gute und beste Bergerlebnisse, Dominik!

lg Felix

Bombo says: RE:
Sent 28 December 2012, 11h09
Danke Felix, auch Dir alles Gute und beste Gesundheit!


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