Visoki Kanin, eine eindrucksvolle Karsttour oberhalb von Bovec


Published by Kaiserin , 16 October 2023, 19h24.

Region: World » Slowenien » Julische Alpen » Caningruppe
Date of the hike: 7 September 2023
Hiking grading: T4 - High-level Alpine hike
Climbing grading: I (UIAA Grading System)
Waypoints:
Geo-Tags: SLO   I 
Time: 8:00
Height gain: 1650 m 5412 ft.
Height loss: 1650 m 5412 ft.
Route:16,0 km
Access to start point:Von Bovec Richtung Plužna fahren, vorher jedoch halbrechts in eine Straße einbiegen die an einigen Häusern vorbei führt und sich schnell in eine Schotterpiste verwandelt. Wenn man dann endlich die Station B der Seilbahn passiert hat (hier wäre auch eine Parkmöglichkeit) wird die Straße zwar nochmals schlechter (Grünstreifen in der Mitte), aber immerhin ist es nicht mehr weit bis zum tatsächlich existenten Parkplatz, ab dem auch eine Schranke am Weiterfahren hindert. Netterweise ist der Parkplatz ob der Mühen dann kostenlos. ;)

Der Kanin wurde mir von einem Bekannten empfohlen der gerade erst zwei Wochen vor uns in Slowenien in der Ecke war. Er schrieb dazu dass man sich per Seilbahn den unteren langweiligen Teil sparen kann. Das klang erstmal gut für Nicole und mich, haben wir doch eine kurze Tour für den Tag nach dem Triglav gesucht. Der Blick in die Karte offenbarte allerdings dass es von der Seilbahn nur noch 300 Höhenmeter zum Gipfel sind. Wir waren uns sofort einig: das ist uns selbst nach über 2200 Hm am Vortag echt zu kurz.
Die Karte zeigte auch dass es offenbar einen Parkplatz oberhalb von Bovec bei etwas über 1000 m geben müsste. Und dass von dort aus ein Wanderweg bis zum Kanin eingezeichnet ist. Das bedeutet dann aber schon wieder 1500 Hm und ist damit nichts für den Tag nach dem Triglav. Aber für den übernächsten Tag?

Gesagt, getan. Am Tag nach der großen Tour haben wir dem Prisojnik einen Besuch abgestattet, das war mit 1000 Hm überschaubar (auf einem Bericht verzichte ich da cardamine bereits eine super Beschreibung inklusive Track eingestellt hat). Nach der “Erholung” am Prisojnik ;) waren wir am Tag danach wieder motiviert genug für den Kanin. Also los!

Die Fahrt zum Parkplatz ist schon spannend, denn kurz hinter Bovec ist die Asphaltierung bereits Geschichte und man wühlt sich die 600 Hm über eine Schotterstraße hoch. Bei derartigen Anfahrten bin ich heilfroh dass ich zwischenzeitlich mit Allrad ausgestattet bin.
Am Parkplatz angekommen stand schon jemand der im Camper übernachtet hatte und sich gerade umsah wo es hoch geht. Das hat uns die Suche nach dem Einstieg des Wanderwegs erspart, denn in der Karte sah es so aus als ginge es noch ein paar Meter die Straße weiter und dann rechts hoch, tatsächlich geht man ein paar Meter zurück und dann steht ein Schild das nach links hoch den Kanin ausweist. Perfekt!

Hinter dem Schild startet der gut markierte Weg. Zunächst geht es an einer für mich ziemlich schwierig aussehenden Kletterwand vorbei. Recht stetig arbeitet man sich nach oben, es gibt kaum Flachstücke. Anders als vom Bekannten vermutetet begehen wir einen wunderschönen Wanderweg durch Bergwald, kurze Stellen sind sogar seilversichert. Weiter oben kommt man auf freiere Flächen und wandert entlang des Felsriegels des Turn v Skednju bergauf welcher sich rechts von uns erstreckt. Die Landschaft wird nach oben hin immer karstiger, und nach ca. 1,5 Stunden und 700 Hm erreichen wir überraschenderweise eine Bergwachthütte. Damit hatten wir nicht gerechnet, sie war bei mir nirgendwo eingezeichnet. Die Hütte hat eine wunderschön gelegene Terrasse mit Aussicht runter ins Sočatal und Edelweiß im Blumenbeet. Geplant war das nicht, aber 700 Hm sind ja auch nicht nichts, insofern legen wir hier gleich mal eine Pause ein.

Nach der Hütte geht es zunächst etwa 150 Höhenmeter stetig hoch und man denkt sich, super, geht gut weiter. Denkste. Auf der Höhe von ca. 1950 m erreichen wir das große Karstplateau. Und so verbleiben wir gezwungenermaßen in leichtem Auf und Ab nun eine gute halbe Stunde auf mehr oder minder derselben Höhe, also am Ende ohne großartigen Höhengewinn. Anschließend geht es nochmals, gemächlich, etwa 100 Hm hoch, nur um eine Weile auf einer Höhe von etwa 2050 m zu pendeln. Psychologisch ist das gar nicht so einfach, der Weg zieht sich richtig zäh und der Gipfel kommt nur zögerlich näher. Nach einer gefühlten Ewigkeit geht es dann über teils ziemlich plattiges Karrengelande doch endlich wieder spürbar bergauf, Richtung Mali Kanin. Dessen Ostausläufer wird ostseitig gequert, und wir landen in einem Schotterkar. Zu erwähnen ist dass ab der Bergwachthütte die Markierungen sehr viel spärlicher wurden, sie sind meist stark verblichen und die Orientierung erfolgt weitestgehend anhand von Steinmännern. Wenn man die anpeilt sieht man dann auch ab und an wieder eine alte rote Markierung. ;) Dies eben bis zum angesprochenen Schotterkar zwischen Mali und Visoki Kanin.

Hier bekommen wir es nun mit einem Problem zu tun: wir erreichen zwei italienische Bergsteiger die ich im Auf und Ab auf 1850 m bereits in der Ferne erspäht hatte. Die fragen uns auch ob wir auf den Kanin wollen. Ja, wollen wir. Aber die Kommunikation gestaltet sich schwierig, und wir wissen auch nicht spontan wo es weitergeht. Die beiden gehen steil den Schutthang links hoch, an einem Steinmann vorbei der auf einem flachen Felsblock steht. Das sieht aber sehr mühsam aus und vor allem geht es in die Richtung des falschen Gipfels. Die Markierungen sind mit einem Schlag leider allesamt verschwunden. Ich schaue in die Karte in der App - eigentlich müssten wir das Kar queren und nicht links hochgehen! Wir versuchen den beiden Italienern klar zu machen dass sie wohl falsch abgebogen sind, aber sie scheinen tatsächlich kein Wort Englisch zu sprechen. Gegenüber an der Ostflanke des Visoki Kanin erspähe ich eine Rampe, und zu dieser setzt weiter hinten im Schotter offenbar eine Wegspur an. Nur, wo es losgeht rüber ist vollkommen unklar. Nachdem wir den Italienern dummerweise schon ein Stück hoch gefolgt waren entscheide ich mich an scheinbar geeigneter Stelle zur Spur in der Ferne rüber zu queren. Das ist mühsam und an einer Stelle mit feinerem Schutt auch äußerst rutschig da man auch bei vorsichtigem Hineintreten alles in Bewegung versetzt. Keine guten Voraussetzungen. Ich arbeite mich weiter rüber, Nicole dreht an der Feinschuttstelle um, das ist ihr zu unangenehm. Während ist etwa bei der Häfte meiner Querung bei Fußspuren ankomme und somit einigermaßen kommod zu der angepeilten Wegspur im Schutt komme, quert Nicole deutlich weiter unten unterhalb des Schneefelds und wühlt sich dann sehr mühsam direttissima zu mir hoch. Wir verlieren hier durch diese Aktion - nicht wissen wo’s langgeht, nicht die optimale Route und falsch abbiegen - massiv Zeit.
Nebenbei bemerkt, bis zum Schuttkar haben wir übrigens exakt die 4 Stunden gebraucht die unten am Schild am Parkplatz angeschlagen waren. Okay, 25 Minuten davon waren Pause an dem Hüttchen, aber insgesamt scheint die Angabe doch eher sportlich zu sein.

Die gute Nachricht ist aber: als wir dann der Wegspur zu erwähnter Rampe unschwierig folgen sehen wir wieder eine Markierung am Fels! Die App hatte also recht, der Weg geht über die Rampe hoch. Alles andere sieht mit Blick auf das Gelände auch unrealistisch aus. Die beiden Italiener haben zwischenzeitlich aufgegeben. Keine Ahnung was das Problem war, sie haben mich in der Spur sitzen sehen, wir haben ihnen zugerufen dass es hier lang geht, aber irgendwie haben sie sich für den Rückzug entschieden. Sei’s drum, das ist nicht unser Problem.
Wir folgen nun also den Markierungen und Steinmännern die Rampe hinauf. Diese ist schon eher steil, aber nicht extrem, und sehr felsig. Meine Einschätzung ist dass wir hier bei T4+ und Kletterschwierigkeiten bis I+ liegen, jedoch nie sonderlich ausgesetzt. Teils auch sehr botanisch, durchsetzt mit vielen Disteln (aufpassen!). Oben raus kommt ein Drahtseil zum Vorschein. Dieses war in meiner Karte vermerkt mit dem “versichert”-Symbol. Also alles roger zwischenzeitlich! Via dieses Drahtseil also ein paar Meter direkt aber letztlich ob der Versicherung unschwierig nach oben, bevor dieses nach rechts auf ein Schuttband leitet. Auf dem Band angekommen wühlt man sich an geeigneten Stellen nach oben und kommt direkt am Gipfel raus. Das offenbar vormals vorhandene Gipfelkreuz ist leider gebrochen und besteht nur noch aus einer Holzstange, die jedoch hübsch mit tibetischen Gebetsfahnen dekoriert ist.
Gebraucht haben wir in Summe fast 5,5 Stunden, wobei wir einige Zeit im Schuttkar unterhalb des Aufstiegsbandes verloren haben und dann am Band auch nicht schnell waren. Wenn man gleich richtig abbiegt und dann im Felsband normal zügig unterwegs ist tippe ich mal dass man vielleicht 45 Minuten benötigt, was dann in Summe eine Aufstiegszeit von etwa 4:15 h ergäbe (wenn ich unsere Pause an der Hütte abziehe).

Am Gipfel ist es aufgrund der bereits fortgeschrittenen Zeit schon schön ruhig. Bis mittags rum sind vermutlich Menschenmassen unterwegs die den Grat-Klettersteig von der Seilbahn herüberkommen, vgl. Trentafans Kurzbericht (https://www.hikr.org/tour/post5405.html). Jetzt kommt während unserer Rast nur noch eine kleine Gruppe über den italienischen Klettersteig von Nordwesten her hoch.
Im Vergleich zu den anderen Gipfeln die wir während unseres Aufenthalts hier erklimmen ist man hier weit weg. Dafür geht der Blick nach Süden über die Vorberge bis zur Adria (auf dem Foto im Dunst leider nicht zu erkennen, auch in echt war das Wasser nur ganz schwach auszumachen, wir haben im Nachgang mit unserer Gastfamilie aber verifiziert dass man vom Kamin aus tatsächlich das Mittelmeer sieht). Aber natürlich ist die hohe Prominenz um Triglav, Jalovec und Mangart im Nordosten zu sehen, und der Blick runter ins Sočatal war insbesondere am Vormittag, als der Fluss einer leuchtenden Linie unten glich, echt toll.
Nachdem die Zeit bis zur letzten Talfahrt der Seilbahn auch knapp wurde (es wäre prinzipiell möglich bis zur Station B runter zu fahren und dann mit ein wenig Gegenanstieg, laut Karte ca. 40 Hm, und etwas Strecke zurück zum Parkplatz zu kommen). Aber wir wollen nicht riskieren zur Seilbahn rüber zu kraxeln und diese dann nicht zu erwischen, was einen noch längeren Abstieg bedeuten würden, so dass wir uns für den direkten Abstieg entlang des Aufstiegswegs entscheiden.

Und so geht es entlang bekannter Route wieder runter. Von der Rampe kommend ist auch die Spur im Kar ziemlich eindeutig zu erkennen, vgl. meine Fotos. Wir haben in der Nähe des bestehenden Steinmanns einen neuen Steinmann hinterlassen der den Spurbeginn markiert. Leider verliert sich die Spur zwischenzeitlich und besonders bei Beginn ist sie im Aufstiegssinne kaum auszumachen. Mein GPS-Track sollte hier zukünftigen Wiederholer*innen hoffentlich helfen die optimale, “richtige” Route zu finden.
Jedenfalls ist der Rückweg über die weite Karstfläche die sich im Aufstieg so dermaßen gezogen hat runterzugs gar nicht mal so dramatisch. Vermutlich half es uns dass wir ja nun wussten was uns erwartet, das macht’s psychisch leichter. Und das Plateau bot uns auch noch wunderbare Überraschungen im Form von Steinböcken die, als der Schatten kam, offensichtlich aus ihren Verstecken herauskamen. Einer stand mitten auf dem Weg und machte keine Anstalten sich ob unseres Näherkommens zu bewegen. Nach etwas Abwarten sind wir langsam auf ihn zugegangen, immer mit der Überlegung, was machen wir denn nun wenn der keinen Platz macht? Mit dessen Hörnern wollten wir von ihm natürlich nicht den Abhang heruntergeschubst werden. Wir haben uns ihm also langsam und mit ihm ruhig redend genähert, und als ich vielleicht auf 5 Meter Abstand war sprang er nach rechts oben davon. Ein wirklich eindrucksvolles Erlebnis das ich so auch noch nie hatte! Wenig später haben wir dann noch einen Steinbock etwas oberhalb des Weges ziemlich aus der Nähe beobachten können.
Edelweiß gab es dann auch noch zu sehen, und die Hütte der Bergwacht lud nochmal zu einer Rast im Abstieg ein. Von dort ging es zügig, da schnell Höhenmeter verlierend, zurück zum Parkplatz.

Die Tour ist trotz des langen Aufstiegs alles andere als langweilig, zieht sich aber wie erwähnt aufgrund des Karstplateaus. Dafür ist man hier mit ziemlicher Sicherheit weitestgehend alleine unterwegs. Die Schwierigkeiten halten sich mit T4+ und I+ an der Gipfelrampe im Rahmen, sonst ist die Tour deutlich leichter. Es sind ca. 1650 Hm und 16 km zu bewältigen, die die Mühen jedoch wirklich lohnen.

Fun Fact am Rande: nachdem das mit Google Translate so gut geklappt hat mit diesem Schild an der Bergwachthütte hab ich mir mal den Spaß draus gemacht zu schauen ob und was “Visoki Kanin” bedeutet. Das Ergebnis? “Hoher Eckzahn”! Ein derart netter Bergname ist mir auch selten untergekommen. :)

Hike partners: Kaiserin


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