Hoverla 2060,8m


Publiziert von Sputnik Pro , 24. November 2013 um 19:29.

Region: Welt » Ukraine
Tour Datum:16 November 2013
Wandern Schwierigkeit: T2 - Bergwandern
Wegpunkte:
Geo-Tags: UA 
Zeitbedarf: 4:30
Aufstieg: 800 m
Abstieg: 800 m
Strecke:9km (total)
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Von Київ (Kyjiv) oder Львів (L’viv) mit der Bahn nach Івано-Франківськ (Ivano-Frankivs’k). Von dort weiter mit der Bahn nach Ворохта (Vorochta). Ab Vorokhta per Taxi oder Mitfahrgelegenheit 16km zum Ausgangspunkt neben der Спортбаза Заросляк (Sportbaza Zarosljak). Homepage der Ukrainischen Bahn mit Fahrplanauskunft: www.uz.gov.ua
Zufahrt zum Ankunftspunkt:Analog Zufahrt zum Ausgangspunkt.
Unterkunftmöglichkeiten:Am Ausgangspunkt in der Спортбаза Заросляк (Sportbaza Zarosljak), siehe dazu auf der Homepage www.zaroslyak.com . Weitere Unterkumftmöglichkeiten bestehen im nahe gelegenen Ort Ворохта (Vorochta).
Kartennummer:Украинская ССР - Топографическая карта M-35-134-A / M-35-134-B (1:50000)

HÖCHSTER UKRAINER: ГОВЕРЛА (HOVERLA) 2060,8m.

Nachdem ich zusammen mit Richard vor einem Monat auf dem höchsten Berg Andorras stand und zwei Monate zuvor mit David auf dem Landeshöhepunkt von Armenien bestieg, waren wir drei erstmals zusammen unterwegs. Diesmal sollte es der höchste Berg der Ukraine sein und wir erlebten einen schönen Kurzurlaub im osteuropäischen Land. Ich reiste mit David schon am Donnerstag nach Львів (L’viv) wo wir am Freitag Morgen den Stadthügel besuchten, den Bericht dazu ist hier zu lesen: Vysokyj Zamok. Am frühen Nachmittag nach der Besteigung vom Високий Замок (Vysokyj Zamok) trafen wir schliesslich Richard und unserer gemeinsamer Ukraineurlaub konnte losgehen.

Allgemeines zur Hoverla

Die 2060,8m hohe Hoverla ist der höchste Berg der Ukraine. Der Gipfel liegt im Karpatenbogen und gehört zur Berggruppe Чорногора (Čornohora), einem Teilgebiet der Waldkarpaten (Ukrainisch: Лісисті Карпати / Lisysti Karpaty). Die Waldkarpaten liegen im Westen des Landes und besonders die Čornohora sind im Vergleich zu den grossen Distanzen in der Ukraine relativ nahe an der Grenze zu Rumänien. Ostseitig der Hoverla ist das Quellgebiet des 953km langen Flusses Прут (Prut), der sich wenige Kilometer vor dem Donaudelta mit der Donau vereinigt.

Der Hauptkamm der ukrainischen Karpaten, auf dem die Hoverla steht, war lange Zeit eine Staatsgrenze. Bis zum Ersten Weltkrieg gehörte die Westseite zu Österreich-Ungarn, die Ostseite zum polnischen Galizien. Nach dem Ersten Weltkrieg gehörte dann die Westseite zur Tschechoslowakei während die Ostseite bei Polen blieb. 1838 besetzte Ungarn die Westseite bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges. Nach dem Krieg und der Befreiung von den ungarischen und deutschen Faschisten durch die Rote Armee gehörte die ganze Region zur Sowjetunion. Seit diese 1991 auseinander brach, ist die Hoverla der Landeshöhepunkt der Ukraine.

Die Berglandschaft der Čornohora besteht bis auf eine Höhe von etwa 1600m aus dichten Nadelwäldern die über 70% des Gebietes bedecken. Weiter oben bis etwa 1800m ist Heidelandschaft vorherrschend und darüber alpine Graslandschaft. Wegen der aussergewöhnlichen, artenreichen Gebirgslandschaft entstand auf der Ostseite der Čornohora im Jahr 1980 der erste Nationalpark der Ukraine der inzwischen das UNESCO-Zertifikat bekam, auf Ukrainisch heisst der Park Карпатський біосферний заповідник (Karpats’kyj biosfernyj zapovidnyk).

Die Erstbesteigung liegt im Dunkeln. Ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde die Hoverla öfters von Touristen aus den umliegenden galizischen Städten besucht. 1880 wurde dann der erste markierte Bergweg angelegt und bald darauf eine Schutzhütte am dem Weg zum Gipfel gebaut. Heutzutage ist der Gipfel ein Ukrainisches Nationalsymbol und wird in schneefreier Zeit äusserst oft bestiegen. Im Winter kann der Berg auch mit Ski oder Schneeschuhen ohne grössere Schwierigkeiten ebenfalls bestiegen werden, allerdings sind dann die Lawinensituation und die Wettersituation zu beachten. Neben Ukrainer ist die Hoverla besonders bei Berggänger aus Tschechien, der Slowakei und Polen beliebt.

Reise- und Besteigungsbericht

Pünktlich trafen David und ich am Bahnhof von L’viv  wie abgemacht Richard, der gut angekommen war und am Flughafen problemlos das Mietauto in Empfang nehmen konnte. Unser Plan war es nun, bei Tageslicht die 120km entfernte Stadt Івано-Франківськ (Ivano-Frankivs’k) zu erreichen und im Hotel Надія (Nadija) einzuchecken. Die Fahrt durch die landwirtschaftlich geprägte, meistens eher flache Region im Westen der Ukraine war kurzweilig und wir besuchten unterwegs die beiden Kleinstädte Рогатин (Rohatyn) und Галич (Halič). So bezogen wir die Hotelzimmer im Nadija während es langsam eindunkelte. Da wir am nächsten Tag nicht übermüdet Wandern gehen mochten, gingen wir bald nach dem Buzug des Hotelzimmers in die nahe Fussgängerzone um etwas feines zu Essen . Nach kurzem Suchen fanden wir mit dem Слован (Slovan) ein hervorragendes Lokal. Wir hatten dabei noch Glück dass es einen freien Tisch gab, denn das Restaurant war bis fast auf den letzten Platz ausgebucht! Leider war danach die Hotelbar von einer Hochzeitsgesellschaft besetzt so dass David und ich unser "Gutnachtbier" im Zimmer tranken.

Am Samstag frühstückten wir schon um sieben Uhr und fuhren danach gleich los in die Karpaten. Zuerst ging es wieder durch unzählige Dörfer in eher flachem Gelände. Wir stoppten jedoch nur kurz in der Kleinstadt Надвірна (Nadvirna) für eine Fotopause. Hinter Nadvirna wird das Gelände zunehmend hügeliger und die Strasse senkte sich bald bei Делятин (Deljatyn) ins Tal vom Fluss Прут (Prut). Diesem Fluss mussten wir nun bis zu seiner Quelle am Hoverla folgen. Das Tal wurde immer enger und die Berge höher. Die Strasse war bis zur Abzweigung nach Ворохта (Vorochta) meistens gut befahrbar, danach wurde es etwas holpriger. Oberhalb vom Wintersportort Vorochta durften wir eine weitere Abzweigung nicht verpassen die am Ausgangpunkt der Wanderung bei der Спортбаза Заросляк (Sportbaza Zarosljak) endet. Auf halbem Weg der Zufahrtstrasse kamen wir an die Grenze des Nationalparks und mussten eine kleine Gebühr zahlen. Schliesslich erreichten wir den Ausgangspunkt Zarosljak zuletzt über eine Naturstrasse, die aber bei Weitem nicht so schlimm befahrbar ist wie öfters berichtet wird.

Die Bergwanderung vom Parkplatz Zarosljak auf die Hoverla ist einfach aber landschaftlich äusserst schön. Trotz bester Wetterprognose hatte es in der vergangenen Nacht geregnet und der Himmel war vollständig bewölkt. Das Wetter kann man nicht beeinflussen und so wanderten wir auch bei bewölktem Himmel zuerst durch dunklen Nadelwald bergauf. Der viel begangene Weg ist nicht zu übersehen und hervorragend markiert. Wir folgten den grünen Markierungen bis zum Gipfel. Nach etwa einem Drittel der Strecke wich der Wald langsam Buschland und wir konnten seit der Anfahrt kurz vor Zarosljak erstmals wieder den Hoverlagipfel sehen. Nach einer kurzen Rast wanderten wir über eine steiler Stufe hinauf zum Absatz P.1762,1m. Dabei vergrösserte sich mit jedem Meter Aufstieg das Panorama und der strauchige Unterwuchs ging immer mehr zurück. Beim Absatz standen wir unmittelbar vor dem finalen, 400m hohen Gipfelhang den wir leicht verschneit antrafen. Der etwas monotone Schlussaufstieg zog sich in die Länge da die Dimensionen etwas täuschten. Glücklich standen wir dennoch nicht einmal eine Stunde später auf dem Dach der Ukraine. Natürlich gab es das obligatorische Gipfelfoto und wir genossen das Panorama über die Waldkarpaten.

Abgestiegen waren wir über die etwas steilere blau markierte Route die sich wieder mit unserer Aufstiegsroute oberhalb Zarosljak vereinigt. Die obersten Abstiegsmeter waren etwas mühsam zu begehen da der Untergrund gefroren war und man aufpassen musste um nicht auszurutschen. Danach gelangten wir aber rasch zurück zum Auto und fuhren zurück nach Ivano-Frankivs’k. Wir brauchten für den Rückweg etwas länger als geplant und erreichten die Stadt erst in der hereingebrochenen Nacht. Abends gingen wir ins Slovan zum Abendessen und suchten noch ein Lokal für einige Bier. Eine Bar fanden wir zwar, doch die Gäste waren unüblich seriös für ukrainische Verhältnisse. Die Hälfte der Gäste trank Tee oder Kaffee und alle sassen brav an ihren Tischchen. So etwas habe ich während meiner Reisen im Osten Europas noch nie erlebt! Am Sonntag sah ich vor dem Frühstück mir noch Ivano-Frankivs’k an - ich hatte ja bisher noch keine Gelegenheit dazu da ich die Stadt nur bei Nacht gesehen habe. Nach der Stadtbesichtigung und dem Frühstück fuhren wir um neun Uhr wieder zurück nach L’viv. Richard brachte mich und David an den Flughafen da wir schon am frühen Nachmittag abflogen. Er schaute sich anschliessend L’viv an da er eine spätere Abfugzeit hatte. Unsere weitere Heimreise verlief problemlos und so landeten wir am späteren Nachmittag am Aéroport Bâle-Mulhouse. So endete die Reise, es hat riesigen Spass gemacht mit Euch in der Ukraine!

Nützliche Links zum Hoverla

Information bei Wikipedia (Englisch): Hoverla
Information bei Summitpost: Hoverla Summitpost
Wettervorhersage: Hoverla-Weather
Detailierte Beschreibung mit Fotos (Russisch): Говерла

Tourenbericht von Richard: Говерла

Tourengänger: Sputnik, dabuesse, Linard03


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Kommentare (4)


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Meeraal hat gesagt: Tolle Tour und tolle Bilder
Gesendet am 24. November 2013 um 20:30
Hallo Andy,

wirklich eine tolle Tour in einer sehr schönen Landschaft. Mal sehen, vielleicht kann ich meine Frau, die selbst in der Ukraine geboren ist dazu überreden, auch mal mit in die Ukrainischen Karpaten zu gehen. Die Gegend ist wirklich wunderschön.

Herzliche Grüße,

Michael

Sputnik Pro hat gesagt: Wunderschöne Karpaten
Gesendet am 26. November 2013 um 08:11
Salü Michael,

Zeig deiner Frau die Fotos, dann wir sie sicher mitkommen. Zudem will ja (fast) jeder Einwohner der Ukraine dort hinauf seit sogar ein Präsident am Nationaltag auf die Hoverla wanderte.

Viele Grüsse,

Andi

pika8x14 Pro hat gesagt:
Gesendet am 25. November 2013 um 00:18
Hallo Andi,

auch an dieser Stelle nochmals herzliche Gratulation zu einem weiteren Landeshöhepunkt. Dein - wie immer sehr ausführlicher - Bericht zur Hoverla-Tour und auch die weiteren Eindrücke aus der Ukraine wecken schöne Erinnerungen an unseren Besuch vor zwei Jahren - wir haben noch einiges wiedererkannt ;-).

Viele Grüße, Andrea + André.

Sputnik Pro hat gesagt:
Gesendet am 26. November 2013 um 08:14
Hallo Zusammen,

Danke euch. Ich hatte diesmal euren Bericht als Vorlage brauchen können! Nur hatten wir leider keine Zeit um dem Kamm weiter nach Süden zu folgen. Es waäre sicher suoer gewesen in zwei Tagen mit Biwak bis zum Pip Ivan zun wandern.

LG, Andi

PS: Ich schreib euch noch per PM ;-)

Viele Grüsse,

Andi


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