Mount Sneffels (4.312 m) - Ein Traumberg in Colorado


Publiziert von pika8x14 Pro , 13. Januar 2012 um 10:55.

Region: Welt » United States » Colorado
Tour Datum:14 Juli 2009
Wandern Schwierigkeit: T5 - anspruchsvolles Alpinwandern
Klettern Schwierigkeit: II (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: USA 
Zeitbedarf: 5:00
Aufstieg: 650 m
Abstieg: 650 m
Strecke:"South Slopes via Lavender Col Variation": Yankee Boy Basin - Lavender Col - Couloir - Ausstieg aus dem Couloir in etwa der Hälfte - Südflanke Mount Sneffel - Gipfel Mount Sneffels
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Von Ouray in Richtung Yankee Boy Basin. Im Zweifel rechts halten und nach kleinen Wegweisern Ausschau halten: Zuerst in Richtung Süden auf der US 550, ca. 0,4 Meilen von Oray entfernt rechts auf die Country Road CR 361 abbiegen. Meilenzähler auf Null stellen. Nach 4,7 Meilen rechts (CR 26), nach 6,1 Meilen (Abzw. Imogene Pass/Telluride) wieder rechts (CR 26). Nach ca. 6,7 Meilen abparken, Höhe etwa 3.300 m. Schon bis hierher ist die unbefestigte Straße in teils schlechtem Zustand. Noch weiter sollten nur Allrad-Fahrzeuge mit viel Bodenfreiheit und kurzem Radstand fahren. Nach knapp 8 Meilen erreicht man den Lower (unteren) Trailhead auf knapp 3.500 m, mit Toilettenhäuschen. Wenig später wird die Piste extrem schlecht, bei geeignetem Geländefahrzeug und entsprechender Witterung (trocken, kein Schnee) kann man ggf. bis zum Upper Trailhead (Oberer Ausgangspunkt) auf ca. 3.800 m gelangen.
Unterkunftmöglichkeiten:Zahlreiche Möglichkeiten in Ouray.

Mount Sneffels (4.312 m) - sicherlich einer der schönsten Berge Colorados. Die Gipfelpyramide, die sich mehr als 2.000 m über das nördlich angrenzende Umland erhebt, ist deshalb eines der Fotomotive der Rocky Mountains schlechthin - besonders im Indian Summer.

Bei so viel Schönheit ist der Mount Sneffels - der übrigens nach dem Vulkan Snæfellsjökull auf Island benannt sein soll - natürlich auch ein begehrtes Ziel für Bergsteiger. Da man über unbefestigte Pisten (alte Minenstraßen, …) zudem relativ nah an den Berg herankommt und sich in Ouray, Telluride und Umgebung ohnehin zahlreiche „Outdoor-Begeisterte“ während ihrer Ferien aufhalten, versuchen sehr viele ihr Glück.

Auf den Sneffels führen mehrere Routen. Eine „richtig einfache“, wie auf manch anderen „14er“ der USA (Berge über 14.000 Fuß, d. h. 4267 m) gibt es aber nicht. So warnt dann auch die Literatur: „It’s not a hike. It’s a climb“. Ganz so dramatisch ist es zwar nicht durchgängig, aber im oberen Bereich braucht auch auf dem „Normalweg“ jeder seine Hände und etwas Schwindelfreiheit.

Vorausgesetzt man kommt soweit. Die häufigen Gewitter, unerwartete Bedingungen (Schnee, Eis), fehlende Höhenanpassung oder auch allzu spärliche Ausrüstung/Kleidung u. s. w. führen zu Unannehmlichkeiten oder Tourabbrüchen. Zumindest treffen wir bei unseren beiden „Ausflügen“ zum Sneffels unterwegs so viele Leute wie selten, im Gipfelbereich und auch im „Summitregister“ bleibt es aber vergleichsweise einsam.

13.07.2009- „Sneffels, die Erste“

Wir starten noch im Dunklen. Von Ouray geht’s in Richtung Yankee Boy Basin. Über eine teilweise wirklich abenteuerliche Piste erreichen wir mit unserem „gepimpten“ Jeep eine Höhe von etwa 3.700 m. Bis zum Upper Trailhead (ca. 3.800 m) kommen wir nicht, da eine große Schneewehe den Fahrweg blockiert.

Mit weniger geländetauglichen Fahrzeugen ist schon weiter unten Schluss, siehe auch „Zufahrt zum Ausgangspunkt“. Aber auch bis zu den tiefer liegenden Parkmöglichkeiten muss man das eine oder andere „schlechte“ Pistenstück bewältigen - am besten die Anfahrstrecke am Tag zuvor im Hellen „testen“ und eine Wanderung im Yankee Boy Basin machen.

Wir starten also auf ca. 3.700 m und nutzen bis zum Upper Trailhead die teilweise unter Schnee versteckte Piste. Weiter durch das Yankee Boy Basin geht’s dann auf guten Bergpfad. Zu Beginn begleiten uns noch Wiesen, bald passieren wir den Wrights Lake (links des Weges) und der Weg führt ins Geröll. An einer Abzweigung mit Wegweiser halten wir uns rechts. Über Serpentinen schlängeln wir uns durch Geröll und Blöcke. Und dann wird es richtig steil. Südlich/südöstlich des nicht mehr sichtbaren Gipfels führt eine breite „Geröllschneise“ hoch in Richtung Lavender Col. Rechst begleiten uns die Ausläufer von Kismet (4.174 m), linker Hand zieht der Südwestgrat vom Sneffels mit seinen imposanten Felstürmen zum Blue Lakes Pass hinunter. Nachdem wir so bis fast zum Lavender Col (ca. 4.130 m) gekeucht sind, ist Schluss für heute: Es ist noch nicht 09.00 Uhr und trotzdem zieht ein Gewitter auf. Bisher kamen diese immer erst um den Mittag herum, aber darauf ist eben kein Verlass ;-(. Also: nichts wie runter vom Berg und zurück nach Ouray (nebenbei bemerkt: die teilweise abschüssige Fahrpiste wird bei Nässe durchaus gefährlich).

In Ouray flüchten wir in die Bachelor-Syracuse Mine (ehemaliges Bergwerk mit Führungen) - „untertage“ fühlt sich der Erzgebirgler halt heimisch, außerdem regnet es dort nicht ;-).

14.07.2009 - „Sneffels, die Zweite“

Also noch früher Wecken. Wir wiederholen das Programm vom Vortag und stehen kurz nach 08.00 Uhr am Lavender Col (ca. 4.130 m). Von Gewitter keine Spur - das ist gut. Weniger „gut“ sieht es allerdings im Couloir aus, welches südöstlich des Gipfels steil fast bis zu diesem hinaufführt. Unten schlängeln wir uns noch durch ein Meer aus wackeligem Geröll und Blöcken, links und rechts befinden sich steile Felswände - die Steinschlaggefahr ist hier keinesfalls zu unterschätzen. Auf etwa halber Höhe treffen wir dann auf Schnee oder vielmehr Eis. Die dicke Kruste macht ein weiteres Passieren des oberen Abschnitts des Couloirs unmöglich. Die einzigen beiden vor uns gestarteten Bergsteiger holen wir nun ein, diese kehren um. Das wollen wir eigentlich nicht. In Büchern (wie z. B. „Colorado’s Fourteeners“ von Gerry Roach) wird alternativ der Ausstieg aus dem Couloir empfohlen. Nun heißt es nur noch, die richtige Stelle zu finden. Der erste Versuch endet im brüchigen Gestein. Dann aber entdecken wir ein kleines Steinmännchen und steigen nach Südwesten aus dem Couloir heraus. Leider müssen wir dazu auf blanken Eis starten und der erste Griff ist auch ziemlich hoch - aber wir bekommen es hin. Sogleich folgt eine etwas abdrängende Partie und schon haben wir die Schlüsselstelle hinter uns und alles sieht wieder freundlicher aus - zumindest gibt es keinen Schnee mehr.

Clever ist, sich die Stelle irgendwie zu markieren, um im Abstieg wieder den Weg ins Couloir zu finden - wir machen das nicht und suchen später eine Weile. In der südlichen Flanke steigen wir nun abwechselnd über Fels und steile Hänge mit und ohne Schuttauflage nach oben - Pfadspuren sind kaum auszumachen - wir halten uns einfach immer „bergwärts“. Zwei Amerikaner die während der Suche nach dem Ausstieg aus dem Couloir zu uns gestoßen sind, verlieren wir bald aus den Augen. Kurz unterhalb des Gipfels erreichen wir die V-förmige Scharte, über welche der Ausstieg aus dem Couloir eigentlich erfolgt wäre. Diese Schlüsselstelle des „Normalweges“ ersparen wir uns - wir sind ja bereits bergseitig. Die letzten Meter zum höchsten Punkt sind zwischendurch noch etwas ausgesetzt aber leicht zu erkraxeln.

Und schon stehen wir auf dem Gipfel des Mount Sneffels (4.312 m, 14.150 ft). Ein wirklich überwältigendes Gefühl. Herrliches Wetter. Geniale Weitblicke. Zu den Blue Lakes, ins Yankee Boy Basin, zum Teakettle Mountain - was für ein Berg, und, und, und …Natürlich rasten wir ausgiebig - den meisten Proviant haben wir allerdings im Couloir stehen lassen. Also sehen wir uns eben satt. Bis auf wenige Minuten sind wir allein auf dem Gipfel - bei besseren Bedingungen in der Saison sicher selten der Fall.

Zurück geht’s auf bekannten Weg.

Im Yankee Boy Basin und auf der Rückfahrt machen wir noch einige Zwischenstopps und kurze Spaziergänge. Es gibt herrliche Berglandschaft samt blühenden Wildblumen, Wasserfälle u. s. w. zu bestaunen.

Am Nachmittag fahren wir dann noch über den Imogene Pass - quasi die „Abkürzung“ - von Ouray nach Telluride, durch grandiose Hochgebirgslandschaft und vorbei an ehemaligen Bergwerkanlagen. Trotz einiger bereits gefahrener „Jeep-Strecken“ (White Rim, Alpine Loop Road) ist das ziemlich spektakulär, aber auch nicht ganz ungefährlich.

Am Abend genießen wir dann nochmal den Blick auf den Mount Sneffels von Norden her, bevor es am nächsten Tag weiter nach Moab (Utah) geht.

Fazit: Ein genialer Berg - auf jeden Fall einen zweiten Versuch wert. Nach *Uncompahgre Peak und *Precipice Peak unser 3. Viertausender und 2. „14er“ binnen 5 Tagen in der San Juan Range. Unter den heutigen Bedingungen schätzen wir die Tour als T5 mit einer IIer Kletterstelle ein. Auf großen Teilen einfacher und wenn das Couloir schneefrei ist, sollte man auch mit T4/I hinkommen. Das Gewitter- und Steinschlagrisiko ist nicht zu unterschätzen. Im Übrigen gilt natürlich alles, was auch sonst auf Bergen - insbesondere auf vergleichsweise hohen - zu beachten ist.


pika8x14 sind heute: A. + A.

Tourengänger: pika8x14


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