Matterhorn Peak (3.743 m) - Auf den Spuren von Kerouac: "... you can’t fall off a mountain."???


Publiziert von pika8x14 Pro , 9. September 2011 um 22:09.

Region: Welt » United States » California
Tour Datum:27 Juli 2011
Wandern Schwierigkeit: T5 - anspruchsvolles Alpinwandern
Hochtouren Schwierigkeit: L
Klettern Schwierigkeit: I (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: USA   US-CA 
Zeitbedarf: 11:00
Aufstieg: 1600 m
Abstieg: 1600 m
Strecke:Trailhead (Upper Twin Lake/Mono Village Resort) - Horse Creek - Horse Creek Pass - Southeast Slope (Südost-Hang) - Matterhorn Peak
Zufahrt zum Ausgangspunkt:In Bridgeport von der U. S. Route 395 auf die Twin Lakes Road abbiegen und ca. 14 Meilen nach Westen fahren. Die Straße endet am Westufer des Upper Twin Lake am Eingang zum Mono Village Resort. Dort befindet sich der Parkplatz.
Unterkunftmöglichkeiten:Im Mono Village Resort (Motel, Camping, Cabins), direkt am Ausgangspunkt der Tour. Weitere Möglichkeiten in den umliegenden Orten.
Kartennummer:National Geographic Trails Illustrated Map Nr. 206 "Yosemite National Park"

Matterhorn.

Wer hat’s erfunden? Die Antwort kennt wohl jeder. Es gibt allerdings auch einige durchaus gelungene Kopien - wie unser heutiges Tourenziel:


Matterhorn Peak.

Dieser ist mit 3.743 m (12.279 ft) der höchste Berg des beindruckenden Sawtooth Ridge („Sägezahn-Kamm“), welches sich an der Nordgrenze des Yosemite National Park unweit des Städtchens Bridgeport befindet.

Darüber hinaus ist dieses Matterhorn auch durch das Buch „The Dharma Bums“ (1958) von Jack Kerouac zu größerer Bekanntheit gelangt. In diesem Werk - mit dem deutschen Titel „Gammler, Zen und Hohe Berge“ - beschreibt Kerouac, der wichtigste Vertreter der Beat Generation, seine Besteigung des Matterhorn Peak. Dabei erreicht er - im Gegensatz zu einem seiner Begleiter - zwar nicht ganz den Gipfel, kommt aber immerhin zu der Erkenntnis:

 ... you can’t fall off a mountain.“ -
„… man kann nicht von einem Berg fallen.“


Diese gewagte These muss natürlich von uns überprüft werden ;-).

Außerdem soll uns die Besteigung des Matterhorn Peak zur weiteren Vorbereitung und Akklimatisierung auf den Mount Whitney dienen. Vom Parkplatz am Westufer des Upper Twin Lake/Mono Village Resort aus soll es entlang des Horse Creek, über den Horse Creek Pass und den Südost-Hang auf den Gipfel gehen - das wäre auch die Zusammenfassung unserer Tour in Kürze. Diese Route wurde offensichtlich auch von Kerouac und seinen beiden Kumpels genutzt - zumindest haben wir beim nochmaligen Lesen der ausführlichen Schilderungen im Buch viele Übereinstimmungen festgestellt. Da wir keine Schriftsteller sind, fällt unsere Beschreibung „etwas“ kürzer aus:

Am Ufer des wunderschönen Upper (westlichen) Twin Lakes starten wir  09.00 Uhr - ziehmlich spät - irgendwie konnten wir uns heute Morgen vor Müdigkeit nicht von unserem „California King Bed“ trennen. Vorbei an einigen Angel- und Campingfreunden verlassen wir das Gelände des Mono Village Resort, überqueren zwei kleine Bachbrücken und begeben uns nun auf den eigentlichen Horse Creek Trail. Wie dieser Name schon vermuten lässt, laufen wir jetzt mehr oder weniger ständig am „Pferde-Bach“ entlang. Anfangs noch über großzügige Serpentinen, die auch mal etwas weiter weg vom Bach führen, folgen wir dem Wasserlauf durch Wald und Buschwerk immer weiter bergauf. Es geht vorbei an zahlreichen kleineren und größeren Kaskaden und Wasserfällen. Zwischendurch erkennen wir den spitzen Gipfel des Matterhorn Peak immer wieder im Morgendunst, der westlich benachbarte „The Dragtooth“ scheint allerdings aus dieser Perspektive höher zu sein, was er tatsächlich aber nicht ist.

Nach ca. einer Stunde erreichen den Abzweig des Cattle Creek Trail, der nach links (Osten) abbiegt. Wir bleiben weiter geradeaus auf dem Horse Creek Trail. Es geht über eine schöne Bergwiese mit kleinen Seen, lichtem Wald, vielen Blumen und Tieren - u. a. Fels- oder Schneehühner? mit Küken.

Der Weg wird nun deutlich schmaler. Ca. 1,5 Stunden nach Beginn unserer Tour kommen wir zu einer Stelle, an der große Blöcke den Pfad blockieren. Umgehen können wir die Felsbrocken nicht, da der Uferbereich des Horse Creek heute viel zu feucht ist. Also gibt’s die erste Klettereinlage.

Nun folgt noch ein kurzes Stück „friedlicher“ Bergpfad. Dann liegen die zügig zu begehenden Wegabschnitte aber auch endgültig hinter uns: Wir sehen nur noch große Schneefelder, steile Geröllhalden und Felsflanken. Selbst der „richtungsweisende“ Horse Creek ist unter meterdickem Schnee und Eis verschwunden. Vor zwei Tagen am Half Dome, der ja quasi „um die Ecke“ liegt, gab’s auf vergleichbarer Höhe nur Hitze und Staub - wahrscheinlich ist hier öfter Schatten ;-).

In einiger Entfernung erkennen wir einen Bergsteiger, der sich mit seinem Pickel durch die eisverkrustete Schneeflanke empor arbeitet. Wir steigen an der schmalsten Stelle durch die „weiße Pracht“ und landen wieder im Geröll. Der Pfad ist weit und breit nicht mehr zu sehen, dafür ist wenigstens der Horse Creek wieder aufgetaucht. Da östlich des Bachs zu viel Schnee liegt, überqueren wir diesen und finden auch wieder einen Pfad und sogar Steinmännchen. Als diese dann aber offensichtlich unseren Trail verlassen (vielleicht zum East Couloir?), folgen wir wieder dem Horse Creek. Dies ist sowieso die beste Empfehlung - solange man ihn sieht. Wir queren den Bach noch zweimal. Dann ist der Horse Creek endgültig unter der Schneedecke verschwunden. Über Schnee- und Geröllhänge geht’s weiter aufwärts. Wir bleiben dabei lieber immer etwas weiter entfernt vom vermeintlichen Bachlauf, um nicht durch Schnee und Eis in diesen einzubrechen. Nachdem wir einen westlich von uns ins Tal ragenden Felsrücken umgangen haben, halten wir uns nun weiter in Richtung des Sattels neben dem markanten schwarzen Horse Creek Peak. Über weitere Schneefelder, Geröll und zum Schluss auch große Blöcke geht’s mühsam hoch zum Horse Creek Pass auf etwa 3.300 m Höhe.

Nun muss man sich rechts, d. h. nordwestlich halten und den besten Weg durch den steilen Südost-Hang des Matterhorn Peak suchen. Entweder man kraxelt näher am Südost-Grat etwas „felsiger“ hoch in Richtung markanter Felstürme und erreicht den Gipfelblock am East-Couloir. Oder man hält sich etwas weiter südlich, quert die heute vorhandenen Felder mit tiefem, weichen Schnee und sucht sich einen Weg am Rand der steilen Geröllfläche, die ebenfalls zu den Felstürmen hochführt.

Letzteres tun wir. Ziemlich unangenehm geht’s voran. Der Bergsteiger, den wir vor Stunden weiter unten im Schnee gesehen haben, kommt talwärts entgegen - er hat seine Besteigung abgebrochen, da ihm das Gekraxel am Grat wohl nicht ganz geheuer ist und er befürchtet, nicht vor Einbruch der Dunkelheit wieder an den Twin Lakes zu sein. Diese Sorge ist nicht ganz unberechtigt. Wir vergleichen noch schnell unsere Höhenmesser - noch fast genau 1.000 Fuß, also 300 Höhenmeter. Das müsste noch gehen.

Kurz vor den Felstürmen kommen dann zwei junge Amerikaner im Geröll abwärts. Laut deren Aussage ist’s noch eine Stunde bis zum Gipfel - oje, das wird wohl spät für uns. Außerdem bestätigen diese nochmals, dass der Gipfel auch an der vermuteten Stelle („rechts“) liegt - der höchste Punkt im Grat ist nämlich aus der steilen Südost-Flanke gar nicht so einfach auszumachen.

Nach den Felstürmen gilt es noch, die beste Route für die Kletterei hoch zum Gipfel zu wählen. Laut Aussage der beiden Amerikaner und vorheriger „Internet-Recherche“ geht’s wohl am besten über den etwas südlich der Felstürme liegenden Sattel im Grat, der vom Whorl Mountain zum Matterhorn herüber zieht. Also zum Sattel, hoch auf den felsigen/blockigen Grat (Kletterstellen I) und auf diesem zum Gipfel des Matterhorn Peak. An Stelle der befürchteten Stunde hat’s auch nur 20 Minuten gedauert.   

Die Ausblicke sind wirklich genial - Im Süden: schroffe Gipfel im Yosemite National Park, allen voran der Whorl Mountain, zu dem ein wirklich schöner Grat führt. Im Westen: das Sawtooth Ridge. Im Norden: die eher rundlichen Berge, wie Eagle Peak u. s. w., das „Flachland“ nahe Bridgeport und unten der Matterhorn Glacier. Im Osten: Twin Peaks (hat nichts mit Laura Palmer zu tun ;-), eingebettet in einen scharfen Felskamm …

Nach einem Eintrag ins überraschend wenig gefüllte Gipfelbuch („Register“), welches mit geschätzten 10 cm x 15 cm eher klein ausfällt, kommen wir nun nochmals zur eingangs aufgestellten These von Kerouac (im Buch Ray Smith):

... you can’t fall off a mountain.“  

Unsere Antwort: Doch.

Man kann leider von Bergen herunter fallen. Auch vom Matterhorn Peak. Am höchsten Punkt ist kaum Platz. Es geht steil und teilweise sehr tief abwärts (sonst wär’s wohl auch kein Matterhorn). Die wenigen Felsplatten stehen hochkant bzw. schräg. Das alles ist mit Vorsicht zu genießen. Und bei den Klettereien am Gipfelblock, wie auch auf den Schnee-, Geröll- und Blockfeldern ist durchaus Konzentration angebracht.

Da die Zeit drängt, folgt bald der Abstieg. Vom Gipfel wird diesmal direkter schon vor dem ersten Sattel im Grat abgeklettert (II), da ein großer Block in der Nähe des Sattels ein bisschen wackelig aussieht. Ansonsten geht’s auf dem bekannten Weg zurück. Die Geröllfläche hinunter in Richtung Horse Creek Pass macht im Abstieg, oder besser gesagt in der Abfahrt, wesentlich mehr Spaß. Anders als in Kerouac`s Buch - jodeln wir aber trotzdem nicht :-).

Da auch die Eiskruste auf den meisten Schneefeldern mittlerweile aufgetaut ist, geht’s auch hier schneller, so dass wir insgesamt sehr zügig voran kommen und trotz der ein oder anderen schwierigeren Passage (Geröll, Blöcke, …) nach ca. 11 Stunden noch vor Einbruch der Dunkelheit am Upper Twin Lake zurück sind.


Fazit:

Der Matterhorn Peak in der kalifornischen Sierra Nevada ist in vielerlei Hinsicht ein absolut lohnendes Tourenziel. Die Besteigung ist wirklich abwechslungsreich, der Gipfelblick genial. Die Tour ist definitiv anstrengend, bei weniger Schnee sicherlich einfacher. Viele planen offensichtlich auch eine oder zwei Übernachtungen ein - wie Kerouac oder auch das amerikanische Paar, dem wir heute begegnet sind. Herrliche Plätze für’s Zelten gibt es reichlich.


P. S.

Das Buch „The Dharma Bums“ (1958) bzw. „Gammler, Zen und Hohe Berge“ von Jack Kerouac ist durchaus als „der etwas andere Tourenbericht“ zur Lektüre zu empfehlen. Auf summitpost.org sind Auszüge sogar als „Trip Report“ eingestellt.


pika8x14 sind heute: A. + A.

Tourengänger: pika8x14

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Kommentare (2)


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silberhorn Pro hat gesagt:
Gesendet am 18. November 2014 um 09:22
"Gammler, Zen und hohe Berge" eines meiner Lieblingsbücher. In meiner Jugend war zwar Kerouacs "Unterwegs - On The Road" das Kultbuch. Erst genanntes gefiel viel besser. Habs letztes Jahr erneut gelesen und gefällt mir immer noch.
Und jetzt Deinen Bericht den ich für heutige Verhältnisse als kleinen Abenteuer einstufe und mein Wohlgefallen fand. Zu ihm gelangte ich auf der Suche wie Mount Agassiz und Matterhorn Peak zu ihren Namen kamen.

Gruess, maria

pika8x14 Pro hat gesagt: RE:
Gesendet am 21. November 2014 um 22:10
Hallo Maria,

danke für Deinen Kommentar.

Von den unzähligen möglichen Bergzielen in der Kalifornischen Sierra Nevada haben wir uns bewusst für den Matterhorn Peak entschieden.

Einerseits hat dessen Höhe gut in unsere Akklimatisierung gepasst, andererseits war natürlich die Verbindung zu Kerouac’s Buch und vor allem zum Zitat "… you can’t fall off a mountain …" wirklich interessant.

Als wir dann wieder zuhause waren, haben wir "Gammler, Zen und Hohe Berge" gleich nochmal gelesen ;-).

Viele Grüße, Andrea + André.


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