Auf den Fuji San


Publiziert von Leopold , 1. September 2009 um 15:32.

Region: Welt » Japan
Tour Datum:29 August 2009
Wandern Schwierigkeit: T3 - anspruchsvolles Bergwandern
Hochtouren Schwierigkeit: L
Wegpunkte:
Geo-Tags: J 
Zeitbedarf: 9:00
Aufstieg: 1800 m
Abstieg: 1400 m
Strecke:Subashiri Station Nummer 5 - Subashiri Trail - Fuji San (Gipfel) - Kraterrand - Kawaguchi Trail - Kawaguchi Station Nummer 5
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Man kann per Bus oder Bahn zur gewaehlten 5. Station zufahren. Es gibt auch einen direkten Bus (reservierungspflichtig) ab der Shinjuku Busstation in Tokyo zur Kawaguchi Station Nummer 5. Details via homepages erfahren, oder im Lonely Planet Reisefuehrer Japan nachsehen!
Unterkunftmöglichkeiten:In den mountain huts auf dem Berg. Oder man bringt einen Schlafsack mit und uebernachtet auf dem Gifpel.

 „Der Weise besteigt den Fuji einmal. Nur ein Dummer geht zwei Mal hinauf.“ (japanisches Sprichwort)

Schon die Anfahrt zum Fuji San ist ein Abenteuer. Ich starte in Yokohama und benutze zuerst den Shinkansen (50 Kilometer in weniger als 15 Minuten), danach zwei Regionalzüge der JR (Japan Railways) und zuletzt den Bus, der mich in einer Stunde zur Subashiri 5th Station hinauf bringt. Es gibt mehrere Routen, um den Berg zu besteigen. Im Vergleich zum Fujinoma Trail, der auf 2400 Meter Höhe startet, oder zum Gotemba Trail, auf dem man fast 2400 Höhenmeter bis zum Gipfel (in rund 7 bis 8 Stunden) zurücklegen muss, beginnt der Subashiri Trail auf angenehmen 2000 Metern Höhe. Bis zum Krater des Fuji San sind somit knappe 1800 Höhenmeter zurückzulegen – noch immer mehr als genug. In Japan ist alles minutengenau geregelt. Für den Subashiri Trail sind 5 ½ Stunden Aufstiegszeit festgelegt. Die meisten machen den Anstieg in der Nacht, um den Sonnenaufgang zu erleben. Ich wähle ebenfalls diese Variante. Als ich um 20:30 Uhr bei der Subashiri  5th Station aus dem Bus steige, ist es stockdunkel und leicht nebelig. Stirnlampe aufgesetzt, und los geht’s. Der Weg führt über grobe Steine durch den Wald aufwärts. Eine eigenartige Stimmung umgibt mich – fast mystisch. Summe unterwegs „Climbing up on Solsbury Hill“ von Peter Gabriel vor mich hin. Noch sind nicht viele Leute unterwegs. Langsam sieht man im Tal Lichter durch den Nebel. Die Routen auf den Fuji sind in Abschnitte, „Stations“, gegliedert. In der Regel beginnt man bei Station #5 mit der Wanderung. Stations 1 bis 4 sind durch kleinere Hikingrouten miteinander verbunden, die am Fusse des Berges entlang führen. Als ich bei Station #6 ankomme, essen ich zuerst einmal etwas: Ramen – japanische Nudelsuppe, zu einem Preis, der mir sprichwörtlich die Wangen rötet … Draussen beginnt es leise zu regnen. Oberhalb der Vegetationsgrenze, die ich eine gute halbe Stunde später auf 2900 Metern erreichen, hört es zu regnen auf. Nun wird es windig, und ich muss mehr Bekleidung anlegen, die Haube aus dem Rucksack nehmen, mich wärmer anziehen. Mehr und mehr Leute kommen herauf. Vor allem ab der 8. Station (dort mündet der Yoshida Trail in meine Route) ist recht viel los. Der Aufstieg geht nun in einer Kolonne weiter. Immer wieder kurz anhalten zu müssen ist beschwerlich. Hier oben besteht der Boden aus lockerem Lavagestein. Man muss schon gute Schuhe haben, um nicht zurückzurutschen. Die Menschenschlange staut sich andauernd. Wo bitte, kommen all die anderen Wanderer her? Immer wieder versuche ich, am Rand zu überholen. Dabei löse ich kleinere Steinrutsche aus und bleibe deshalb lieber in der Mitte des Weges. Ab und zu lege ich eine Trinkpause ein (der Kaffee kostet sprichwörtlich so viel wie eine Schale Gold“). Einmal noch länger gerastet, aber um 3 Uhr früh komme ich zum Endpunkt des Trails. Das ist noch nicht der Gipfel! Dieser liegt bei der Wetterstation, 50 Höhenmeter weiter oben. Von meinem Standpunkt aus, wird man den Sonnenaufgang sehr gut sehen können. Ich befinde mich am Rande des Kraters. Meine Erfahrung mit Heiligen Bergen ist, dass man immer zu früh oben ankommt und dann, oft vollständig durchgeschwitzt, auf den Sonnenaufgang wartet. Beim Fuji fehlen noch 2 Stunden, bis es so weit ist. Diese Zeit ist irgendwie hinzubringen. Viele Japaner, die ich sehe, liegen in ihren Schlafsäcken herum, kochen Suppen auf mitgebrachten Kochern, essen, etc. – alle sind beschäftigt. In einem stillen Winkel ziehe ich mich vollständig um, lege alle trockene Kleidung an, die ich noch habe. Dann kauere ich mich klein zusammen, um dem Wind eine möglichst geringe Angriffsfläche zu bieten. Neben guten Schuhen, sind für den Fuji San ausreichend Bekleidung nötig, Wäsche, die man wechseln kann. Hat man das nicht mitgebracht, wird das Verweilen auf dem Gipfel (vor Tagesanbruch) zur Tortur. Als es zu dämmern beginnt, verlasse ich – ziemlich steif – meinen Ruheplatz und gehe an die Ostseite des Kraters. Tausende warten schon auf den Sonnenaufgang. Ich bin froh, als sie sich endlich zeigt. Sofort wird es wärmer, was in meine eiskalten Zehen wieder etwas Wärme bringt. Ich umrunde in einer guten Stunde den Krater, gehe zur Wetterstation (dem eigentlichen Gipfel) hinauf und beobachte eine Steinlawine, die an der Westseite des Berges abgeht. Die Tiefblicke sind schön. Leider sieht man nicht bis ganz ins Tal! Eine Nebeldecke verhüllt die Ebene. Nochmals esse ich eine Nudelsuppe, bevor es wieder hinuntergeht! Man tut gut daran, sich ausreichend Wasser und Lebensmittel mitzunehmen. Die Preise in den Hütten auf dem Berg sind extrem hoch. Sofern man in eine der Hütten geht, muss man etwas konsumieren. Man kann sich nicht einfach nur unterstellen (zum Beispiel bei Regen). Die Aufstiegs- und Abstiegsrouten sind getrennt. Wenn nicht, käme es zu permanenten Staus. Die Abstiegsrouten sind Pisten über sehr lockeres Lavagestein. Hier kann man gut hinunterrutschen. So verlockend es auch aussieht: Man darf nicht ins Gelände links oder rechts der Pisten hinein. Die Gefahr, Steine loszutreten, die auf andere Wanderer fallen würden, ist einfach zu gross. Auf der Westseite des Fuji liegen überhaupt keine Wanderrouten. Diese Seite ist enorm steinschlaggefährdet. Ich gehe bis zur 8. Station meines Aufstiegsweges zurück und dann über den Yoshida Trail zur Kawaguchi Station Nummer 5. Den Gotemba Trail abzusteigen ist mir, trotz verlockender Einsamkeit, viel zu anstrengend. Es dauert auch so noch lange genug bis nach unten, obwohl eine Richtzeit von „nur“ 3 Stunden angegeben ist. Allerdings kommt man in den Menschenmassen, die teilweise in Turnschuhen nach unten schlittern, nicht so recht voran. Es ist noch früh am Morgen, wird aber zunehmend heisser. Als ich unten ankomme, steige ich bereits kurz danach in den Bus, der zur Bahnstation von Kawaguchi-ko faehrt. Von dort geht es mit dem Zug wieder nach Yokohama zurück. Gleich nach der Dusche im Hotel dann direkt ins Bett, den fehlenden Schlaf nachzuholen.

You are wise to climb Mount Fuji once. Only a foul makes it twice!”

Wiederkommen? Warum nicht! Es gibt auch eine Saison ausserhalb des touristischen mainstreams. Und die Verlockung, von diesem Berg einmal mit Schiern abzufahren, sitzt seit gestern in meinem Hinterkopf.


Tourengänger: Leopold

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