Half Dome (2.693 m)


Publiziert von pika8x14 Pro , 30. August 2011 um 20:26.

Region: Welt » United States » California
Tour Datum:25 Juli 2011
Wandern Schwierigkeit: T3 - anspruchsvolles Bergwandern
Klettersteig Schwierigkeit: L
Wegpunkte:
Geo-Tags: USA   Yosemite National Parc   US-CA 
Zeitbedarf: 11:00
Aufstieg: 1550 m
Abstieg: 1550 m
Strecke:Yosemite Valley/Curry Village/Trailhead Parking - Trailhead nahe Happy Island Nature Center - Vernal Fall (Mist Trail) - Nevada Fall (Mist Trail) - Little Yosemite Valley - Sub Dome - "The Cables" - Half Dome (und zurück)
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Über die Highways 120 (aus Richtung Manteca oder Lee Vining), 140 (Merced) oder 41 (Fresno) in den Yosemite National Park. Weiter zum "Trailhead Parking" östlich von Curry Village.
Unterkunftmöglichkeiten:Campingplätze, Lodges und Hotels im Yosemite National Park. Weitere Unterkünfte in den umliegenden Orten.
Kartennummer:National Geographic Trails Illustrated Map Nr. 206 "Yosemite National Park" und kostenlos im National Park erhältliche Infoblätter mit Kartenskizze

Half Dome - nicht nur für uns einer der schönsten Gipfel überhaupt: Die 2.693 m (8.836 ft) hohe Granodioritkuppel erhebt sich ca. 1.500 m aus dem Yosemite Valley und ist von vielen Stellen des National Parks aus der Blickfang. Die allseitig steilen, im Nordwesten zum Tenaya Creek hin sogar senkrechten Felsflanken lassen eine Besteigung des Half Dome für den Nicht-Kletterer auf den ersten Blick unmöglich erscheinen.

„The Cables“

Mit Hilfe der „Cables“ - einer Sicherung mit Drahtseilen in der nordöstlichen Felsflanke - wird jedoch auch für den „Wanderer“ der Gipfel des Half Dome zugänglich. Die „Cables“ sind dabei - witterungsabhängig - i. d. R. vom Wochenende vor Memorial Day (letzter Montag im Mai) bis Columbus Day (2. Montag im Oktober) „up“. Das bedeutet: Beidseitig des Aufstiegswegs sind Stahlseile lose durch in den Fels gesteckte Metallpfosten geführt, an denen man sich während des Auf- und Abstiegs festhalten kann. Zusätzlich sind auf dem Fels zwischen den zwei benachbarten Metallpfosten schmale Holzlatten angebracht. Dadurch hat man im Abstand mehrerer Meter die Möglichkeit, mit den Schuhen etwas besseren Halt als auf dem glatten Fels zu finden. Besonders, wenn man zwischendurch anhalten muss (Gegenverkehr, ...), ist dies von großem Vorteil.

Außerhalb des oben genannten etwaigen Zeitraums hängen lediglich die Stahlseile am Fels. Dann bleibt einem nur ein Aufstieg analog Delta, auf dessen Tourenbericht wir natürlich gern verweisen (-> Delta’s Bericht). Dass in diesem Fall natürlich das Risiko bei der Besteigung höher ist, versteht sich von selbst.

Permit

Für den Zeitraum der montierten Drahtseile („when the cables are up“) benötigt man eine Genehmigung - und zwar für alle Tage der Woche. Zur Regulierung der Besteigungszahlen werden 300 Permits für Tageswanderer und 100 Permits im Zusammenhang mit Wilderniss-Permits für Mehrtages-Trekking vergeben. Die Vergabe der Permits für Tageswanderer erfolgt dabei weit im Vorfeld des gewünschten Datums (z. B. am 01. April für alle Termine im Juli). Folgende Internet-Seiten helfen weiter und informieren auch über Details und mögliche Änderungen: www.nps.gov/yose/planyourvisit/halfdome.htm und www.recreation.gov. Über letztere Seite erfolgt auch die Reservierung - als wir am 01. April gebucht haben, waren in weniger als 5 Minuten alle Juli-Termine vergriffen. Pro Person werden übrigens 1,50 Dollar Gebühr fällig - das ist natürlich zu verschmerzen. Alles Vorstehende Stand 2011. 

Unsere Tour

Zumindest im Sommer ist ein früher Start in jedem Fall sinnvoll (Hitze und steigende Gewittergefahr im Tagesverlauf). Da wir aus Mammoth Lakes eine lange Anfahrt haben, geht’s für uns schon um ca. 03.00 Uhr los. Unterwegs auf der Tioga Road herrscht teilweise leichter Frost. Wir erreichen den  Parkplatz („Trailhead Parking“) östlich von Curry Village und starten unsere Wanderung um etwa 06.00 Uhr.

Wir laufen entlang bzw. parallel der im weiteren Verlauf für private Pkw gesperrten Straße (Shuttle-Busse verkehren übrigens erst ab 07.00 Uhr). Es geht vorbei am Happy Isles Nature Center und auf der Straßenbrücke über den Merced River. Hier befindet sich der eigentliche Trailhead, also der Ausgangspunkt der Wanderungen zum Vernal Fall, Nevada Fall u. s. w. und damit auch zum Half Dome. Wir biegen nach der Brücke rechts ab und folgen nun flussaufwärts entlang des Merced River dem zu Beginn asphaltierten Weg.

Nach einiger Zeit überqueren wir den Fluss auf einer weiteren Brücke und treffen kurz darauf auf eine Verzweigung: rechts geht’s auf dem John Muir Trail weiter - dies wäre eine Möglichkeit. Wir halten uns aber links und sind damit auf dem „Mist Trail“. Leider haben wir uns im Vorfeld über die Bedeutung des Wortes „Mist“ (Nebel, Gischt) nicht allzu viele Gedanken gemacht. Je nach Wasserstand und Windsituation wird man nämlich mehr oder weniger nass. Tatsächlich steigen wir über die zahllosen Stein-Stufen am Vernal Fall nicht nur in einer feuchten Wolke auf - es ist eine regelrechte Dusche, die uns vom Wasserfall her entgegen kommt - mittlerweile haben wir aber wenigstens einstellige Plusgrade ;-(. Also: Regenschutz kann hier durchaus angebracht sein.

Je höher man kommt, desto trockener wird’s. Wir erreichen nach einem kurzen mit Geländer gesicherten Wegstück das Plateau an der Abbruchkante des Vernal Fall. Wenige Minuten später queren wir über eine Holzbrücke den Merced River das letzte Mal während des Aufstiegs. Wir steigen nun neben dem Nevada Fall hoch - hier gibt’s zwar auch etwas „Mist“, aber der macht uns nicht noch nasser. Oberhalb des Nevada Fall, quasi am Fuß einer großen Felskuppel (Liberty Cap) mündet von rechts kommend der John Muir Trail wieder ein.   

Ca. einen Kilometer danach hat man 2 Alternativen für den weiteren, kaum ansteigenden Weg durch das Little Yosemite Valley. Entweder man hält sich gleich links (kürzer, aber sehr sandig), oder man bleibt noch ein Stück am Fluss und hält sich am nächsten Abzweig links, bis die Wege wieder zusammen führen. Auf jeden Fall kommt der Half Dome jetzt immer wieder zwischen den Bäumen ins Blickfeld. Nach dem wir den Campingplatz passiert haben, wird’s auch wieder etwas steiler. Bald erreichen wir eine Wegverzweigung. An dieser trennt sich der John Muir Trail endgültig vom Aufstiegsweg zum Half Dome. Wir halten uns (mal wieder) links und schwenken immer mehr in westliche Richtung. Dabei sehen wir die schon etwas Respekt einflößenden Aufstiegswege auf den Sub Dome und den Half Dome immer deutlicher.

Wir erreichen den Fuß des Sub Dome, eine östlich des Half Dome vorgelagerte Felskuppel. Hier werden unsere Permits von Rangern kontrolliert. Anschließend steigen wir auf den Sub Dome hinauf. Der an die Felsflanke angearbeitete Pfad ist durchaus steil. Zudem liegen nun auch die letzten Schatten spendenden Bäume hinter uns - bisher gab es lichten Wald oder zumindest immer wieder einzelne Bäume. Da mittlerweile die Sonne ordentlich auf uns herunter scheint, wird’s richtig warm.   

Auf dem Sub Dome angekommen erkennen wir nun den oben beschriebenen Aufstiegsweg auf den Half Dome in seiner ganzen Schönheit - oder besser gesagt: Steilheit. Nicht wenige andere Wanderer entscheiden sich bei diesem Anblick gegen einen weiteren Aufstieg, obwohl es „nur“ noch etwa 100 Höhenmeter bis zum Gipfel sind - ca. 1.400 m liegen bereits hinter allen, die es bis hier geschafft haben.

Wir beobachten das Treiben erst noch ein bisschen, warten ab, bis es halbwegs wenig Gegenverkehr gibt, und legen los. Wir durchschreiten den kleinen Sattel und dann geht's in die „Cables“. Ein Klettersteig-Set (wie manch andere) haben wir zwar nicht, dafür aber halbwegs griffige Schuhe (ein Paar hat sogar den Half Dome als Firmenlogo aufgeprägt - wenn das nicht hilft :-) und natürlich Handschuhe. Der Aufstieg geht zügig voran, solange niemand entgegen kommt. Da dies natürlich immer wieder vorkommt, gibt’s mehrere Pausen, die man am besten auf einer der kleinen quer liegenden Holzlatten verbringt.

Auf dem weitläufigen Gipfelplateau des Half Dome gibt es dann die erwartet tollen Ausblicke: hinunter ins 1.500 m unter uns liegende Yosemite Valley bis hin zu El Capitan, zum Sierra Kamm u. s. w. Besonders beliebt sind die Tiefblicke an der senkrechten Nordwestwand hinunter zum Tenaya Creek und natürlich ein Foto auf der überstehenden „Felsnase“.

Während des Gipfel-Aufenthalts sollte man übrigens immer seinen Rucksack im Auge haben - ein „kriminelles“ Murmeltier und auch einige Erdhörnchen bedienen sich gern am Inhalt.

Nach anderthalb Stunden Gipfelrast bzw. Fotoshooting geht’s auf dem bekannten Weg zurück. Nach insgesamt 11 Stunden, davon ca. 3 Stunden Pause, erreichen wir wieder den Ausgangsspunkt unserer Wanderung.  Zum Schluss sind wir dabei in wirklich großer Hitze unterwegs gewesen.

Anmerkungen

Der Auf- und Abstieg an den „Cables“ und auch der Aufenthalt auf dem Gipfel des Half Dome ist definitiv nicht ungefährlich. Insbesondere bei Nässe, Regen, Schnee und Gewitter besteht Lebensgefahr. Tödliche Unfälle belegen dies.

Neben Handschuhen und griffigen Schuhen (vorher testen) sollte man unter Umständen ein Klettersteig-Set dabei haben - das kann zumindest zusätzliche Sicherheit an den "Cables" bringen, vor allem bei ggf. einsetzendem Regen o. ä. Im Falle eines nahenden Gewitters ist ein Abbruch der Tour bzw. sofortiger Abstieg vom Gipfel die einzige Lösung.

Außerdem sollte man sich keinesfalls zu dicht an den Merced River bzw. die Wasserfälle annähern oder gar das Wasser betreten (Gefahr des Abrutschens in den bzw. im Fluss, starke Strömungen u. s. w.). Insbesondere am Vernal Fall/Mist Trail (nasse Stufen, …) ist volle Konzentration erforderlich. Auch dort kommt es immer wieder zu tödlichen Unfällen.

Fazit

Trotz etwas Bürokratie im Vorfeld (Permit) und einiger Anstrengungen während der Wanderung - insbesondere durch die heute im Tagesverlauf erreichten extrem hohen Temperaturen - ist die Besteigung des Half Dome bei guten Bedingungen für uns wie erwartet eine Traumtour geworden.


pika8x14 sind heute: A. + A. + A.

Tourengänger: pika8x14

Galerie


Slideshow In einem neuen Fenster öffnen · Im gleichen Fenster öffnen


Kommentar hinzufügen»